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Die Stimme · 1929-07-25 · Heft 82 (25.7.1929) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 82 (25.7.1929)
Date
1929-07-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Preis 35 Groschen Zeitung von Verleger versendet Journal erpedte par r&Htettr Abonuementpreise: Für Oesterreich: McmatL S 1-50, viertelj. S 4.20, gan<zj. 16.— / Deutschland: Monatl. GoWmark 1.—, viertel]. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdiscfke Zeitung KraeXn«slni ierten DonnmiaG StedoMloia und JldLmtnistwation: Wien, IM £toiilkensfeingasse 1 - flißL R 26-3-0% Polen: Monatl. Zloty 2.30, viertel]. Zloty 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertel] Pengö 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertel]. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monatl Belga 2.—, viortelj. BeJga 5.— / Uebrlgar Ausland: Monat!. Schweizer Franken 1.50 2. Jahrgang Wien, 25. Juli l929 (17. Tammus 5689) Nummer 82 jDle „Stimme“ erscheint während der Mon&reßzeit zweimal wöchentlich! Die „Stimme“ hat für die Dauer der Kongreßtagc in Zürich einen eigenen Nachrichtendienst eingerichtet, der unsere Leser zweimal wöchentlich über die wichtigsten Kongreßereignisse und Debatten genau informieren wird. Als Berichterstatter der „Stimme“ haben wir Herrn D r. Ta 1 o Nussenbl;a,t t nach Zürich entsandt und außer ihm werden wir Berichte der Herren Dr. SicgfricdSchmitz, D r. Israe 1 Ta uh es und.- Er ^41,0:0 kt o r. Martha Hoffman n fortlaufend bringen- , j Während der Kongreßdauer wird daher die „Stimme“ zweimal wöchentlich erscheinen, und zwar am Dienstag und Freitag; Die nächste Ausgabe vom Dienstag, den 30. Juli 1929 wird, bereits einen genauen Bericht über die Eröffnungssitzung des Kongresses enthalten. In Zürich wird die „Stimme“ im Kongreßgebüude in der Buchhandlungsabteilung Dr. Glanz eiphäit]^e|i seinbraoht, daß „es drei Methoden“ gibt, Kapital zu bekommen: l.bei der haute finance; 2.bei kleinen privaten Banken; 3. durch öffentliche Subskriptionen, Zuerst soll der erste Plan versucht werden; bei seinem Versagen der zweite und wenn alle beide versagen, „muß die Society of Jews versuchen, die Company für eine nationale Subskription zu gewinnen“. In der Society of Jews und in der Jewish Company zusammen, finden wir bereits den Teil dessen, was sich später als die Jewish Agency entwickeln konnte. Aber zu Beginn scheint Herzl nicht ganz im Klaren darüber gewesen zu sein, inwieweit die Society oder die Company auf demokratischer Basis organisiert sein soll. „Mein Plan — sagte Herzl in London Juli 1896 in einer Bede an die Maccabeans — beruht nur darauf, daß unsere Armen nach der neuen Heimat auswahdern, die unsere alte Heimat ist, unterstützt durch die Wohlhabenden. Es sei dem wie es will, Herzls Appell fand kein Echo bei den englischen und anderen westlichen Juden und die Begründung der Zionistischen Organisation im Jahre 1897 bedeutete eine entschiedene Wendung in einer anderen Richtung. In des. „Contemporary Review“ von Oktober 1897 begründete Herzl den Vorhalt, der zionistische Kongreß wäre nicht wahrhaft repräsentativ, damit, daß er nicht den Beistand der „Gemeöndevorstände, Wohlfahrtsgesellschaften und aller jüdischen „Pickwick-Klubs hatte“. Ungeachtet dessen war Herzl sehr darum bemüht, daß die Zionistische Organisation ihre Grenzen erweitern soll und am zweiten Kongreß war der Grundton seiner Eröffnungsrede die „Eroberung der jüdischen Gemeinden.“ „Es kann* nicht länger so sein — sagte er — daß in, jüdischen Kultusgemeinden gegen Zion agitiert wird... Die Autorität der Kultusgemeinde, die Mittel, über die sie verfügt, die Personen, die sie erhält, dürfen nicht gegen den Volksgedanken. verwendet werden.“ Und nun rücken wir näher an die erweiterte Jewish Agency heran. Zwei Jahre später entwickelt Herzl in einem Artikel („Die Welt“ 1900, Nr. 1) seine Anschauungen über die vereinigte Front in einem konzilianten Tone. Nicht jeder, sagte er, schifft sich beim Startpunkt ein, manche finden es bequemer am Lande zu reisen und das Schiff erst am späteren Wege zu erreichen. Und „wir heißen sie alle willkommen — es gibt Platz und Arbeit für alle. „In einem späteren Zeitpunkt desselben Jahres hören wir seine berühmte Wiener Rede, bei einem Meeting von jüdischen Kaufleuten und Bankiers. Wieder spricht er von Kooperation und dem Verschwinden aller Differenzen für das allgemeine Wohl. Manche Zionisten, bemerkt er, könnten frohlocken, wenn sie von sich sagen könnten, sie seien nicht so wie die anderen Juden. Sie glauben genug getan zu haben, indem sie dem Ideal treu waren. Aber seien wir Realisten. „Ich bin für den Bauzionismus — sagt Herzl — ich möchte nicht, daß wir überflüssig mit Juden kämpfen; ich möchte daß wir mit Juden bauen.