Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1930-01-08 · Heft 108 (8.1.1930) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 108 (8.1.1930)
Date
1930-01-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053859-3053861--1484-3056839
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I Nr. ICft DIE STIMME Säte 9 Zlonlsflsdics Leben ln Wien Zioiiistisclir?* Lanrlcskomifce für Oesterreich Sonntag, den 19. d. M., 5 Uhr Nachmittag, findet die erste Tagung des Parteirates . mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Referat über die Lage in Palästina und in der Zionistischen Weltorganisation, erstattet vom Mitglied der Londoner Exekutive Herrn D r. L a/.ar u s Barth. 2. Organisationsreferat — Bruno Rabinowitsch. 3. Eventualia. Der Tagungsort wird in der nächsten Nummer der «Stimme» bekannt gegeben werden. Schriftliche Einladungen ergehen separat. Einlaß nur gegen Vorweisung der Einladungen. Organisation! Ein viel gelästertes Wort. Mißverstanden, mißbraucht. Und doch ist Organisation die Seele jedes Gelingens. Sie ist die Basis jedes Baues, die Triebfeder jedes Geschehens. Die zionistische Organisation hat Wunder gewirkt. Sie hat einen, latenten Gedanken verlebendigt. Sie hat verborgene Energien geweckt, hat ein Volk erstehen lassen, als Ganzes mit einheitlichem Willen. Die zionistische Organisation Oesterreichs lebt. Trotz aller Todesanzeigen von Freund und Feind: Sie schafft förmlich von selbst. Die Zellen der Organisation lassen sich nicht erschlagen. Sie wirken fort und solange eine Zelle der Organisation lebt, lebt das ganze Gebäude. Einzelne Räder, Bestandteile der Maschine, können reparaturbedürftig sein, aber der Apparat hat nicht zu wirken und schaffen aufgehört. Will es nicht, darf es nicht, kann es nicht. Denn die zionistische Organisation Oesterreichs ist ja auch nur ein kleiner Bestandteil der großen weltumspannenden Maschine. Und die kann nicht Stillstehen. Denn sie hat für einen Organismus zu arbeiten, der lebenswillig und -freudig ist. Der Jischuw in Erez Israel wird immer dafür sorgen, daß die große, kra.ftspendende Maschine — die zionistische Organisation — arbeitet: Diese Erkenntnis ist natürlich nicht dazu da, um Selbstzufriedenheit, Genügsamkeit, Faulheit zu sanktionieren. im Gegenteil. Gerade zu neuer Begeisterung, «Aneiferung» soll dieser Zustand anregen. Dazu sind wir gekommen. Wir wollen den Nörglern, den Unzufriedenen, den Kritikern nicht nur damit widersprechen, daß war den von ihnen gekündeten Tod leugnen; wir wollen durch unser freudiges, bewußtes, anfbauendes Arbeiten Leben bekunden. Ihre Kritik wird, soweit sie gerecht ist, gewertet und beachtet. Soweit sie gehässig, unobjektiv ist, wird sie ignoriert. Die österreichische zionistische Organisation will zu allen .Juden Wiens in friedlicher, aufklärender, produktiver Arbeit dringen. Wir brauchen alle Juden in der zionistischen Organisation, weil der Zionismus kein enger Parteibegriff ist, sondern eine große, weltumspannende Bewegung des jüdischen, erwachten Geistes, der im Lande, der Väter ein Heim sieht und findet. Wir gehen zu den Zellen der Organisation. Zu den oft, mißverstandenen und verkannten Sektionen und Gruppen. Sie wollen wir stärken und damit ein eisernes Fundament für die große Arbeit fest begründen. In den Sektionen wollen wir ruhige, sachliche, kulturelle und erzieherische Arbeit leisten. Geistige Propaganda in enger. Gemeinschaft. Durch, diese Freundschaft 'der Eltern wollen wir die Herzen und Seelen der jüdischen Kinder für uns, fürs Judentum, gewinnen. Auch da nicht parteimäßig, sondern ethischerzieherisch. Die Arbeit der Sektionen der kleinen Gruppen ist entscheidend für das große Werk, für jede Tat der Gesamtheit; ihre Funktion ist der Gradmesser der «Schlagkraft» der Gesamtorganisation. Wer das aus «großzügige», richtiger: großmannssüchtiger Einstellung heraus verkennt, bagatellisiert, kann keinen dauernden Erfolg erwarten. Wir wollen.arbeiten! Das Schaffen soll uns Friede und Genugtuung geben. Kleinlichem Hader und Streit werden wir ausweichen und, das Große im Auge behaltend, unentwegt wirken. Dies erscheint uns heute als unbeugsame Pflicht. Vertrauen zu