Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 75 (6.6.1929)
- Date
- 1929-06-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053805-3053827--1062-3056385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V. b. I Preis 35 Groschen Zettimg vom Verleger versendet Journal expedte par FMtear Abonnementpreise: Für Oesterreich: Monat!. S 1.50, viertelj. S 4.20, ganzj. 16.— / Deutschland: Mönatl. Goldmark 1.—, vkrtelj. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc ' 7.-—, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40— Jüdische Zeitung f«d«e»® Oonnerstag ^iediiftlion und! jldministvation: 'Wiem, I^auftenslein^asse I £9el. R 26-3*Ä% Polen: Monatl. 21oty 2.30, viertelj. Zlotv 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertel). Pengö 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 45 —, viertel]. Lei 125— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, viertel]. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2—, viertel]. Belga 5— / Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 mmmmmBamammmmmmmBmm 2. Jahrgang Wien, 6. Juni 1929 (27. Ijjar 5689) Nummer 75 Der kleine Zionistenkongreß in Berlin Aktionskomiteesitzung ohne Weizmann und Sokolow Weizmann bürgt für die Palästinatreue der nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency Am Freitag begann in Berlin die Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees, die im wesentlichen einer einzigen Frage gewidmet war: der Einberufung des Councils der Jewish “Agency für den kommenden August. , Leider kann.Dr. Weizmann an der Sitzung nicht teilnehmen. Et muß sich nach seiner Rückkehr aus Palästina auf strengesärztliches Gebot einer neuerliehemRüMkur unterziehen. So sehr die Abwesenheit Dr. Weizmahtfs, der die Last der Agency-Verhandlungen durch fünf . Jahre fast allein getragen hat, gerade bei dieser Sitzung, .die in gewissem Sinne einen Abschluß, dieser Entwicklung darstellt, .zu bedauern ist; so müssen, doch alle Zionisten wünschen, daß Weizmann zunächst einmal unteif Zurückstellung aller Geschäfte an die Wiederherstellung seiner Gesundheit denkt. Dr. Weizmann ist von seiner Palästinareise mit sehr g^üten Eindrücken und großen Plänen zurückgekehrt und es ist besser, Wenn er während der gegenwärtigen, doch mehr vorbereitenden Arbeiten sich.zurückhält, um dann bei der Durchführung des erwarteten neuen Programmes wieder tätig sein zu können. Die Abwesenheit des Führers — auch Sokolow, der in Amerika mitten: in aufreibender Arbeit steht, konnte nicht kommen — legt dem Aktionskomitee noch schwerere Verantwortung auf. Denn die Beschlüsse des -Aktionskomitees werden von weittragender Bedeutung sein. Zwar hat erst der kommende Kongreß das abschließende Wort zur Frage der Agency zu sprechen, aber bei realistischer Betrachtung der Dinge muß man zugeben, daß ein Nein des Kongresses, nachdem durch das Aktionskomitee bereits die konstituierende Versammlung der Agency, wenn auch mit Vorbehalt, einberufen ist, die ganze Bewegung und Palästina schweren Erschütterungen aussetzen müßte. Daher ist es wahrscheinlich, daß die Entscheidung des Aktionskomitees vom Kongreß bestätigt werden muß. Das Aktionskomitee hat also in dieser Sache die Verantwortung eines Kongresses. Es darf aber vor dieser Verantwortung nicht zurückschrecken. Am 31. Mai 1929, 11 Uhr