Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 102 (28.11.1929)
- Date
- 1929-11-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 DIE STIMME Nr. 102 Sprechsaal der Stimme 'Alle Mitteilungen in diefer Rubrik erfolgen auf die Verantwortung des Einfenders.) Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestern war ich Zeuge einer widerlichen Szene im £ifkus-Renz-Variete. Ein gewisser Herr Paul Sander bringt in einer Nummer einen Gänsemarsch der Hunde, die als Pferde verkleidet sind, und glaubt dieser über* aus langweiligen Affäre dadurch eine Pointe verleihen eil müssen, daß er in einer der Hoizpuppen einen Juden darstellt, ihn mit «Herr Kohn» anspricht und dabei in bauchrednerischer Art verschiedene Possen reißt. Es wird leider zu wenig dagegen getan, daß von jüdischer und nicht jüdischer Seite, der Jude in seiner Eigenart verdreht, entstellt, verspottet und verlacht wird, und so mancher «Held» der Gesellschaft, des Theaters usw. auf diese billige Art — richtiger Unart — zu seinen Erfolgen gelangt. Die Zeche bezahlt immer das Judentum. Besonders peinlich wirkt sich diese Erscheinung überall dort aus, wo der Jude als Belustigungsobjekt tot ist — stumm, wie in der Nummer 4 des jetzigen Renz-Programms, wo die Holzpuppe — genannt Herr Kohn — ihre wulstigen Lippen im Takt der auf die Judenfeigheit gemünzten Schmähungen und Anzüglichkeiten bewegt, die dem beschränkten Hirn des Impresarios, dieses famosen Herrn Sandor, entspringen. Wohl wurden gestern mitten in der berüchtigten Nummer 4 einige kräftige Ausdrücke der Empörung in die Manege geschleudert, aber es war eben nur einer, der seinem Impulse folgend, dem Uebermut über die freche Zumutung eines Zirkusmenschen Ausdruck gab. Von den vielen hunderten anwesenden Juden dürften die meisten wohl — infolge der verhängnisvollen Verwechselung gelegentlicher Selbstironie und bewußter gemeiner Herabwürdigung des Judentums durch Fremde, geschwiegen haben. Es* ist zu hoffen, daß ein Protest beider Direktion des Renzvarietes und die Veröffentlichungdes vorstehenden Berichtes ihre Wirkung nicht verfehlen werden und nicht nur der oben geschilderte-Unfug abgestellt, sondern das Renz-Variete lind noch manche andere darüber belehrt werden, daß es sich die Judenschaft auch in Zukunft nicht widerspruchslos gefallen lassen wird, daß auf ihrem Rücken und auf ihre Kosten verwerfliche Heiterkeitserfolge erzielt werden. Otto S. Goldinstein, dipl. exp. CUaluzimarbeit in Margareten Draußen in Margarethen, wo man den Juden bis vor einigen Jahren nur als Händler und Schnapsbudenbesitzer gekannt hat und dieser sonst noch als Schreck für Kinder gegolten hat, vollzieht sich etwas Unglaubliches. Was in Jahrzehnten nicht möglich war, hat die. jüdische Jugend unserer Bezirke Wieden-Margarethen, vereinigt im Jugendbund «Zärenu», seit einigen Monaten, Kraft ihres Enthusiasmus und jugendlichen Elans zustande gebracht. Unsere Jugend baut ein jüdisches Heim. Im wahrsten Sinne des Wortes, sie baut mit eigenen Mitteln und eigener Kraft. Wenn man die Jungen« draußen in der Rampcrstorffergasse bei der Arbeit beobachtet, glaubt man sich in ein Bergwerk versetzt. Wie