Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 98 (31.10.1929)
- Date
- 1929-10-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Beilage: Plc isr jOfllsdien Iran Preis 35 Groschen || V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet Journal expedld par f&ütear Abonnementpreise: Für Oesterreich: Mona«. S 1.50, vierteil. S 420, gatuj. 16.— / Deutschland: Monat! GokJmark 1.—, viertel]. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatüoh Kc 7.—, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40,— Jüdische Zeitung ttedatttion und Administration: WUsu, In Itflnftcnalcingiisse 1 — Üel R 20-S-S4 Polen: MooatL Zbty 2.30, vförtelj. Zloty 6.50 / Ungarn: Monat! Pengö 1.50, viertelj. Pengö 420 / Rumänien: Monat! Lei 45.—, viertel! Lei 125,— / Bulgarien: Monat! Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien:. Monat!. Belga 2w—, viertdj. Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monat! Schweizer Franken 1.50 2. Jahrgang Wien, 31. Oktober 1929 (27. Tischri 5690) Nummer 98 Die britische Untersuchungskommission in Palästina Ihre Mission. — Feierliche Begrüßung am Bahnhof Jerusalem, 28. Oktober. Die Mitglieder der britiöcheri Untersuchungskommission sind am 23. Oktober in Jerusalem eingetroffeiv Sib wur- .den auf dem Bahnhof vom Chefsekretär der : Palästina-Regierung Herrn H. Qf Luke, einigen . anderen hohen Beamten-der Regierung und dem Bürgermeister von Jerusalem Nashashibi empfangen. Der Bahnhof war durch .britische Trup- . pen abgesperrt, nur Journalisten und Presse- . photographen war der Zutritt zum jjäalinsteig.; gestattet ■ .... ... Am 24. Oktöbfiör Mehmitta^ ldeR;#4rEgm-v' , miseiünimJertisademer’GeritfM^^ $■ . Sitzung, ab, die im Gegensatz zu demfölgenäeü' prfbhtlich war. Der kleine G$richt$rauin war dicht besetzt von Journalisten, auswärtigen Konsuln, Mitgliedern der zionistischen Exekutive und des Waäd Deumi, sowie von Mitgliedern - der arabischen Exekutive. Als einziger Vertre- . ter der Palästina-Regierung war der Gehilfe des Oberstaatsanwaltes R. H. Frayton erschienen. Sir Walter Shaw eröffnet© die Sitzung mit einer längeren Ansprache, in der er ausführte: Die tragischen Ereignisse, die sich vör kurzem in Palästina abspielten, haben dem Gewissen der Welt einen Stoß versetzt und sie dröhnen, die friedliche "Entwicklung dieses Landes men. Diese Ereignisse werden von allen Teilen des Volkes bedauert; das einig ist \t der Forderung, daß die Ursachen dieser Ereignisse unparteiisch untersucht werden. und daß' eine; Wiederholung der Unruhen vermieden wird. Dieses Zip! im Auge, hat der Staatssekretär für die Kolonien diese Kommission ernant, die die unmittelbaren Ursachen der Ereignisse prüfön/und Vorschläge über Maßnahmen machen wird, die eine Wiederholung unmöglich machen soll. Unsere Pflicht ist es, eine vollständige und unparteiische Untersuchung duychzufükren. Fragen höherer Politik zu berühren, liegt nicht in unserer Kompetenz. Es gereicht der Kommission zur Genugtuung, daß alle Parteien eine Untersuchung der unmittelbaren Ursachen der Unruhen begrüßen, die Mitglieder der Kommission erwarten demgemäß, daß sie bei ihrer Arbeit die vollste Unterstützung all jener Kreise erhalten werden, die den Wunsch hegen, daß die Ursachen geklärt werden im Interesse des Friedens und des Gedeihens des Landes. Beschuldigungen ernsten Charakters werden von Arabern gegen Juden und von Juden gegen Araber erhoben, und jeder schiebt die Verantwortung für die Ereignisse, die beide Teile beklagen, dem anderen zu. Alle diese Behauptungen, mögen sie von welcher Seite immer kommet, werden auf das sorgfältigste geprüft werden. Unspr Bestreben ist es, unsere Mission zu erfüllen, die Wahrheit zu erkunden und jenes Vertrauen wiederherzustellen, von dem Ruhe und Fortschritt abhängen. Wir setzen das Vertrauen in die Vertreter der interessierten Parteien, daß sie ihr Aeu-. ßerstes tun werden, um die Untersuchung auf den eigentlichen Gegenstand zu beschränken und uns darin zu unterstützen, daß die Unter- Aniisemiiisclae Siudentenkrawolle an der Tedanik und UniversttiM Die beiden Wiener Hochschulen, die Universität und,die Technik, waren am Dienstag, den 29. Oktober, Schauplatz wüster antisemitischer Exzesse. An der Technik gab es schon einen Tag zuvor Zusammenstöße, weil einer der sozialdemokratischen Vereine auf seiner Anschlagtafel ein gegen die Heimwehren gerichtetes Plakat angebracht hatte. Infolgedessen brach unter der hakenkreuzlerischen Studentenschaft der Technik eine antisemitische Sti mmung aus, die sich nicht nur gegen die sozialdemokratische Jugend, sonderh, wie üblich, gegen die jüdischen Studenten