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Die Stimme · 1930-01-08 · Heft 108 (8.1.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 108 (8.1.1930)
Date
1930-01-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit» % PIE STIMME Nr. tOI Jede zionistische und jüdische Gruppe verknüpfe ihren Namen mit Erez Israel für ewig •_ />i ä ur 1 j i durch Stiftung von VjärtGIl 1ITI Gll3JGS"W£lIdl! Zur Situation Im Mittelpunkt der zionistischen Ereignisse der letzten Tage standen die Reden des Präsidenten Wedznmnn. die er im Londoner „Anglo- Palestinian-Club“ und auf dem deutschen Delegiertentag in Jena gehalten hat. Diesen beiden groß angelegten politischen Reden war klar zu entnehmen, daß Präsident Weizmann und mit ihm sicherlich auch die Exekutive der Jewisli Agency in ihrer Politik der englischen Mandatarmacht sowie den Arabern gegenüber nichts von dem konzediert haben, was als eine Verminderung unserer Ziele irgendwie gedeutet werden könnte. Präsident Weizmann erklärte klipp und klar, daß die Balfourdeklaration und das Mandat nach wie vor die unerschütterlichen Grundlagen unserer Politik und Aufbautätigkeit in Palästina bilden. Unser Recht, auf das gestützt wir nach Palästina gehen, gibt uns ficn Rahmen, für unsere Arbeiten. Die englische Regierung denke nicht daran, an der Balfour- Deklaration oder am Mandat irgend welche Aenderungen vorzunehmen, die eine Schmälerung unserer Rechte auf ein nationales Heim in Palästina enthalten. Die in einem Teil der Jüdischen Presse erschienenen Meldungen, als ob Weizihann Sacher beauftragt haben sollte, vor der Untersuchungskommission zu erklären, daß der Zionismus den Judenstaat nicht erstrebe, dementierte Präsident Weizmann aufs entschiedenste. Eine ebenso scharfe Haltung nahm Weizmann dem Brith Schalom gegenüber ein, den er „als Retter Israels auf Kosten des jüdischen Volkes“ bezeichnete. Sehne Erklärung besagt, daß die verschiedenen Verhandlungen, die die führenden Männer des Brith Schalom, Dr. Hugo Bergmann, Dr. Magnes, auf eigene Faust und in unverantwortlicher Weise führten, von der Exekutive nicht nur nicht geduldet, sondern auch aufs schärfste mißbilligt werden. Die Londoner Exekutive leistet in den letzten Wochen eine unermüdliche positive politische Arbeit. Schon die Tatsache, daß die führenden Männer des Kabinetts, Lord Balfour, Lloyd George und General Smuts, in einem Brief nochmals die Zielsetzung der Balfour-Deklaration betonten, zeigt uns, daß in den maßgebenden politischen englischen Kreisen, die sich für das Mandat in Palästina verantwortlich fühlen, der Wille vorherrscht, auf keinen Fall die Balfourdeklaration. fallen zu lassen. Im Gegenteil, sie sind bestrebt, die gegenwärtige Regierung zu veranlassen, alles daranzusetzen, um das Mandat dem Wort und Sinne nach zu verwirklichen. Dieses Schreiben hat bereits einen Erfolg gezeitigt Die Labour- Regierung ist gegenwärtig damit beschäftigt, die im Briefe gemachten Vorschläge zu prüfen und eie wird sicherlich in der allernächsten Zeit entsprechende Maßnahmen treffen, um das Verwaltungssystem in Palästina mit den Prinzipien der Balfour-Deldaration und des Mandates in Einklang zu bringen. Die bei einem übeiliegenden Großteil der Zionistischen Organisation vorherrschende Tendenz, der vom Brith Schalom verlangten Preisgabe des zionistischen Programmes entgegenzutreten, beweist, daß die zionistische Bewegung nach wie vor schlagkräftig dasteht Die Aktionen des Brith Schalom haben in den zionistischen und jüdischen Kreisen fast, aller Länder, hauptsächlich aber in denen jüdischer Masseneiedlung, die das Menscbenreeervoir für Palästina bilden, einen begründeten Protest hervorgerufen, denn die eigenartige Ideologie, die sich der Brith Schalom zureohtgelegt hat, birgt in sich sicherlich Gefahren, die der Vernichtung des zionistischen, Gedankens gleichkommen. In einer ganzen Reihe von Landeskonferenzen, die in den letzten Tagen stattfanden, kam der Wille deutlich zum Ausdruck, die jüdische Massenansiedlung in Erez Israel zu stärken. Nur auf diesem Wege können und