Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 87 (15.8.1929)
- Date
- 1929-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Aniiiikdische Exzesse in lüaaen Schlußsitzung des zionistischen Kongresses Die Wahl der Exekutive (Eigenbericht der «Stimme».) Z ü r i c h, 11. August. : Frühmorgens trat der Kongreß zur Wahl der Exekutive. Es wurde der Beschluß gefaßt, die Einteilung der zwei Zentralen in London und Jerusalem wie auch die Einteilung der Ressorts der einzelnen Exekutivmitglieder der Exekutive zu überlassen. Bei der Abstimmung wurden gewühlt: Präsident der Zionistischen Organisation Dr. Weizmann, Präsident der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow. Mitglieder der Exekutive: Henriette Szold (Jerusalem), Lazarus Barth (Berlin), Meier Berlin (Jerusalem), Professor Brodetsky (London)} Ingenieur Kaplansky (Jerusalem), Colonel Kish (Jerusalem), Louis Lipsld (New York), Dr. Rosenblüth (London), Dr. Arthur Ruppin (Jerusalem), Josef Sprmzak (Jerusalem). Die Revisionisten stimmten gegen die gesamte Exekutive und hielten sich nur bei Sokolow von der Abstimmung ab. Nach der Wahl der Exekutive wurden 54 Mitglieder des Aktionskomitees und 54 Stellvertreter gewählt. Dieselben werden zusammen laut Beschlüssen des Kongresses die zionistische Hälfte der jüdischen Agency bilden. Gleichzeitig wurden als Virilfeten des A. C. Ussischkin, Leo Motzkin und Schmarjahu Lewin gewählt. Um viertel zehn Uhr früh wurde der Kongreß mit dem Absingen der Hatikwah geschlossen. Die zweite Lesung des Agency- Statutes KEigenbericht der «Stimme».) Bävor die Plenarsitzung eröffnet wurde, haben die palästinensischen Delegaten und Gäste hebräische Lied gesungen, woran sich auch die hebräischen Dichter Saul Tschernichöwski und Leib Jaffe beteiligten. Dies frischte die Stimmung im Saale auf. Nach der Eröffnung der Sitzung wurd^ eine Reihe Resolutionen der Organisatiönskornmissfon angenommen, darunter eine Resolution, daß die Exekutive die zionistische Organisation, nach außen vertritt und als solche berechtigt ist, im Namen der Organisation Abmachungen zu treffen. Während dieser Zeit fanden erregte Verhandlungen hinter den Kulissen statt, da Weizmann auf die rascheste Wahl der Exekutive drängte. Indessen wurde der Permanenzausschuß zu einerdringenden wd die, Mitglieder der Hitachdut und des Misrachi hielten besondere Beratungen über, die Zusammensetzung der neuen Exekutive ab. Im Saale verblieben lediglich die PoäletZiön, die Revisionisten und ein Teil der allgemeinen Zionisten. Die Abstimmung ergab unter diesen Umständen bei der zweiten Lesung des Agencyvertrages eine Majorität von 94 Stimmen und 21 dagegen. Stürmische Abstimmung über die Agency Resolutionen Die Annahme des Agency-Antrages in dritter Lesung. — Die Frage der Bindung der zionistischen Mitglieder der Agency . (Eigenbericht der «Stimme».) Spät nachts trat der Kongreß zur Abstimmung über die Bindung der zionistischen Mitglieder der Jewish Agency zusammen. Vor der Abstimmung gab es einen stürmischen Kampf zwischen der Minderheit und dem Präsidium des Kongresses, Wegen der Art der Abstimmung.. Mit einer überwiegenden Majorität wurde die Mchrheitsresolution der Ageny-Kommission angenommen, derzufolge bis zum nächsten Kongreß die Bindung der Mitglieder in der Agency abgelehnt wurde. Die Linke hat daraufhin eine Resolution eingebracht, derzufolge die zionistischen Mitglieder der Agency verpflichtet werden in , grundsätzlichen Fragen einheitlich zu stimmen, und zwar im Rahmen der Beschlüsse des jetzigen wie auch der früheren Kongresse. Bezüglich der Konstitution der Agency und der Zionistischen Organisation wurden die Resolutionen mit Mehrheit angenommen. Eine dramatische Szene während der dritten Lesung des Agency-Statuts (Eigenbericht der «Stimme».) Vor der namentlichen Abstimmung bei der dritten Lesung des Agencystatuts haben die Führer einzelner Fraktionen ihre Deklarationen : vorgelesen. Während der Vorlesung einer der Deklarationen wandte sich Orünbaum mit lauter Stimme zu Doktor Weizmann; «Werden Sie, Herr Präsident, den Agency-Vertrag auch dann unterschreiben, wenn die Nichtzionisten bei ihrer Forderung verharren werden, daß der nächste Kongreß keine Exekutive wählt, sondern die Walif derselben der Agency überläßt?» Dr. Weizmann, der sich auf der Kongrfcßtribüne; befand, antwortete sofort: «Ich verstehe, daß die Abstimmung mich' verpflichtet alles zu tun, was möglich ist, um die Nichtzionisten zur Respektierung der Rechte, des Kongresses zu bewegen. Sollte dies nicht gelingen, dann werde, ich sofort die zionistische Hälfte der Agency zurückziehen und eine richtige Antwort geben.» Grünbäum: «Würden :Sie, Herr Präsident, zur Beruhigung des Kongresses schon heute uns nicht Ihre Antwort an die Nichtzionisten mitteilen?» Weizmann antwortete darauf mit einem kurzen «Nein». Däs laute Zwiegespräch Weizmann—Grünbaum wurde vom Kongresse stillschweigend angehört. Annahme des Budgets trotz des Vetos der Exekutive (Eigenbericht der «Stimme».), Z ü r i c h, 9. August. Nach der Annahme der Resolutionen der Organisationskommission trat der Kongreß an die Abstimmung über die Vorschläge der Budgetkammission heran. Es wurde über jeden Antrag eine stürmische Debatte abgeführt. Im Namen der Exekutive erklärte Sacher, daß das Budget-Präliminare, welches die Budget-Kommission vorgelegt hat, für die Exekutive unannehmbar erscheint, weil es nicht im Einklang mit dem Prinzip der Sparsamkeit und der Konsolidierung der Finanzen stehe. So hat die Kommission die Subventionen für die Misrachi-Schulen erhöht und eine Subvention für die Habimah und das Arbeitertheater vorgeschlagen.; Die Exekutive lehnt daher die Verantwortung für ein solches Budgetab. Trotz dieser Erklärung wurde das Budget- Präliminare in der Höhe von 759.009 Pfund und einer Zusatzhöhe von 250.000 Pfund für den Nationalfonds angenommen. Baron Edmund Rothschild übernimmt den Ehrenvorsitz der Agency (Eigenbericht der «Stimme».); Präsident Dr. Weizmann erhielt vom Baron Edmund Rothschild, dem ersten Gründer der jüdischen Kolonien in Erez Israel ein Telegramm, in dem Rothschild seiner Freude Ausdruck gibt über das Zustandekommen der erweiterten Jewish Agency. Baron Rothschild erklärt sich zugleich bereit, den Ehrenvorsitz der Jewish Agency anzunehmen.