Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 71 (9.5.1929)
- Date
- 1929-05-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nissan 5689) Nummer 71 Wie der Völkerbund die jüdischen Minderheiten vor antisemitischen Exzessen schützt Ein jüdisches Memorandum an den Völkerbund Aus Genf wird uns geschrieben: Das aus Ohamberlain, Quinones de Leone lind Adaici bestehende Dreierkömitee ..für die Prüfung und Durchberatung der .Minderheitendenkschriften trat Montag, den 29. April, in; London' zusammen. Das Dreierkoipitee hat^sicfc• u.; a. auch mit dem Mem.prÄMü^ ‘ welches der Rat für’ die Rechte ‘der-. jtfStst^eia;•Minderheiten*’ soeben beim Völkerbund ©Ingereichthat.;;;;- Wie im Memorandum festgesVellt wird, sind die.;iüdiv^c)ien! Minoritäten duroji ‘Hie jFriedeiisverträge in folgenden Ländern geschützt: Polen, Rumänien, Ungarn, Tschechoslowakei, Oesterreich, Litauen, Türkei, Griechenlaiid, Lettland, Jugoslawien, Bulgarien, Estland. Eine genaue statistische Zusammenstellung, der jüdischen Bevölkerung dieser Länder, die im Memorandum angeführt wird, ergibt die Gesamtzahl von 5,754.500 Seelen. . Die den Juden als Minderheiten durch die Friedens vertrage oder durch. die; Erklärungen der betreffenden Regierungen gegenüber dem Völkerbund gewährleisteten Rechte,. heißt es weiter, seien aber zu einem großen Teile noch nicht verwirklicht, so. daß deswegen in mehreren Ländern ein schwerer Kampf geführt werde, der von Zeit zu Zeit auch in das inter-. nationale Leben hinübergreift., Wenn man die wichtigsten Kampfgebiete hervorhebt, so handelt es. sich um folgendes: Kampf gegen antijüdische Exzesse, für eine gerechte wirtschaftliche Behandlung, Schutz der Sprächen und des Schulwesens in doppeltem' Sinn:, mit bezug auf die Unterrichtssprache und iin Sinne eines gerechten B ei t r ag e s d e s S t aa t e s, der Provinz oder der Gemeinden an das Budget der jüdischen Schulen, Abwehr des Numerus clausus,. Schutz der Sabbatruhe uaw. Die jüdischen Minderheiten waren stets davon ausgegangen, daß nur in äußersten Fällen an den Völkerbund ein Appell gerichtet werden solle. Man hat bedauerlicherweise feststellen müssen, daß die Prozedur des Völkerbundes in Fällen von Beschwerden sich immer weniger befriedigend gestaltet habe, Als beispielsweise im Dezember 1926 die ersten ■antijüdisqhen Exzesse in mehreren Städten Bessarabiems ausgebroohen waren, hatte sich'das Komitee der jüdi-, sehen Delegationen mit eipero; Appell an den; Völkerbund gewandt und die Gefahr , einer Erneuerung ähnlicher Vorkommnisse betont, wenn der Völkerbund nicht sofort eiüe bestimmte Aktion vornehmen würde. Darauf hat der Völkerbund zwar, wie der Rat nach eineinhalb Jahren aus einer zufälligen Quelle erfahren hat, die betreffende Petition zur Kenntnis der rumänischen Regierung gebracht, er hat sich aber mit einer nichtssagenden Antwort der damaligen rumänischen Regierung begnügt und in der Tat sind ein Jahr später, von denselben Kreisen ausgehend, abermals Exzesse gegen .die Juden in Rumänien ausgebrochen. Der Rat für die Rechte der jüdischen' Minderheiten hat sodann andere Wege betreten» .um die permanente Verhetzung - gegen, die. Juden in Rumänien zur Kenntnis der großen.Oeffentlichkeit zu bringen; er .ist abefr* überzeugt-,- daßv eine Intervention des Völkerbundes zh Anfaiig 1927, zür Zeit der yeberreichung der |üdischeä; Petition, die antifüdisclien Exzfe'sse von Dezetribeh 1927 (Großwardein,- Kl&üsenburg usw*) unmöglich gemacht 'hätte.,,'..