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Die Stimme · 1929-03-07 · Heft 62 (7.3.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 62 (7.3.1929)
Date
1929-03-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite f rin» CTTUMP uic öiiirinic Nr. 62 sind, den etwa 100.000 Italienern der Stadt ein erwünschtes Gegengewicht bieten. Die große Synagoge in Polozk ist gemäß einem Antrag der jüdisch-kommunistischen Arbeiterschaft bi einen kommunistischen Kulturklub umgewandelt Avorden. Nachdem die einmonatiiche Frist, innerhalb welcher die jugoslawischen Behörden die Entscheidung über das Weiterbestehen bisher existierender Korporationen und Organisationen zu fällen hatten, verstrichen ist, erhielt die Z i o n i s t ischeFöderation die amtliche Mitteilung, daß diese Organisation sowie alle zionistischen Orts- und Jugcudgruppen, ferner die «Wizo*-Vereine ungeschmälert ihre Tätigkeit fottsezen können. Die Regierung hat die Amtsenthebung des bisherigen Bürgermeisters von Czernowitz, Dr. C a n d e a, verfügt und mit der Leitung der Gemeindegeschäfte den ältesten Stadtrat, Professor Dr. Neumann-Wender, betraut Professor Wender spielt seit langem eine Rolle im jüdischen Leben der Bukowina, er gehörte unter der Habsburgermonarchie als jüdischer Vertreter dem Landtag an. Unter dem rumänischen Regime ist er der erste jüdische Bürgermeister der Landeshauptstadt der Bukowina. Innerhalb der im Rahmen der Weltausstellung für modernen Handel in Brütm im Sommer 1929 geplanten Exposition «Die moderne Frau» soll eine Sonderschau «Die modernejüdische Frau» veranstaltet werden. Die jüdischen Fraunorganisationen in Mähren erhielten die Aufforderung zur Beteiligung an einer solchen Ausstellung. * Der jüdische Millionär David W e i 11 spendete fünf Millionen Francs für die Wohtfahrtseinrichutngen der Pariser Universität (Herr Weill hat vor einiger Zeit schon 2Va Millionen Francs für soziale Einrichtungen der Studentenschaft gespendet. Die Red.) * Das Joint Distribution Committee hat beschlossen, dl0.000 Dollar für Notstandshilfe bei plötzlich eintretenden Katastrophen durch Mißernte, Fröste usw. in Osteuropa, insbesondere auch in Rußland, zur Verfügung zu stellen. - In Warschau ist im Alter von 53 Jahren der in der ebassidteehen Welt populäre «Sklerniewicer Rdbbe», Rabbi Mordeohal Mendel KaHscfc, ein Sohn des berühmten Rabbi Slroon Kalisch, verstorben. Der Rabbi, der schon seit fünf Monaten an das Krankenlager gefesselt war, verabschiedete sich vor seinem Tode von seinen Anhängern, unter zahlreiche Rabbiner, legte Tallis und Tophiün an und verschied während des Gebetes. Die Bestattung fand unter Teilnahme vieler Tausender Chassidlm statt. Der Repräsentationsball der Wiener Zionisten Es war ein glücklicher Gedanke, den ersten Repräsentationsibafl der Zionfeten Oesterreichs zu veranstalten und man muß der rührigen Festieitung, insbesondere dem Jugendverein «Erez Israel», Dank dafür wissen, daß sie diesen Gedanken so glänzend in die Tat umgesetzt hat Me Einwände der Griesgrämigen und Spielverderber mußten angesichts der animierten Stimmung verstimmen, die in der Samstagnaoht bis In die erst«! Morgenstunden des Sonntag hinein, im Großen Konzerthaussaale herrschte. Zionismus, ein gesellschaftliches Ereignis? Sind diese Begriffe überhaupt in Einklang zu bringen? In Palästina setzen unsere Besten täglich aufs Neue ihr Leben aufs Spiel und in Wien tanzen sie eine Nacht durch . . . Und doch! Audi das war kein Verbrechen wider den Geist des Zionismus, der die Paare beseelte, die sich statt zu ernsten Disputen einmal in froher Festessttrnmuing fanden. Auch das kann uns, abgesehen von dem materiellen Erfolg, der damit verbunden war, wenigstens psychologisch einen Schritt weiterbringen. Vielleicht