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Die Stimme · 1929-08-15 · Heft 87 (15.8.1929) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 87 (15.8.1929)
Date
1929-08-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 8T Der Großmnfti von Jerusalem über die Rechte der Jaden an der Klagemaaer (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusalem, 9. Aiugu&t. Irr einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen1 Teicgraphenagentur erklärte de»' Großmirfti von Jerusalem, der gleichzeitig Präsident des Obersten Rates der Moslemiten Palästinas ist, das Recht der Juden an der Klagemauer beschränke sich darauf, an dieser Stelle Gebete zu verrichten; das gesamte Territorium aber gehöre den MosJemiten, die im Besitze von Dokumenten sind, die ihren Anspruch bekräftigen. Die gegenwärtig von den Moslemite'n an der Klagemauer vorgen-ommenen Bauarbei'ten, fügte der Großmai'fti hinzu, haben einzig und allein den Zweck, die Rechte der Moslemiten auf die Mauer zu unterstreichen. Die Juden müssen den Status quo respektieren. Der mohammedanische Rat provoziert Jerusalem, 10. August. (J. T. A.) Der höchste muselmännische Rat in Palästina richtete an den Oberkommissär, sowie an das Kolonialamt ein Telegramm, in dem die Juden beschuldigt werden den Status quo bei der Klagemauer zu übertreten. Der Rat protestiert dagegen, daß die Verpflichtungen, enthalten im bekannten Weißbuch der englischen Regierung, nicht eingehalten werden und gibt der Vermutung Ausdruck, daß diese Handlungsweise mit dem zionistischen Kongreß und mit der Kam* pagne wegen der Klagemauer in Zusammenhang *tehe. Schwere Lage der jüdischen Bevölkerung Litauens Die Zeitungen dürfen kein Wort über die antijüdischen Ausschreitungen melden. — Der verantwortliche Redakteur der „Ydischen Stime“ wegen einer andeutungsweisen Mitteilung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. — Keine behördliche Untersuchung der Geschehnisse. — In Kowno wurden sämtliche jüdischen Schilder zerstört. — Eine Synagoge geschändet, die Thorarollen zerrissen, Talmud- Folianten in den Abort geworfen. — Woldemaras sagt mit Rücksicht auf die Stimmung in der jüdischen Gesellschaft den angekündigten Besuch einer jüdischen Feier ab. (Eigenbericht der. „Stimme“.) e Kowno, 9. August. . Die Stimmung unter der jüdischen Bevölkerung aLs Folge der wiederholten schweren antisemitischen Ausschreitungen in den Kownoer Vorstädten, die unter Duldung und zum Teil direkter Mitwirkung der Polizei vor sich gingen und allein in Slobodka 63 jüdische Verletzte zur Folge hatten, ist fortdauernd eine sehr gedrückte. Den Zeitungen ist es nach wie vor verboten, etwas über diese Ausschreitungen verlauten zu lassen. Der verantwortliche Redakteur der „Ydischen Stime“, der einz;gen in Litauen erscheinenden jüdischen Tageszeitung, die nur indirekt und andeutungsweise auf die Geschehnisse hinwies, wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Chefredakteur der „Ydischen Stime“, Dr. R. Rubinstein, eine führende Persönlichkeit im jüdischen Leben Litauens, besuchte zum zweitenmal den Ministerpräsidenten Woldemaras und machte ihn darauf aufmerksam, daß trotz der vom Ministerpräsidenten gegenüber Dr. Rubinstein abgegebenen Versicherung, daß eine strenge Untersuchung durchgeführt und die Schuldigen bestraft werden würden, bis heute nicht die geringsten Anstalten einer solchen Untersuchung getroffen wurden. Ministerpräsident Woldemaras erwiderte, es könne eine solche Untersuchung erst eingele!tet werden, wenn diejenigen Personen, die unter den Ausschreitungen zu leiden hatten, Anzeige bei den Behörden erstattet haben werden. Bis jetzt lagen solche Anzeigen