werden wir Palästina in die wirkliche nationale Heimstätte umwände ln. Diese Willensäußerungen sowie die Erklärung Welzmanns, daß die Balfour-Deklaration keineswegs die Errichtung eines „Kulturzentrums“, sondern ausdrücklich die eines „Nationalen Heimes" zum Ziele hat, bedeuten wohl eine Stärkung unserer politischen Position und flößen den jüdisohen Massen, deren sich den letzten Ereignissen in Palästina zufolge eine gewisse Depression bemächtigt hat, neuen Mut ein. Da nun die Zeit der Stürme vorbei ist, kann die Zionistische Organisation ermutigt und gestärkt an die alltägliche Kleinarbeit treten, durch die allein wir in der Lage sind, den Aufbau Palästinas zu fördern und die Kalliierung der zionistischen Reihen durchznführen. Die Resümees der Anwälte der Araber und der Regierung vor der UntersuchungsKommis8ion Am 26. Dezember Weit W. H. Stoker, der Hauptanwalt der palästinensischen arabischen Exekutive, eine zusammenfassende Schlußrede vor der parlamentarischen Untersuchungskommission. Er wolle nicht versuchen, zu rechtfertigen, erklärte er, was in Hebron geschehen ist Er wolle aber der Kommission zu bedenken geben, wie die Bevölkerung von Hebron durch die Berichte, die aus Jerusalem kamen, in einen Zustand der Raserei get.ei und der Mordlust verfiel. Die Ursache für die Ueberfälle in Safed waren die Nachrichten über das, was in Haifa geschehen war. Nichts wäre im ganzen Lande geschehen, wären, nicht die Kämpfe in Jerusalem vorangegangen. Stoker verwies die Kommission auf das von Ussischkin verfaßte Zirkular, das bei einer Straßburger Zionistenversammlung BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlun0, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II,i Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-08 M. RATH’S Neuerif ff Mts Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvollen BibÜothekseinband. Au&erjden deuteeben Bochern auch englische, hebräische, jiddische u. 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Stoker ging nun zu der arabischen Gegendemonstration an der Klagemauer über, bei der jüdische Beter geschlagen und hebräische Gebetbücher zerrissen und verbrannt worden sind. Dies sei dadurch geschehen, sagte er, daß im Gedränge die Menge den Tisch an der Mauer mit der brennenden Oellampe umgeatoßen habe, so sei das Feuer entstanden, durch das die hebräischen Bücher und die Bittzettel in den Ritzen der Mauer verbrannt worden sind. (I) Die gesamte Verantwortung dafür, sagte er, fällt auf die Zionistische Palästina-Exekutive, denn sie sei für dl« voraogegangene jüdische Demonstration verantwortlich zu machen. Stoker schloß seine Rede mit der Behauptung, daß das Palästina-Mandat Artikel 22 des Völkerbund-Abkommens widerspreche. Das britische Parlament habe das Palästina-Mandat nie gebilligt. Es gab nur eine einzige Abstimmung im Oberhaus, und die ist negativ ausgefallen. Da« Mandat könnte vielleicht das Unterhaus passieren, niemals aber das Oberhaus. Es muß revidiert oder zurückgegeben wertem Das Resümee des Reglerungsanwalte* Am 27. Dezember trug der Hauptanwalt der Palästina-Regierung, Kcnelm Prcedy, vor der Untersuchungskommieeion die Zusammenfassung des von ihm vertretenen Standpunktes vor. Juden griffen Araber an und Araber griffen Juden an, sagte er. Die Araber bewaffneten sich, denn sie hatten vor den Juden Angst, und das nicht grundlos. Es ist später zu Ueberfällen gekommen, aber ursprünglich haben sie sich zur Selbstverteidigung bewaffnet. Ihre Entwaffnung war nicht möglich, denn ein dahingehender Befehl hätte den ohnehin umgehenden Gerüchten Grund gegeben, daß die Regierung einseitig die Juden bevorzuge. Preedy erinnerte die Kommission, daß die Entscheidung dec palästinensischen Regierung, durch die der islamische Bau an der Klagemauer erlaubt wurde, auf Anweisung der britischen Regierung getroffen worden ist. Wenn irgendein Mann jemals seine Aufgabe gewissenhaft und intelligent unter schwersten Umständen erfüllt hat, dann habe es Luke getan. Preedy lobte die palästinensische Polizei macht wegen ihrer Tätigkeit