Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 89 (29.8.1929)
- Date
- 1929-08-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 89 DIE STIMME Seite 11 Im einzelnen verzeichnet der Bericht Fortschritte in der Beschäftigung Jüdischer Arbeiter in Jerusalem, im Jordantal, im Emek Jezreel, in Haifa, Samaria und in den Kolonien. Der Bericht bringt schließlich Ziffern über die Verwendung jüdischer Arbeiter bei Regierungsarbeiten und stellt fest, daß hier die Lage sehr unbefriedigend sei. So werden beim Hafenbau in Haifa nur vier jüdische Arbeiter bei einer Gesamtzahl von 280 beschäftigt. Nur bei Regierungsbauten in Jerusalem sind einige jüdische Arbeiter eingestellt worden. Die Zusicherung der Regierung für überwiegende Verwendung jüdischer Arbeiter ist noch nicht erfüllt worden. Das Fehlen der Einwanderung führt zum Verlust jüdischer Arbeitspos*tlonen auf privatem und öffentlichem Arbeitsmarkt. Arbeitsmöglichkciten für neue 4000 Arbeiter Eine spezielle Kommission, bestehend aus Vertretern der Zion. Exekutive und der Histadruth-Haowdim hat auf Grund einer genauen Enquete in den alten und neuen Kolonien Judäas und Samaräas festgestellt, daß für die neuen Plantationen wenigstens 4000 neue Arbeiter benötigt werden. Die Arbeiten haben schon begonnen und falls in der allernächsten Zeit nicht genügend jüdische Arbeiter vorhanden sein werden, werden Arbeiter aus aller Welt mobilisiert werden müssen. Neue Arbeiten Zwischen dem Haifaer Arbeiterrat unter aer Leitung der Haifa Bay Co. ist ein Vertrag für die Durchführung der Ameliorationsarbe’ ton in Gidro abgeschlossen worden. Die Arbeiten, die sich auf 18.000 Pfund belaufen, werden 300 Arbeiter 10 Monate lang beschäftigen. Die Pica hat ihre Ameüorationsarbeiten in den Sümpfen von Kabara erweitert. Weitere 150 Arbeiter werden hier Beschäftigung finden. Von den Böden, die Lord Melchett in der Gegend von Tul-Kerem erworben hat, sind jetzt 1000 Dunam Boden der Bearbeitung übergeben worden. An der Arbeit sind ausschließlich organisierte Arbeiter der Histadruth beschäftigt. Die Verhandlungen zwischen dem Keren Kajemeth und Histadruth betreffs Installierung einer Wasserleitung in der Kolonie Kumi sind zum Abschluß gekommen. Man hofft, daß noch vor Beginn der Regenzeit die Installationen vollendet sein werden. Die Arbeiten der Ruthenbergschen Elektrizitätsgesellschaft schreiten rasch vorwärts. Die Legung des Kabelnetzes Naharaim—Haifa—1 Chederah ist beendet. Man geht nun daran, das Kabelnetz bis Tel-Aviv fortzuführen. Die Elektrizitätsgesellschaft hat der Histadruth den Bau des Gebäudes für den großen Transformator in Haifa übergeben. Beginn des Hafenbaucs in Haifa (Eigenbericht der «Stimme».) J e r u s a 1 e m, 22. August. Dievorbereitenden Arbeiten zur Erbauung des großen Hafens Haifa haben in diesen Tagen begonnen. Die britischen Ingenieure Rendel, Palmer und Tritton, die die Palästina-Regierung bei der Erbauung des Hafens beraten, erklärten, daß der Hafen binnen drei Jahren vollkommen fertiggestellt sein wird. Hauptteil des Hafens wird ein riesiger Wellenbrecher bilden, zu dessen Herstellung eine Million Tonnen Gestein notwendig sein werden. Zwei Millionen Kubik-Yard Sand wenden ausgebaggert werden müssen, um dem Hafen die notwendige Tiefe und seinen Rändern die notwendige Festigkeit zur Aufnahme auch größter Schiffe zu geben. Das Gestein wird aus benachbarten Steinbrüchen geholt. Haifa wurde, so erklären die Ingenieure, deswegen als Hafenort gewählt, weil dieser Platz einen potentiellen Wert infolge seines ausgedehnten Hinterlandes, zu welchem Transjordanien und die angrenzenden Länder gehören, besitzt. Dieses Hinterland wird ein gutes Absatzgebiet für die im Haifaer Hafen gelöschten Waren bilden, die mittels neu anzulegender Eisenbahnen in diese Länder befördert werden würden. Der Hauplwellenbrecher, sagen die Ingenieure, wird eineinhalb Meilen lang sein und parallel mit der Stadtfront laufen. Zwei oder drei Dampfer und eine Anzahl Leichterschiffe werden gleichzeitig anlegen können. Ein Platz zur Anlage eines großen Bahnhofes und zehn Acker Boden fiir Kohlenspeicher sind reserviert. 