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Die Stimme · 1929-02-21 · Heft 60 (21.2.1929) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 60 (21.2.1929)
Date
1929-02-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 60 PIE STIMME ev th sagen sollte, er sei G’tt, so glaubt es nicht. Denn G’tt allein ist G’tt.» Und alle schrien: «Höre, Israel, der Ewige ist unser G’tt, der Ewige ist einzig.» Niemand, so sagten unsere Weisen, stirbt früher als er sterben soll. Aber, so spät er auch stirbt, für ihn selbst ist es immer zu bald: denn obwohl er schon zweimal nach dem Tod verlangt hatte, obwohl er durch G’ttes Mund und selbst erfahren hatte, daß cs ihm nur noch eine Stunde lang zu leben beschieden war, war der Prophet noch immer nicht zu sterben bereit. Von Menschen verlassen flehte er nun zum Berg der Wüste, zur Erde und zum Himmel. Erstieg den Nebo und sagte schluchzend zu ihnen: «Ruft doch, ruft das Erbarmen des Ewigen auf mich herab. Daß er vom Tode mich rette.» Aber der Berg erwiderte: «Er möge zuerst sich meiner erbarmen; hat er nicht geschrieben: Die Berge werden vergehen und die Höhen werden niedergemäht werden?» Die Erde und der Himmel antworteten: «Er möge zuerst sich unser erbarmen; hat er nicht geschrieben: Die Erde wird sich abnützen wie ein Kleid; wie ein Rauch werden die Himmel sich verflüchtigen?» Und die Wüste antwortete: «Jedes Ding kehrt an seinen Platz zurück. Alles war Staub, alles wird zu Staub.» Und der Prophet stöhnte: «Wohin gehen? Wen noch anflehen? Einst war ein Pharao m^n r>,lave; ich befreite ein ganzes Volk von Sklaven; ich legte ihnen den Sabbath auf und das Fasten; ich bestimmte das Leben und den Tod; die Thora trug meinen Namen. Ich gebot der ganzen Welt; die Ordnung der Dinge vertauschte ich. Zum Himmel, der Wasser herniedergießt, sprach ich: «Gieße Brot hernieder — und Manna fiel. Zur Erde, welcher das Brot entsprießt, sprach ich: laß Wasser entsprießen — und Wasser stieg empor. G’tt gehorchte mir. Sprach ich*. «Erhebe dich, erhob er sich; steh still — stand er still. Ich sagte zu ihm: «Strafe — er strafte; vergib — er vergab. Was bin ich heute? Ein Greis, der bettelt und den man nicht hört.» — «Das ist das Gesetz alles Fleisches, mein Sohn», antwortete ihm G’tt. «Du warst an der Reihe und nun wird ein anderer an die Reihe kommen. Wessen Sohn bist du? Amrams . . . Und Amram, wessen Sohn war er: Kohats. Und Kohat war der Sohn Levys und alle waren die Söhne Adams und alle starben wie Adam. Warum, solltest du nicht sterben?» «Herr, Herr,» flehte Moses, «da du alles kannst, kanst du mir auch den Tod ersparen.» «Wenn du in dieser Welt nicht stirbst, mein Sohn, wie solltest du in der anderen wiederkehren? Ich halte für dich alle Freuden des Paradieses bereit, du hast auf Erden 60 Myriaden von Kindern Israels befehligt; im Himmel wirst du 55 Myriaden von Gerechten befehligen, welche die Wege der Thora gehen werden. Oh, Moses, deine Tage vergehen, aber dein Leben vergeht nicht. Du wirst weder Dach noch Mantel brauchen, noch Brot für deinen Hunger, noch Oel für dein Haus, noch Sandalen für deine Füße, noch Mond oder Sonne für deinen Blick; ich decke dich mit meinem Glanze, ich nähre dich mit meiner Seligkeit, ich trage dich aut den Flügeln meines Ruhmes und ich strahle in dein Gesicht mit dem großen Lichte, von. dem du nichts noch kennst als seine Schatten.» Jedoch Moses ergab sich nicht. Er stöhnte noch immer: «König der Welt, König der Welt, wenn du mir nicht gestattest, den Jordan zu überschreiten, nicht gestattest, das gelobte Land zu sehen, gestatte mir zu leben, Herr, auf der Welt zu leben. Und wenn du mir nicht