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Die Stimme · 1929-03-28 · Heft 65 (28.3.1929) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 65 (28.3.1929)
Date
1929-03-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 65 DIE STIMME Seite Tl dahin, ttnd es war noch kein Monat vergangen, da starb sie. Mit erloschenem Bück hockte EIrzar in der Synagoge, jeden Tag ging er dorthin, sagte das Kaddtedi. Br konnte altes auswendig, auch die Schemone Esrt, er stand über diie steilen Buchstaben der heiligen Schrift gebeugt, aber sein gelähmter Geist blieb an den Buchstaben hängen und gelangte nicht zu dem Sinn, der über den Büchern schwebt. Als er einmal wieder vor dem Rabbi saß, sagte er: «Ich habe Gott gesucht mein Leben lang. Br erschien mir in der K-unst, ich betete ihn an, und er erhörte mich. Br erschien mir in meiner Frau, ihr gab ich meine Seele, und er erhörte mich. An dem Tag, als ich den Glauben an die Frau verlor, als ich Got*i anderswo irgendwo draußen suchte, starb sie mir und er verließ mich.» Der Rabbi erkannte seinen einstigen Schüler, seine Meinen Augen wurden feucht, er legte die Hand auf das Haupt des anderen und sagte: «Hauduih la Adonai, ki tow; ki le-ojlomchasdau.» Und freudig ließ er in der Gemeinde verlauten, Eliizar B., der verlorene Sohin, habe heimgafunden zum alten Gott, zum Glauben seiner Väter. Der Rabbi ist ein kluger Mann und ich wage nicht, ihm zu widersprechen. Eine neue jüdifche Zeitung in Polen. Seit kurzem erfcheint in Warfchau unter dem Titel „N o w y C z a s" eine neue jüdifchc Tageszeitung in polnifchcr Sprache. Kunstchronik Bundespräsident Miklas eröffnet die Licbermann- Ausstellung. Bundespräsklent Miklas und Unternichtsminister Schmitz eröfineten eine G e sann lau ss t el lang Max Llehermarnns, die aus Anlaß der 50. Jahresausstellung und des 60jäHirigen Bestandes des Wiener Kunst!erbauses veranstaltet worden war. In drei Sälen sind 100 der besten Werke Liebermanns zu sehen. Der jiddische Penklub auf dem internationalen Kongreß der Penfederation in Wien Der jiddische Penkihub (Zentrale Wilna, Filialen Warschau und New York) erhielt bereits die Einladung zurrt internationalen Kongreß der PenfÖderation, der vom 15. Ws 19. Juni iri Wien statttfinden wird. An dem Kongreß wenden zahlreiche jiddische Schriftsteller aus Amerika und Europa als Delegierte und Gäste teilnehmen. In Wien selbst leben derzeit drei Mitglieder des jiddischen Penklubs: die Schriftsteller Dr. M. Chmielnidki, A- M. Fuchs und J- Zi mime rtnann- G roß. Ausgrabung einer 1900 Jahre alten Synagoge. Der griechische Professor Andreas hat in einem Vortrag an der Athener Universität mitgeteilt, daß er auf der Insel Kreta die Ucberreste einer 1900 Jahre alten Synagoge aus derZeit Philos entdeckt habe. Auf den Marmorwänden wurden Aufschriften in hebräischer und griechischer Sprache gefunden. Professor Andreas hat englische und französische Gelehrte eingeladen, an den Ausgrabungen teilzunehmen. Der Nobelpreis für den Krebsforscher Warburg? Nach einer Aeußerung des schwedischen Professors Louis B a c km a n dürfte der Krebsforscher Professor Warburg aller Voraussicht nach den diesjährigen Nobelpreis für Medizin wegen seiner Entdeckung auf dem Gebiete der Krebsbekämpfung erhalten. Backman bezeichnet Warburgs Entdeckung als die größte, die bisher auf diesem Gebiete überhaupt gemacht worden sei. (Die Verteilung des Nobelpreises erfolgt gewöhnlich im November. Die Red.) Gordin auf der italienischen Bühne. In Rom fand die erste Aufführung