Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 96 (17.10.1929)
- Date
- 1929-10-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette* 6 DIE STIMME Nr. % ZHNdsflsdMS Iden ln Wkn Meeting des Zionistischen Landeskomitees mit Abraham Goldberg (New York) Herr Abraham Goldberg, Vizepräsident des Zionistischen Aktionskomitees, hatte sich nach dem Kongreß nach Palästina begeben und war gerade in die traurigen Ereignisse der letzten Wochen hineingeraten. Seine Rückreise über Wien benützte das Zionistische Landeskomitee, um eine öffentliche Versammlung einzuberufen, die am Donnerstag, den 10. Oktober im Hotel Post stattfand. Herr Goldberg führte ungefähr folgendes aus: «Ich war noch nie so sicher davon überzeugt, daß unser Werk im Lande gelingen muß, wie gelegentlich meines Aufenthaltes in Palästina während der Unruhen. Wir können ruhig sagen, das jüdische Volk ist auf dem richtigen Wege. Das Judentum in Erez Israel war vollständig geeinigt. Die Üeberzeugung von der Notwendigkeit des Selbstschutzes lebte in allen Kreisen: Soweit es auf das Judentum in Erez Israel ankommt, ist unser Sieg sicher. Er könnte nur dann in Frage gestellt werden, wenn wir im Golus versagen würden. Wir haben aus den Ereignissen gelernt, daß unsere Siedlungen konzentrierter Natur sein müssen. Staunenswert ist, was wir in den letzten fünf Jahren in Palästina geleistet haben. Wie ungebrochen der Wille der palästinensischen Juden zu Leben und Schaffen ist, kann man daraus ersehen, daß während und unmittelbar nach den Unruhen neue Böden für Siedlungen erworben wurden. Was unser Verhältnis zu England anlangt, so mqß es uns und der gesamten Welt Klar werden, daß wir von England kein Geschenk erhalten haben. Es wurde zwischen uns und dem englischen Volke ein Uebereinkommen getroffen, das beide Parteien halten müssen. Wir können es ruhig sagen, England hat sicherlich das bessere Geschäft dabei gemacht. Es war unrichtig von uns. lange Jahre geschwiegen zu haben. Dank unserem Schweigen konnte in der Welt über unsere Bestrebungen ein falsches Bila entstehen: Nachdem wir stets erklärt hatten, wir seien zufrieden, die Araber dagegen von sich das Gegenteil behaupteten, mußte sich die neutrale Welt sagen, daß es um die Araber sehr schlecht bestellt sein müsse, ln Wirklichkeit aber haben wir papierene Deklarationen erhalten, hingegen das arabische Volk sehr konkrete Dinge: Boden, Schulwerk, Sanität, einen großen Teii der Beamtenschaft, Polizei und dergleichen. Ja, das arabische .Volk erhielt den halben Teil von Palästina, Transjordanien. Daraus hatte dann folgen müssen, daß wir Juden die Möglichkeit erhalten, unser Aufbauwerk des Friedens, im Westjordanlande durchzuführen. rI>emhwar aber nicht so. Wir müssen zugeben, daß’wir^Zionisten selbst Fehltritte begangen haben. Man*spricht von zwei Fronten, von der Front in Palästina und von der Front in England. Und ist Palästina eine Front, so müßte sie von unseren ersten Kräften besetzt sein. Die Ereignisse im Lande müssen uns lehren, daß immer irgend einer unserer Einflußreichsten im Lande vorübergehend seinen Sitz haben muß. Wenn die englische »Administration sehen wird, mit welchen Kräften wir die Leitung unseres Jischuw besetzt halten, so wird sie sich zu uns ganz anders stellen. Was die arabische Bevölkerung anbetrifft, so ist es uns niemals eingefallen, sie aus dem Lande zu verdrängen. Ueberall im Lände, wo starke jüdische Siedlungen vorhanden sind, ist auch das Verhältnis zu den Arabern ein gutes. Es ist im Lände Platz genug für eine große jüdische Siedlung, ohne daß einem Araber das Haar gekrümmt würde. Wir müssen von den Engländern lernen, Beziehungen zu dem arabischen .Volke herzustellen. .Wir haben dies bisher glicht getan, es muß auch diesbezüglich anders werden. Was nun die'übrige -nichtzionistische Judenheit anbelangt, so können wir mit aller Genugtuung konstatieren, daß die Schaffung der Jewish Agency für uns ein großes Glück im Unglück war. Wie wären wir in der Welt dagestanden angesichts dieser Ereignisse im Lande, wenn diesem Ansturm des uns feindlichen Teiles der Araber