Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 77 (20.6.1929)
- Date
- 1929-06-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 DIE STIMME Nr. 77 Die Krone Davids „Habimah“-Premiere. in lei Aviv Ueber die jüngste Erstaufführung der «iBimahin Tel Aviv veröffentlicht Arthur Köstler, der palästinensische Korrespondent der «Vossischen Zeitung', nachstehende Betrachtung. Die letzte Premiere der «Bimali» war ein ermüdendes Erlebnis; von 9 Uhr abends bis 1 Uhr früh balancierte man auf dem letzten, gewagtesten Grenzstreifen der Kunst; von Szene zu Szene tanzte das Barometer von höchster Ueberspannung zum absoluten Nullpunkt und zurück; und zum Schlüsse wußte niemand — niemand, nicht die erschöpften Schauspieler und nicht das zermürbte Publikum, ob es ein Erfolg oder ein Mißerfolg gewesen, ob das große Wagnis, das die «Bimali» unternommen, gelungen oder mißlungen war: das Hebräische Nationaldrama, die moderne Bibeltragödie zu schaffen. Die Bibel nicht das Mythos, sondern historische Begebenheit zu gestalten: Religion zu Comödia zu destillieren. Als Vorlage diente ein Stück Calderons; womit nicht gesagt sein will, daß Calderon das Stück als das seine erkannt hätte, denn D i k i ist ein hundertprozentiger Moskauer Regisseur. — David, der greise König, kehrt aus dem siegreichen Feldzug heim, es begrüßen ihn die Söhne, Prätendenten und Verliebte des neuen, strahlenden Gestirns: der Krone Israels. Abschalom, hysterischer Narziß, eitler Intrigant mit blonden Märchenlocken; Adonjahu, formlos und unbegabt, nur aus Instinkt nach der glitzernden Krone gierend; Salomo, der semitische Kirchenftirst, bleich und schön, klerikal und weise, cler bei Sonnenaufgang am schäumenden Lied der Lffeder vom Märchenleibe Schulamitns und bei Sonnenuntergang am bitterwehen Buch des Predigers KoheJeth, «0 Eitelkeit der Eitelkeiten ...» schreiben wird... Dann ist noch Elipeleth da, der Jüngste: schwachsinnig, reiner Tor und Raisonneur — und Tamar, die Tochter, nardenduftend und gazellensdhäank, die von Ammon, dem Thronfolger, mit sündhafter Gier begehrt wird. Inzest, Bruder- und Vatermord hängen sozusagen in der Luft. Tamar (die wunderbare Rowina, jede Geste Erlebnis und Beglückung) besucht Ammon, den Wüstling, will ihn mit .Harfenspiel bändigen und läutern — Ammon vergewaltigt sie. Der greise David weigert sich, den Aeltesten der von den Brüdern geforderten Strafe zuzuführen, da Israel seines starken Armes bedarf; da läßt ihn Abschalom bei einem Gelage erstechen. Nun ist für Abschalom der Weg zum Throne frei, er unternimmt einen Aufstand gegen den Vater, wird geschlagen, getötet — und zu David- Lear, der verzweifelt in den Bergen Judas irrt, bringt man auf einer Lanzen-Bahre nachts, bei Fackelschein, den toten Abschalom; aus dem schwarzen Leichentuch ragen nur die blonden Locken des Toten, wallen zur Erde hinab und schleifen der Bahre nach... Die letzte Szene hat ganz großes Format; die Tqkitverjüngung — Köpsrverschönerung. Das nunmehr auch in Oesterreich in zweiter Auflage erschienene S chiö n h e i t s 1 e x 1 k o n nach Prof. Senquin, enthält eine, größere Anzahl Rezepte,. Naturtieilmiittel und Weisungen, die auf dem Gebiete der Körper-, Haar- und Zahnpflege tatsächlich, verblüffende Erfolge zeitigen. Für Oesterreich wurde der Spottpreis von bloß S 5.50 bis auf weiteres festgesetzt. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, wo nicht vorrätig bei der Verlags-Expedition M. Fritz Sußmann, Wiien, I., Sakztorgasise 7, Tel. U 24-4-43. E XVI. ZIONISTEN KONGRESS Zürich, Juli 1929. KONGRESSPUBLIKATIONEN: 1. Berichte an den XVI. Zionistenkongreß: a) Bericht der Zionistischen Exekutive (hebräisch, englisch oder deutsch). . Frs. 3-70 b) Bericht des Keren Hayesod (hebräisch, englisch oder deutsch), . , 3*— c) Bericht des Keren Knyemeth Leisrael (hebräisch, englisch oder deutsch). . . 31— 2. Kongreßzeitung, einziges offizielles Organ des Kongresses, erscheint (in deutscher Sprache) während des Kongresses täglich; Abonnements In der Schweiz ....... „ in den Ubilgcn Ländern . * 3. Stenographisches Protokoll 3- 50 4- I i i i des XVI. Zionlstenkougres8es (ln deutscher f Sprache), erscheint im September 10äü . '<•£/; Generalabonnement für alte drei Publikationen ..... ie u; Die Besteller von Generol-Abonnc- 1 ments erhalten auf die Preise der Gast- ' karten zum Kongreß 10% Rabatt. | Bestellungen an d. Bureau d. XVI. Zlonistenkongressee, Brünn, Lehmstätte 17, Tschechoslovakel; Geldsendungen cn den Schweizerischen Bankverein, Zürich, für ReclMUflf dts Bursaus des XVI. Zlonlstenkongressss. Die Kongreßzeitung und das Kongreß- Protokoll sind ein unentbehrliches Hilfsmittel jedes Zionisten, der lückenlose und authentische Information Uber die gesetzgebende 1 Körperschaft des Zionismus wünscht. j Musik des genialen Palästinensers Rosowsky, Dekoration, Beleuchtung und Rhythmus der Gesten verschme'zzu einem tönenden Nocturno, zum typischen ’ mah-Raüsch, cler in begnadeten Augenblicke:; -es gewagte Theater durchglüht und versöhnt mit allen Unzulänglichkeiten . . . ... Deren es leider genug gibt. Man darf nicht jakobhaft mit dem Gotte ringen bei Frühstück, Mittag- und Abendbrot: man kann nicht vier Stunden lang auf halsbrecherischen Ekstase-Gipfeln balancieren, weil dadurch die primitivsten Rüstzeuge der Bühne: Steigerung und Entspannung vernichtet werden. Wo Ekstase zur Routine wird, kippt sie leicht ins Groteske um. Die Habimah sollte diesen Weg nicht weitergehen; es wäre schade um dieses wirklich einzigartige Theater, dessen tolle Experimente, auch wenn sie negativ ausfallen, niemals modischer Sucht entspringen, immer heißem Suchen nach jahrtausendelang verschütteten Inhalten und Formen. Und nur weil sie selbst den absoluten Maßstab für sich fordert, seien ihre Irrungen aufgezeigt: es hieße die «Bimah» beleidigen, begegnete man ihr mit lauwarmem Lobgehudel oder freundlicher Toleranz. Denn sie ist Ausdruck einer der erschütterndsten Marginalien dieses chaotischen Jahrhunderts: hebräische Renaissance. SIEGM. KORNMEHL I GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten, I Abteilungen für >,*lvE?3-Flei<ch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israejj litischen Kultusgemeinde Wien | Autozustellung kostenlos jjj IX, Berggasse 15 XVIII, Währingerstraße 97 | Schewuofh in Tel Aviv Die Feste in Palästina erhalten neue Bedeutung und neue Formen, obwohl oft die Neuheit in der Wiederbelebung uralter Bräuche besteht. Purim im Tel Aviv ist durch seinen Karneval berühmt geworden; Pessach in Jerusalem wird wieder von traditioneller Bedeutung, und das Schewuothfest wird auch mit neuem Geiste beseelt. Bisher wurde es nur in den Dörfern als das Fest der ersten reifen Frucht -gefeiert. Jetzt ist diese Sitte auch nach Tel Aviv gedrungen, und au dem auf das Fest folgenden Issru Chag war dort eine große Zusammen-kminift van Schulkindern aus den umliegenden