nicht vor. Inzwischen dauert die Hetze gegen die jüdische Bevölkerung fort. In Kowno wurden sämtliche Firmenschilder mit jüdischen Aufschriften mit Teer und Farbe bestrichen und unbrauchbar gemacht. Ein englischer Bürger namens Sem Hafner wollte die Banden, die mit den Teer- und Farbentöpfen herumgingen, an ihrem Werke hindern, die Polizei nahm aber für die Banden Partei. Herr Sem Hafner reichte wegen des Verhaltens der Polizei gegen seine Pereon eine Beschwerde beim englischen Gesandten ein. In dem Städtchen Jakobowa, Kreis Kretingen, wurde die Ortssynagoge geschändet. Die Thorarollen wurden zerrissen und auseinandergestreut. Die Talmudfolianten und andere religiöse Werke, die in einem Bücherschrank aufbewahrt wurden, wurden zerris¬ Lebensversicherungs- Gesellschaft PHÖNIX GEGRÜNDET IM JAHRE 1882 Versfoherungsbestand Garantiemittel Ende 1928 2 Milliarden Sohllllng 242 Millionen Sohllllng Prämien- und Zineenelnnahmen Im Jahre 1928 97 6 Millionen Sohllllng Auszahlungen an die Versicherten Im Jahre 1928 26.6 „ „ Tätigkeitsgebiet der Gesellaohaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien Türkei, Aegypten Die Gesellschaft sohlleSt zu billigen Prämien und günstigen Bedingungen Kapitals- und Rentenversicherungen jeder Art ab Weuelngeführt; KINDER-VERSORGUNGS-VERSICHERUNG (Auszahlung eines Kapitals bei Verheiratung, Studienbeitrag, Rückerstattung der eingezahlten Prämien bei Ableben des Kindes) Invalldltfitsversfoherung (Zahlung einer Rente bei Eintritt der Erwerbsunfähigkeit und Auszahlung des versicherten Kapitals nach dreijähriger Dauer der Invalidität) sen und in den Abort geworfen. Die Polizei tut nichts, um die Schuldigen, die man leicht feststellen kann, zur Verantwortung zu ziehen. Die litauische Gesandtschaft in Berlin leugnet die Pogrome ab. Berlin, 9. August. (J. T. A.) Die Berliner litauische Gesandtschaft versendet eine Mitteilung an die Presse, in der es heißt, daß die Meldung, wonach in Kowno sich Judenpogrome ereignet hätten, den Tatsachen nicht entspricht. Dazu ist zu bemerken, daß außer den auf Informationen von unbezweifelbarer Authenzität beruhenden Nachrichten der „Jüdischen Telegraphen-Agentur“ auch die Rigaer nichtjüdische Presse, u. a. auch die deutsch geschriebene „Rigaische Rundschau“ auf Grund telephonischer Meldungen aus Kowno ausführliche Mitteilungen über die Geschehnisse bringt. Die antijüdisch gestimmte Presse außerhalb Litauens versucht das Verhalten der Schützenvereine und der Polizei als Gegenmaßnahme gegen die geplanten kommunistischen Demonstrationen hinzustellen; d;es obwohl bei den 63 allein in Slobodka festgcstellten Juden es sich fast ausschließlich um orthodox gesinnte jüdische Bürger und um Zöglinge der berühmten TalmudhochschuJe handelt, die ihrer Anschauung nach niemals irgendeine Beziehung zum Kommunismus haben können. Man ist in Kowno der Ansicht, daß auch den 36 meist im ganz jugendlichen Alter stehenden Jünglingen und Mädchen, die wegen Abhaltung einer Sitzung in ihrem Vereinslokal durch den Militärkommandanten zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurden, ein schweres Unrecht geschehen;st, da es sich auch hier nicht um einen kommunistischen, sondern um einen Kulturverein handelt. Aus der jüdischen Welt Louis B. Mayer lehnt den ihm angebotenen Posten eines Botschafters in der Türkei ab New York, 8. August (J. T. A.) Der berühmte amerikanische Filmmagnat Louis B. Mayer, der gegenwärtig als Gast des' Präsidenten Hoover sich im Weißen Hause aufhält, hat den von Hoover amgebotenen Posten eines Botschafters der Vereinigten Staaten in der Türkei abgelehnt. — Der Posten eines Botschafters der Vereinigten Staaten in