Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 78 (27.6.1929)
- Date
- 1929-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053805-3053830--1099-3056425- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
IV. b. b. Preis 35 Groschen Zeitung vom Verleger versendet Journal expedid par l’dditeur Abonnementpreise: für Oesterreich: Monatl. S lüO, viertel]. S 420, ganzj. 16.— / Deutschland: Monatl. Goldmark 1.—, viertelj. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdische Zeitung Crsdielntf feden Donnerstag (Redaktion und Administration: Wien. 1.. ittaufkenateinäasse 1 — Jul. It 26-3-S4 Polen: Monatl. Zloty 2.30, viertelj. Zioij 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertelj. Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 wmmmnmmanmmmmmanns 2. Jahrgang Wien, 27. Juni 1929 (19. Siwan 5689) Nummer 78 Vandewölde, Blum und Henderson — die sozialistischen Freunde des Zionismus ... Eine Rede Vandeweldes auf der Konferenz des „Arbeitenden Erez Israelin War schau Unser Warschauer Korrespondent schreibt: Samstag abends wurde in Warschau im großen Kamnisky-Theater die Konferenz für das «arbeitende Erez Israel» eröffnet, an der 800 Delegierte und viele tausende Gäste teilnahmen. Es war eine große Manifestation für die Idee - der jüdischen: Arbeit in‘ Erez Israel, die durch die Teilnahme des belgischen Ministers V a n d e r v e 1 d e,, des großen Führers der zweiten sozialistischen internationale, besondere Bedeutung bekam. Nach einer ffebräiYchen Begrüßungsrede des palästinensischen Arbeiterführers Ben Zwi ergreift/ als erste Madame V a n d e r V el"d e das Wort, die in begeisterten Worten ihre Eindrücke von der letzten Palästinareise schildert. Die enthusiastischen Schilderungen der Rednerin ' klangen' in die Worte aus, daß in Erez Israel eine neue Sonne für den arbeitenden Menschen, für die ganze Welt aufgehe. Stürmisch begrüßt, betrat sodann Vanderv e 1 d e selbst die Tribüne. «Ich gehöre — sagte der große Sozialistenführer — zusammen mit Leon Blum, Henderson und anderen Freunden zu den begeistertsten Anhängern des Zionismus. Ich weiß wohl, daß es Leute gibt, die der Ansicht sind, daß'Zionismus und Sozialismus unvereinbar seien. Ich aber vertrete den Standpunkt, daß ein Sozialist immer auf .Seite: der Schwachen und Bedrückten zu stehen hat und darum .eben bin ich ein Freund des jüdischen Erez Israel, wie ich seinerzeit mit aufrichtiger Sympathie' für-die Unabhängigkeitsbewegung des polnischen ln würdiger, eindrucksvoller Weise feierte das Wiener Judentum die 25. Wiederkehr des Todestages Theodor Herzls. Samstag abends versammelte sich im großen Saale des Industriehauses eine nach vielen Hunderten zählende Masse zionistischer Männer und Frauen, die den toten Führer ehrten. Es war die diesjährige Herzl-Gedenkfeier des Zionistischen Landeskomitees. Eingeleitet wurde die Feier durch Vorträge des jüdischen Gesangsvereines unter der Leitung des Dirigenten Dimitrovsky. Sodann hielt' Felix Salten die Gedenkrede, die den toten Führer vor dem geistigen Auge der Zuhörer wieder auferstehen ließ. «Er war mit seiner ragenden Gestalt, mit seinem elfenbeinblassen Antlitz, mit seinem blauschwarzen Bart und den strahlend dunklen Augen so bezwingend schön, wie ein König aus dem Morgenland. Sein Wesen war gebieterisch und werbend zugleich und zuversichtlich, man fühlte seine angeborene Hoheit.» (Die Rede Felix Saltens geben wir an anderer Stelle auszugsweise wieder.) Sodann rezitierte Margarete Bach Zuckermanns «In memo- Volkes eintrat.» Vandervelde kam dann auf die Bedeutung des Judentums für die Menschheitskultur zu sprechen und führte aus: «Die antiken Juden haben der Welt die Propheten gegeben, in der jüngsten Vergangenheit haben sie Marx und Lassalle, die Kämpfer für Gerechtigkeit und Freiheit, hervörgebracht — jetztist es die: zionistische 'Idee, die die Welt dem jüdischen Volke verdankt » . . Ich besuchte — setzte Vandervelde fort — die jüdischen Kolonien Argentiniens und Erez Israels: — welch himmelweiter Unterschied in Verfassung Stimmung, im ganzen Wesen der jüdischen Kolonisten da und dort! Im gegenwärtigen Augenblick, da auch die Nichtzionisten an der Aufbauarbeit in Erez Israel teilnehmen, da Macdonald und Henderson die Leitung der englischen Regierung irinehaben, bin ich von der tiefsten Ueberzeugung erfüllt, daß Erez Israel in raschem Tempo wieder aufgebaut werden wird. Und haben denn die Juden für die Renaissance des arabische n Volkes wenig geleistet? Die Juden haben Kultur und Hygiene ins heilige Land getragen — warum zögert nun die Mandatarmacht, warum beschleunigt sie nicht