Kolonien. Sie kamen aus Mi'kweh Jisrael, Borochow, Ramatgan, Risch on Lezion, Petacih Tikiwah, Ain Chaj, HerzLiaih, Ben Schemen und auch aus den Tel Aviver Schulen.. Das Musikikorps des Herzi-Gymnasiumis empfing mit den Tel Aviver Kindern die, welche aus den Dörfern kamen, am Ende der Atlem'bystraße, von wo aus die Prozession ihren Anfang nahm. Schiwerb.eladene Automobile und Wagen m-it Körben voll Feldfrüchten, Gemüsen, Obst, Hühnern, ‘Kücken, Eiern, Blumen, Wein, Honig usiw. schlossen sich an. Man zog durch die LiiMenblum-, He.rzl-, Aohad-Haam- Straß-e und Naohlatlh Benjamin. Empfangen vom den Vertretern des Keren Kajeimeth und des Kui!turkomitees der Tel Aviver Gemeinde, lauschten die Kinder alsdann der Auslegung des Traktats über Bikurim im Pentateuch und in der Mfschna. Das Singen der Hati-kiwah beendigte die hübsche Feier, nachdem die Kinder ihre Gaben dem Komitee überreicht hatten, das dieselben zugunsten des Fonds für die Erlösung des Bodens verwendete. Klias M. Epstein. Die neue britische Regierung und Erez Israel Die Persönlichksit des Koionienministers Sidney Webb -Aus London meldet J. T. A.: Staatssekretär für die Kolonien und Dominions in der Regierung Macdonald, Sidney Webb, der schon der ersten Arbeiterlegierimg unter Macdonald angehört hat, ist; soweit bekannt, mit einer öffentlichen Erklärung über die Frage Palästinas noch nicht hervorgetreten. Man weiß aber, daß er dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina mit starker Sympathie gegenübersteht. Der Ministerpräsident Ramsey Macdonald und andere Mitglieder der heutigen Arbeiterregierung sind bei verschiedenen offiziellen und inoffiziellen Gelegenheiten als unbeirrte Anhänger der Idee des Jüdischen Nationalheims hervorgetreten. Herr Thomas, der Kolonienminister in der ersten Arbeiterregierung war, hat in Erwiderung auf eine im Unterhaus von Herrn Charleton gestellte Frage folgendes erklärt: Die Regierung hat nach sorgfältiger Erwägung aller Umstände beschlossen, an der Politik der Balfour-Deklaration von 1917 festzuhalten und die Errichtung eines Nationalheims in Palästina für das jüdische Volk zu fördern, wobei natürlich nichts unternommen werden solle, was den zivilen und Herren* und Hamen-Kleider nach Man Btiek« Zahlt«* nach üebfMlnkommet. iGhaiifi ftodno Wien, VI., Äarlshilferstraßo 107, Tel. B 27-2*38 religiösen Rechten anderer Gemeinschaften im Lande Abbruch tun könnte. Das Problem der jüdischer. Arbeit in Erez Israel Willi die Palästina<eg!ijrung billige Arbeitskräfte aus den Nachbarländern einführen? Wie aus Palästina gemeine* wird, fand in Haifa eine masscnüiart fauchte Versammlung jüdischer Arbeiter statt, in der die Redner die Enthüllung machten, daß die Palästinaregienung die Einführung billiger Arbeitskräfte aus Syrien, Transjord-anien und dem Sudan plant. Die Redtner beschuldigten die Regierung, daß sie In ihrer gesamten Arbeitspolitik die Erhaltung eines niedrigen Lohinstandiards erstrebt und mit der Durchführung notwendiger öffentlicher Arbeiten, um das Lohnniveau zu drücken, zögert. Die Versamimituimg nah-m eine RescAntion an, in der die neue britische Arbeiterregierung zinn Regierungsantritt beglückwünscht und gebeten wird, die Pailä-stinaadministration aufziufordern, ihre Politik gegen die Arbeiterschaft zu ändern und darauf bedacht zu sein, jüdische Arbeiter bei öffentlichen Arbeitern zu beschäftigen. Die Schande des ungarischen Numerus clausus Eine Debatte