der Türkei war bisher dreimal von Juden besetzt gewesen, and zwar von Oskar S. Straus, Henry Morgenthau und Abram I. Elkus. Sowjetbann gegen Schalom Asch Moskau, 10. August (J. T. A.). Die kommunistische Presse teilt 'mit, daß die öffentlichen Bibliotheken in den Ländern der Sowjet-Union den jüdischen Dichter Schalom Asch auf die «Schwarze Liste» gesetzt haben. Seine Werke werden nicht mehr an Leser ausgegeben. Als Grund wird angegeben, daß Schalom Asch einen ihm von Marschall Pilsudski verliehenen Orden angenommen habe. Der „Lubawitscher Rebbe“ in Jerusalem Jerusalem (J. T. A.). Rabbi Schneeursohn, der berühmte «Lubawitscher Rebbe», der in Rußland wegen seiner Arbeit zugunsten der Jeschiwoth hart verfolgt und längere Zeit in Haft behalten wurde, ist in Jerusalem eingetroffen, »um mit den Oberrabbinern von Palästina über eine Aktion gegen die Verfolgung der jüdischen Religion in der Sowjetunion zu beraten. Er begibt sich von Palästina nach Amerika, um die notwendigen Fonds für die Erhaltung der Jeschiwoth aufzubringen. Neues Jüdisches Theater (Praterstraße 60). Der Leitung des «Neuen Jüdischen Theaters» ist es gelungen, den berühmten Schauspieler Boris Auerbach für ein kurzes Gastspiel zu gewinnen. Ab Samstag, den 17. d. M. gelangt täglich zur Aufführung: S. Libius «Verlorene Jugend», Lebensbild in drei Akten, Musik von A. Brody. Gleichzeitig wird auch der beliebte Charakterkomiker A. K a r p aus New York ein kurzes Gastspiel absolvieren. Briefe aus der Provinz Aus Ischl wird uns geschrieben: Am 5. d. M. veranstalteten die vereinigten Keren Kajemeth-Kommissionen Linz und Salzburg eine Vorführung des Filmes «Frühling in Palästina» in Bad Ischl, welcher dank der glänzenden Vorbereitung und Durchführung ein voller Erfolg beschieden war. Das Esplanaden-Kino war von einer wirklich andächtigen und schließlich begeisterten Zuschauermenge erfüllt. Die einleitenden Worte sprach Dr. Fritz Löhner-Beda, der das Publikum durch seine herrliche Rede zu einem Beifallssturm hinriß. Allen, die mitgewirkt haben, dieser Veranstaltung zu einem vollen Erfolg zu verhelfen, sei hier, der herzlichste Dank ausgesprochen. Vereinsnachrichten Die C. I. E, ladet jüdische Studenten ein Am 11. d. M. wurde in Budapest der Internationale Kongreß d/er C. I. E. (Confederation Internationale des Etudiants) eröffnet, dom diiie Juden nicht angelhören, da die Mitgliedschaft auf Staaten und nicht auf Nationen begründet ist, aus welchen Gründen auch die Deutschen der C. I. E. nicht angehören. Die jüdische Studentenschaft wurde zu diesem Kongreß sehr herzlich eingeladen und der Wel.tverfoand der jüdischen Studentenschaft wird an ihn höchsövvahrschemirch durch Gäste (Obser.ver) vertreten sein. Der Bukowinaer Zentralverband in Wien gibt bekann.t, daß unser Verbandsanwalt nach der Bukowina abreist und werden alle Landsleute dringendst ersucht, in Heimatrechts- oder Erbschaftsangelegenheiten sich tunlichst bald (nur schriftlich) an unser Sekretariat, Wien, I„ Elisabethstraße 9, zu wenden. Parteien verkehr: Dienstag von 5—6 Uhr nachmittags. linahdoino Friedländer & Deutsch Ul UlfUllillllU Wien, Hr.ä Tel. ü 28-1-28 XI., Zontrulfriedhof, neben dem 1. Tor, Tel. U 18-0-85 Bernhard Kohn WIEN, l„ HIMMELPF0RTGA88E 20 KLAVIERE In allen Preislagen, neu von 8 1440 an Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Für das Zionistische Landeskorratee, Wien, I., Kärntnerstraße 28, Dr. Leo Goldhammer, Wien, IX., Roßauerlände 23. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Sigmund Finkeistein, Wien, I., Rauhensteingasse 1. — Druck: «Inva», Wien, VII., Lerchenfelderstraße l.

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