Öen Aufbau des jüdischen Palästina? Gerade die Staatsmänner, die an der Verwirklichung des ■' sozialistischen Gerechtigkeitsideals arbeiten, sind begeisterte Freunde des aufstrebenden neuen jüdischen Jischuw inErez Israel . . . Die; Konferenz bereitete dem Redner stürmische Ovationen. riam Theodor Herzls», worauf der jüdische Gesangsverein einen weihevollen jüdischen Choral vortrug. Mit. dem Absingen der «Tikwah», die von den Anwesenden stehend angehört wurde, schloß die eindrucksvolle Feier. Sonntag vormittags am Döblinger Friedhof. Ein stummes Vorüberziehen endloser Züge. Langsam senkten sich die Fahnen und Standarten, die die . einzelnen Vereine mit sich trugen, vor dem Grabe Theodor Herzls. Wie alljährlich, hielten auch diesmal die Vertreter der jüdischen Studentenverbindungen und Chaluzim in schwarzer Arbeitstracht Ehrenwache» Den Zug eröffnten die zionistischen Studentenverbindungen. Dann folgten die Mitglieder des zionistischen Landeskomitees mit dem Präsidenten Dr. Ooldhammer, dem Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Löwenherz und dem Obmann des zionistischen Klubs Dr. Friedmann an der Spitze. Unter den ausländischen Gästen sah man den jüdischen Dichter Schalom Asch, den Rabbiner Professor Dr. Landau aus Südafrika u. a. Die zionistischen | Die im redaktionellen Teil -befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Kultusvorsteher waren nahezu vollzählig erschienen. Dann folgte die jüdische Jugend in allen Altersstufen, Knaben und Mädchen, alle sehnig, braungebrannt. Zuerst der Pfadfinderbund «Zeirenu» in blauen Pfadfinderhemden und Pfadfinderhüten. Bis zu den Toren des Gottesackers begleitete sie klingendes Spiel. Gruppen von Pfadfinderinnen, Trumpeldor- Jugend- Makkabi-Turner und -Turnerinnen, Abordnungen der zionistischen Jugendgruppen aus Krems sowie aus anderen Provinzstädten und aus dem benachbarten Ausland. Anschließend der Verein «Erez Israel», Schüler und Schülerinnen des Chajes-Realgymnasiums, die zionistische Mädchen Vereinigung «Mirjam», eine starke Gruppe der zionistischen Mittelschüieryereinigung des «Blau-Weiß» und die Mitglieder des Sportklubs Hakoah, die eine amerikanische Siegesfahne ihrem Zuge vorantrugen. Es folgte das Kartell der zionistisch-sozialistischen Jugendverbände, darunter Mitglieder der Hitachduth, des Brith Hamischar und Schömer Hazair. Die zionistischen Sozialisten trugen rote Fahnen und Standarten mit hebräischen Aufschriften. Ihnen folgten die einzelnen zionistischen Bezirkssektionen und Frauenorganisationen, Mitglieder des Misrachi und schließlich die Anhänger der revisionistischen und demokratischen Zionisten. Um halb 10 Uhr hatte sich der Zug formiert, nahezu drei Stunden lang defilierten die Wiener Zionisten in imposanten Zügen, geschmückt mit der blau-weißen Blume, dem Zeichen des Tages, an dem Grabe Theodor Herzls vorbei. Am Gang zum Herzigrabe nahm auch eine Delegation der Zionisten Brünns unter Führung des Gg. Dr. Meißner teil. Gedenkrede für Theodor Herzl .... Es war — führte Felix Salten aus — eine Art von Gesetzmäßigkeit, daß Herzls erstes Werber um die Wiener Intelektuellen vergeblich blieb. Es war trübselig, aber eine notwendige Folge der Entwicklung, daß seine Flugschrift ausgelacht wurde. Manche schüttelten sich vor Heiterkeit, als habe man ihnen einen glänzenden jüdischen Witz erzählt. Kurz nachher begann ihr Spott, begann mit vielen stumpfen und scharfen Nadelstichen ihr Hohn; dieser Hohn, den Herzl nicht ertragen konnte, der ihm eine der tödlichen Wunden zugefügt hat, an denen er gestorben ist. War aber anderes zu erwarten? Nein. Damals nicht. Die Männer, die um jene Zeit graue Haare hatten, auch die Männer, die zu Herzls Altersgenossen zählten, waren in der Epoche des Libera- . lismus aufgewachsen, erzogen und in der liberalen Weltanschauung wurzelhaft beheimatet. Sie dachten, die Judenfrage werde erledigt sein, wenn die restlose Assimilierung durchgeführt und gelungen sei. Sie lebten optima fide, vertrauensselig, nach edlen, freien Grundsätzen, und hatten keine Ahnung, daß sie sich in einem naiven Irrtum befanden. Die Affäre von Tisza-Eßlar war ihnen keine Warnung, Schönerer und sein Waidhofner Programm, das alle Juden für ehrlos erklärte, galt ihnen als ein siegreich überwundenes Intermezzo. Selbst Luegers triumphaler Aufstieg gab ihnen nur Stoff zu polemischen, zu satirischen Artikeln. Sie sahen in ihm nichts weiter, als einen virtuosen Gaukler, einen ehrgeizigen Streber, einen nach Popularität haschenden Demagogen, dem sehr bald dgr Atetti l mposante Herzl-Feiem der Wiener Zionisten Massenbesuch am Herzl-Grabe