“ Wohl könnten auch andere Redensarten gebraucht werden, aber sicherlich wird es nicht leicht sein eine bessere Jewish Agency-Predigt zu finden. Herzl und die Jewish Agency Von Leonard Stein, politischer Sekretär der Exekutive der zionistischen Weltorganisation Es ist schwer über ein Thema „Herzl und die Jewish Agency“ zu schreiben, weil es uns ins Reich vager und halbgeformter Ideen verhetzt; eher in einer Welt unklarer Tendenzen,, als die der positiven Tatsachen. Es ist eine Frage, wie weit Herzl diese Entwicklung, die zp einer, permanenten Mitarbeit zwischen Zionisten .und den sogenannten „Nichtzionisten“ im Rahmen der erweiterten J. A. führte geahnt oder gar herheigewtinscht hatte. Diese D^nge sind eben so beschaffen, daß es schwer ist eine definitive Antwort zu erteilen. Herzls Gedanken Waren labil und sogar im Zeitraum von weniger als zehn Jahren zwischen der Niederschrift des Judenstaates im 1895 und seinem Tode in 1904 haben sich seine Ideen wesentlich geändert. Es ist auch nicht die Frage definitiver und klar abgegrenzter Entwioklungsstadien. Eine Phase knüpft sich an die andere und Herzls Anschauungen waren nie an ein unumstößliches Gebäude von Doktrinen gebunden. Und doch —■ war Herzl ein Träumer, so war er auch ein Realist. Er wußte, daß Grundsätze auf einen Wandel, je nach den Umständen, eingestellt sein müssen. Er konnte und hat auch nicht. die Jewish Agency, so wie wir sie heute kennen, vorausgesehen, ebenso wie er die Balfoür-Deklaration und das Mandat nicht vorausgesehen hat; aber seine Reden und Schriften, im Ganzen betrachtet, liefern uns Beweise für die. Annahme, daß er instinktmäßig für die Agency vorgearbeitet , hat: Die vereinigte Front war eiue seiner ge/ liebtesten Träume. Es wäre verfehlt, es höher zu werten und der beste Weg zur Illustrierung von Herzls Anschauungen ist, ihn selbst sprechen zu lassen. Das ist die Entschuldigung für die vielleicht allzu zahlreichen Zitate,rdie da folgen. Es ist nicht immer in Erinnerung, daß Herzl, bevor der „Jpdenstaat“ erschien, seine Ansichten in Privatgespräohen mit dem Baron Hirsch entwickelt hatte. Der Judenstaat erschien zu Beginn des Jahres 1896 und schon im. Frühjahr 1895 macht Herzl Versuche den Baron zu überzeugen, er möge sich an die Spitze einer Bewegung stellen, die die Lösung der Judenfrage durch eine Massenemigration herbeiführen will und vor allem diese Judenfrage als eine staatspolitische und nicht philantropische ansieht. Bevor der Judenstaat erschien, hatte Herzl seinen ersten Kontakt mit der erlesenen Gruppe englischer Juden, bekannt als die „Maccabeans“. In einer Rede an die „Maccabeans“ im November 1895 gab Herzl das erstemal seinen Plänen ein gewisses Maß von Publizität. Im Jänner 1896, als. der Judenstaat schon im'Druck war, veröffentlichte Herzl im Londoner „Jewish Chronicle“ ein langes Expos5, welches in der Tat eine Zusammenfassung seiner Broschüre war. Darin entwickelte er die Idee der „Society of Jews“, die solch wichtige Rolle in seinem Projekte spielt. Diese „Society“ sollte den Kern der Organisation bilden „aus dem Kreise der wackeren englischen Juden, denen ich in. London meinen Plan mitteilte.“ Er kommt auf diese Idee in seinen Tagebüchern zurück. Am 31. Mai 1896 schreibt er, daß er dem Dr. Bodenheimer einen Plan entwickelte, eine „Society of Jews“ in der Foiim eines General- und Exekutivkomitees zu gründen, welche beide hauptsächlich aus englischen Juden gebildet und durch kooptierte Mitglieder aus anderen Ländern verstärkt sein sollten. All dies soll zeigen, daß in den ersten Stadien Herzl eher in der Terminologie von Notabein und westlichen Juden dachte, als an eine Massenbewegung demokratischen. Charakters. Im Judenstaat selbst ist die Konstruktion von „Society of Jews“ und „Jewish Company“ eher vage. Was die Society anbelangt, spricht er sich nicht genau aus: „Diejenigen Juden, welche mit unserer Staatsidee übereinstimmen, werden sich an die Society anschließend Was die Company anbelangt, ist gesagt worden, daß ihr Sitz in London sein soll. Bezüglich der. Ressourcen wird vorge- [

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