sie unten im Keller die Krampen schwingen, daß die Erde nur so spritzt, wie sie Schiebkarren voll Erde vor sich führen, als wären sie geborene Erdarbeiter. und nicht Mittelschüler, Praktikanten und Lehrlinge, die jede freie Zeit benützen um mitzuarbeiten. Da stehen sie da, die Juden jungen, die zu jungen Juden wurden, in blauen Arbeitsanzügen,mit blauen Kappen am Kopf und arbeiten an ihrem, an unserem Heim, denn nur ein Gedanke beseelt sie, die Umwelt, die in den Juden nur die faulen Feiglinge sehen, Lügen zu strafen. Ich glaube nicht, daß ich übertrejbe, wenn ich diese Arbeit Heldentum nenne. Geht hinaus, jüdische und michtjüdische Antisemiten, und seht Euch die Leistungen der jüdischen Jugendlichen in der Ramperstorffergasse an und Ihr werdet beschämt Weggehen. Wilhelm Feldschuh. Schaufenster*Antisemitismus Gerade im Herzen der Stadt ist es. Graben -29, Firma Floris, Nippes, Flacons und andere Kleinigkeiten. Mitten unter diesen kleinen unschuldigen Sächelchen, wohlbefestigt, schwarz gedruckt auf weißem. Grunde steht es: Arische Firma. Zwei Worte von zweifelhafter Originalität, aber doch tut es weh, ein Antisemitismus im en passant. Man mag darüber denken wie man will, aber zum ersten ist es eine Geschmacklosigkeit, die zum Himmel schreit (zum arischen natürlich); man gibt nicht ungebeten seine Visitkarte ab und macht aus seiner Rasse, sei es die beste, keine Schutz-, marke. Zum zweiten kann man mitleidig darüber lächeln, mit einer Fratze, die dieser heillosen Geschäftsuntüchtigkeit gleich richtig eine lange Nase dreht. Aber ein Unsinn kommt nicht gerne allein; damit dieses freimütige Bekenntnis im Schaufenster sich nicht vereinsamt Vorkommen möge, sind Briefe Gleichgesinnter und gesammelte Zeitungsartikel als Zeugen vor die Auslage zitiert worden. Hier ist ein rassenschützlerisches Gemüt in die Klemme Lebensversicherungs- DU/SMIV Gesellschaft l PI U IN I #\ GEGRÜNDET IM JAHRE 1882 Versicherungsbestand rde Garantlemlttel Ende 19#8 2 Milliarden Schilling 242 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen Im Jahre 1928 97 5 Millionen Schilling Auszahlungen an die Versicherten Im Jahre 1928 26.5 „ „ Tätigkeitsgebiet der Gesellschaft; Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien Türkei, Aegypten Die Gesellschaft eohlleBt zu billigen Prämien und gfinstlgen Bedingungen Kapitale- und Rentenversicherungen Jeder Art ab WeuoIngefOhrt: KINDER-VERSORQUNGS-VERSICHERUNG (Auszahlung eines Kapitals bei Verheiratung, Studienbeitrag, Rückerstattung der eingezahiten Prämien bei Ableben des Kindes) Invalldltätsversicherunq (Zahlung einer Rente bei Eintritt der Erwerbsunfähigkeit und Auszahlunn des versicherten Kapitals naoh dreijähriger Dauer der Invalidität) geraten, das zu seiner Verteidigung nunmehr tragikomische Schlagworte zückt. Ein unsauberes antisemitisches Tkschenkunststücfc irp Schaufenster, sämtlichen Brüdern und Schwestern gleicher Sorte aufs wärmste ans Hakenkreirzhcrz gelegt. Heil! Al. Amtliche Verlautbar u ngen der israelitischen Kultusgenieinde Wien Predigten in den Israelitischen Gemeindetempeln. Freitag, den-29. November 1929 werden bei dem um 4 Uhr 10 Minuten beginn