unserer Arbeit und zum guten Willen jedes einzelnen, Vertrauen zur Führung, die wir uns gewählt, und Liebe zum Volke: sie sind die Wegweiser unserer Arbeit. Bruno Rabinowitz. Der .Verband der zion. altail. Verbindungen und Vereine Oesterreichs nominierte Herrn Diplom-Kaufmann cand. iur. Willi Perl zum Vertreter der Studentenschaft im Zionistischen Landeskomitee. Verwirklichet* des Zionismus (Zur Weidah des Hechaluz am 11. u. 12. Jänner.) Verwirklichcr des Zionismus, — das sind die Chaluzim. Sie sind es, auch wenn der Begriff «Chaluz» in den letzten Jahren eine Wandlung erfahren hat. Der «Held» und der «Märtyrer», als den falsche Sentimentalität und eine gewisse Selbstironie den Chaluz sehen wollte, — der Chaluz ist heute weder ein Held noch ein Märtyrer, sondern ein Mensch, der das Selbstverständlichste tut, und zwar das, was geschehen muß, soll unser Aufbauwerk in Palästina verwirklicht werden. Dieses aber kann nur durch tätige Arbeit und Anspannung aller Kräfte erreicht werden. Der Chaluz ist vor allem ein Arbeiter, der die ganze Sc hwere des Arbeiterseins fühlt, der seine Aufgabe im Bewußtsein seiner Verantwortung erfüllt. Es war ein verhängnisvoller Irrtum und ein großer Fehler, die Bedeutung des «Chaluz» im Stadium des Aufbaus und der Befestigung der erreichten Positionen in der letzten Zeit ein wenig iii den Hintergrund zu stellen. Man sagte, die Periode des Pioniertums sei vorüber. Die blutigen Augusttage und vor allem der Aufschwung, den die Chaluzbcwegung unmittelbar darauf genommen hat, haben aber deutlich gezeigt, wie wertvoll und wie wichtig auch weiterhin und für lange Zeit noch der Chaluz hier und der jüdische Arbeiter dort, in Erez Israel, für uns sind. Der Chaluz hier und der jüdische Arbeiter dort, — beide haben in diesen schweren Tagen ihre Aufgabe erkannt und erfüllt. Schwer ist diese Aufgabe und schwer ist die Arbeit des «Hechaluz», der die jungen Menschen, die zu ihm kommen, zu Chaluzim erzieht. Wenn wir und wenn alle Zionisten das erkannt haben werden, dann werden wir auch das nötige Verständnis für die Probleme der Chaluzbewegung aufbringen. Die Chaluzweidah, welche am II. und 12. T. d. J. abgehalten wird, gibt uns hiezu Gelegenheit. Wir wünschen, daß diese Weidah die Zentralfrage unserer zionistischen Gesamtbewegung löse: immer neue Kreise für unsere Sache zu gewinnen, immer mehr neue junge Juden zu Chaluzim zu erziehen. J. Jugendverein «Erez Israel», Wien, II., Zirktusgasse 33. Samstag, den 11. Jänner 1930, V?8 Uhir abends, Vortragssaal der Zionistischen Beairkssektion LeopoJdstadt Literarischer Abend gewidmet dem Dichter ' CAeiiflne Nadinittiin DlallK. Referent: Dr. Sem Wolf. Mit winkend: R. Lebemsohm, R. Saphier, SegatHR osenba di und Max Oppermann. Weidah des Hechaluz Samstag, den 11. und Sonntag, den 12. d.-M. findet die diesjährige ordentliche Weidah des österreichischen Hechaluz statt. Anläßlich ihrer Eröffnung findet im Festsaal des Alten Rathauses, I., Wipplingerstraße 8, eine öffentliche Kundgebung statt. An diesem Abend: referiert auch Herr Adolf B öh m über die «Wirtschaft liehe Entwicklung Palästinas». Die Arbeit des Keren Kajemeth Prof. Artur W ol f- Garten: Der Jugeridverein „Erez Israel“ stiftet auf Namen: des Herrn Prof. Artur Wolf zum Zeichen des Dankes für dessen uneigennützige Organisierung und Leitung des III. Hebräischen Konzertes, das am 15. Dezember 1929 im großen KonzertbauS'Saale stattfand, einen Garten im Chajes-Walde. Der erste Betrag von S 530.— ist an den Keren Kajemeth bereits abgeführt worden. Ko mplettierung des ,,E g o n Kl inger-'Gär teils“: Die Z. M; V. „Jedidäa“ stiftete anläßlich des Todes ihres Mitgliedes Egon- Kling er, dessen letzter Wunsch es'war, daß auf seinen Namen Bäume in Palästina, gepflanzt werden sollen, einen dessen Namen tragenden Garten im Chajes-Walde. Die Mitglieder der Verbindung brachten durch hingebungsvolle' Arbeit den Großteil des Betrages auf. Nunmehr ist durch die Spende der Eltern des Verblichenen der Restbetrag aufgebracht worden, so daß der Garten komplettiert erscheint. J e t t i M amber, geborene W ol fmann, tot: Am 20. Dezember 1929 verschied Palästina-Orangen Die führeoden Marken von