gestattest, ein Mensch zu bleiben, laß mich leben als ein Tier des Feldes, als ein Vogel in der Luft, aber leben, leben und nicht sterben.» So flehte der Prophet. Und die Gebirge und die Meere erzitterten. Die Abgründe und die Firmamente schrien vor Entsetzen; alle Stimmen des Weltalls heulten in Verzweiflung: «Will denn G'tt das Weltall mein Sohn, töte den Tod nicht, er ist notwendig auf der Welt.» Samael entfloh; der Ewige erschien. Wir geben hiemit aufs tiefste erschüttert Nachricht vom Ableben unserer Gattin, Mutter und Großmutter, Frau GHANA TAUBES die Im Alter von 66 Jahren nach kurzem Leiden sanft entschlafen ist. Das Leichenbegängnis fand Dienstag, den 19. d. M„ um V* 12 Uhr am Zentralfriedhof (Israelitische Abteilung, III. Tor) statt. Dr. Da«Id Taubes Lfibl Taubes |)r. Israel Taubes als Qatte Jakob Sfunuel Taubes als Söhne Esther Judith Taubes als Tochter Bertha und Salome Taubes als Schwiegertöchter Enkel und Enkelinnen zerstören?» Denn das Gebet Moses war wie ein Schwert» welches die Welten zerreißt und zerschlägt, denn in seiner Klage enthielt er den unnennbaren Namen, der die Welt erschuf. Da gebot der Ewige allen Engeln, die Pforten der Gebete zu schließen, damit das Gebet des Propheten nicht aufgenommen werde; und die Engel riefen: «Gepriesen sei der Heilige, gesegnet Sei er, der keine Gunst und kein Unrecht kennt und allen Sterblichen den gleichen Tod gibt. Als der Heilige, er sei gesegnet, sah, daß der Prophet zum Tode bereit war, sagte er zu Gabriel: «Geh und pflücke deine Seele.» Aber der Erzengel erwiderte: «Er hat dein Volk geleitet, dein Wunder war in seiner Faust, dein Wort in seinem Munde, er hat das Meer ausgetrocknet und das goldene Kalb hinweggeführt; ich gebe diesem Gerechten nicht den Todl Da sagte Gott zu Michael: «Geh und pflücke seine Seele.» Aber der Erzengel erwiderte: «Deinen unnennbaren Namen, er allein hat ihn ausgesprochen, du hast aus ihm mehr als einen Engel gemacht und fast einen G’tt. Ich gebe diesem Gerechten nicht den Tod.» Doch, seit hundertzwanzig Jahren erwartete Samael, daß ihm Moses ausgeliefert werde. Er sagte zum Ewigen: «Ich gehe, seine Seele zu holen.» Der Ewige anwortete ihm: «Wirst du allein es wagen, dich ihm zu nähern? Welches ist die Stelle an seinem geheiligten Körper, die du mit deinen Millionen Augen auch nur anschauen dürftest? Sein Angesicht? Auge in Auge hat es in das meine geschaut. Seine Hand? Sie hat von der meinen die Thora empfangen. Seine Füße? Sie haben die Schwelle meiner Herrlichkeit betreten.» — «Ich gehe doch», entgegnete Samael. Er nahm sein Schwert, gürtete sich mit Grausamkeit, hüllte sich in Zorn und trat vor Moses. Doch, als er ihn sah, der Prophet, der hoch aufgerichtet auf dem Gipfel des Berges stand, schrieb ei mit seinen strahlenden Fingern die vier Zeichen des unsagbaren Namens in die Luft; und wie ein erstarrter Blick hing der Name im durchscheinenden Raum. Niedergeworfen wollte Samael am Boden kriechend entfliehen. Aber das Knie von Moses drückte seine Kehle nieder. Schon sollte der Todesengel sterben, als eine Stimme vom Himmel erschallte: «Moses, Er sprach zum Propheten: «Glaubst du, mein Solr* ich hätte es ertragen, dich sterben zu sehen wie tue anderen Sterblichen? Höre zu, kreuze einen Seite tt Fuß über dem änderen, eine Hand über die andere.» Moses gehorchte. «Schließe die Augen.» Moses gehorchte. Nun rief Gott flüsternd die Seele des Propheten zu sich: «Seele, meine Tochter, ich habe dich dazu bestimmt, hundertzwanzig Jahre diesen Körper zu bewohnen; verlasse ihn nun, die Stunde ist gekommen. Doch dier Seele entgegnete: «König der Welt. Ich weiß, daß Öii der G’tt