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Die Stimme · 1929-05-30 · Heft 74 (30.5.1929) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 74 (30.5.1929)
Date
1929-05-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ijjar 5689) Nummer 74 Die im redaktionellen Teil -befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet, Erez Israel auf dem Kongreß der Völkerbundligen in Madrid Eigentümliche Vorschläge der argentinischen Liga. — Der Standpunkt der zionistischen Organisation. Eine zarte antisemitische Stichelei . . . Aus Madrid wird uns gemeldet: Der Kongreß der Internationalen Union der Völkertundgesell-' schäften wurde am 21.Mai, abends, feierlich eröffnet. Die jüdischen Völkerbifndligen;ih den vetschie-; denen Ländern haben keine Vertreter entsandt. Einzig! die palästinensische Völkerbundliga ist durch Doktor Leo Motzkin und.Dr. N. Feinberg vertreten. Die ständige Kommisisön der Internationalen.Union hält seit Sonnabend Sitzungen ab, in denen die schwebenden Fragen, . die schon den Brüsseler Kongreß beschäftigt hatten, zur weiteren Behandluijg, bezw. Erledigung gelangen. Hierzu gehört u. ai" $rn Memorandum der jüdischen Völkerbundligen in Bulgarien über die Verfolgung der Juden auf der süda$abischen Halbinsel Yemen. Die Kreise des Kongresses befassen^ sich mit einem Memorandum der argentinischen (nichtjüdischen) Völkerbundliga, in welchem die Forderung aufgestellt wird, daß England großzügige radikale Schritte zur Schaffung und endgültigen Befestigung des jüdischen Nationalheimes in Palästina ergreifen möge, und daß zu diesem Zwecke eine Anleihe von 200 Millionen Pfund aufgenommen werden solle, welche durch Besteuerung der Juden in-den verschieden Ländern außerhalb Palästinas gedeckt werden solle. Die zionistische Organisation steht diesen Vorschlägen bekanntlich fern. Die palästinensischen Delegierten werden sich bemühen, den offiziellen zionistischen Standpunkt in vder Frage der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina darzulegen und in diesem Sinne eine Beschlußfassung zu erzielen, die dann an den Völkerbund und an die Mandatarmacht weitergeleitet werden soll. Nach dieser Richtung hin führen die Herren Dr. Leo Motzkin und Dr. Feinberg Verhandlungen mit den Vertretern der verschiedenen Länderdelegationen. Diese Unterhandlungen schließen auch andere jüdische Interessen, so vor allem die Frage des Schutzes der jüdischen Minderheitenrechte, ein. Zur Behandlung der Minderheitenfrage wurde ein besonderes Komitee eingesetzt. * In der Vollsitzung des Kongresses der Unibn def Völkerbundgesellschaften hielt Leo Motzkin, der Delegierte der palästinensischen Völkerbundliga, eine Rede über die aktuellen Minderheitenprobleme. Er beantragte, im September, gleichzeitig mit der Session der Minderheitenkommission, eine Tagung des Generalrates der Union abzuhalten. Der italienische Vertreter, Signor Gianini, widersprach diesem Vorschlag und äußerte dabei, die jüdischen Völkerbundligen mögen finanzkräftige Körperschaften sein, die ihren Delegierten ermöglichen können> sehr viel herumzureisen, die anderen Gesellschaften verfugen über solche Mittel nicht. Diese Bemerkung des Italieners hat um so mehr Verwunderung geweckt, als die jüdischen Völkerbundgesellschaften zu dem Kongreß in Madrid überhaupt keine Vertreter entsandt haben und sich nur die Palästinaliga vertreten ließ. Sokolow beim Präsidenten der Vereinigten Staaten Aus Washington wird gemeldet: Nahum Sokolow, Präsident der Zionistischen Weltexekutive, der gegenwärtig in Verbindung mit dem neuen United Palestin Appeal in den Vereinigten Staaten weilt, wurde am 22. Mai vom Präsidenten, der Vereinigten Staaten Herbert Hoover im Weißen Hause empfangen. Sokolow war vom britischen Botschafter Herrn Howard beim Präsidenten eingeführt worden. Präsident Hoover wiederhölte .gegenüber Sokolow/den Ausdruck seiner starken" Sympathie für die zionistische Idee und seines Interesses'für den Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina. Am gleichen Tage wurde Sokolow vom Minister Curtis empfangen. Sokolow, sprach Curtis den Dank der zionistischen Bewegung dafür aus, daß er im Jahre 1922 als Senator sich für die Annahme der Palästina-Resolution des: Kongresses der Vereinigten Staaten eingesetzt hat. In dieser Resolution hat der Kongreß dem Palästinamandat und der Errichtung einer jüdischen Heimstäte seine Zustimmung gegeben. Das zionistische Aktionskomitee tritt in Berlin zusammen L o n d o n, 23. Mai. (J. T. A.) Die Zionistische Exekutive hat im Einvernehmen mit dem Präsidium . des Aktionskomitees den anfänglichen Beschluß, die nächste Session