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Die Stimme · 1929-12-19 · Heft 105 (19.12.1929) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 105 (19.12.1929)
Date
1929-12-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 105 DIE STIMME Seite!] Eduard Bernstein Aber die Aussichten des Zionismus Eine Antwort an Karl Kautsky Karl Kautsky hat im «Vorwärts» vom 4. und 6.- Oktober d. J. einen Artikel «Die Aussichten des Zionismus» veröffentlicht, in welchem er, ebenso wie früher in der Wiener «Arbeiter-Zeitung» und in anderen sozialistischen Organen veröffentlichten Aufsätzen, scharfe Angriffe gegen den Zionismus und seine Ziele richtete und die Verwirklichung der Idee des Jüdischen Nationalheims als unmöglich hinzustellen versucht. Der Führer der deutschen Sozialdemokratie, Eduard Bernstein, der in wenigen Monaten sein 80. Lebensjahr vollendet, ist von in Palästina lebenden Freunden ersucht worden, sich zu den Ansichten Karl Kautskys öffentlich zu äußern. Jm «Vorwärts*- vom Sonntag, den 8. Dezember, veröffentlicht nun Eduard Bernstein eine «Antwort an Karl Kautsky», in der er ungefähr ausführt: Vorausgeschickt sei, daß, wenn man unter Zionismus eine Bewegung für die Umwandlung Palästinas in einen nationalistisch konstruierten jüdischen Staat versteht, ich kein Zionist bin. Insofern Kautskys Artikel sich gegen einen solchen Zionismus richtet, kann ich ihn nur unterschreiben. Ganz anders ist dagegen das Streben zu beurteilen, in Palästina eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für Juden zu schaffen. Selbst wenn dieses Streben lediglich an die Tatsache anknüpfte, daß Palästina einst überwiegend von Juden bewohnt und insofern das Land der Bekenner des Glaubens an einen für alle Menschen einzig in der Welt dastehenden Gott war, könnte man ihm nicht deshalb schon jode Berechtigung absprechen. Diese Bewegung hat nicht zum Ziele, die Araber beziehungsweise Moslems oder Angehörige sonstiger Konfessionen aus Palästina zu verdrängen, sie geht lediglich darauf aus, für die Juden eine Heimstätte zu schaffen, die den sich auf ihr ansiedelnden Juden ein Heimatsrecht sichert. Obendrein hat dies Erstreben eines politisch-gesicherten Heimatsrechtes für jüdische Ansiedler in Palästina mit einem historischen Anspruch auf Palästina als von Rechts wegen jüdisches Land nichts zu tun. Wenn Kautsky diesen von manchen Verfechtern des zionistischen Gedankens erhobenen Anspruch für brüchig erklärt, so stimme ich dem durchaus zu. Aber es gibt neben Ansprüchen, für deren Berechtigung man sich auf ein politisches Recht beruft, das vor vielen Generationen einmal existiert, seine reale Grundlage aber längst verloren hat, auch Ansprüche gleichfalls historischer Natur, die sich nicht dadurch schon als ungültig aus der Welt schaffen lassen, daß man das einstige Recht als durch geschichtliche Umwälzungen erledigt erklärt. Nämlich Ansprüche, die in die Kategorie der von der großen französischen Revolution als «unveräußerliche Menschenrechte» verkündeten Rechtsforderungen, das heißt, nicht formal juristischer, wohl aber ethischer Natur sind und darum, wenn nicht vor Berufsrichtern einklagbar, doch auch ihren Gerichtshof haben, und zwar je nachdem im Urteil der politischen Welt, das gerade Sozialisten am wenigstens Ursache haben als eine Sache zu erachten, um die man sich nicht zu kümmern brauche. Wenn cs völlig zuträfe, was Kautsky im «Vorwärts» vom 6. Oktober geschrieben hat: «Die Juden kommen nach Palästina nur als Gefolgschaft einer imperialistischen Großmacht, als Helfer bei ihrer kolonialen Eroberungspolitik,» so würde ich seinen betreffenden Folgerungen gleichfalls rückhaltslos zustimmen. Aber ich kann den Satz ganz und gar nicht unterschreiben. Trifft er doch nicht einmal auf alle nach Palästina ziehenden Zionisten, geschweige denn