Palästina- (Jaffa) Orangen sind Sungold und Haacbaron-Gold In Aroma and Geschmack vorzüglich Bestellungen — auch nach Hause ia Originalpackung zustellbar — nimmt entgegen Firma S. HALPERN Delikatessenwarenhandlung Wien 11., Förstergasse 6 Telephon-Nr. R 40-4*12 nach einem längeren Leiden Frau Jetti Mamber, geborene WoÜ’mann, im Alter von 39 Jahren. Sie gehörte zu den aktivsten Mitgliedern der noch zu Heizls Zeiten geschaffenen Mädchenorganisation ..Moria“. Bis zu ihrem Tode arbeitete sie zionistisch aktv in der zionistischen Bezirkssektion IIT. Jetti - Mamber - Garten i m C h a j e s Walde: Die Verwandten und Freunde'der iri den letzten Tagen verschiedenen Frau Jetti Mamber und gewesenen Mitgliedes der zionistischen Mädchenvereinigung „Moria“ haben beschlossen, auf den Namen der Verewigten einen Garten im Chajes-Walde zu stiften. Die erste Einzahlung in der Höhe von 8 52.50 ist bereits an den Keren Kajemeth abgeführt' worden. Makkabäerfeiern in Wien Chanukahfeier der zionistischen Sektion Leopoldstadt. Samstag, den 4. d., fand im Sektionsheim eine Chanukahfeicr statt, die-einen großen Besuch aufzuweisen hatte. Nach einer Festrede des Dr. Gelber folgten Rezitationen des Fräuleins Rosl Saphier sowie heitere Vorträge des Herrn Siegmund Haber, die vom Publikum mit großem Beifall aufgenoan’meii wunden. Das Orchester unter Leitung des Herrn Max Oppermann besorgte in künstlerischer Weise, den musikalischen Teil des Abends, Herr Markus Getbahd unterhielt als Konferencier das Publikum. Besondere Erwähnung, verdient auch die von kleinen Kindern dargestellte Menorah. Eine Kinder-Chanukah-Feier der «Wizo», Sektion Prater, fand. Montag, den 30. Dezember 1929, im Restaurant Bayer, statt. Nach einer Ansprache der Frau Windschau c r und einigen gelungenen ProdukpoüeiGder Kinder aus dem hebräischen Kindergarten wurden Chanukali- Licliter angezündet. Herr Ahrou S c h vv c r tf i n$-e r hielt die Festrede, die grollen Beifall fand. Zum .SclÜuft wurde von den Schülern der hebräischen Prater schule ein -hebräischer Einakter «Malhithjahu» mit Gesangseüijageu von Prof. M. C h a r t i n e r und unter seiner Leitung aufgciührL Das Stück wurde mit einem Sturm von Begeisterutig aufgenommen. Mit einer reichlichen Besclienküng'-der Üviirder schloß die überaus gelungene Feier. :- Kinder-Chanukahfest in Mariahiif. Der aiomstisclre iFrauenverein. Maniahilf-Neubau veranstaltete -atn-29.- Dezetnöar 1929 im Saale «Grüner Baum», Wien, Vfl^ MairiahiJferstraße, ein Ksrider-Ghanukahfest, ‘welches chien glänzenden Veniaulf nahm. Es waren zirka 200 Kinder anwesend, die dem Programm, welches ausschließlich von ctetn Zöglingen der Höbräi-s-ohon Sch,ule unter Leitung des Fräulein Engelbert bestritten wurde, mit ersichtlichem Entzücken folgten. Zum Schlüsse wurden die Kinder reich beschenkt." Das Gelingen des Festes ist insbesondere-den Bemühungen des rührigen Komitees zu danken. Chanukah- und Kinderbekleidungsfest des Jüdischen Wohltätigkeitsvereins «Brüderlichkeit». Die diesjährige Veranstallnnig nahm einen glänzenden Verlauf. Nachdem der Vereins obmann Malkiel Griimvald die vielen Gäste und den Vertreter des magistratischen Fürsor.gemstibtrts, Herrn Fürsorgerat Heller, begrüßte, zündete Herr David Fischer die Channkahüchter an. Nach einer, da« Channhabfest würdfgeh- ,cten Ansprache des Obmannes wurden 62 Kinder bewirtet und mit Kleidungsstücken und Wäsche komplett ‘ ausgestattet. E:n -ganz besonderes Lob verdient die Familie Joachim Deutsoll, welche allein die Bekleidung von zehn Kindern übernommen hat. Die Eltern jedes Kindes bekamen auch noch je ein Leben&mittetpake t und die kinderreichen Familien K ol lietvai uv eitvung e.i i . Nachtrag. Zum Bericht über die ClianMkabfe-icr, welche am 28. Dezember tm «Hotel Post» stalifand, fügen wir noch folgendes bei: Die vom Burgtheaterschauspieter H. Qlura vorgetragene Dichtung «Ein wahres Chanulkahnkiivhen*» stammt a us der Feder der Wien er Schriftstellerin Fran ziska Bloch-Mahler. Da« andere von ihm vor-getragene Märchen ist von Chamisso. V; wird in der ganzen Welt gelesen! Inserate in derselben verbürgen daher sicheren Erfolg

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.