55 Acker Boden verbleiben für die Anlage eines Geschäftsviertels. Dem zu erwartenden ausgedehnten Touristenverkehr wird durch Anlage von Unterkunftsstätten in der Nähe des Hafens Rechnung getragen werden, Es werden Vorkehrungen getroffen, die hinreichen werden, um 30.000 während einer Saison mit Dampfern eintreffende Passa^.cre ohne Schwierigkeiten ausschiffen zu können, ln der letzten Saison warfen vor Haifa 31 Passagierdampfer, die 9000 Touristen für Palästina brachten, Anker, Dr. Gustav Morgenstern aus Linz, das Mitglied der Jewish Agency, schreibt ufls folgendes: Von der Agency-Taguug Seit neunzehnhundert Jahren der Zerstreuung war es das erstemal, daß aus innerem Drang, aus dem Gefühl der Verbundenheit und Verantwortlichkeit, sich die Vertreter der Judenheit der ganzen Erde zu gemeinsamem Werk zusammenfanden. Die Epoche des AHjudentums hat mit der Züricher Tagung begonnen; das ist vor allem ihre Bedeutung. Wir steh-en nun mitten in praktischer Arbeit des Palästina-Aufbaues und die Probleme dieser Wirklichkeit sind der Aufgabenkreis der Agency. Das Gesamtjudentum, in der Agency vereint, ist beratendes Organ der Mandatarmacht des Völkerbundes, Großbritannien, iti den Fragen des auferstehenden Erez Israel. Wer wie ich, das Glück hatte, — als Vertreter der Zionisten Oesterreichs — den Sitzungen des Councils der Jewish Agency beizuwohnen, weiß, daß hier mehr geschah, als daß die Großen Israels sich hier versammelten, um Erez Israel zu huldigen, daß von hier aus nicht nur das Züricher Programm enthusiastisch verkündet wurde, sondern daß von nun ab eine neue Epoche in der Geschichte unseres Volkes beginnt. Es war mehr als eine Geste, eine symbolische Handlung, als Weizmann seinen Ehrensitz Einstein übergab; denn wahrlich, dieses Genie ist unser guter Genius und nur unter der Führung solcher Geister kann unser Volk siegen. Nicht mehr muß eine kleine, tapfere Vorhut die Positionen, die sie eroberte, halten, endlich ist der Entsatz gekommen; die Armee d4s jüdischen Volkes marschiert. Erez Israel rief alle seine Kinder und sie hörten den Ruf, Und nun beginnt das Köstlichste: die Arbeit. Es gilt, die Jomfowiim-Stimmung, die wir in diesen Tagen erlebt haben, in gemeinsamer, fruchtbarer Arbeit festzuhalten. trn Rahmen dieses Artikels kann die Fülle des zu Überwältigenden nicht einmal angedeutet werden. Die Fragen der Einwanderung, der agrarischen und industriellen Wirtschaftsorganisation, der finanziellen und geschäftlichen Korporation, die Kolonisations- und Bodenpolitik, die Neukolonisation in Stadt und Land, der» kulturelle Innere Aufbau', die Sicherung der jüdischen Arbeit seien als wichtige aus dem großen Komplex erwähnt. Das Budget von'750.000 engl. Pfund für das erste Jahr ist als Minimum fixiert worden. Dies allein beweist, daß das Werk nur durch Mitarbeit aller gelingen kann. Darum richtet der Council der Jewish Agency einen feierlichen Appell an alle Juiden: die Beitraigsleistumg zum Keren Hajessod, dem' Grundfonds der Agency, zu einer heiligen Pflicht zu machen, Erew Tischobeaw ersteht wieder Erez Israeli .Wir fühlen als Zeitgenossen das ungeheure Erlebnis und unsere Verantwortung. Erez Israel hat uns in freudigem Stolz geeint. Art die Arbeit, Juden I Buch und Kunst «Historische Schriften des jüdischen Wissenschaftlichen Instituts». In diesen Tagen erschien der erste Band «Historische Schriften des Jüdischen Wissenschaftlichen Instituts». Der 900 Seiten starke, von Dr. E. Tschernikower-Berlin, redigierte und von der Warschauer Kulturliga herausgegebene and enthält eine fundamentale Sammlung