unterschiedlos auf alle in Palästina ein öffentlich-rechtlich gesichertes Heim suchenden Juden zu. Es liegt nicht der geringste Beiweis dafür vor, daß es unter ihnen überhaupt Personen gibt, die sich den Engländern bewußt für imperialistische Eroberungszwecke zur Verfügung stellen. Jedenfalls könnten diese immer nur eine verschwindende Minderheit der in Palästina einwandernden Juden sein. In ihrer großen Mehrheit sind diese vor allem darauf bedacht, als Handwerker, Landleute — ja als Schwerarbeiter sich eine geachtete Existenz zu schaffen, und haben in rastlos fleißiger Arbeit Leistungen vollbracht, deren befruchtenden Wert für das Land auch angesehene nichtjüdische Besucher Palästinas bewundernd anerkannt haben. Von dem berechtigten Gedanken bewogen, der Gefahr des Abgleitens der Bewegung für eine jüdische Heimstätte in Palästina in Unterstützung imperialistischer Eroberungspläne entgegenzuwirken, hat sich Kautsky zu dem oben zitierten Ausspruch hinreißen lassen, den man .— er möge diese Bemerkung nicht übel aufnehmeu — eher in der Literatur der deutschnationalen und der sich Nationalsozialisten nennenden Todfeinde des Marxismus suchen würde, als in einer Abhandlung des angesehensten Fortsetzers der wissenschaftlichen Arbeit von Marx und Engeli Eduard Bernstein weist sehr scharf einen «die Juden und die Araber» (iberschriebenen Artikel des «New Statesman» vom 7. September d. J., in welchem r Satz vorkommt: «Der längst vorausgesehene Aufstand der Araber gegen die Juden ist endlich gekommen», zurück, führt die Zuschriften der «zwei hervorragenden Führer der sozialistischen Partei Belgiens», der Parlamentsmitglieder Camille Huysmans und Emile Vanderveldes, die sie bezüglich des Artikels Karl Kautskys der Leitung des Komitees Pro- Palästina zur Verfügung gestellt haben, an und schreibt: «Nicht nur die sehr geachtete Stellung, welche die Genannten in der sozialistischen Partei Belgiens einnehmen, der sie seit über einem Menschenalter angehören, sondern die hervorragende Rolle, welche sie seit fast ebensoviel Jahren in der Zentrale der sozialistischen Internationale, dem Internationalen sozialistischen Bureau, ausfüllen, und die reichen Erfahrungen, die sie in diesen Stellungen gesammelt haben, sichern ihren Ausführungen über die Bedeutung der Bewegung für die Schaffung eines rechtlich gesicherten Heims für Juden in Palästina Anspruch auf ernste Beachtung in der sozialistischen Welt. (J. T. A.) Emil Ludwig liest an der Hebräischen Universität Emil Ludwig, der bekannte deutsche Schriftsteller und Historiker hielt einen Vortrag an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Sein Thema lautete: «Geschichte und Dichtung.» Am späten Nachmittag veranstaltete Emil Ludwig zu Ehren der Verband der Hebräischen Schriftsteller einen Tee. Bei dieser Gelegenheit begrüßten Dr. David Yellin und Dr. MordecUai Ben Hille! den Gast. In seiner Erwiderung auf die Begrüßungsansprachen erzählte Emil Ludwig, er habe bis 1915 dem Judentum und dem jüdischen Leben ferngestanden; unter dem Einfluß seiner Freunde Dr. Arthur Ruppin und Richard Lichtheim sei er zum Judentum zurückgekehrt. Er wünsche Palästina «Schalom»; den Frieden, den das Land nach den letzten Schrecknissen mehr als alles braucht. Jüdischer Sport «Jüdischer Sport-Verein Menorah». Der «Jüdische Sport- und Schützenverein Menorah» hat dieser Tage seine Tätigkeit aufgenommen. Er steht auf rein zionistischer Basis und bezweckt die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend, vor allem ihres nach Palästina strebenden Teiles. Die Menorah will jedoch keine isolierte Sonderaktion im vielfältigen zionistischen Leben betreiben, sondern ihre Bestrebungen als integrierenden Bestandteil der Hachscharah anerkannt wissen und wird zu diesem Zwecke geeignete Schritte unternehmen. Anmeldungen