war es ein Fehler, daß man erst in diesem Jahre zum ersten Mal den Versuch machte, die Wiener Zionisten auf gesellschaftlichem Boden zu sammeln. Der Versuch ist glänzend geglückt Es kamen nicht nur solche, die schon lange in unseren Reihen stehen; auch sie fühlten sich bald heimlich. Irgendwie muß es auch auf sie gewirkt haben, daß auf dem Podium neben der rot-weiß-roten Fahne die blau-weiße prangte und daß am Schlüsse des Festes die «Tikwah» Intoniert wurde, die von den Anwesenden stehend angehört wurde. Man mißverstehe uns nicht! Auch wir sind keineswegs der Ansicht, daß Zionismus im Ballsaal eingeimpft werden kann. Aber wir lassen uns nicht davon abbringen, daß man für unsere Sache nicht auch auf dem Tanzparkett werben darf. Einen imposanten Anblick bot der Einzug des Ehrenkomitees, flankiert von den Mitgliedern des Jungdamen- und Jungherrenkomitees und den Inkorporierten Studenten mit ihren Damen. An der Spitze des Ehrenkomitees schritten der Präsident des Zionistischen Landeskomicees für Oesterreich Dr. G o 1 d h a m m e r, Hofrat Dr. F r a n k f u r t e r, der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Löwenherz und der Obmann des zionistischen Klubs der Kultusvorstände Doktor Friedmann. Die Herren geleiteten die Gäste auf die Estrade. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a.: Minister Ludwig, die Schriftsteller Beda (Dr. Löhner) und Dozent Dr. Schreyvogel, die Maler Kreatin und Wachtel, die Muelker Professor W o 1 f s o h n und Professor Wolf, ferner Kommerzialrat Klempereru.v. a. m. Vom zionistischen Klub des Kultusvorstandes waren erschienen die Kultusvorsteher Dr. B e e r, Dr. K1 a b e r, Professor Rath, Börsenrat Waltuch; ferner hatten sich eingefunden: Dr. Oelber, Ing. Karplus, Kultuevorsieher Dr. Leo Landau, Anita Mflller-Cohen, Dr. Zweig. Auch aus der österreichischen P r o v i n z, wie Om, St. Pölten, Salzburg, Lin2, Leoben, Wiener-Neustadt, Groß-Enzersdorf, Klagenfurt, Amstetten waren zahlreiche Zionisten zum Ball nach Wien gekommen. Palästina war durch einige Gesinnungsgenossen, die gegenwärtig ln Wien weilen, vertreten. Das Fest wurde durch einen Walzer, den die Mitglieder des Jungdamen- und Jungherrenkomitees tanzten, eingeleitet Bald war angeregtes BaUgetriebe kn Gange, moderne Tänze lösten einschmeichelnde Walzerweisen ab. Die Stimmung stieg von Stunde zu Stunde und hatte lange nach Mitternacht noch nicht ihren Höhepunkt erreicht Der rührige Leiter des Tanzarrangements, Tanzmelster Erd stein, veranstaltete mit den Paaren Tanzspiele und Reigen, die heile Freude auslösten. Und wenn die Leitung des Festes rühmend hervorgehoben wird, dann darf auch die Kapelle M i s c h a nicht vergessen werden, die sich ihrer Aufgabe, stimmungsvolle Balhmrsifc zu besorgen, in mustergültiger Weise entledigte. Erst um drei Uhr früh mußten die Baltbesucher notgedrungen das Parkett verlassen; sie hätten gerne noch weitergetanzt Bald sah man da und dort in ein zierliches Damenhandtäschchen ein Visltkärtchen verschwinden, da und dort hörte man eine Tefephonnutroner nennen und «ganz bestimmt» sagen. Der Anschluß war leicht gefunden. Nur die Wahl war schwer, denn sie sahen alle entzückend aus, die vielen Frauen und Mädchen, zahlreiche darunter, die wohl ernste Konkurrentinnen für die Anwartschaft au-f den Titel einer Schönheitskönigin gewesen wären. r. $. Delegiertentag der österreichischen Zionisten Partoisteuer und Sehekel sind bis 12. März zu verrechnen. — Der Delegiertentag am 20. und 21. April. — Wahlen am 11. April Das zionistische Landeskomitee für Oesterreich teilt mit: Der ordentliche Delegiertentag der österreichischen Organisation wird nunmehr endgültig für den 20. u n d 21. A p r i 1 1929 einberufen. Die Tagesordnung, welche