„ <-;■ ,,, f :' f)le* Situation der” jüdischen Minderheiten in Ost- und Südosteuropa ist;; um so schwieriger, als diese nicht wie die anderen: Minderheiten ifeinen eigenen Majoritätsstaat ihres Volkes besitzen, der sich ihrer annähme. Der Rat für die Rechte der jüdischen Minderheiten macht daher den Vorschlag, dem Appellrecht der Minderheiten an den Völkerbund eine spezielle Legalität zu verleihen'.! Dieses Recht soll nicht in der Luf-t schw,eben, sondern den Minderheiten in dem Sinne gesichert bleiben, daß. entweder der parlamentarischen Vertretung einer Minderheit öder, wo keine vorhanden ist, einer lokalen Zentralorganisation der betreffenden Minderheit das Appellrecht zustehen soll. Weiters soll das;Reeht des Appells an den Völkerbund großen Organisationen zuerkannt werden, die außerhalb des Landes dieser oder jener Minderheit funktionieren, die aber den Schutz der Rechte der Minderheiten zur Aufgabe haben. Der „eiserne Wolf •* macht Pogrome Wer regiert eigentlich in Litauen? . Man - hat bisher im allgexneinen von änti- . semitischen Ausschreitungen in Litauen wenig gehört, dä Woldemaras scharf jede Störung der öffentlichen Ruhe verhinderte. Seit einiger Zeit : aber treibt die nationalistische Organisation mit dem romantischen Namen „Der eiserne (Wolf“! ihr'Unwesen und sieht ihre besondere Aufgabe; in. Gewalttaten gegen jüdische Mitbürger: Vermutlich sind auch die unerhörten Vorgänge, die sich jetzt in. unmittelbar er Nähe der (litauischen Hauptstadt abgespielt haben,, auf die Umtriebe des „Eisernen Wolfes* zurückzuführen. Politische Bedeutung hat diese extreme Gruppe nicht. Ihr gefährliches Treiben:sollte aber der Regierung Anlaß zu energischen, wirklich durchgreifenden Maßnahmen -geben. Die empörenden Ereignisse in Newi sollten ein Anlaß sein, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die inneren Zustände in der litauischen Republik zu lenken... ' Nachstehend der Bericht; In dem litauischen Städtchen Newi, in der Nähe von KoWno, veranstalteten mit Revolvern bewaffnete litauische Nationalisten einen regelrechten Pogrom gegen die jüdische Die im redaktionellen Teil -befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. I Frauenkrankheiten, Nerven- und Herzerkrankungen, Rheuma, ■ Ischias X - WaMgtgoix»! Geblrgiluft! mi ... hfcilt erfolgreich „Berühmte Kaltwasser-Hellanstaif“ . mit Moor-, Schwefel-, Sorinejiu. Flußbad, Luftbad Bad Luhacovlce Sport! Konsette! Touristik! , Direkter ScbneUsngsanschlaB ab 'Wien-Noidbabnb.of 15*35, aa Luhafovice 19*30 Informationen, Proapekte, Wohnungen, bei; KurdlrekKon und J. Danneberg, Wien L, Stook-im*Ei»enplatz 2 Prachtvoller Aufenthalt! Geringste Auslagen! — Unsere Mineralwässer: .Das bewährteste Mittel für Hauakureu! HR Bevölkerung des Ortes, die insgesamt 17 Familien zählt. Mindestens die Hälfte der jüdischen Einwohnerschaft wurde grausam mißhandelt. Einige Juden liegen infolge der Verletzungen bedenklich danieder. Ein Mann würde, als , er seiner schwer bedrängten Frau beistehen wollte, durch einen Revolverschuß getötet. Mehr als fünf Stunden lang dauerten die Ausschreitungen. Auch Greise und kleine Kinder wurden nicht geschont. Die jüdischen Häuser wurden.ausgeraubt. Als die herbeigerufene Polizei erschien, waren die „Helden“ verschwunden. Der Presse wurde verboten, nähere Mitteilungen über den Pogrom zu bringen; man durfte nur melden: „Unbekannte Huligans haben den Bürger David Schliachtil getötet.“ : . Kowno, 6. Mai. Unbekannte Täter verfochten heute, gegen halb 9 Uhr abends ein Attentat gegen den Minifterpräfidcnten Woldemaras auszuführen. Als Woldemaras in Begleitung feiner Gattin und feines Adjutanten Oberleutnant Gudinas im Begriffe war, die Staatsoper zu betreten, wurden gegen ihn aus dem Hinter:* Halt icchs Schüfle. abgefeuert. Sämtliche fechs Schüdc trafen Woldemaras Adjutanten und töteten ihn auf der Stelle. Woldemaras blieb unverletzt. Den Tätern gelang es, im Schutz de** Dunkelheit zu entkommen. Amerika lernt Judengräber schänden . . . Aus New York meldet J. T. A-‘ Unerkannt gebliebene Täter schändeten den Friedhof des Beth Ha Midrasch Hagadol Israel in Clovelaiui. (Nach der ani vergangenen Jom Kiippuf in Messe na stattgefundeuen Rituahuordhetze, die sogar zur zeitweiligen Festnahme des Rabbitiers geführt hatte, ist dies die zweite Aeußemng des barbarischen Antisemitismus in den Veretoigten Staaten. Red.)