außerortenlicher und unterstützender Mitglieder sowie schriftliche Mitteilungen aller Art sind bis auf weiteres an «J. S. S. V, Menorah» per Adresse des «Klubs junger Zionisten, II., Kleine Mohrengasse 3, zu richten. Die Anmeldung ordentlicher Mitglieder kann vorläufig nur persönlich bei einem Leitungsmitgliede erfolgen. Für das Direktorium der «Menorah»: Dr. V. Much, J. Gischtes, M. Topf, F. Plautus. Touristik- und Ski-Klub «Hakoah», Wien, I., Wiesingerstraße 11. Jüdische Touristik: Tourenprogramm für Sonntag, den 22. Dezember 1929: Fußtouren: nach Vereinbarung. Skitouren: Wechsel (nur bei Schneefall). Näheres Freitag von 20 bis 22 Uhr, Jugendgruppe: nach Vereinbarung. Im Klublokal Samstag, den 21. d, M. um 20 Uhr Vortragsabend, anschließend Tanz. Näheres Donnerstag von 19 bis 21 Uhr. Palästina-Orangen. Die vorjährige Orangenaktion, die unter der Aegyde des Zionistischen Landeskomitees und des Keren Kajemeth durchgeführt wurde, hat der Erez- Israel-Orange sehr viele Freunde geworben, da diese Palästinafrucht bisher in ihrer Art die beste in der ganzen Welt darstellt. Ihrem Monopolcharakter verdankt sie auch ihre Beliebtheit und außerordentliche Verbreitung in England. Heuer wird diese Aktion neuerlich durehgeführt. Auf Grund der letztjährigen Erfahrung wird diesmal eine einheitliche Ware von länglicher Form und besonders feinem Aroma auf den Markt gebracht Geliefert werden: 16, 20 oder 24 Stück (je nach Größe und Vorrat) zum Preise von 7.40 S. 60, 75 oder 90 Stück (je nach Größe und Vorrat) zum Preise von 25.-— S. 120, 150 oder 180 Stück (je nach Größe und Vorrat) zum Preise von 47.— S. Bestellungen nehmen entgegen: Zionistische Bureaus, Wien, I., Kärntnerstraße 28, Tel. R 27.485, R 27.486, sowie S. Halpern, Delikatessenhandlung, Wien, II., Förstergasse 6, Tel. R 40.412. Eventuelle Beschwerden sind zu richten an: Zionistische Bureaus, Wien, I., Kärntnerstraße 28, Tel. R 27.485/86. Die jüdische Autonomie in Jugoslawien (Eigenbericht der «Stimme»,) Belgrad, 16. Dezember. Die Regierung hat ein vom König Unterzeichnete» Dekret über die jüdische Gemeindeorganisation veröffentlicht, in dem die vollkommene Freiheit und kulturelle Enlwicklungsmöglichkeit der Juden als Konfession und von staatswegen anerkannte Nation sichergestellt wird. AmtlicheVerlautbarutigen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Chaj es - J ahrzeitfeier. Anläßlich der Wiederkehr des Todestage« des seligen Oberrabtmors Professor Dr. Cbajes findet Samstag, den 21. d. M., um %5 Uhr nachmittags im Seiten stet ton tempel die vom Vorstand der Israelitischen Kultusgemeiinide Wien veranstaltete Jahrzeiitfeier statt. Predigten in den israelitischen Gemehidetempcin. Freitag, dem 20. Dezember 1929, werden bei dem um 4 Uhr 10 Minuten beginmonden Abendgottesdienst in folgenden Gemeindetempeln Predigten aibgefh alten, und zwar: I., Seltenste tfcengasse 4 (Rabbiin-er Dr. M. Grimwald); XVIII., Sobopemhauerstnaße 30 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwar.ig). Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samsta«, den 21. Dezember 1929, findet um 3 Uhr nachmittags der Jugandgottesdienst tür die Israelitische Schwingend im den Gemeinde- und Bezirkssynagogcm statt. Sprechsaal der Stimme (Alle Mitteilungen in dieier Rubrik erfolgen auf die Verantwortung des Einfenders.) Der Verein «Erez Israel» stellt uns folgende Zuschrift zur Verfügung: An den Vorstand des Vereines «Erez Israel» — Wien. Es ist mir zu Ohren gekommen, daß in jüngster Zeit von einzelnen Personen, die plötzlich ihr Judentum entdeckt haben, aber weder die Eignung, noch die Legitimation besitzen, über unsere kulturellen Bestrebungen ein richtiges Urteil abzugeben, über die Veranstaltungen des Vereines abfällige Kritik geübt wird. Als Leiter dieser Abende möchte ich folgendes rn.itte.ilen: