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Die Stimme · 1929-09-05 · Heft 90 (5.9.1929) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 90 (5.9.1929)
Date
1929-09-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Nr. 90 PIE STIMME Seite ll Felix Salten 60 Jahre alt Allzu stürmisch ist der Augenblick, als daß man dieses prachtvollen Dichters in behaglicher Ausführlichkeit gedenken könnte. Salten gehört zu den wenigen Wiener Schriftstellern, die über ihr österreichisches Antlitz auch das Judentum nicht verleugnen. Sein Buch «Neue Menschen auf alter Erde» war ein Bekenntnis eines stolzen Juden, der mit offenen Augen neues Leben der Welt offenbart und es mit dichterischem Schwung bejaht. Als Jude von internationaler Prägung verfocht er auch stets in der Weltpresse jüdische Interessen und der Hauch persönlichen Verkehrs mit unserem unvergeßlichen Herzl erscheint auch in seinen von Liebe zum Volke getragenen Essays unverkennbar. Als Präsident des jüdischen Schriftstellerverbandes «Haruach» und als Mitarbeiter auf dem Gebiete des Keren Hajessod erwarb sich Salten auch unmittelbare Verdienste um die jüdische Sache, für die wjr ihm, wenn er auch nicht parteimäßig ln unserem Lager steht, den Dank aller aussprechen wollen. Deklaration und Forderungen des Exekutivkomitees der Union der Zionisten-Revisionisten (Beschlossen in der außerordentlichen Sitzung am 29. August 1929 in Paris.) ImGefühle ehrfurchtsvoller Trauer gedenken wjr der Opfer der blutigen Ereignisse in Palästina und -sprechen den Helden des jüdischen Selbstschutzes, d-ie den Jischuw in einem Lande verteidigt haben, das von seiner Regierung ohne militärischen Schutz gelassen wurde, unsere tiefe Bewunderung aus. Wir protestieren entrüstet gegen den Versuch der palästinensischen Bürokratie, die jüdische Bevölkerung zu entwaffnen, während die Ueberfälle der Araber noch in voller Heftigkeit wüten — ein Versuch, dessen sofortige Unterdrückung von der britischen Regierung gefordert wird. Auch in diesem tragischen Momente bestätigen wir das Vertrauen des jüdischen Volkes auf den Gerechtigkeitssinn und auf die politische Einsicht der britischen Nation. Wir appellieren an die Regieru-ng Großbritanniens, dem jetzigen unheilvollen Zustand in Palästina ein Ende zu machen und nunmehr die großen historischen Möglichkeiten zu verwirklichen, die für das britische Weltreich und das jüdische Volk durch Balfour-Deklaration und Palästina-Mandat gegeben sind. Wir erklären, daß die Ereignisse in Palästina das unmittelbare Resultat der dauernd illoyalen und übelwollenden Politik der palästinensischen Verwaltung sind, die das Land systematisch in einem mandatswidrigen Geiste regierte. Diese Politik hat die jüdv Einwanderung erdrosselt, der Entwicklung des jüdischen Palästina ununterbrochen Hindernisse in den Weg gelegt .und sich wie im Falle der Klagemauer über unsere religiösen Gefühle hinweggesetzt. Dadurch wurde bei den Arabern die Ueberzeugung erweckt, daß England unter Umständen dazu gebracht werden könnte, die zionistische Politik aufzugeben, wenn ein genügend heftiger Ausbruch der arabischen Opposition erfolgt. Die palästinensische Verwaltung hatte das Bewußtsein, daß die Sicherheit des Landes bedroht ist, wie aus amtlichen Korrespondenzen des Jahres 1928 hervorgeht. Dennoch hat sie das Land ohne militärische Verteidigung gelassen und die Zahl der Juden in der Polizei auf eine völlig unbedeutende Ziffer herabgesetzt. Es ist zugleich unsere peinliche Pflicht, zu erklären, daß die Ereignisse in Palästina den Bankerott der Politik der zionistischen Exekutive bedeutet, die trotz aller unserer Warnungen hinsichtlich der Gefahr für die Juden jahrelang das jüdische Volk in dem Wahn erhalten hat, daß in Palästina völlige Sicherheit 'herrsche. i Wir verlangen von der englischen Nation und der britischen Regierung: j 1. Die Legalisierung des jüdischen Selbstschutzes ln Palästina. 