eines Dramas von Jakob Gordin auf der italienischen Bühne statt; es wurde Gordins sehr populäres Drama «MireleEfros» mit der russischen Schauspielerin Sonja Pawlowa in der Titelrolle gegeben. Die übrigen Rollen waren mit italienischen Schauspielern besetzt. Das Stück machte starken Eindruck. Ein jüdisches Drama in spaniolischer Sprache. Zum erstenmal seit Gründung des Stadttheaters in Saloniki ist dort ein jüdisches Drama in spaniolischer Sprache aufgeftihrt worden. Das mit großem Beifall aufgenommene Stück heißt «TreueundGerechtigkeit». Der Vorstellung im Stadttheater wohnten sämtliche ausländischen Diplomaten und Vertreter der griechischen Regierung bei. Europäische Künstler in Palästina. In der ersten Märzwoche trafen in Palästina der Maler Marc Chagall, der Sänger David Vogel und der Violinvirtuose Bronislaw Hubermann ein. Letzterer wird eine Reihe von Konzerten im Lande geben. Jehuda Ehronkranz in Linz. Die Jüdische Biidungsstelilc Linz hat am 12. d. M. ihren Mitgliedern und Freunden einen wirklichen Genuß geboten. Jchuda Ehrenkranz erschien am Lesepult und brachte seinen Zuhörern mit virtuoser Beherrschung der Materie gut ausgcwählte Proben aus der modernen jüdischen Literatur in Uebersetzumgcn und im jiddischen Originaltext- Den Höhepunkt des Abends bildete Schalum Asch’s «Karneval ln Rom», den Ehrcmkranz mit dramatischer Wucht zum Vortrag brachte. -X- Unter dem Titel «Ozar sifrey-yerushalayim» erschien vor 'kurzem eine Bibliographie aller in den letzten 88 Jahren In Jerusalem gedruckten Werke- Das Buch umfaßt als schlechthin afle Jerusalemer Drucke, da vorher in Jerusalem nicht gedruckt wurde. bi Jaffa erschien ein umfangreiches politisches Gedicht von Abu el iqbal el ya aqubl, das dem großen Wahba-Htkönig Ibfc. sa’ud gewidmet ist Es besingt die Taten des Königs und die Leiden des arabischen Volkes. Jüdische Buchaussteilung. Anläßlich des allgemeinen Buohbages fand in München eine Ausstellung jüdischer Bücher (hebräischer und jüdischer Drucke aus allen Zeiten bis auf die Gegenwart), veranstaltet von der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde statt Neues Jüdisches Theater (Praterstraße 60). Wochensipielplan: Freitag geschlossen. Samstag: «Chaim Joel und Ghawe Laje», Lustspiel in vier Akten von M. Ryrhter. — Sonntag zwei Vorstellungen. Beginn 7,30: «Chaim Joel und Ch&we l-aje»; Nachtvorstellung, Beginn 10 Uhr: «Der König der Geiger», — Montag: «Chawer in Leben.» — Dienstag: «Mojscbe, wie kriechste?» — Mittwoch: «Die gezwungene Hochzeit» — Donnerstag: «Sohmendrik in Amerika». Der Weg des jüdischen Arbeiters zum Sozialismus. Von Mendel Singer. Preis broschiert S 2.30, Ganzleinen S 3.—. Aus dem Inhalt: Die Theorie von der Assimilation der Juden. — Die Judenfrage, Prahlern und Lösung. — Das Pal'ästina-Aufbauwetik. — Das arbeitende Palästina. — Der Weg zum Sozialismus. — Der Poalezionismus in Westeuropa. — Zu haben in allen jüdischen Buchhandlungen und bei der Bikhmgsstelle der jüdischen sozialistischen Organisationen, Wien, II., Bluma/uergasse 1. Die Jazzsängerin. Was Al Jolson in Amerikf, das ist die Sophie T,u c k e r in London. Bei uns noch kaum bekannt, ist sie in London der viel umworbene Liebling der mondänen Gesellschaft. Das von ihr gewählte Genre ist auch gantz neuartig. Dem Grammophonfreund ist sie schon seit längerer Zeit durch die SchalLpIatten der englischen Coluntbiageselisohaft bekannt, insbesondere ihre letzten Aufnahmen «Same of tbese Days» in englischer und «My jyddis he Mornrne» in jiddischer