historischer Arbeiten in jiddischer Sprache. Von den Beiträgen sind zu erwähnen: Professor S. Dubnow: Die Texte der Volksschronik des 18. Jahrhunderts «Maase gedaulo min uman»; Dr. Szyper: Polnische Quellen über den jüdischen «Vierländer-Rat»; Salman Rubaschow: Jiddische Texte von Responsen des 15. bis 17. Jahrhunderts; Dr. Ringelblum: Archiv-Material zur Geschichte der Warschauer Juden bei Ausgang des Mittelalters; Dr. J. Brutzkus: Die ersten Mitteilungen über Juden in Polen im 10. und 11. Jahrhundert; Memoiren von Moses Porges über den Frankisten-Hofhalt in Offenbach mit Einleitung von Doktor'Gelber; Dr. Borodianski: Moses Mendelssohns jiddische Briefe; E. Tschernikower und Prof. Gustav Meyer: Briefe in Hddisch von Lassales Großvater und Vater; A. Menes: Die Taufbewegung in Preußen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; E. Tschernikower: Der Anfang der jüdischen sozialistischen Bewegung. Der Band enthält weiter1 eine große Abteilung von historischen Dokumenten, die von Prot S. Dubnow, Dr. Wachstein, Chajes, Dr. Schatzki, Prof. Doktor Balaban, Dr. Alfred Landau, Pinchas Cohrt, E. Tschernikower, Dr. Gelber, J. Weinles, N. Prilutzki und anderen eingeleitet werden. In einer deutsch geschriebenen Beilage wird der Inhalt der Beiträge kurz wiedergegeben. Gerda Arlossorow-Goldberg: Palästina-Fragen, enthält interessante, aktuelle Aufsätze, insbesondere auf dem Gebiete der Frauenarbeit in Palästina. Die Broschüre ist durch das Hauptbureau der WIZO, 75, Gt. Rüssel Street, London, W. C. 1, zu beziehen. Moses Mendelssohn, der Mensch und das Werk. Briefe Zeugnisse, Gespräche. Unter diesem Titel erscheint im Berliner Welt-Verlag eine von Bertha Badt-Strauß herausgegebene Sammlung von Dokumenten aller Art, die bestimmt ist, Mendelssohns Wertvollstes: seine überragende menschliche Persönlichkeit dem heute lebenden Geschlecht nahezubringen. Der sorgfältig ausgestattete, mit zeitgenössischen Bildern geschmückte Band von fast 300 Seiten kostet RM. 7.— und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen. —Eine Parallelausgabe des Buches bringt für seine Mitglieder der Heine-Bund, Berlin, W. 57, Pallasstraße 10/11, heraus. Maximilian Steins Vorträge und Ansprachen in Buchform. Die Großloge für Deutschland des Unabhängigen Ordens Bnei Brith hat vor kurzem die Vorträge und Ansprachen von Maximilian Stein in zweiter verbesserter Auflage erscheinen lassen (Verlag 1. Kauffmann, Frankfurt a. M.). Der vornehm ausgestattete Band enthält Vorträge über «Der alte und der neue Ahasver», «Ein Parlament der Religionen», «Friedrich , Nietzsche und das Judentum», «Zionismus», «Judentum und Christentum», «Soziale Probleme im alten Judentum», «Die Juden im Handel» u. a. m., ferner Ansprachen bei feierlichen Veranstaltungen der Logen und Trauerreden für dahingeschiedene Brüder. Großpräsident Dr. Leo Baeck schickt dem Bande ein Geleitwort voraus. Die Moses-Mendelssohn-Ausstellung ln Dessau. Dessau, 20. August. (J. T. A.) Die Moses-Meiidelssohn-Ausstellung, die in der Anhaitischen Gemäldegalerie am 7. September eröffnet wird, wird etwa vier Wochen für den Besuch des Publikums offen stehen. Die Ausstellung wird einen vollständigen Ueberblick über Leben und Wirken des großen Philosophen bieten. Erstf4lführung des «Jeremias» von Stefan Zweig In hebräisch^ Sprache. Das Schauspiel «Jeremias» von Stefan Zweig wurde am 11. August abends im Ausstellungs-Theater von Tel-Aviv von der Arbeiter-Truppe «Ohel» zum erstenmal aufgeführt. Die Regie, die M. Halevi, ein früheres Mitglied der «Habima», führte, gab den einzelnen Szenen eine außerordentlich farbige und lebendige Wirkung. Das Schauspiel fand eine enthusiastische Aufnahme bei dem Publikum, das den großen Saal der Ausstellungshalle vollständig füllte. Crez Israel verabschiedet sich von der „Habimah“ (Brief aus Palästina.) Tel-Aviv, im