Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1929-03-21 · Heft 64 (21.3.1929) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 64 (21.3.1929)
Date
1929-03-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053805-3053817--0930-3056243
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

B V. b. Ö, Preis 39 GrostiiM Zeitung vom Vorleger versendet Jooma! expedK par r&Hteur Abonnementpretee: Für Oesterreich: MonatL S 1^0, viertelj. S 420, garrzj. 16.— / Deutschland: Monat]. Goldmafk 1.—, vierteil. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährHch Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdisdke Zeitung ifledaftMon und Administration: Wien, V., ^aulhcnsteivitfassc V — (Tel. R?0*>3-S4 Polen: Manatl. Ztoty 2.30, viertelj. Zloty 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 420 / Rumänien: MonatL Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertelj. Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 2. Jahrgang Wien, 21. März 1R29 (9. Weadar 5689) Nummer 64 Die im redaktionellen .Teil •befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Regelung der Minoritätenfrage in Rumänien Mit Einbeziehung der Jaden. Aus Bukarest wird gemeldet: Der rumänische Ministerpräsident Maniu hat einem jüdischen Parlamentarier die Erklärung abgegeben, daß der Gesetzent wurf über die Regelung der Verhältnisse der nationalen Miiider heit en in der Her bst s ession de s Pari a m ent s gehandelt werden spl,l; in das GesetzWerdötf äüöli die J ü*d e n R u m ä nie n s einhezogen .werden. Die Palästina-Anleihe Die bisherige Regierung verlangt Informationen des Öberkommissärs? Wie der Berliner „Börsenkiirier“, ein in Finanzfragen gewöhnlich gut orientiertes Blatt, aus angeblich erster Londoner Quölle erfahren haben will, habe die britische Regierung dem Oberkommissär von PalästinaSir Robert e hanc e 11 o r den Auftrag erteilt, sie überdie -M ö g- 1 i, c h k e i t e n e i n e r ,P a 1 ä s t i’n äa n 1 e i h e zu informieren,.da-Geneig.theit bestehe» das Projekt auf geeignete Weise zu. verwirklichen. Eine Bestätigung dieser Meldung war bisher aus London nicht zn erlangen. Es sei darauf hingewiesen, - daß die Meldung nicht allzuviel Wahrscheinlichkeit für sich hat, da nicht anzunehmen ist, die britische Regierung werde unmittelbar .vor den Neuwahlen eine Anleihetransaktion einleiten. Die Red. ' Erleichterung der Einwanderung in Palästina Aus J e r u s a I e m wird gemeldet, N^ch vorangegangenen Verhandlungen der Zionistischen Exekutive in Palästina.mit der Palästinaregierung hat die Regierung soeben eine Entscheidung getroffen, die für die Palästinaeinwanderung von wesentlicher Bedeutung ist. Dieser Entscheidung gemäß dürfen Handwerker nach .Palästina einwandern, wenn sie sich über einen Besitz V o n 250 Pfund ausweisen köhnen- . Angehörige1 a n d e r e r B e rufsk 1 a s s e n. dürfen ejnwandern, wenn sie sich über einen Besitz, von 500 Pfund ausweisen. Alle anderen Personen, die ihren ständige^ Wohnsitz in Palästina zu nehmen wünschen, erhalten dje Einwanderungserlaubnis, wenn sie sich über ein Vermögen von 10Q0 Pfund ausweisen können. Es; wird eine Verfügung der Regierung über weitere Erleichterungen der Einwanderung in Palästina erwartet. Diese Regierungsverfügungen stehen a u ß e rh a I b d e s R a h m e n s d e r G h a 1 u z - E i n w a nd e r u n g, deren Kontingent im Einvernehmen zwischen Regierung und zionistischer Exekutive fest-; gesetzt wird, wobeilein Ausweis über irgend einen Besitz.nicht in Frage kommt.. „Jüdischer Antisemitismus" Eine soziale Predigt von Stephen Wise Der (bekannte N$w Yorker Rabbiner Dr. Stephan Wise Weit vor nicht langer Zeit bt seiner «aristakratösc|hen». Synagoge eine Predigt, in welcher et den sogenannten «besseren» Jiuiden, dfie. sich; weigen», mit ihren Piklern solidarisch zu sein, .gehörig den Text las. Diese Predigt äst auch eine interessante soziologische Erörterung und die Schlüsse, zu denen sie auf Grund dfer Analyse der amerikanischen Verhältnisse g.elangt, haben in vieler Hinsicht auch für gewisse jüdische Kreise in Europa Geltung; Wir geben sie daher gern im ■ _• .; Auszüge wieder- ,.; .. , : . iV/^rnip. gibt;es eigentlich' 'eihöri jüdischen' Anti- . seiitffisahiu«?.