Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 88 (22.8.1929)
- Date
- 1929-08-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ab 5689) Nummer 88 Die denkwürdige Tagung des Councils der Jewish Agency in Zürich beendet Feierliche Schlußsitzung — Pr, Weizmann Präsident der Jewish Agency Verfassung angenommen (Telegramm unseres Sonderberichterstatters.) Die Mittwoch nachmittags wurden die Jewish- Agency-Beratungen, die sich hauptsächlich in den Kommissionen abgespielt haben, geschlossen. In der Schlußsitzung gab Weizmann seiner bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die jetzige Generation noch einen gewaltigen Schritt zur Vollendung des jüdischen Püftfötihä miterleben werde. Den Führern, wurdet begeisterte Ovationen dargebracht und tilfgerührt küßte Weizmann Sokolow. Unter großem Jubel wurde mit dem Absingen der jüdischen Nationalhymne von Zionisten und Nichtziönisten die letzte Sitzung geschlossen. Die Wahlen Zum Präsidenten der Jewish Agency Wurde Dr. Weizmann gewählt. Zum Vorsitzenden des Council der Jewish Agency Louis Marshall, zum zweiten Vorsitzenden Lord Melchett. Zum Vorsitzenden des Administrative Committees Felix Warburg. Die Exekutive der Agency bleibt vorderhand die vom Zionistenkongreß gewählte Welt exekutive. Zum Ehrenpräsidenten der Jewish Agency wurde Baron Edmond de Rothschild gewählt, der bereits telegraphisch seine Zusage erteilt . - 'V' Öle Verfassung der Jewish’ Agency wurde mit sämtlichen Verbesserungen und Wünschen des Ziohistenkongresscs einstimmig angenommen. Die feierliche Unterzeichnung wurde mit einer goldenen Feder.vorgenommen, die in der Universitätsbibliothek in Jerusalem auf bewahrt werden wird. Für die Zionisten zeichnete Weizmann und Sokolow. Für die Nichtzionisten die Vertreter eines jeden Landes. Die nächste Tagung des Councils dürfte höchstwahrscheinlich im nächsten Jahre stattfinden. (Näheres im Innern des Blattes.) Die Vorfälle an der Klagemauer Brith Trumpeldor organisiert einen Selbstschutzdiehst bei der Klagemauer (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 18. August. Der Mufti von Jerusalem hat gestern der Regierung eine Versicherung abgegeben, daß seitens der Araber keine Ueberfälle mehr auf Juden hei ter Klagemauer stattfinden werden. Die Regierung wandte sieh an das Kommando der revisionistischen „Brith! 'Trumpeldor“. mit der Bitte, sich ruhig zu verhalten. Das Kommando dos „Brith Trumpeldor“ erklärte, daß die Klagemauer ab 5 Uhr früh abgesperrt werden wird durch die „Brith Trumpeldör“-Äptglieder, die keinen Araber zur Klagemauer zulassen werden, mit Ausnahme derjenigen, die in der Nähe der Mauer wohnen. Rings um die Klagemauer stehen starke Polizeiäbteilungen. Die „Trumpeldor“-Mitglieder arbeiten bis jetzt harmonisch mit der Polizei zusammen. Auch die Altstadt ist durch die jüdische Selbstschutzorganisation bewacht. Der amtliche Bericht (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 19. August. Der hier veröffentlichte amtliche Bericht Über die Vorfälle bei der Klagemauer behauptet, daß am 15. August — am Tage des Tischa b'Aw — einige hundert jüdische Jugendliche vor der Klagemauer sich versammelt haben, die Reden gehalten und eine Fahne gehißt haben. Am 16. August haben zirka 2000 Araber nach der Andacht in der Omar-Moschee anf dem Platze vor der Klagemauer Bänke zerschlagen und Gebetbücher zerrissen und verbrannt. Der amtliche Bericht bestreitet, als ob irgendein Jude verwundet worden wäre. Dieser Bericht hat große Erregung in den hiesigen jüdischen Kreisen hervorgerufen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Gebetbücher in Gegenwart