Sprache sind in ihrer rührenden Art unerreicht. Das Musikhaus «Exzelsior», Wien, I., Adlergasse Nr. 5 (TeL R 23-4-90), und IL, Kleine Pfarrgasse 28 (TeL A 41-6-24) hat diese nebemg'vräuschifreien Columbiaplatten schon auf Lager und erzielt mit ihnen grolle Umsätze; umsomehr als die Firma auch alle anderen jüdischen und hebräischen Gesänge sowie die modernsten Schlager vorrätig hat. E Rätselecke Redigiert von Jota Kreuzworträtsel« I * 3 r j 5“ 1 1 1 8 J“ 10 n 12 (1 13 1 ■ 14 lü >4 17 I ■ ■ •u 1 tu m 2U r ■?2 I 2a ■r 1 20 ■ 26 J H 271 1 28 ■ 29 80 1 ■i" 82 u ■ '14 1 ■ an >5 ■ .18 37 >8 1 39 ■r 41 42 ii M 14 15 | ■ «8 ♦7 ■r 1 4» ■ 60 61 ■ M1 I 58 ■ öl iS 1 r Wagfecht: 2. Belohnung, Treffer. 7. Operettenfängerin, 10. Muiikinftrument, 13, Vollbrachte Handlung, 14. Tageszeit, 17. Sperrvorrichtung, 18. Quellnymphe, 19. Nord. Tierart, 20. Univerfum, Kosmos, 22. Schwimmvogel, 23. Nebenfluß des Don, 24. Wert, Gewinn, 26. Ort in Tirol, 27. Keilförmiges Werkzeug, 29. Auswahl, 31. Faul, fchlaff, 34. Bierart, 35. Spielkarte, 37. Frauenname, 40. Altbewährter Soldat, 43. Oelart, 44. Segel/lange, 4 6. Mufe, 47. Männername, 48. Mehlfpeife, 50. Holzfplitter, ji. Perl. Fürwort, ja. Farnftift, 54. Abkürz, für „suo loco", yy. Feftkleidung, y6. Sumpf, Moor. Senkrecht: 1. Gricch. Held, 2. Europ. Staat, 3. Kloftervorftand. 4. Süßes Getränk, y. Stockwerk, 6. Chem. Element, 7. Schiffsteil, 8. Flachland, 9. Weibl. Vorname, ix. Papiermaß, 12. Kneipe, Orgie, xy. Ueberfchuß, Gewinn, x6. Franzöfifcher Marfchall, 20. Gcfangsftück, 21. Schlauheit, Trick, 24. Männername, 2y. Angehöriger eines füdflaw. Stammes, 27. Slawifcher Männername, 28. Saiceninftrument, 30. Schwankend, 32. Deutscher Romanfehriftfteller (geft. 1898), 33. Tropenbaum, 36. Unangenehm, 37. Plötzlicher Windftoß» 38. Nahrungsmittel, 39. Schweizer Kurort, 40. Verwandter, 41. Oclpflanze, 42. Nein (lat.), 4y. Der Gattung untergeordneter Begriff, 48. Gebirgscinfchnitt, 49. Jüdifcher Prophet, ya. Abkürzung für „per anno", 53. Franz. Artikel. Auflösung des Kreuzworträtsels in Nr. 64: Wagrecht: 2. Praemie, 7. Soubrette, 10. Orgel, 13. Tat, 14. Abend, 17. Riegel, 18. Egeria, 19. Elen, 20. AU, 22. Ente, 23. Sak, 24. Preis, 16. Erl, 27. Meißel, 29. Elite, 3X. Traeg, 34. Ale, 33. Bub, 37. Barbara, 40. Veteran, 43. Olein, 44. Raa, 46. Erato, 47. Emil, 48. Torte, yo. Span, yx. Es, ya. Paftell, $4. s. 1., yy. Gala, y6. Ried. Senkrecht: x. Herakles, 2. Polen, 3. Abt, 4. Met, y. Etage, 6. Bor, 7. Segel, 8. Ebene, 9. Ida, 11. Ries, 12. Gelage, iy. Ertrag, 16. Niel, 20. Arie, 21. Lift, 24. Peter, 25. Serbe, 27. Milan, 28. Laute, 30. Labil, 32. Ebers, 33. Palme, 36. Fatal, 37. Boc, 38. Reis, 39. Arofa, 40. Vater, 41. Raps, 42. Non, 4y. Art, 48. Tal, 49. Eli, 52. p. a., 53. Le. Jüdischer Sport Vom Makkabi-Czernowitz Bau einer jüdischen Turnhalle. Makkabl-Czcnnowitz, einer d-er größten AUrouwt- Sportklufos Rumäniens, arbeitet mit zielbewußter Energie an seinem Autsbaiu. Das Jahr 1929 wurde durch die Im Jänner sta+tgefiundene Makka bi - Redoute emgieleltet Dank der Popularität des Vereines war der gesellschaftliche, moralische und materielile Erfolg der Veranstaltung bedeutend. Der Czemowitzer Makkaibi besitzt als einziger jüdischer Verein Rumäniens und als einziger der Bukowina überhaupt eine eigene Sportanlage, die einen Wert von mehr als 100.000 Schfilling repräsentiert Eine große, gedeckte Tribüne bietet 3000 Zuschauern Sitzgelegenheit. Unvollkommen wirkte aber das Ganze durch das Fehlen einer ordentlichen Laufbahn. Diesem