und 'der englischen Verwaltung nur wir Zionisten allein gegenübergestandeh wären? Wir stehen Gott sei dank*-nichL-ohne.yFreunde in der Welt: das amerikanische Völle Veiß unsere Leistungen in Palästina zu schätzen. Wir können auf die Hilfe dieses Volkes und seiner Regierung rechnen. Vor allem aber müssen wir auf unsere eigenen Kräfte bauen. Zum Pessimismus.iskgar kein Grund vorhanden. Das jüdische Volk wird sein historisches Land durch ehrliche, aufbauende Arbeit wieder erlangen. Keren Kajemeth-Konferenz Die außerordentliche Dringlichkeit der Lösung des Bodenproblems in den allernächsten Jahren macht es erforderlich, daß sich die ganze zionistische Oeffentlichkeit mit den Nöten und Notwendigkeiten des Keren Kajemeth näher und eindringlicher belasse. Damit dies geschehe, ist es nötig, daß diese Oeffentlichkelt in vollstem Ausmaße über die Keren Kajemeth-Probleme informiert werde. So werden dann auch die Mittel und Wege festgestellt werden können, die notwendig sind, um die Keren Kajemeth-Arbeit in Oesterreich in die der Notder Zeit entsprechenden Bahnen zu leiten. Aus diesem Grunde hat der Keren Kajemeth Oesterreichs beschlossen, Ende Oktober oder spätestens Anfang November eine Keren Kajemeth-Konferenz einzuberufen. Die .Tagesordnung wird umfassen: Adolf Böhm: Warum kann der Keren Kajemeth nicht warten? (Das Problem der Bodenreserve). Dr. E. M. Z w e 1 g: Berichterstattung über die Züricher Keren Kajemeth-Weltkonferenz. Dr. Chaim Tartakower: Aufgaben des Kereit Kajemeth im neuen Jahre. Debatte und Beschlüsse. Beteiligung: An der Konferenz werden tellnelnnen: 1. Vertreter aller zionistischen Bezirks-Sektionen, Sondergruppen und Fraktionen, 2. die Nationalfondskommissäre aller Gruppen, 3. Vertreter der Provinz. Der endgültige Termin und Ort werden nächstem bekanntgegeben werden. Tagung der dem zionistischen Landeskomitee unterstellten Jugendgruppen * Am Donnerstag, den 26. September, wurde die am 21. begonnene Tagung fortgesetzt. Der Vorsitzende, Herr Schrötter, erteilte das Wort Frl. Pass weg, welche namens der «Mir j am» Bericht erstattete. Die «Mirjam» besteht 6ieben Jahre. Sie umfaßt zirka 120 Mitglieder. Die Bemühungen der «Mirjam» gehen dahin, Mädchen aus dem jüdischen Mittelstände für die zionistische Sache zu gewinnen. Sie habe neben der normalen zionistischen Arbeit für die Fonds u. dgl. eine Reihe von Spezialaktionen für Siedlungen in Palästina durchgeführt. So habe sie z, B. in Ben Schemen eine Küche errichtet. Axel r ad, namens des «Gdud Zeirim»: Dieser Bund besteht seit Rosch-Haschanah des letzten Jahres. Er -umfaßt 70 Mitglieder; das Spezialgebiet des Bundes sei Pflege des religiösen jüdischen Lebens. Der Bund erkenne eine Trennung zwischen jüdischer Religion und jüdischem Nationalismus nicht an. Welser, namens'des «Chaje s-Realgymnasiums»: Das Gymnasium bilde einen zionistischen Rahmenverband. Sein Bestreben geht dahin, die Indifferenten des Gymnasiums für den Zionismus.zu werben. Aron, namens des «M a k k a b i - H a z a i r» : Der Makkäbi-Haza-ir besteht vier Jahre. Der Sport allein ANNA. GOTTFRIED OSKAR Lu POTIiAK EMPFEHLEN SICH ALS VERLOBTE GBAZ. IJM OKXOBJCB 1929 reiche für den. Makkabi -nicht aus. Der Makkabi müsse wieder eine idealistisch-zionistische Bewegung werden. Er trete für organische Chaluztufh ein. Hebräisch nehme jetzt einen breiten Raum inder Erziehungsarbeit ein. Bedingung für die Aufnahme ist Studium der hebräischen Sprache. Der «Chug Iwri», der von den dem Landeskomitee unterstellten Gruppen geschaffen wurde, verdankt dem Trumpeidor seine Existenz. Sodann wurde die Debatte eröffnet. Herr Fisch! behauptet, daß der Heehaltrz Dinge, die alle Zionisten vereinigen sollte, vernachlässige. So z. B. die Nationalhymne. Herr Schrötter fordert vom Hechaluz Takt auch dem allgemeinen Zionismus, nicht nur den linken Gruppen gegenüber. Der Hechaluz halbe neutral zu sein und nicht parteimäßig eingestellt. In gleichem Sinne sprach auch Herr Lustig von der Gruppe «Zircnu». Herr Eckert sucht die Stellung des Hechaluz klar zu machen. Herr Lehrer Herzberg weist auf die große Bedeutung