des Aktionskomitees am 30. Mai in . London beginnen zu lassen, abgeändert. Das Aktionskomitee wurde für Freitag, den 31. Mai, und die folgenden: Tage nach Berlin einberufen. Es ist zweifelhaft, ob Professor Weizmann, der sich gegenwärtig noch in Palästina aufhält, und der noch immer schonungsbedürftig ist, den Berliner Aktionskomiteesitzungen . wird beiwohnen können. Auch der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, der gegenwärtig an dem United Palestine Appeal in den Vereinigten Staaten und Kanada teilnimmt, wird wohl nicht mehr rechtzeitig zu den Aktionskomiteesitzungen eintreffen können. Kampf um den Sabbath in Weißrußland Statt Samstag soll Montag oder Dienstag Ruhetag sein Aus Moskau meldet J. T. A.: Kommunistische jüdische Arbeitergruppen haben in mehreren Städten Weißrußlands einen Kampf gegen den Sabbat ein-, geleitet. In manchen Städten haben sie den Montag, in anderen den Dienstag als den Ruhetag der Woche erklärt. Die religiös gestimmte jüdische Bevölkerung der weißrussischen Städte organisierte eine Gegenaktion und setzt sich für Erhaltung des Sabbat ein. Zahlreiche Versammlungen werden abgehalten, in denen die Wortführer beider Richtungen ihre Sache vertreten. Die in Minsk erscheinende jiddisch-kommunistische Zeitung «Oktlabr» regt an, das Wort «Sabbat» aus dem jüdischen Kalender zu tilgen und durch eine andere Bezeichnung zu ersetzen. Wir haben, schreibt die Zeitung, die Namen von Städten und Gassen geändert, wir .werden auch den Namen des Sabbat ändern. Die künftige zionistische Exekutive Koalitionskabinett oder homogene Leitung Mit dem vorliegenden Aufsatz eröffnen wir die Diskussion über die Probleme des XVI. Zionistenkongresses. Es besteht kein Zweifel darüber, daß sich das Aktionskomitee auf seiner nächsten Sitzung nicht nur . mit den letzten Entscheidungen über die Erweiterung der Agency, zu beschäftigen, sondern auch darüber hinaus grundlegende Probleme der künftigen organisatorischen Gestaltung der Zionistischen Organisation und ihres Apparates zu behandeln haben wird. Leider ist allerdings die öffentliche zionistische Meinung gegenwärtig an diesen Fragen, noch nicht in genügendem Maße interessiert. Die Enquete, die vom Organisations-Departement der Exekutive in London durchgeführt wurde, hatte bis jetzt nur wenig Antworten und Lösungen gebracht und ist überhaupt nicht sehr stark in das Bewußtsein weiter Kreise der Organisation gedrungen. Ein Beispiel dafür ist die grundlegende Frage über die Zusammensetzung der Exekutive. Soll diese künftig als homogene Leitung konstituiert werden oder wie vordem eine Repräsentation der verschiedenen Parteien im Zionismus sein? Man vertritt jetzt von mancher Seite die Idee einer Rückkehr zu dem alten Prinzip der Wahl der Exekutive nach dem letzteren Gesichtspunkte und begründet dies damit, daß die Konsolidierungs-Periode vorüber und ihre besonderen Erfordernisse erfüllt seien. Um die zionistische Note in der erweiterten Agency, möglichst zu stärken und jedes Bedenken über die Wahrung der nationalen Prinzipien zu beseitigen, sei es zweckmäßig, daß sich an den Exekutiv-Organen der Agency die Vertreter der großen zionistischen Parteien beteiligen. Aus diesen Erwägungen sei die Forderung nach der. Wiederherstellung der Koalition aufgetaucht, und es sei durchaus möglich, daß man in der Sitzung des Aktionskomitees diesen Weg beschreiten werde. Es ist aber zu bedenken, daß die mangelnde Vorbereitung der öffentlichen zionistischen Meinung für diese Art Lösung derzeit eine solche Entwicklung noch nicht wünschenswert erscheinen läßt. Die Erwägung, daß die Konsolidierungsperiode bereits beendet sei,, und die kritische Einstellung zu ihren Methoden und Mängeln sind noch — wie M. G. im .JHaarez“ ausführt — kein Anlaß, wieder zum System der Koalition zurückzukehren. Gerade die Freiheit von jeder Parteibildung bei der Ausübung ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit befähigt die Mitglieder einer nur vor dem Kongreß verantwortlichen Exekutive zu einer sachlichen und objektiven Wahrnehmung ihrer. Funktionen. Das Prinzip der parteimäßigen Vertretung ist vielleicht für legislatorische Institutionen wie den Kongreß und das A. C. erwünscht und zweckmäßig, aber nicht für Exekutiv-Organe, die auf der Grundlage festabgegrenzter Arbeitsprogramme praktische Arbeit leisten müssen. Abgesehen davon spricht gerade die Notwendigkeit einer Stärkung der zionistischen Position in der Agency dafür, das Prinzip der Koalition in der Exekutive nicht zur Anwendung zu bringen. Die Kraft und der Einfhiß der!Sto-

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