Uebel wird nun abgeholfen. Es wurde beschlossen, eine moderne Aschenbahn anzulegen, mit deren Bau bereits begonnen wurde. Der Ausbau des Petzes nach der Richtung wird insbesondere der jungen, aufstrebenden Leichtathletiksektion zugute kommen. Die E is- und S kise k t i 0 n des Vereines kann auf eiitn erfolgreiches Wirken in der abgetanfenen Saison zurückblicken. Ein Markstein im Sportlichen der Bukowina bildet die Schaffung einer Elsbockey-Sek ti 0n durch den Makkabi. Wie schon so oft, hat auch diesmal Makkabi bahnbrechend gewinkt. Es wurden zwei Mannschaften ausgerüstet, welche aber mangels Gegner zunächst nur auf das Training und das Spielen gegeneinander angewiesen sind. Um das Zustandekommen dieser Sektion hat sich vomdiimliich Herr Ing. Ruff verdient gemacht. Die dnam a tis ch e Sektion hat sich in den Dienst des Keren K a j e m e tti gestellt Durch Veranstaltungen unter Leitung des Herrn Heller in einigen Provinzorten der Bukowina wunden dem jüdischen Nationaiifondis entsprechende Beträge angeführt Neben der sportlichen Tätigkeit wurde aber auch die geistige Arbeit nicht vernachlässigt Unter Leitung des Herrn Dr. Norbert Nussenbaum wird ein Seminar unter dem Titel «Seminar des allgemeinen Wissens, unter? besonderer Berücksichtigung der jüdischen Geschichte und Leistung» abgehalten, das regelmäßig stattfündet und gut besucht Pst. Die Bemühungen des Vereines stoßen leider viel zu oft auf die Verstäniduisl'osiigkelt ln der jüdischen Oeffentiichkeit, die zu großem Teile die Wichtigkeit der jüdischen Sportbewegung verkennt Um dem Sportgedanken propagandistisch und publizistisch mehr Geltung verschaffen zu können, wurde von der Veremsleätung beschlossen, ein Sportblatt «Makkabi», zunächst allmonatlich, erscheinen zu lassen. Die Anregung ging von Herrin Gritzmann aus. Die Tätigkeit der letzten Wochen wird; gekrönt durch den Sportratbeschluß vom 5. März, der dahin geht, eine iin schöner Umgbeung gelogene Bauparzelle im Ausmaße von 18X36 m zwecks Erbauung dre ersten jüdischen Turnhalle anzukaufen. Ein langjähriger Plan das Präsidenten Ing. Schindler, auf dessen Initiative der Beschluß zurückzuf ührein ist, nähert sich seiner Verwirklichung. Bezeichnend für die Begeisterung Pn der denkwürdigen Sitzung ist der Umstand, daß von den Mitgliedern des Sportrates spontan 150.000 Lei als Teilzahlung für den Ankauf der Parzelle gezeichnet wurdem Es wäre nur zu wünschen, daß diese Tat in der jüdischen Öffentlichkeit ein verstärktes Eohio finden möge und in Kürze das Ziel erreicht werde': .>< Die Makkabi-Turn Ti alle — das Heim! der jüdischen Jugend'! C. F. Der Siegeslauf der Hakoah 6:0 (2:0) gegen Weiße Elf. Die jüdische Mannschaft eilt der Erstklassigkeit mit Riesenschritten entgegen. Am verflossenen Sonntag wurde wieder ein Gegner zur Strecke gebracht. Diesmal mußten die Weißen Elf daran glauben. Hakoah gewann das Meisterschaftsspiel 6:0. Zur Pause stand es 2:0. Stern schoß vier Treffer, N e u f e 1 d und Maus-ner erzielten die übrigen zwei Goals. Hakoah hat alle blsnun ausgetragenen Meisterseh aftskämptfe — es sind fünfzehn — gewonnen und führt mit 30 Punkten weit vor den übrigen Vereinen. Jüdische Touristik Touristik- und Skiklub «Hakoah». Tourenprogramm: 30 März — 1. April. Skitouren: Wechsel, Rax-Sohneoberff. Beginn de« Tonren-kurses am Arlberg:. Fußtouren nach Verabredung. Näheres Freitag, von 20—32 Uhr, im Kiubheim, J» Wippkngerstraße 24 (Durchgang; Cafe Altes Rathaus). Gäste willkommen!

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