2. Die Schaffung militärischer jüdischer Einheiten fm Rahmen der palästinensischen Garnison unter britischem Befehl und auf Kosten des palästinensischen Verwaltungsbudgets. 3. Die Auflösung des transjordanischen Grenzkorps, welches großenteils von jüdischen Steuerzahlern erhalten wird und, wie die Ereignisse gezeigt haben, eine -ständige Bedrohung der inneren Sicherheit Palästinas darstellt. 4. Die Reorganisation der Polizei, wobei ausschließlich jüdische Abteilungen in den jüdischen Ortschaften und Siedlungen aufgestellt werden müssen. 5. Die Entsendung einer von den lokalen Behörden unabhängigen Untersuchungskommission mit der Vollmacht, die Verantwortung für die Ereignisse festzuetellen und das System der Mandatsverwaltung im allgemeinen zu prüfen. 6. Die Bestrafung aller Beamten und sonstigen Personen, die für das Unglück verantwortlich sind. 7. Die sofortige Suspendierung der Beamten, deren Tätigkeit eine Untersuchung durch die Kommission erforderlich scheinen läßt. 8. Die Wiederherstellung des vernichteten jüdischen Eigentums und die vollständige Entschädigung für alle Verluste, die die jüdische Bevölkerung erlitten hat, und zwar auf Kosten des palästinensischen Budgets und der arabischen Gemeinden, die an dem Blutvergießen und der Plünderung teilgenommen haben. 9. Die endgültig« Anerkennung der Klagemauer und des die Klagemauer umgebenden Gebiets auf der Westseite als eines Ortes, der ausschließlich für die jüdische Religionsausübung dient. ,10. Die Veröffentlichung einer entschiedenen Erklärung der britischen Regierung, worin die von Großbritannien übernommenen Verpflichtungen bestätigt werden und wonach die Verwaltung Palästinas aktiv an der Schaffung des jüdischen Nationalheims mitzuwirken hat, damit die Grundlagen für ein Regime gelegt werden, das die jüdische Kolonisation auf beiden Seiten des Jordans fördert. 11. Annullierung des Churchill-Samuel-Welßbuches vom Jahre 1922. 12. Abschaffung des Zertifikat-Systems und Einführung des Prinzips der Freiheit der jüdischen Immigration nach Palästina. 13. Schaffung eines Palestine Civil Service zwecks besonderer Vorbildung von Beamten für die Mitwirkung der Regierung am zionistischen Aufbauwerk. * Wir heben besonders die Rolle hervor, welche der jüdische Selbstschutz bei völliger Abwesenheit von Truppen in diesen kritischen Tagen für die Rettung des Landes gespielt hat und appellieren an die Juden der ganzen Welt und besonders an die jüdische Jugend, aus diesen Erfahrungen die Lehre zu ziehen und die dringende Notwendigkeit zu begreifen, daß die zionistische Jugend für die eventuellen Erfordernisse der Selbstverteidigung vorbereitet wird. Wir verlangen die sofortige Gründung der nötigen Institutionen zwecks Aufrechterhaltun-g des Selbstschutzes in Palästina und zwecks entsprechender Erziehung der zionistischen Jugend in der Diaspora und verweisen darauf, daß der hierfür bestimmte Tel-Chaj- Fonds