vormittags, trat unter Vorsitz von Leo M o t z k i n im Sitzungssaale der Z. V. f. D. in Berlin das Aktionskomitee zusammen. Zu .den als vertraulich erklärten Verhandlungen sind in der ersten Sitzung erschienen: Von deF Exekutive Col. Kisch, Felix Rosenblüth; von den Mitgliedern und Ersatzmitgliedern Aktionskomitees: Berligne (Waad Leumi)i Dr- M. Bileski, Kurt Blumenfeld, Sam Cohen, H. Farbstein, Dr. S. Federbusch, Dr. Berthold Feiwel, Rabb. J. L. Fischmann, Nahum Gqjdmann, Jizchak Griinbaum, Ben-Gurion (Waad Leumi), Dr. Georg Halpern, Dr. M. Hindes, Mosche Kahan, Ing. Kaplansky, Berl Kaznetecjn, Dr. Klee, Dr. Alfred Landsberg, Leon Le Vite* Richard Lichtheim, Lewin-Epstein, Dr. N. Melzer, Joachim Neiger, M. N. Neifeld, Abg. Nurock, Leon Reich, Dr. J. Rqsenblatt* I, Skwirski» Josef Sprinzak, Dr. Soloweitschik, Dr. Ar je Tartakower, Nahum Twersky; für den Keren Kajemeth erschien S. Schocken, als Kongreßjuristen S. G r o n e m a n n und Dr. A. Barth, als Gast nimmt an den Verhandlungen Professor Otto W a r b u r g teil. Ferner Dr. Victor Jacobsohn und der Generalsekretär der Z. 0. Israel C o hp n. Vor&itzeüdeT'Motzkin betont in seiner hebräischen Eröffnungsansprache, daß er Erez Israel, um Verzeihung bitte, wenn gegen den Willen der Teilnehmer des Aktionskomitees, aber durch den Zwang der Verhältnisse die Sitzung außerhalb Palästinas stattfindet. Das Aktionskomitee hört stehend einen Nachruf für den verstorbenen verdienstvollen russisch-zionistischen Führer. Dr. Kohan-Bernstein an. Mit Zustimmung wird zur Kenntnis genommen, daß denaus Gesundheitsrücksichten abwesenden Mitgliedern der Exekutive, Prof. Weizmann und Louis L i p s k y, telegraphisch die Wünsche auf vollständige Genesung übermittelt werden. Präsident Motzkin betont, daß die Tagung des Aktionskomitees von kurzer Dauer sein werde. Die.Tagesordnung wird sich mit den Fragen der Jewish Agency, der Gestaltung und dem Inhalt des XVI. Zionistenkongresses und mit der Behandlung v<?n Interpellationen beschäftigen. Cöl. Kisch erstattet hierauf Bericht über die von ihm in Amerika geführten Verhandlungen betreffend die Jewish Agency seit der letzten Dezember tagung des Aktionskomitees. Er hebt hervor, daß diese Verhandlungen in einem freundschaftlichen Geiste geführt wurden und daß in den hauptsächlichsten Fragen eine befriedigende Lösung gefunden wurde. Rosenblüth ergänzt den Bericht Col. Kisch’ durch ausführliche Mitteilungen über die vorgeschlagene Verfassung der erweiterten Jewish Agency. . Nach den Berichten der Exekutive beginnt die allgemeine Aussprache. Der Führer der radikalen Zionisten, Sejmdeputierter J. G üubaum, unterzog die einzelnen Formulierungen .der Agencyverfassung einer eingehenden Kritik, worauf die Debatte weitergeführt wurde. In der Nachmittagssitzung wurde die Aussprache über die von der Exekutive vorgelegte Verfassung der Jewish Agency fortgesetzt. Da auch die Opposition diesmal nicht mehr die Frage über Sein oder Nichtsein der Agency erhebt, sondern sich lediglich mit der Kritik der einzelnen Bestimmungen der Verfassung begnügt, konnte man gleich in die Spezialdebatte eingehen, in der der Verfassungsentwurf Punkt für Punkt durchgesprochen wurde. An der Aussprache nahmen fast alle Aktionskomiteemitglieder teil; mit wesentlichen Ausführungen traten Kurt Blumenfeld, Sejmdeputierter