während der Unruhen. Jeder, der die Berichte liest, muß für ihre Leistungen voller Bewunderung sein. Das bezieht sich auf die britische Polizei und auch auf die palästinensische Polizei, die 10 Tage lang in der Erfüllung einer sehr schweren Pflicht ausharrte, manchmal ohne Nahrung und Schlaf. An die groß« Erbitterung erinnernd, die in jenen Tagen herrschte, bezeichnete es Preedy im weiteren Verlauf seiner Rede äks bemerkenswert, daß die Katastrophe nicht größer war. In 135 jüdischen Ansiedlungen wurden nur (I) 13 Juden getötet. Gewiß, fügte er hinzu, in Hebron und S&fed und teilweise auch in Jerusalem hatte die Katastrophe größere Ausmaße. Aber der Bericht der Polizei ist ein Dokument, auf das man stolz sein muß, und die verantwortlichen Personen — damit wandte er sich an die Zionistische Exekutive hätten auf die aufopferungsvoll« Tätigkeit der Polizei mit mehr antworten müssen, als mit bloßer Kritik. Weder Luke, noch die Palästina-Regierung sind dafür verantwortlich, sagte Preedy, daß die Polizeimacht im Lande unzureichend ist In der Frage des ersten Toten wies Preedy auf die divergierenden Darstellungen der arabischen und jüdischen Zeugen hin. Er selbst sei geneigt, anzunehmen, daß die ersten Opfer der Ereignisse an jenem Freitag die Brüder Rothenberg gewesen seien* <J. T. A.) Memorandum der Arbeiterorganisation Die Exekutive der jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina hat der Untersuchungskommission vor ihrer am 29. Dezember erfolgten Abreise nach England Sin Memorandum überreicht. In dem Memorandum werden die Anschauungen der Arbeiterorganisation über die Gründe der Unruhen, di« Haltung der jüdischen Arbeiterbewegung in der Frage der jüdisch-arabischen Beziehungen in Palästina, besonders der Beziehungen zwischen den Elementen der jüdischen und arabischen Arbeiterklasse, und schließlich die Forderungen der palästinensischen Arbeiterschaft an die britische Mandatsmacht zum Ausdruck gebracht. Die Untersuchungskonwnission hat keinen Vertreter der Arbeiterpartei verhört, aber das Sekretariat der Kommission hat versprochen, das Memorandum als Aussage in ihr Material aufzunehmen. (J. T« A.) Das bulgarische Pro-Palästina-Komhee ' Sofia, 2. Järfner. (J. T. A.) Dem vor kurzem in Bulgarien gebildeten Pro-Palästina-Komitee, das den Namen «Coniite Bulgarie-Palestine» führt, gehören tu a. dl« folgenden Persönlichkeiten als Mitglieder an: Alexandre Malinov, Präsident des Staatsrates a. D„ General Thodorov, ehemaliger Vize-Generallssimus, Yanko Sakazov, Dizo Kazansov und Bojan, ehemalige Minister, ferner die Deputierten Gregor Vassilev und Prof. Janculov, Dr. K. B. Stanichov, Präsident des mazedonischen Nationalkomitees, M. PantoUo Dorov, früherer Geschäftsträger in Wien, Prof. Gavrall Katsarov, früherer Rektor der Universität, Prof. Guenov, Dekan der Fakultät der Rechte. Von jüdischer Seite haben folgende Herren ihren Beitritt zum Komitee vollzogen: Col. Tadjer, Präsident des Zentralkonsistorium«, Albert Romano, Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. S. Mczan, Stadtrat und Präsident der jüdischen Vereinigung für den Völkerbund. Prof. Brodctsky beim Staatspräsidenten und beim Premierminister Litauens ,{ Kowno, 1. Jänner. (J. T. A.) Professor S. Brodetski, Mitglied der Zionistischen Weltexekutive ii> London, der der litauischen Keren Hajessod-Konferenr beigewohnt hat, besuchte den Präsidenten der litauischen Republik, Professor Smetona und den Ministerpräsidenten Tubialis und hatte mit ihnen längere Ck spräche über den Zionismus. Ein neues hebräisches Kurzschriftsysteir Jerusalem, 5. Jänner. (J. T. AT.) Ein Avn-vv «telltar des Hauptbureaua des Keren Haje: .;>>r in Jerusalem Maiman hat ein neues Sy '' hebräischer Kurzschrift erfunden. Naohdf 1 es bei vielen zionistischen Tagungen und fressen erprobt und nach den Ergebnissf; ixperimente vervollkommnet bat, faßte jetzt in einer Publikation zusammen, di nächst erscheinen wird. Damit wird da 'r; 3 System einer hebräischen Stenographie vorgelegt

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