des Hebräischen hin. Herr Dr. Tartakower weist darauf hin, daß die dem Landeskomitee unterstellten Gruppen, da sie mit keiner FJ-ügelideologie belastet sind, die Aufgabe haben, ihre ganze Kraft auf das Eindringen in das historische Judentum zu verwenden. Der Weg, den diese Jugendgruppen zu gehen haben, müsse ein organischer sein. Der «Chug Iwri», der geschaffen wurde, solle ein Anfang auf dem Wege der Hebräisierung aller Bünde sein. Die Organisation der [fuge nd'gnüppen soll sich auch juöendverel» „Erez Israel" Wien, II« Zirkusgasse 33 Montag, den 21 Oktober 1929, halb 8 Uhr abends **«»*•««* Hotel Posl I., Fleischmarkt (Diachengasse) Große Kundgebung an die jüdische Jugend unter Mitwirkung des hebräischen Dichters SAUL TSCHERNICHOWSKY Regiebeitrag « , 1 mit dem Problem des jüdischen religiösen Lebens befassen. Der Vorsitzende schloß die Versammlung, indem er mitteilte, daß als erster Schritt der gemeinsamen kulturellen Arbeit Kurse eingerichtet wenden, die für die mehr Erwachsenen der Jugendbünde bestimmt sind. Als erster Kurs werde einer über die «Leistungen und die Bedeutung des Keren Kajemeth» geführt werden, die Leitung liege in den Händen des Herrn D r. Tartakower; er werde am Mittwoch, den 9. Oktober eröffnet werden. Die Arbeit im «Chug Iwri» werde mit aller Intensität fortgesetzt werden. Aelteren-Kurse des Zionistischen Jugendverbandes Der Zionistische Jugendverband, der für seine hebräische Arbeit den «Chug Iwri» geschaffen hat, hat nun einen zweiten Schritt unternommen, um seine führenden Elemente mit den Problemen des Zionismus und des Judentums näher bekannt zu machen. Der Verband hat den Versuch gemacht, parallel zum «Chug Iwri» Kurse über zionistische Probleme einzurichten, an denen sich die älteren Mitglieder der dem Jugendverband angeschlossenen Bünde beteiligen sollen. Der erste Kurs ist dem brennenden Problem der zionistischen Bewegung, dem Bodenproblem gewidmet. Die Leitung dieses Kurses liegt in den Händen des Herrn Dr. Chaim Tartakower. Am Mittwoch, den 9. d. M., fand der erste Abend dieses Kurses statt. Es beteiligten sich an demselben zirka 20 Menschen. Herr Dr. Tartakower behandelte die Idee des Keren Kajemeth, wie sie auf den Bodenvorschriften der Bibel basiert. Er entwickelte das System der Bodengesetzgebung der Bibel, erörterte die Bedeutung des Bodens als solchen und wies auf den Zusammenhang zwischen dem Bodenproblem und dem sozialen Problem bin. Streifte auch kurz die Geschichte der Entstehung des Keren Kajemeth auf den Zionistenkongressen. Der nächste Abend, der am Mittwoch, den 16. d. M. um halb 8 Uhr im Zionistischen Büro, I., Kärntnerstraße 28, stattfindet, wird das Bodenproblem bei den Römern und Griechen zum Gegenstand haben. Im Anschluß an den Vortrag entwickelte sich eine Diskussion. Es wurden Fragen gestellt, die der Referent beantwortete. Mitteilungen des Wiener Palästinaamtes Die von der Palästina-Regierung für das Halbjahr April—Oktober 1929 ausgegebenen 2400 Einwanderunigszertifikate sind bekanntlich mit 30. September bereits zu Ende gegangen. Laut einer dem Palästina- Amte zugegangenen Mitteilung sollen binnen kurzem neue Zertifikate für das zweite Semester (Oktober 1929 bis März 1930) den Palästina-Aemtem zur Verfolgung gestellt werden. Diejenigen Auswanderungswertoer, welche Anmelde-Fragebogen beim Palästina-Amte bereits behoben haben, werden ersucht, diese Formulare (genau ausgcfüllt), -die der Evide-nznahme dienen, ehestens beim Palästina-Amte, I„ Kärntnerstraße 28, abzugeben. In den Zeit vom 1. April 1929 bis 30. September 1929 wurden vom Wiener Palästina-Amte insgesamt 93 Personen nach Palästina abgefertigt. Unter diesen befanden sich 79 Auswanderer, darunter 8 Mädchen, die mit Zertifikaten gereist sind, ferner 5 Emigranten, die von ihren Verwandten angefordert wurden, 3 Heimkehrer» 1 Schüler der landwirtschaftlichen Schule MikwcJi Israel, sowie 5 Touristen. Die Auswanderer waren hauptsächlich landwirtschaftliche Arbeiter, es befände# sich ferner unter ihnen einige gutqualifizierte Metall* arbeiter, Bautechnikeri Sieinmetzer, Bauarbeiter usw*