Farbstein, Richard Lichtheim, Dr. Max Soloweitschik, Sejmdeputierter J, Grünbaum, Dr. Leon Reich, Doktor Hindes, Farchi-Sofia u. a. hervor. Man kam überein, in der am Sonnabend abends stattfindenden Sitzung eine Kommission einzusetzen mit der. Aufgabe, den Verfassungsentwurf durchzuberaten und Anträge an das Plenum des Aktionskomitees zu stellen. Großen Eindruck machte auf die Aktionskomiteemitglieder die Verlesung eines Schreibens Weizmanns, das in der Form einer Botschaft an das Aktionskomitee gehalten ist. Doktor Weizmann gibt in diesem Schreiben Rechenschaft darüber, wie er auf den Weg der Jewish Agency gekommen war, berichtet über die wichtigsten Phasen seiner Besprechungen mit den Nichtzionisten und verbürgt sich für die Palästinatreue der menschlich sehr hoch stehenden Partner von der nichtzionistischen Seite, von deren Mitwirkung eine wesentliche Beschleunigung des Tempos des Aufbaues der jüdischen Heimstätte zu erwarten ist. Er gibt der Erwartung Ausdruck, daß das Aktionskomitee das von ihm und Marshall Unterzeichnete Abkommen bezüglich der Jewish Agency gutheißen wird. Nach Abschluß der Generaldebatte geben namens der Exekutive Colonel Kisch und Rosenblüth ausführliche Erklärungen zu den Bemerkungen der einzelnen Diskussionsredner ab und erklären sich mit vielen Anregungen einverstanden. Bei der nach einer Geschäftsordnungsdebatte vorgenommenen Wahl von 19 Mitgliedern der in der zweiten Sitzung beantragten Kommission werden für die Allgemeinen Zionisten Berligne, Feiwel, Farchy, Halpern, Hindes, Landsberg, Klee, Motzkin, Reich und Rosenblatt, für den Misrachi Federbusch, Fischmann und Nurok, für die Hitachduth Arlosoroff und Sprinzak, für die Poale Zion Kaplansky und Bin Gurion, für die Radikalen Soloweitschik und für die Revisionisten Lichtheim gewählt. Im weiteren Verlaute der Aussprache begründet Dr. Tartakower (Hitachduth) eine Interpellation betreffend finanzielle Fragen, die mit der Alijah und H a c b s c <h a r a h Zusammenhängen. Insbesondere fordert er, daß bei der neuen Aiijah die Immigrationssteinern und Gebühren, die bei der Landung zu zahlen sind, von der Exekutive getragen werden. — Colonel Kisch erklärt in seiner Antwort, daß die Exekutive keine Möglichkeit hat, außerhalb des Budgets über Beträge zu disponieren. Nach Meinung der Palästina-Exekutive sollen die Kosten der Ch al irz4mmigration aus den einzelnen Ländern in diesen Ländern aufgebracht werden. Was die Haohscbarah betrifft, so bedürfe auf Grund der letzten Erfahrungen das ganze System einer gründlichen Revision, und die Exekutive werde zu diesem Zweck einen Sachverständigen in die einzelnen Länder senden. Kurt B I u m e n f e 1 d begründet eine Anregung an die Exekutive bezüglich Förderung des Weltverfbandes Mafckabi. In diesem Tarrnerverband habe eine hoffnungsvolle zionistische Entwicklung eingesetzt und Redner fragt, was die Exekutive zu tun gedenkt, um innerhalb der zionistischen Weit das Bewußtsein zu stärken, daß diese Tumfoewegunig der Unterstützung bedarf. ln der 5. Plenarsitzung am 2. Juni wurden die Kommvssionsbeschiüsse über den Verfassungsentwurf der erweiterten Jerwish Agency zur Abstimmung gebracht. Einige Punkte des Entwurfes, über die die Kommission noch keine Beschlüsse gefaßt hat, wurden ohne Steürungnahme der Kommission im Plenum erörtert.