im Herbst in allen hierfür wichtigen Ländern seine Tätigkeit aufnehmen wird. Wir erklären feierlich von Neuem, daß es der unbeugsame Wille des jüdischen Volkes ist, den Judenstaat in den Grenzen des historischen Palästina zu errichten und daß kein Hindernis, keine Drohung und keine Gewalttat jemals imstande sein Wird, diesen Willen zu erschüttern. Aufruf des „Hechaluz“—Wien Chawerim! Chaweroth! In bangem Schmerze erfahien wir von dem, was in Erez Israel vor sich geht. Unsägliche Trauer erfüllt uns im Gedanken an die vielen Toten, die in diesen Tagen gefallen sind, als Opfer blindwütigen Hasses der verhetzten Araber. Es ist jetzt nicht, die Zeit, ,mit vielen Worten all das zu wiederholen, was über unser Verhältnis zu den Arabern zu sagen ist. Es ist nicht das erste Mal, daß jüdische Arbeiter, daß Juden hinsanken in den heißen Sand Palästinas. Das jüdische Land ist mit jüdischem Blute gedüngt, Stück um Stück mußten wir es uns abringen; und der jüdische Bauer, der in der einen Hand den Pflug hält und in der anderen die Waffe — er wurde zum Symbol des neuen jüdischen Menschen im neuen jüdischen Lande. Wir kämpfen um unser Recht und werden nicht aufhören, zu kämpfen. Nicht gegen die armen Fellachen ist unser Kampf gerichtet, sondern gegen alle, die uns daran hindern wollen, in Palästina ein freies jüdisches, sozialistisches Erez Israel aufzubauen. Nicht für Verzweiflung und hilfloses Verzagen ist jetzt Platz. Wir sind bereit!. Zu neuem Kampfe sind wir bereit. Wir, die Chaluzim, die zur Alijah drängen, wir sehnen den Tag herbei, an dem wir mit unseren Brüdern in Erez Israel gemeinsam den Kampf führen werden. Neue Schwierigkeiten türmen sich vor uns auf, aber sie sind nicht so groß, daß wir sie nicht sollten überwinden können mit der Kraft, die dem Chaluz innewohnt, mit der Kraft, die unsere Arbeiter in Erez Israel in Zeiten der Not und des Kampfes so oft gezeigt haben. Neue Aufgaben erwachsen uns in unserer Hachscharah. Wir werden sie erfüllen. Es gilt, das Zerstörte wieder aufzubauen, und das Neue von neuem zu schaffen. Unsere Bewegung wird nicht kleiner werden. Und unsere Gegner werden den Hohn, .der sich auf ihre Lippen drängt, nicht laut werden lassen, denn die werden erkennen müssen: ungebrochen ist die Kraft unserer Idee, ungebrochen die A4acht unseres Willens. Erez Israel wird aufgebaut werden, wenn w i r eis wollen werden, wenn die Zonisten, wenn die Juden, die jüdische Jugend es wollen werden. Erez Israel wird aufgebaut werden, weil wir es wollen. In dieser Stunde aber geloben wir unseren kämpfenden Brüdern in Erez Israel: Wir stehen hinter euch und bleiben euch treu! Wir werden die Lücken, die jetzt entstanden sind, ausfüllen! Wir werden die Reihen des Hechaluz vergrößern, damit die neuen Kräfte, die der Aufbau jetzt erfordern wird, bereit sind. Wir sind bereit! Es lebe das arbeitende, das k ä m p>- fendeErezIsrael! Der Merkas. Spendeneingänge für die Opfer in Erez Israel I. Ausweis. Pinkas Sorokin S 100.—, Abraham Zahler 50.—, Hermann Honig 2.—, I. A. Gerstel 5.—, Dr. Gelles 100.—, Grünhut 10.—, I. Hans Judik und Paul Rosenthal 10.—, Samuel Kretschmer 35.—, Gebrüder Breinin 50.—, A. K. 20.—, Hahn 25.—, Dr. Spitzbaum, Berlin 10.—, Ester Schwarz 10.—, Joel Singer 50.—, Rothstein 20.—, J. König 5.—, Pauker 20.—, Zellermayer 20.—, Dr. Kofler 20.—, I. Bauer 100.—, M. Heitzner 10.—, Heinrich Käufer 275.—, Mister Goldberger aus N. J. 100.