Jul!. Die «Habimah» veranstaltet jetzt im Lande den letzten Zyklus ihrer Vorstellungen vor ihrer neuen Tournee in Europa. Sie bringt wieder auf die Bühne ihr altes Repertoire, Stücke, die vorbereitet wurden in Moskau in den Jahren der psychischen und physischen Not, und auch diese, die im Lande erst aufgeführt wurden. Und wieder sehen wir die Entwicklungsstadien der «Habimah», von dem ersten Tage ihrer Entstehung bis zur Premiere von «Dawids Krone», die unsere kleine Welt erschütterte. Und wieder strömen Massen, um den Vorstellungen beizuwohnen und wieder erntet die «Habimah» den Beifall Tausender. Die Zeit der Anwesenheit der «Habimah» im Lande war kurz und lang zugleich. Kurz, weil sie nur 18 Monate bei uns wellt; lang, weil die «Habimah» ein so großes Interesse des Jischuw hervorrief, einen so großen Sturm der Gemüter erweckte, daß es uns scheinen kann: viele Jahre wirkt sie schon unter uns. Im Laufe dieser Zeit änderte sich einige Male das Verhältnis des Publikums zur «Habimah». Zuerst herrschte festliche Begeisterung. Palästina sah zum ersten Mal ein hebräisches .Theater, das in der Galuth geschaffen wurde, die ersten hebräischen Schauspieler, die in fremden Ländern den Namen der hebräischen Kunst geheiligt haben. Dann kam der Alltag. Der Reiz des Neuen verflüchtigte sich ein wenig. Die Herrlichkeit verlor etwas von ihrem Glanze. Wir haben uns an die «Habimah» gewöhnt. Und nun beginnt die dritte Periode. Knapp bevor uns die «Habimah» verläßt, erwachsen in uns wieder die ersten, sehnsüchtigen Wünsche. Wir erinnern uns an die Gnade der Jugend und wieder lebt in uns das Gefühl der Verehrung und der Liebe für eine Gruppe von Menschen, die in einer blutigen, chaotischen Zeit in einem fremden Lande einen kleinen Tempel erbaut haben.. In diesem Tempel glänzten die Strahlen des jüdischen Genius! Nur noch kurze Zeit und der Vorhang der «Habdmah» im Lande wird fallen. Nur noch kurze Zeit — dann kommt der Abschied. Daher ist es kein Wunder, daß man mit Begeisterung die letzten Vorstellungen aufnimmt. Daher ist verständlich, daß die Theater und Volkshäuser voll sind festlich gestimmter Massen. J. K. Jüdischer Sport Der F. C. Hakoah hat den bekannten internationalen ehemaligen Spieler des W. A. C., Karl Heinlein, als Trainer verpflichtet. Heinlein hat bereits seine Tätigkeit aufgenommen und ist voll Zuversicht. Das Augenmerk soll auch auf den Nachwuchs gelenkt werden. Die Grazer Hakoah siegte vergangenen Sonntag in einem Freundschaftsspiel gegen Sportklub 2:0. Der jüdische Sp. CI. Menorah hat seinen Namen aufgegeben und sich mit dem Sp. CI. Fair fusioniert. Im Städtespiel Graz—Laibach wirkten die beiden Spieler der Grazer Hakoah Münzer und Kraus mit gutem Erfolg mit. .Eine jüdische Meisterschaft soll in Polen ausgetragen werden. In Betracht kommen Makkabi in Krakau und Warschau, Hasmonea-Lemberg, Hakoah in Lodz und in Bielitz. In Lemberg gelang es der Hasmonea vergangenen Sonntag gegen den spielstarken Sp. Ci. Ukraina 2 :2 unentschieden zu spielen. Baar und Grünwald, die ehemaligen Sektionsleiter der Hakoah, beabsichtigen ihre Kraft einem größeren jüdischen Amateurverein zur Verfügung zu stellen. Die Hakoah -Wasserballer siegten in Preßburg gegen Makkabi 2:1. Die Tore erzielten Ehrenberg und Mehler. Beim Leichtathletikmeeting in Neuwaldegg besetzte die Hakoah-Staffel in 4X800 m den ersten Platz (8:34.4). Es starteten Weiner, Spielmann, Tichler 3 und Blödy. Belm Jugend-Länderkampf Oesterreich—Ungarn placierte sich der Hakoahner Stein im 200-m-Brustschwimmen auf den ersten Platz. Die Hakoah-Hockeymannschaft siegte in einem Freundschaftsspiel gegen V. f. B. 3 : 1 (2 :0). Die Tore erzielten: Ullmami (2) und Steiner. Von der Hakoah. Die Hakoah-Handballer beginnen am 8. September gegen W. H. C. mit der Meisterschaft. Die weiteren Termine lauten: September: 15.: Neubau; 23.: