Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 84 (2.8.1929)
- Date
- 1929-08-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE STIMME Kr. 84 Die Palästinafrage auf dem Weltkongreß der Antiimperialisten Schaffe Auseinandersetzung zwischen den linken Poalezionisten und der arabischen Delegation. — Deutsche und französische Delegation schließen sich der antizionistischen Erklärung der Araber an. Frankfurt a. M„ 26. Juli (J. T. A.) Mit einer fünftägigen Verspätung trat der II. Weltkongreß der cLiga gegen Imperialismus und nationale Unterdrückung» in der Nacht zum 26. Juli in die Behandlung der Palästinafrage ein. Hierbei kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen den arabischen Delegieren und dem Vertreter der linken Poale Zion, Ben Saul, Youssef (Aegypten) eröffnete die Aussprache über das arabische Problem. Das gesamte riesige arabische Gebiet ächze unter dem Joche des Imperialismus. Man habe dem Führer des linken Flügels des palästinensisch-arabischen Kongresses, Handi d Hussein!, das Visum verweigert, um ihm die Teilnahme am Frankfurter Kongreß unmöglich zu machen. Budein (Irak) erklärte, Palästina sei ein Streitobjekt zwischen England und Frankreich, wobei die Arbeiter und Bauern das unfreiwillige Scblachtopfer abgeben. Die Balfour-Deklaration sei schlimmste Heuchelei; in Palästina gebe es keine Freiheit, es herrsche dort große Armut und chronische Arbeitslosigkeit. Der Kampf der Revolutionäre gehe unterirdisch weiter bis zum siegreichen Ende. Ben Said (Palästina) vertrat den Standpunkt der linken Poale Zion. Er verteidigt die Rechte des jüdischen Proletariats auf Palästina und führte aus, innerhalb Palästinas zerfalle die Bevölkerung in arabische und jüdische Sektoren. Nach der Rede von Ben Saul gaben diie arabischen Delegierten eine Erklärung ab, in der sie dagegen protestierten, daß ein Zionist auch im Kongreß der Liga gegen Imperialismus aufzutreten wagt. Saklatvala (Indien) sprach die Meinung des Kongresses wie folgt aus: Der Konflikt zwischen den Arabern und den Zionisten wird von uns geprüft werden. Wir müssen jedoch unsere Sympathie allen jenen versagen, die nach Palästina gehen, um den Imperialisten m helfen, die Revolution zu unterdrücken. Die Liga ist nicht gegen jene, die als Freunde der Araber nach Palästina kommen, aber gegen jene, die nach Palästina gehen, um die Araber zu beherrschen. Die Sprecher der französischen und der deutschen Delegation schlossen sich der Erklärung der Araber an. Die jüdische Gemeinde in Charbin bedroht M o s k a u, 26. Juli. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit Iden russisch-chinesischen Wirren ist die Existenz der jungen, aber schon sehr gefestigten jüdischen Gemeinde in Charbin bedroht. Die Mitglieder der Gemeinde setzen sich hauptsächlich aus russischen Juden zusammen, die, obwohl nicht Bürger der heutigen Sowjetunion, dennoch als der feindlichen Partei angehörig angesehen werden. Die in der Mandschurei1 in großer Zahl lebenden wcißgardistischen Offiziere der früheren Armee Denfkins und der Banden Semencws strömen in die Stadt, um sich der eventuellen Kampffront gegen Scwjetrußland anzuschließen. Inzwischen haben sie damit begonnen, die jüdische Bevölkerung Gharbins zu terrorisieren. Die soeben in Moskau eingetroffenen, aus Charbin ausgewiesenen sowjetrussischen Beamten teilten dem JTA-Vertreter mit, daß bei ihrer Abreise unter den Juden Charbins eine Panik herrschte; es zirkulierten Gerüchte, daß die weißgardistischen Offiziere Massakers gegen die Juden vorbereiten. Der Vorsitzende der P .. . gggggBBSBBBg .... Die direkte Palästina-Linie