—, Josef Schur 1000.—, Schiadmich 500.—, Melech Schefler 10.—, M. L. Kornstreicher 10.—, Abraham Singer 30.—; Albert Bloch 20.—, Ella Block- Schapiera 100.—, Erich Goldschläger 73.—, Lilly Wodiezka 50.—, Benno Deutsch 100.—, Osias Goldschmiedt, derzeit Polen, 100 Zloty 80.—, Schächter, Plpes, Leinwand, Tuchmann, Sekier, Luft, Racker, Bergmann, Eibenschütz je 1.—, Prof. Löwenfcld 2.—, Dr. Eichenwald 30.—. Summe S 2816.—. Nachtrag zum L Ausweis. Abraham Selzer S 35.—, Max Licht 7.—, N. Ehrlich 20.—, Simon Gcwing, Leoben, 10.—, Dr. Leonore Kluger 30.—, N. N., Angern, 50.—, Willi Belf 10.—, Hugo Rechnitzer 50.—, Dr. Gustav Jellinek 40.—■, Dr. Heinrich Weiß 25.—, Schaje Horowitz 10.—, M. Rohatyn 100.—. Der Unterstützungsverein «Ahawath Achim» schreibt an die jüdische Kultusgemeinde: In der am 29. August d. J. stattgefundenen Vorstandssitzung unseres Vereines wurde der zahlreichen Opfer anläßlich der Unruhen in Palästina in teilnahmsvoller Weise gedacht und der Beschluß gefaßt, zur Linderung der Not der Hilfsbedürftigen eine Sammlung einzuleiten. Herr Präsident Oskar Preminger stellte als erster zu diesem Zwecke den Betrag von S 100.— und der Verein «Ahawath Achim» selbst den Betrag von S 50.— zur Verfügung. Wir überreichen anbei dem verehrlichen Präsidium den Betrag von S 150.— (Hundertfünfzig Schilling) in einem Scheck der Postsparkasse mit dem höflichen Ersuchen, denselben seinem Zwecke zuzuführen. ' Sollte'jedoch die verehrliche Kiritusgemeinde offiziell keine Sammlung durchführen, so bitten wir, diesen Scheck ehestens der Aktion für Palästina, welche von der Redaktion «Die Stimme» eingeleitet wurde, gütigst zuzuführen. Jüdischer Unterstützungsverein «Ahawath Achim». Jüdischer Sport Das internationale Messemeeting der Hakoah. Der Sp. CI. Hakoah veranstaltet am 7. und 8. d. M. im Dianabad ein großes internationales Schwimmeeting, bei dem u. a. die Vereine Hellas (Magdeburg), Grazer Athletikklub, E. W. A. S. K. und Hakoah um den Messe- Preis kämpfen werden, der bekanntlich dem Klub zufällt, der in allen Lagen über das beste Schwimmäterial verfügt. Das Programm ist sehr reichhaltig^ Es gibt Wasserballkämpfe und Rekordversuche. Der bekannten Hakoahschwimmerin Bienenfeld wird Gelegenheit geboten, ihre hervorragenden Grazer Rekorde auch dem Wiener Publikum . vorzuiführen. Auch Fritzi Löwy (Hakoah), die seit Jahren keine gefährliche Konkurrentin hat, wird über 300 Meter Freistil starten und außerdem in einem Vorgabeschwimmen über 200 Meter antreten. In einer Bruststaffel 3X100 Meter kämpft Hakoah gegen Danubia. Vereinsnachrichten Zionistische Ortsgruppe Graz. Die Zionisten von Graz treffen sich jeden Dienstag, um halb 9 Uhr abends, in der Restauration Hermann, Graz, Kaiserfeldgasse 23, woselbst die aktuellen Tagesereignisse auf Grund kurzer Referate besprochen werden. St. Pölten. In der hiesigen Synagoge wird am Mittwoch, den 4. September, im Anschlüsse an Jom Kippur Katan, ein Trauengottesdienst für die in Palästina gefallenen Juden stattfinden, bei dem der Oberrabbiner Prof. Dr. Schächter die Predigt halten wird. Tel-Chaj-Fonds. Der Brith-Trumpetdor und der Pfadfinderbund «Z’irenu» haben für den Tel-Chaj-Fonds (jüdischen Selbsthilfe-Fonds) bei der ersten Aktion S 386.32 gesammelt. Die Sammlung ist weiter Im Zuge. Für das Initiativkomitee des Tel-Chaj-Fonds: Siegfried Orautoept

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