noch separat bekanntgegeben wird, stellt eine Reihe von' wichtigen Fragen zur Behandlung, deren Lösung unbedingt nötig ist, damit die aus hartem Boden in mühevoller Arbeit hervorgebrachten Ansätze einer gesunden Partei sich weiter entwickeln können. Der Weg zu dieser Lösung wird gefunden werden, wann alle Kräfte der Organisation in allen ihren Richtungen beim Delegiertentag in voller Stärke zum Ausdruck kommen. Dazu ist notwendig, daß sämtliche Grupen die Parteisteuer und den Schekel längstens bis zum 12. März L J, abffihren und verrechnen, um die Wahl ihrer Delegierten in solcher Zahl, daß sie der vollen Stärke der einzelnen Organisationen und Gruppen entspricht, zu ermöglichen. Der Termin für die Einzahlung der Parteisteuer und des Schekels kann über das angegebene Datum hinaus nicht erstreckt werden. Am 11. April d. J. von 6 bis 10 Uhr abends finden die Wahlen der Delegierten für den Parteitag in ganz Oesterreich statt Die Reklamationsfrist dauert vom 13. bis inklusive 20. März. Zionisten! Ihr müsset Euren Öelegiertentag so stark beschicken, daß schon cforaue Euer fester Wille offenbar wird, die von Euch begonnene Arbeit der Festigung und Ausbreitung der österreichischen Organisation fortzuführen! Das zionistische Landeskomitee für Oesterreich. Aus dem Walilregutatlv für die Wahlen zum Delegiertentag des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich, Jedes Mitglied der österrdchfecben Landesorganisation ohne Unterschied des Geschlechtes, welches in der offiziellen Wählerliste des Landesverbandes verzeichnet :5t, das 18. Lebensjahr erreicht hat und sich über die Entrichtung de» Schekels für da» teufende Jahr aueweisen kann, ist aktiv wahlberechtigt Die Wählbarkeit ist an das erreichte 20. Lebensjahr und den Nachweis der Erfüllung der Verpflichtung gegenüber dem Keren Hajessoa gebunden. Jede im Rahmen des österreichischen Landesverbandes orgar. sierte Bezirksesktion, Ortsgruppe und Sondervereinigung bildet je einen Wahlkreis, wahlberechtigte können nur in einem Wahlkreis ihr Wahlrecht ausüben. Das Landcskomitee Ist bei vorliegender, statutenmäßiger Voraus- Wochen-Kafender März 1989 Oedenktage "HK »"onn 1 Donnerstag 35-ro 8 Freitag 18*5 — der bekennte Ghetto* dlobter Salomon Kohn in Prag geboron. 184t — Perea Smolensk? ge* boreo. 26 - 13 Sabbstatagasg 6 Diu 45 9 Samstag 1850 — der Dichter Peter Alten* berg (Paul Engländer) in Wien geboren. 27- Weneesbreba. *'aJ*k’Hsl BMiuah ■ Bsa* sohswah »ihso'Bt -abb»t»asg«tie tt Uhr 84 10 Sonntag 1875 — Jakob Wassermann tn Fürth geboren. 1174 — der Erfinder der Galtan»- plaetlk Moria Hermann Ja* oobJ ln Petersburg gestorben. 28—03 11 Montag 1841 — der ttellenlsohe Staats* mann Prof. Lulgl Luzzattl in Venedig geboren. 407 — der berühmte Lexikograph Daniel Sanders tn sei* ner Heimatstadt 4Jt*Strellts gestorben. 20 — {53 Jsm Rippst Esten 12 Dienstag 1898 — der Dichter Ludwig August Frankl in Wien ge* storben. 3« — 1. Tsr Rs*oh ebedsaeb 18 Mittwoch 1837 — der berühmte Violinvirtuose Prof. Jneob Grün ln Budapest geboren. 1898 — der Klaviervirtuose und Komponist Julius Sobulboff ln Borltn gestorben. Tttt1 1-K t. Ts* Beschehednarb Setzung (§ 7 der Statuten) berechtigt, mehrere Bezirkssektionen, Ortog'tuippien oder Sondervereinigungen zu einem Wahlkreis zu vereinigen. Zur Durchführung und Leitung der Wahl werden Wahlkommissionen für jeden Wahlkreis bestellt Die WahCkommission ist von der Bezirkssjktion, bezw. Ortsgruppe (Sondervereinigung, welche einen besonderen Wahlkreis bildet) zu bestellen. Der Vorsitzende der Wah'kommission wird vom Landeskomitee ernannt. Jede Partei, welche sich in einem Wahlkreis um ein Mandat bewirbt, ist berechtigt, je einen Vertrauensmann in die Wahlkommission »u entsenden. Die Wahlen finden