der Polizei vernichtet worden sind und daß zwei Juden bei dem Angriff verwundet worden sind. 10.000 Juden marschieren anläßlich' des Tisclia b‘Ab zur Klagemauer (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 16. August. Wie alljährlich am 9. Ab veranstaltete die Jerusalemer traditionstreue Judenheit auch in diesem Jahre einen Pilgerzug zur Klagemauer. Im Hinblick auf die unter der Judenheit herrschende Erbitterung wegen der Verletzung ihrer Rechte und der wiederholten Störung der Andacht an der Klagemauer gestaltete sich der diesjährige Pilgerzug zu einer machtvollen, wenn auch stummen Protestaktion, Etwa 10.000 Juden schritten im Zug. Die Ordnung war mustergültig, so daß die Demonstration ohne jeden Zwischenfall verlief. Am Tage vorher hatte der Distriktskommissär von Jerusalem, Major Keith- Roach, dem Oberrabbiner Kook mitgeteilt, daß im Zusammenhang mit dem Pilgerzug Unruhen stattfinden könnten. Oberrabbiner Kook erwiderte, wenn nur die Polizei für Ordnung sorgt, könne nichts passieren, da seitens der Judenschaft eine Störung der, Ordnung in keiner Weise zu erwarten ist. Der Distrikskommissär und der, Polizeiinspektor von Jerusalem hatten sich persönlich an der Spitze eines Aufgebotes von mehreren hundert Polizisten, darunter eines Trupps berittener Polizei in der Gegend der Klagemauer, eingefunden, um die Aufrechterhaltung der Ordnung zu überwachen. In Tel-Aviv formierte sich nach 'Abhaltung der Trauergebete ein großer Zug, der sich auf das- Stadthaus zu bewegte. Eine Abordnung der' Demonstranten überreichte dem Stadtamte die Forderung der Judenschaft wegen Schutz ihrer Rechte an der Klagemauer. Ein Zug der Jugend (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 16. August, Am Tischa b‘Ab, dem 15. August, nachmittags, zogen mehr als 2000 jüdische junge Leute, unter ihnen Delegationen aus Tel-Aviv und den jüdischen Kolonien, mit zionistischen Fahnen durch' die Straßen Jerusalems, um für die Rechte der Juden auf die Klagemauer und gegen die die jüdischen Rechte beeinträchtigende Haltung der Regierung zu demonstrieren. Als der Zug den Platz vor der Klagemauer erreichte, wurde der Hymnus „Hatikwah“ gesungen. Hierauf erhoben alle Anwesenden ihre Arme imd schworen, jedes Opfer für die Mauer als jüdischem Besitz zu bringen. Eine Abordnung des Zuges begab sich' nach dem Regierungsgebäude, wo sie in Abwesenheit des stellvertretenden Oberkommissärs, Herrn Luke, von Herrn Mills empfangen wurde. Die Abordnung übergab Mills die von der Jugend Versammlung gefaßten Resolutionen, in denen gefordert wird, daß Großbritannien den Juden die Westmauer zurückgeben und die antizionistischen Beamten entlassen möge. Mills versprach, die ihm übermittelten Resolutionen an das Kolonialamt in: London weiterzuleiten und ermahnte die Jugend, eich auf die jüdischen nationalen Institutionen zu verlassen, die die jüdischen Rechte vertreten. Er wies auf die Resolutionen des Zionistenkongresses und der Jewish Agency hin sowie auf Weizmanns Ansprache auf dem Kongreß. Die Abordnung erwiderte, die jüdische Jugend wolle sich mit der Aktion der nationalen Institutionen nicht zufrieden geben. Neuer Ueberfall auf Juden an der Klagemauer (Eigenbericht der „Stimme“.), Jerusalem, 16. August. Am Vorabend des Geburtstages Mohammeds ist es an der Klagemauer abermals zu einem Zwischenfall gekommen. Mohammedaner überfielen zwei Juden, die dort beteten, und mißhandelten einen schwer. Die wenigen an der Tempelmauer stationierten Polizeikräfte konnten den Ueberfalleneu bei der Uebermacht der. Angreifer nicht zu Hilfe eilen, Die-Stiiafflnng in der Stadt int sehn erregt, ' “