im ungarischen Abgeordnetenhaus. Budapest. Zu Beginn der Generaldebatte Uber, den Kultus- und Unterrichtsetat im ungarischen Abgeordnetenhaus erklärte der Demokrat Pakots, die Kulturpolitik der Regierung sei von einem reaktionären Geist erfüllt, der in erster Reihe sich darin offenbare, daß in Ungarn seit neun Jahren keine Lernfreiheit bestehe und das Gesetz Liber den Numerus clausus noch immer aufrecht erhalten werde. Als Graf Albert Apponyi kürzlich im Auslande wellte, wurde an ihn die Frage gerichtet, wie lange noch der Numerus clausus in Ungarn bestehen werde, und sicherlich sind auch an den Kultusminister anläßlich seines oftmaligen Aufenthaltes int Ausland ähnliche Fragen gestellt worden. Es ist eines' Kulturstaates unwürdig, ein solch grausames Gesetz noch weiter bestehen zu lassen, ganz abgesehen davon, daß eben durch dieses Gesetz auch die Studentenunruhen im verflossenen Herbst hervorgerufen wurden. Es ist zu befürchten, daß sich die Studentenunruhen zu Beginn des neuen Semesters wiederholen werden. Erleichterung der Einwanderung nach Amerika? Der jüdische Arbeitsminister in der Regierung Hoover New York. Edward A. Fiiene, der bekannte Bostoner jüdische Multimillionär und Vorkämpfer des Friedens, wurde, wie soeben aus Washington berichtet wird, vom Präsidenten Hoover zum Arbeitsminister, als Nachfolger von James Davis, ernannt. Zu den Agenden des Arbeitsministers gehört auch die Verwaltung des Einwanderungswesens. Bekanntlich war Minister Davis wegen seiner strengen Einwanderungspolitik stark angegriffen worden; von der Tätigkeit Filenes erwartet man eine Erleichterung auf diesem Gebiete. Fiiene hat sich um die internationalen Arbeiterinteressen sehr verdient gemacht. Vor einigen Tagen hat er 25.000 Dollar dem internationalen Arbeitsamt des Völkerbundes zwecks Durchführung einer Prüfung der Lohnverhältnisse in allen Ländern zur Verfügung gestellt. tmmaam i nw«———1 Ein Fest für Sie ist der r okkasionelle KLEIDERRUMMEL bei Schi ff mau u, II., Taborstraße Nr. 48! Wegen vorgerückter Saison werden verkauft: Waschkleider zu S 1.70, Sommerkleider, für starke Damen, viele Dessins, S 4.00, Ripsleinen-Terfnfsklelder, mit gest. Emblemen und farbigem Aufputz, S 4,90, Prima Rlpsfelnen-Tenniskleider, moderne Dessins, S 6.90, K.*Seiden-Kleicler (Compos^s) S 8.90, K.-Selden*Kleider, herrliche Dessins, S 9.80, Kasha-Klelder, mit langen Aermeln, S 9.80, Georgette-Kleider, entzückende Fassons, S 16.90, Seklen-Foulard-Kleldcr.mit langen Aermeln, reizende Dessins, S 19.50, Cräpe de Chlne-Kleider, aparte Fasson, lange Aermel, alle Modefarben, S 19,50, Woü-Pope* line*Kleider (Composös), bestickt, alle Farben, S 19.80, Complets, Kleid und Jacke, aus prima Woil-Popeline, modernste Farben, S 29.—, Crepe-Schlafröcke, viele Farben, S 4,90i Soimner*SchIafröcke, fabelhafte Dessins, S 9.80 und S 6.00, Seidenbrokat-Schlafröcke, das Neueste, S 18.50. Wegen Räumung des Lagers werden Mäntel um jeden Preis abge« stoßen! Mäntel aus Modekarostoff nur S 0,80, engl. Sportmäntel, neueste Modelle, S 10.80, engl. Trenchcoats, prima Modestoff, mit Lederknöpfen, S 29.— usw. Bei Einkauf eines Mantels ein BadetrJkot gratis! Die beim Gewitter vorn Wasser beschädigten Waren werden zu verblüffend billigen Preisen abgegeben: Chiffons, per Meter 50 g, Wasch-de lafne, für Kleider, per Meter 89 g, Waschseide, für Kleider, per Meter 98 g. Fahrtspesen werden vergütet. — Provinzversand pe*> Nachnahme. e jj