richtete. Die Juden wurden zwn Verlassen der Hörsäle und der Bibliotheksräume mit Brachialgewalt gezwungen und die Störungen der Vorlesungen führten dazu, daß die Technik vorläufig gesperrt wurde. . Auch an der Universität wurden die an der Technik erprobten Methoden des Kampfes gegen die sozialdemokratischen Studenten auf dem Rücken der jüdischen Kollegen ausgetragen. •Ein Trupp erschien hier in der Aula und in den verschiedenen Hörsälen und schreiende Gruppen randalierten in den Gängen der philosophischen ,und juristischen-Fakultät. Eine Gruppe wüster Gesellen ib den Hör saal deä Professors Dopsch, der. die Handlungsweise] ^^r-ÄI4p^^^^^t0heh piiUschärfen Worten rügte. ' jp?fe^f«felden schlugen alles kreuz und krumm.) was ihnen sozialistisch' oder jüdisch schien. Unter ahdefem zersChlugen sie die Anschlagskästen des «Jüdischen Hochschulausschusses», der, «Lese- und Redehalle» und des, «Jüdisch-akademischen PHilosophen-Vereines». Der Anschlagskasten dCr jüdischen -Juristen wurde von einem Pedell vor den tobenden Studenten gerettet. Die jüdischen Studenten mußten durch eine Doppelreihe von Häkenkreuzlern Spießruten laufen. Die Polizei erschien wohl während der Vorfälle, könnte jedoch den geheiligten akademischen Boden der Universität nicht betreten und so tobten sich die edlemTeutonen an den Sozialdemokraten und Juden gehörig aus. Um die Mittagszeit erschien in der Rektpratskanzlei eine Deputation des jüdischen Hochschulausschusses, wo sie beim Kanzleidirektor Dr. Wagner'-gegen die Vorgangsweise der hakenkreuzlerischen Studentenschaft Beschwerde führte. Dr. Wagner/versprach, den Protest der jüdischen Studentenschaft an das Rektorat weiterzuleiten. Merkwürdig erscheint vor allem die Haltung des neuen Rektors der Universität, Professors Gleispach, der in seiner Kundmachung, statt die radaulustigen Studenten in ihre Schranken zu weisen, von. einer «begreiflichen, heftigen Erregung» spricht und der deutschen Studentenschaft «Anerkennung» (!!) aiisspriGht für eine besonnene Haltung, di6,. wie, bereits erwähnt, sich in wüsten Schlägereien von Juden und Sozialdemokraten zeigte. tüe£er Rektör scheint überhaupt nach seiner Redci die er anläßlich der Heimwehrfeier hielt, eine neue Epöche an,der. Wiener Universität, die ja ohnehiij wegen ihrer antisemitischen Tendenzen weltberühmt ist, beginnen zu wollen. . ES dürfte eine österreichische Spezialität bilden, daß an der Wiener Universität nicht die Professören die, Studenten, prüfen, sondern daß umgekehrt die Universitätslehrer einer unerbittlichen Zensur auf Rasse und Abstammung unterworfen werden. Es ist ein Skandal, daß unter der pujdung,. des neuen Rektors die sogenannte «völkische Arbeitsgemeinschaft» im Universitätsgebäude eine.Boy- . kottliste verbreitet, in der alle Professoren und Dozenten angenagelt werden, die nicht als rassenrein befunden werden. Diese blutrünstige antisemitische Propaganda wird sich jetzt mit Recht auf die Patronanz des gräflichen Heimwehrr^ktör? berufen können. Es wird Sache der jüdischen Oeffentlichkeit sein, die ganze .gesittete Welt auf diese Vorgänge an der Wiener Universität aufmerksam zu machen. " Ob dies dem armen Oesterreich, das so sehr in aller Welt um Sympathien buhlt, nützen wird, ist; sehr fraglich. , . Buchung in eiüer Weise geführt wird, daß nicht weitere Erbitterung entsteht. Die Kommission hat entschieden, daß sie ihre Ziele am besten erreichen wird, wenn die Oeffentlichkeit und die Presse beim Verhör der Zeugen nicht zugegen sind. - ' Der Regierungsanwalt Kanelm Preedy erhob Einspruch dagegen, daß Sir Walter Shaw die Pälästiria-RegTerung als eine der Parteien bezeichnet hat, &egen die „Beschuldigungen“ erhöhen werden* Sir Walter Shaw erklärte, er ändere das Wort „Beschuldigung“ in „Beschwerde“ um. : Zwei weitere Todesurteile H*ifa, 28. Oktober. (J. T. A.) Das Gericht in Haifa hat gegen zwei weitere Araber das Todesurteil ausgesprochen* Sie wurden überführt* Frau Kanuah Cohen, die Gattin von Raphael Cohen, am 28.1 August in Safed ermordet zu haben. Ein jüdischer Erfolg bei den Parlamentaygahlen in der Tschechoslowakei Prag, 28. Oktober. (J. T. A.) Am Sonntag, den 27 Oktober wurden in der Tschechoslowakei die Parlamentswahlen durchgefülirt. 60.000 jüdische Wähler in der gesamten Tschechoslowakei schritten zur Urne. Pie auf die vereinigte jüdisch-polnische Liste abgegebenen Stimmen sichern den Juden nach den bisherigen Feststellungen mindestens ein Mandat. Als gewählt erscheint der Präsident des jüdischen Nationalrates der Tschechoslowakei Dr. Singer. In Preßhnrg wurden für die jüdisch-polnische Wahlgemeinschaft 2698 Stimmen abgegeben.