Bei meiner letzten Anwesenheit in Palästina wurde mir von dortigen jungen Leuten ausdrücklich gesagt: «Wiir wollen nicht immer nur orientalisch-melancholische Klagelieder singen, wir wollen auch lustige hebräische LSedor hören und singen, denn heute wird diese Sprache ja bebeits zu den internationalen gezählt». Von einer solchen Sprache kann man aber nicht verlangen, daß sic nur im Tempd gesungen werde, ihr. müssen auch die Konzertsäle offen stehen, womit gleichzeitig gesagt ist, daß sie zum Gesang keineswegs ausschließlich den Juden Vorbehalten bleiben kann. Wien, den 9. Dezember 1929. Hochachtungsvoll Prof. Artur Wolf. Wien, den 12. Dezember 1929. Aii die Redaktion der Zeitschrift «Die Stimme», Wien. Der gestrige U-eberfüll auf wehrlose Kaffeehausbesucher zeigt deutlich, welche Zwecke die sogenannte Heimwehrbewegung verfolgt,. und. da nützen keine noch so schönen Versicherungen des Herrn Dr. Steidle. Und es gibt tatsächlich Juden, die mit dieser Bewegung symphatisieren, nur, um den Sozialisten eins auswiisChen za können. Diese haben aber für die Juden auch nicht viel übrig. Wundern muß es mich aber, daß es nicht gelungen ist, auch nur erneu dieser Herrschaften a'bzufangcn, die nach getaner Arbeit, mit männlichem deutschen Mut verschwunden sind. Haben sich keine jungen Juden unter den Besuchern befunden, hatte keiner den Mut, den Pogromhelden entgegenzu treten? So kann es nicht weitergehen. Die Juden, adt und jung, müssen aus ihrer Lethargie heraus und sich wehren, dies wird nur zu ihrer Achtung beitragen. Von dem Schutze durch die Behörden ist nicht viel zu erwarten, dies haben wir anläßlich der Studenten-Unruhen gesehen. Die Juden haben vor allem zu sehen, daß reichlich besuchte Protes(Versammlungen zustande . kommen, in welchen der Oeffentilichkeit erklärt werden soll, daß die Juden es müde sind, die Rolle des Amboß zu spielen und daß es gar nicht ausgeschlossen ist, daß auch die Juden «Vereine» bilden, die es »ich zur Aufgabe machen, sfeh kräftig zu wehren, wenn sie herausgefordert werden. Wenn cs sich darum handelt, Spenden für irgend einen arischen Zweck zu sammeln, da weiß inan die Juden zu finden, darum Numerus clausus für derartige Schröpf ungen, die Juden haben ihre dsene.ii Amen zu unterstützen. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung bin ich Ihr ergebener Jakob Leopold Peret?. Austritte aus dem Judentum Leinkauf Ignatz, geb. 25. Februar 1877, Wien, V., Stollberggasse 9; Kibcl Walter, geb. 1907, Wien, II., Springergasse 14; Klausner Siegf., Dr., geb. 22. Dezember 1881, Wien, IX., Schubertgasse 18; Fleischer Telramund, geb. 17. Oktober 1878, Wien, IX., Roten Löwengasse 12; Winternitz Brunhilde, geb. 19. November 1915, Wien, IX., Glasergasse 7; Hegl Karl, geb. 7. Februar 1903, Stuhlweißenburg, XVI., Payergasse 4; Reim an Ernst, geb. 18. Mai 1901, Braila, IV., Kolschitzky gasse 15; Fischer Elsa, geb. 17. Juli 1891, M.-Krumau, III.. Schimmelgasse 11; Münz A'.oisia geb. Mistlova, geb. 29. März 1890, Wien, X., Hofherrgasse 15; Jokl Alfred, Dr., geb. 5. VIII., 1874, Bisenz, II., Unt. Augartenstraße 1; Jokl Irene geb. Preßburger, geb. 18. März 1902, Wien, II., Unt. Augartenstraße 1; Feder Mathilde geb. Redlich, geb. 22. Mai 1864, Wien, X., Quellenstraße 35; Münzer Edith, geb. 10. November 1908, Wien VHi., Aiserstraße 35; Wachslei Hildegarde, gv*b. 5. Juni 1912, Wien, VIII., Albertgasse 1; Zweig Elsa, geb. 28. Juli 1912, Wien, X., Columbusgasse 67; Fuchs Josef, geb. 21. April 1901, Wien, J1I., Custozzagasse 2; Weiszfeld Karl, geb. 11. August 1895, Wien, 111., Renmveg 78; Weiszfeld Hans Wilhelm, geb. 22. Mai 1925, Wien, III., Rennweg 78; Strakosch Richard, Dr., geb. 11. August 1900, Wien, Lockenhaus.; Klein Franz, geb. L September 1908, Wien, IX., Grüne Tor-

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