enden ■, Afeeadgo t.te sdi c n $ t e in folgenden GemeindeteitiPcln Predigten abgehalten, und zwar: II., Tempel^asse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach). Samstag, den 30. November 1929 findet beim Morgengottesdienste (Beginn 8 Uhr 30 Minuten), im Gemeindetempel, XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang), ein exegetischer Vortrag statt Israelitischer Jugendgottesdieast. Am Samstag, den 30. November ,1. J., findet um ’ 3 Uhr nachm, der JugendgottesdiieTTst für die israelitische Schuljugend .in den Gc- ( meinde- und Bezirkssynagogen statt. Aus der Provinz Die Generalversammlung der Ortsgruppe St Pölten. Am Samstag, den 2$. d. M., fand die diesjährige Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe St Pölten statt An dersleben nahm von Wien Herr Dr. Chaiin Tartakower teil. Den Vorsitz führtp Herr Ing. Leo Holzer, der auch die Berichte erstattete. Die Gruppe umfaßt 51 Alitgüeder. Die Keren Kajemeth- und Keren Hajessod-Arbeit wurde mit großer Hingabe geleistet Es wurde auch zusammen mit der Kultusgemeinde eine Sammlung1 für die Palästina-Opfer veranstaltet, welche 1100 Schilling ergab. Im Laufe des Jahres fanden sechs Vorträge statt, die sehr gut besucht waren. Referenten waren aus Wien hach St Pölten gekommen. An der Generalversammlung beteiligten sich zirka 40 Mitglieder. Die Neuwahlen ergaben die Wiederwahl des Herrn Ingenieur Holzer als Vorsitzenden, ferner die Herren Tieger, Schächter, Weinberg, Wozasek, Erich Schwager, die Damen Steiner und Fritzi Frank als Ausschußmitglieder. Am Schluse der Generalversammlung referierte Herr Dr. Tartakower über die letzten Ereignisse in Erez Israel. Dem Vortrag folgten die Anwesenden mit großem Interesse. Revisionistenversamtnlung in St. Pölten. Vor einiger Zeit fand in St. Pölten eine Mitgiiedefyersammlung statt, bei der Herr Dr. Buxspan und Herr Lubotzki referierten. Die Versammlung war äußerst gut besucht, .die Referenten wirkten sehr günstig auf die Versammelten. An die Ausführungen knüpfte sich eine Debatte, bei der Herr Dr, Deutsch den gegnerischen Standpunkt vertrat. Krems a. d. Donau. Sonntag, 1. Dezember 1. J., um 5 Uhr nachmittags, spricht im Zionistischen Heim, Göglstraße, Gg. Herr Oberbaurat Ing. Robert Stricker über «Die Lage in Oesterreich und die Juden». Austritte aus dem Judentum 22. Oktober 1920: Karl Haas, gab. 25. Mai 1910, Wien, ted., XV., Sperrgasse 3. — 21. Oktober 1929: Alice Balmlk, geb. Haar, geb. 4. Juni 1887, Wien, vorii., XV., Mariahiiferstraße 156. — 13. Oktober 1929.: Benno Haas, geb. 27. Oktober 1907, Wien, Alexandrien. — 30. September 1929: Otto Bruckner geb. 27. Jänner 1903, Bälden, led., I., Kurmpfgasse 9. — 1. Oktober .1929: Aranka Fuchs* - ,geb. Kerszturi, geb. 6. September 1893, Kamnazebes, ger. gestih.,'1., Ködta.eirhofgasse 2. — 22. Oktober 1029: Dr. Ernst Sperling, geb. 2, November 1894, Tamopol, lei, VIII., Laudongasse 55. — 18. Oktober 1929: Oskar Ppllak, geb. 22. August 1904, Wien, ied, V., Margaretenstraße 147. — 26. Oktober 1929: Therese Amon, geb. 1. August 1877, Wien, verh., IIn. PiiJJersdorfgasse 13. — 16. Oktober 1929: Emma Hruda, geb. Goldenberg, geb. 12. November 1872, Wien, verw., VI., Bürgerspitalgasse 1. — 29. Oktober 1929: Irma Löwy, geb. 27. Febnuar 1892, Wien, lei, IL, Castdiezgasse'4.