-Wanuifn sihijt-gewisse J'uideii,deren Zahl in New York -gar nidh'hgeTi'rig ist, in einem solchen Maße der Blattiieit1 und Oberflächlichkeit anheimgefailjen? Der erste Grund ist ihre .Sucht, die Gojiim nachzuahmen, was man den «Goüsmus»: nenhefi möchte. Der tiefere Grund aber ibt die Unsicherheit, die' die > Juden empfinden. Dieses Gefühl der Unsicherheit verläßt uns nie. Es ist aufs engste verknüpft mit dem jüdischen Leben, sowohl der oberen als auch der unteren Schichten: es’ ist;ein furchtbares Gefühl der Unsicherheit. Das ist der Grund, weshalb gewisse Juden von der «Park Avenue» an fangen zw zittern, wenn säe an dieses vertrackte, erbärmliche und tragikomische Gefühl der Unsicherheit auch nur denken. Vor diesem Gefühl haben sie großen Respekt. Sehen wir zu, wie sie dazu kamen und welches seine schmerzlichen Folgen sind. . Es gibt, in Amerika, drei verschiedene Gruppen vqn Juden: An erster Steife stehen die Juden, die aus Spanien, Portugal, Holland und Frankreich kamen; sie Sind in der' Mitte des 17. Jahrhunderts über Südamerika und Mittelameriika nach Nordameritka eingewandert. In der. Zeit der Unabhängigkeitskriege gab es mehrere tausend Juden in New York, Philadelphia und Newport. Einer von ihnen war während der Revolution Direktor der Universität von Columbia und Feldprediger der , Armee. . , Zwischen 1835 und 1840 setzte die zweite jüdische Einwanderung nach Amerika ein, diesmal viel umfangreicher. Woijier kamen nun diese Juden? Aus Mitteleuropa. Ein Häuflein kam aus Holgnd, England, Frankreich, aber die meisten kamen aus , eutsdhland und Oesterreich;' die Mehrzahl' stammte aus Süddeutschland, Bayern.Dies war also die zweite Einwanderung von Juden in Amerika, und ich wHl mich heute der Gerechtigkeit halber mit den deutschen Juden beschäftigen, die in den Jahren 1830, 1840 und 1850 nach den Vereinigten Staaten kamen, und die im weitesten Maße die Entwicklung des jüdischen Lebens in Amerika beeinflußt haben. Ihre Rolle darf nicht unterschätzt werden. Diese Juden litten unter der Behandliungsweise der portugiesischen Juden ebenso wie die aus Osteuropa cingewanderten Juden in den Jahren 1860 und 1880 unter der Behandlungsweise der deutschen Juden litten. Wenn im Jahre 1830, 1840 und sogar später ein portugiesischer Jude eine deutsche Jüdin heiratete, trauerte ■ seine Familie um ihn wie um einen Toteh und saß «Schiwah» um ihn, denn der portugiesische Jude, dieser semitische Hidalgo, hielt es nicht für standesgemäß, einer einfachen «Deutschen» seine Hand zum Lebens- ‘ bund m geben und sein lieben mit ihr zu teilen. Die portugiesischen Juden nannten übrigens die deutschen Juden nur «tedescos». Diese Bezeichnung war damals ebenso minderwertig und verachtungswürdig wie heute »noch der Name «Podladc» (bei uns «Potischein». Die Red.). - Waren mm diese portugiesischen Juden schlechte Juden? Waren sie schlechte Menschen? Waren die deutschen Juden schlechte Menschen? Sind die Ostjuden schlechte Menschen? Kann man noch ein Beispiel der Verachtung finden, wie die der deutschen Juden, bezüglich der ’ Östjuden und die der portugiesisdhen bezüglich der deutschen Juden? - Wenn Menschen sich innerlich unsicher fühlet*, haben sie ständig Angst, andere könnten ihre «Sicher*- heit» stören. Um ein Beispiel zu geben: ein Jude sagt sich folgerndes: «Ich bin der einzige Jude, der im Hotel Verplazza wohnt». Tatsächlich ist dieser Jude gar nicht so glücklich darüber, daß er im Hotel Verplazza wohnt, aber er hat Angst,, wenn neun andere jüdische Familien sich in diesem Hotel etnmisten würden, könnte er htnausgeworfen werden. So hörte ich bisweilen Juden mit einer betonten Gleichgültigkeit erklären: «Mein Sohn ist der einzige jüdische Schüler, der die Schule Beachten Sie in dieser Nummer unter anderem folgende Aufsätze und Berichte: Der zweite Halsmann-Prozeß. Purim am 17. Schewat. Von Johanna Bach, Mühringen. Ein . Romancier des jüdischen Lebens in Rußland. Von Valentin Pamac. Wie leben die Juden in Mexiko? Ein Siedlungswerk in Transjordanien. Warum nicht unser Theater? Pilsudski hat zu viele Juden. Alter Kram (Erzählung). Von 1. L. Perez. Sport, Schach, Rätsel, Humor. LLOYD RIESTINO DIREKTE LINIE TRI1ST-JAFPA UND RETOUR Abfahrten jeden zweiten Donnerstag 8 Uhr abends. Fahrtdauer unter Berührung von Brindisi bloß 51/, Tage Fahrpreise: I. Kl. Lst. 22.—.--, II. Kl. Lst. 15.—.—, III. Kl. Lst. 5.—.— inklusive Kabine und Verpflegung. Eine Fahrt Triest—Jaffa—Haifa und zurück kostet ln der 111. Klasse inklusive Kabine und Verpflegung bloß österr. Sch. 345.-. Für Gesellschaftsreisen besondere Ermäßigung! Auskünfte: Lloyd Trlestlno, Wien, 1., Kärntnerring 6 Telephon U 46-0-58, U 46-0-54, U 46-0-55.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.