am 11. April 1929 statt Die Wählerliste wird vom 13. März an im Bueiau des Zionistischen Landeskomitees, I., Kärntnerslraße 28, zur al lgemeinen Einsicht atufllegen. Das Recht der Reklamation wegen Nichtaufnahme ln die Wählerliste oder wegen Aufnahme nioht wahlberechtigter Personen steht jedem Orgamsationsmitglied bis 21. März 1929 zu. Die Entscheidung über die Wamproteste obliegt der Hauptwahlkommission. Jeder in Wien gelegene Wahlkreis wählt auf Je 70 Wähler einen Delegierten. Für verbleibende Reststimmen von mindestens 35 Mitgliedern kann noch ein Delegierter gewählt werden. Wahlkreise (Wien) mit mindestens 30 Wählern haben auch schon das Recht auf einen Delegierten. Wahlkreise der Provinz wählen auf je 45 Mitglieder einen Delogierten. Pür verbleibende Reststimmen von mindestens 25 Wählern kann noch ein Delegierter gewählt werden. Ortsgruppen mit weniger als 30 Mitglieder können zwecks Wahl zum Delegiertentag zusammengelegt werden (§ 7 der Statuten). In Wahlkreisen, in welchen nur ein Delegierter zu wählen ist. unterbleibt die Einreichung von Wahlvorschiägen. ln Wahlkreisen, auf welche zwei oder mehrere Delegierte entfallen, sind die Wahlvorschläge bis spätestens 5. April 1929 beim Zionistischen Landeskomitee einzureichen. Die Wahlvorschläge haben zu enthalten: a) Die unterscheidende Parteibezeichmmgj b) die Parteiliste, d. i. ein Verzeichnis von mhvdestens doppelt so vielen Bewerbern, als ln dem betreffenden Wahlkreis Delegierte zu wählen sind; c) die Bezeichnung des zustetlungsbovoUmächtigten Vertreters. JediT Wahlvorschlag muß von mindestens 10 Wählern des Wahlkreises unterschrieben sein. Weisen mehrere Vor* Schläge im gleichen Wahlkreis den Namen desselben Wahlwerbers auf, so hat dieser über Aufforderung des Landeskomitees bis zum 8. April 1929 zu erklären, für welchen der Wahlvorschläge er sich entscheidet, ansonsten wird sein Name in allen Wahlvorsohlägen gestrichen. Die Abstimmung ist geheim. Das Wahlreoht Ist persönlich im Wahllokal auszutiben. Stellvertretungen sind unzulässig. Jeder Wähler hat der Wahlkommfesion seinen Name« und seine Adresse zu nennen und die Quittung über den entrichteten Schekel vorzuweisen. Die Wahlkommission bat daraufhin die Wahlberechtigung festzustellen. Die Wahlkommissionen haben Maßnahmen zu treffen, die eine ordnungsgemäße Legitimierung der Wähler gewährleisten, um ©me doppelte Ausübung des Wahlrechtes zu verhindern. Sofern der Wähler der Wahlkommission nicht bekannt ist, gilt als Legitimation das Vorkommen »einen Namens in <fcr offiziellen Wählerliste, sowie eine seine Identität und den Wohnsitz hinlänglich beech einigen de Urkunde (Meldezettel, Legitimation, Straßenbahnkarte usw.). Ist der Wähler nicht Im Besitze solcher Urkunden, so kann seine Agnoszierung durch der Wahikommission bekannte Personen erfolgen. Hiezu ist ein besonderer Beschluß der Wahikommission erforderlich, der in dem Wahlprotokoll zu vermerken Ist. Bel Zweifel über das Alter des Wählers Ist die Kommission berechtigt, die Vorlage eines Dokumentes zu verlangen, aus dem die Erreichung des 18. Lebensjahres nachgewiesen wird. Der vom Wä'' r aibzugebende Stimmzettel kann jede beliebige Form haben. In Wahlkreisen, in denen nach Wahlvorsohlägen zu wählen ist, ist der Stimmzettel gültig, wenn er entweder die Partefbezeichnung oder wenigstens den Namen eines Bewerbers der Liste unzweideutig dartut. Dagegen sind Stimmzettel ungültig, wenn darauf mehrere Listen oder mehrere Namen aus verschiedenen Listen bezeichnet sind oder wenn sie auf andere als die elngcrcichten Wahlvorschläge lauten. Ungültige Stimmen sind ebenso wie leere Stimmzettel bei der Berechnung des Wahlergebnisse» nicht in Betracht zu ziehen.

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