— 16. Oktober 1929: Marie Goldberg, geb. Juranowitz, göb. 25. Juni 1899, Wien, verh., XII., Fhirschützstraße 23. —> 16. Oktober 1929: Emst Frey, geb. 10. Juni 1915, Wien, lei, XII., Strohbenggiasse 6. — 21. Oktober 1929: Stella Singer, geb. 8. Februar 1905, Wien, led., XII., Tivoligasse 38. — 16. Oktober 1929: Abram Goldberg, geb. 3. März 1897, Radom, verh., XII., FiiuTschützstraße 23. — 26. Oktober 1929: Gertmunde Rosenthal, geb. Bandy, geh. 13. März 1890, Wien; verh., Universitätsstraße 10.' — 15. Oktober 1929;,. Alfred Sandor, geb, .14. Juni 1880, Hermarnistadt,- gtr. jgetr., III., Rennweg 5. — 11. Oktober 1929: Michael Fränkl, geb. 11. März 1895, Bergreichemstein, verh., III., Leo mbar digasse 3. *— 14. Oktober 1929: Wilhelm Pollak, geb. 24. Juli 1902, Mödling, led., III., KSaisfgasse 6. Die direkte Linie Triest—Jaffa des l|oyd Triestino wird, wie uns aus Triest berichtet wird, eine namhafte Beschleunigung erfahren, indem die Ankunft in Jaffa bereits am Dienstag um 5 Uhr früh stattfinden wird, so päß die ganze Fahrt bloß Tage beanspruchen wird. Auf dieser beschleunigten Linie sind bekanntlich die vorzüglichen Salonschiffe «Adria* und «Carnaro» eingestellt. Trübes Wetter, kürzer werdende Tage und lange, unfreundliche Abende sehen wir in jedem Heim entgegen. Die Sorge, wie diesem Trübsal zq begegnen, wird manchen bedrücken. Und doch ist nichts leichter, als Freude, Fröhlichkeit ins Haus zu schaffen. Lesen Sie das Anbot auf Seite 3 des Musikhauses Excelsior, I., Adlergasse 5, und Sie werden finden, daß es jedermann leicht ist, sich eine gute Sprechmaschine zu beschaffen. Es kostet fast nichts im Vergleich, wie viel schöne Stunden man damit seiner Familie schaffen kann. Mit Gesang, Tanz und guten Vorführungen der besten Meister wird der Abend viel zu kurz, die Zeit vergeht im Fluge, und man freut sich schon auf den nächsten Abend, auf die nächste neue Platte. Bernhard Kohn WIEN, l„ HIMMELPFORTGASSE 20 KLAVIERE ln allen Preislagen, neu von S 1440 an €äesl«AftCB'tf® Posllion für Ausdauernde T II Unter «Masal» an die Administration der «Stimme». vom einfachsten b. zum feinsten Genre v, 824.— aufwärts erzeug M. ENGELBERG, XX., Wallensteinplat* 3 (Eingang Bäuerlegasee O Filiale i XX., Klqsterneuburgerstraße 91 Telephon A 41.406 und A 47.497 Kataloge gratis. Isr. Privatlehrer ist infolge Notlage gezwungen, um 80 Groschen pro Stunde zu unterrichten. Zuschriften an R. Rosen, 11, Große Schiffgasse 4, Tür Nr. 20, bei Frankl. Friedländer & Deutsch Wien, l, Sei teu stetton gaese Nr. 2 Tel, U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem 1, Tot» Tel. ü 18-0-88 Grabsteine 1.- i.i i ■ - ■*"* "■ ." ' 1,1 ——' i ■ — -■ 1 ■ | 1 1---v n - r i.- i _r.n_ . i ii -- - - ■ ... - ... ■ j.' ' 1 I ■ Eifrsntüinßr. Verteger rvad Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Oesterreich, Wien, I., KärntnerstraÜe 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Sigmund Finkeistein, Wien, I., Rauhensteingasse 1. — Druck: flflva», Wien, VII., Leichcnfelderstraße 1. issm