des L1 o y d T riest i n o erfreut sich eines immer steigenden Zuspruches. .Tatsache ist, daß sowohl die Abfahrten von Triest als auch jene von Jaffa und Haifa viele Wochen vorher in allen Klassen voilgebucht sind. Alle Abfahrten bis Oktober sind mit Kongreßteilnehmern, Chaluzims, katholischen Pilgern, Touristen-Gesellschaften sehr starte besetzt. Die beiden sehr komfortablen Schiffe «Adria» und «Carnaro» konnten sich sehr rasch in die Gunst des reisenden Publikums setzen. Hiezu kommt noch der ungemein wohlfeile Preis, der es auch dem Minderbemittelten, ja sogar dem Arbeiter gestattet, eine Reise nach Europa zu machen. Wir machen unsere Leser aufmerksam, daß eine Fahrt von Triest nach Erez Israel und zurück in der dritten Klasse mit Kabine und Verpflegung bloß österr. S 345.— kostet. An Touristengesellschaften werden Ermäßigungen gewährt. Leider müssen wir konstatieren, daß diese außerordentlich günstige Gelegenheit von unseren Gesinnungsgenossen in Oesterreich nicht besonders erfaßt und daher auch nicht sonderlich ausgenützt worden ist. jüdischen Gemeinde wandte sich an die chinesische Behörde «um Schute Eine große Zahl jüdischer Familien hat die Stadt bereits verlassen* Die jüd. Charaktereigenschaften in ihrer Abhängigkeit von Rasse und Landschaft Die deutsche Gesellschaft für Rassenhygiene, Ortsgruppe Bremen, befaßte sich in ihrer letzten Vortragsveranstaltung mit der Judenfrage. Der Ordinarius für Geographie an der Hamburger Universität Prof. Passarge sprach über das Thema; „Die jüdischen Charaktereigenschaften in ihrer Abhängigkeit von Rasse und Landschaft“. Vielfältig wie in ganz Kleinasien sei die Rassenmischung auch im heutigen Palästina und im Judentum der Neuzeit. Unter den Juden sind alle Typen der# hamito-indo-australischen Völkergruppe vertreten, pigmentiert in Palästina, unpigmentiert im Westen. Elemente, die in europäischen Völkern nicht gefunden werden, die man aber als typisch jüdische zu bezeichnen gewohnt ‘st, zeigen sich am ausgeprägtesten im südarabischen Formenkreis; aber gerade diese ArabeT zeigten nichtts von den jüdischen Charaktereigenschaften. Auch die alten Juden seien in Palästina ein kriegerisches Gobirgsvolk gewesen und mit den heutigen Juden nicht zu identifizieren. Das jüdische Problem sei nicht als Rassenproblem, vielmehr als ein Problem der Erziehung aufzufassen. Die heute bei den Juden zu konstatierenden Charaktereigenschaften seien Ergebnis der langen Einsperrung im Ghetto. An Hand zahlreicher Lichtbilder zeigte der Referent, daß man von einer jüdischen Rasse nicht sprechen könne, es gäbe keine Gleichmäßigkeit, auch keine spez:ell jüdischen Rassenmerkmale. In Spanien und Portugal seien im Laufe der letzten Jahrhunderte über zwei Millionen Juden vollständig assimiliert und absorbiert worden. Das jüdische Problem sei nur ein Umweltsproblem; der Wandel erfolge viel schneller als man gewöhnlich annehme. An der Lösung der Judenfrage wirke vor allem: die geringe Nachkommenziffer, der außerordentliche Geburtenrückgang bei den Juden der Großstadt mit. Prof. Passarge, dessen Ausflüge in die rein völkische Ideenwelt seinerzeit viel Aufsehen erregten, scheint nun allmählich zu einer leidenschaftsloseren, mehr wissenschaftlichen Betrachtung des Problems gelangt zu sein, wenn natürlich seine Schlüsse auch noch stark nach der seitherigen Einstellung hinweisen. Jüdischer Frauenverein Linz. In der letzten Generalversammlung des Jüdischen Frauenvereines wurde der Beschluß gefaßt, der verstorbenen, langjährigen Präsidentin des Vereines, Frau Marie Heller, in Würdigung ihrer großen Verdienste einen Grabstein zu stellen. Da die Mittel des Vereines hiezu nicht ausreichen, ergeht an alle Freunde der Verstorbenen auf diesem Wege die Bitte, Spenden zu diesem Zwecke an die Vereinskassierin, Frau Martha May, Schillerstraße 45, Telephon 2852, gelangen zu lassen. Auf Wunsch wird die Spende gegen vorherige telephonische Anmeldung abgeholt. Bisheriges Ergebnis: S 135.—. AmtücheVerlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Israelitische Kultusgemeinde Wien. Zahl 5202 ex 1929. Stipendien für Krankenschwestem-Elevinnen. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat beschlossen, an jüdische Frequentantinnen der Krankenpflegeschule der Oesterreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuze zwei Stipendien im Betrage von je 1200 S während des ersten Lehrjahres und von je 600 S während des zweiten und dritten Lehrjahres und drei Stipendien im Betrage von je 600 S während des ersten Lehrjahres und von je 300 S während des zweiten und dritten Lehrjahres zur Verleihung zu bringen. Die Frequentantinnen erhalten während der ganzen Ausbildungszeit freie Station in der Kranken» pflegeschule. Der Bezug des Stipendiums durch die ganze Ausbildungszeit wird von den durch die vorschriftsmäßigen Prüfungen nachzuweisenden guten Lernerfolgen abhängig gemacht Die mit einem Stipendium Bedachten haben sich zu verpflichten, als Pflegeschwestern im Spitale oder in der Versorgungsanstalt der israelitischen Kultusgemeinde durch mindestens drei Jahre tätig zu sein. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien wird sich unter noch näher bekanntzugebenden Bedingungen verpflichten, den mit einem Stipendium Bedachten die den Gesamtbetrag des ihnen verliehenen Stipendiums übersteigenden Ausbildungskosten in der Krankenpflegeschule der Oesterreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuze in dem Falle rückzuersetzen, daß die Stipendistinnen tatsächlich eine dreijährige Dienstzeit als Pflegeschwestern im Spitale oder m der Versorgungsanstalt der Israelitischen Kultusgemeinde zurücklegen. Bewerberinnen wollen ihre mit den Personaldokumenten und der Besttäigung, daß sie üra die Aufnahme in die Krankenpflegeschule der Oesterreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuze angesucht haben, versehenen Gesuche bis spätestens 20. August 1929 in der Amtsdirektion der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, einbringen. Daselbst sind die Aufnahmsbedingungen der oberwähnten Krankenpflegeschule unentgeltlich erhältlich und werden auch die näheren Modalitäten der Verleihung des Stipendiums bekanntgegeben. Wien 31. Juli 1929. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien. «Neues Jüdisches Theater» (Praterstraße 60), Samstag gelangt die dreiaktige Gesangskamöcüe «Tates un Kinder . . .»'von A. Saldo, Musik von L. Jtrragimann zur Erstaufführung. bk Nicht ausdrücklich abbestellteAbonnemanfs gelten als welterbestehend I Preiswerter Einkauf erhöht ürren Umsatz, Ihren Gewinnt Darum besuchen Sie ab 25. August 1929 die Leipziger Herbstmesse Sie bietet Ihnen günstigste Einkaufsmöglichketten! 25°/o Fahrpreisermäßigung auf Österreich^ sehen, tschechoslowakischen und deutschen Bahnen. Auskünfte, Fahrkarten- und Quer* tierkartenausgabe durch die fUnfsstelle des Leipziger ITIessamis för Oesterreich Wien, l„ SeÜerstätte 7, Telephon R 21-1-7& Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Für das Zionistische Landeskomitee, Wien, I., Kämtneretraße 28 Dr. Leo Gotdbamtner, Wien, Dt, Roßaiterfönde 23.—VttanfcwQftticher Redakteur: Dr. Sigm-nd Finkeistein, Wien, I., Rauhensteingasse 1. — Drude: «fwa», Wien, VIL, LenhenMderstedk L