aller Geister bist,' daß du in deiner Hand die Seelen der Lebenden hältst uftä die Seelen der Toten. Du hast mich erschaffon und hast mich in den Körper dieses Gereichten eingesetzt, gibt es denn in der Welt noch einen Körper, der so rein wäre wie. der seinige? Ich liebe ihn und will. ihn nicht verlassen.» — «Meine Tochter, fing ü’tt von neuem an, zögere nicht, gehorche mir; im höchsten meiner Himmel weise ich dir deinen Platz an, dem Throne meiner Herrlichkeit zu Füßen, inmitten meiner Cherubim und Seraphim.» — «König der Welt, sagte die Seele, deine Engel selbst sind verderbt; als Azza und Azzail von deinen Höhen herabstiegen, um sich mit Steril liehen zu paaren, mußtest du sie zu ihrer Züchtigung zwischen Erde und Wetterwolken festketten. Aber Moses, von dem Augenblick an, wo du ihm gewährt hast, dich zu schauen, Angesicht zu Angesicht, hat sein Fleisch das Fleisch nicht mehr gekannt. Darum will ich bei ihm bleiben.» ■> «Hast du also Angst vor Samael?» fragte der Prophet seine Seele. «Durchaus nicht, denn G-tt wird mich Samael nicht ausliefern.» — «Fürchtest du, du würdest meinen Tod beweinen müssen? Wie Israel ihn beweirien wird?» — «Durchaus nicht, denn der Ewige hat meine Augen von Tränen befreit.» «Fürchtest, du, in den Schlund der Hölle hinabgeschickt zu werden?» — «Durchaus nicht, denn G’tt hat mir die Freuden des Paradieses verheißen.» —■ «So gehe, meine Seele, wohih der Herr dich lädt und-gesegnet sei seine Liebe.» Und der Ewige pflückte ihm die Seele vom Munde und der Prophet starb im Kusse G’ttes-'. . Dann stieg Moses empor und setzte sich: dem Throne der Herrlichkeit zu Füßen. Und zu'Füßerf des Thrones der Herlichkeit erwartete er, gemeinsam mit G’tt, die Stünde des Messias. (Aus dem Französischen übersetzt von Klart» * Blum.) Schach l. G. B. Laws, abedefgh Weiß: K c 1, D a 3, T f 3, L b 5, S c 3, h 4, B d 5, e 5, g 7, (9 Steine). Schwanz: K d 4, D g 8, T fa 5, ft 6, L h 2, S Jt 7, B f 4 (7 Steine). Weiß zieht und setzt dm zweiten Zuge matt. 11 P. PricryL a b c d e f g h Weiß: K ft 5, Obi, Ld2, d7, Be 4, g 2, g 5 (7 Steine). Schwairz: K d 4, S a 6, B c 7, d 5, h 4 (5 Steine). Weiß zieht und setzt im vierten Zuge matt. Lösungen der Probleme hi Nummer 89« Zweizüger: D a 2 — a 6. Dreizüger: 1) D i 2 — g 3, K f 5; 2) S X c 6; c 5: 3) S c 4; c ft 5; 2) S d 7, Scherz und Humor Zu oft Der Buchhalter Weißberg kommt zum Chef: „Herr Chef, idi möchte Sie um zwei Tage Urlaub bitten!“ „Urlaub? Warum, wozu, um Gottes willen?“ „Ich feiere nämlich morgen meine^ filberne. Hochzeit,“ „So — und Sie glauben, das wird, jetzt alle 25 Jahre fo weitergehen?“ 4s Der Trumpf Der Fuhrmann Bendett fitzt gern in der Schenke. Seine Frau macht ihm Vorwürfe, daß er fein Heim und fein Gefchaft vernachläffigc und im Wirtshaus feine Zeit vertrödle. Bendett bleibt unverbclferiich. ’f Als die Mahnungen zu Haufe nichts nützen, befdiließt Bendetts Frau, ihren Mann im Wirtshaus aufzufuchenj ,um ihm dort den Kopf zurcchtzufetzen. Sie tritt ein: „Finde ich dich wieder in der Schenke, du Tagedieb, du Müßiggänger?“ Bendett, der lieh nicht zu helfen weiß, fucht feine. Frau zu befänftigen, indem er ihr ein Gläschen Schnaps anbietet. Die Frau koftet, fetzt das Glas aber fofort ab: „Pfui, wie bitter 1“ „Was glaubft du eigentlich, ich lecke hier Honig?“ Jüdischer Sport Zehn Jahre Grazer Hakoah (Schluß.) ln einem heißen Kampfe, in dem die Hakoahncr eine Bravourleiftung boten, wurde der F. C. Sturm z :o gefchlagen und von der Spitze verdrängt. Die redlichen Spiele brachten der Hakoah durchwegs Überlegene Siege: gegen Oftmark 6 : o und gegen den A. Sp. V. 7:3. Wenn diefe glänzende Form der Grazer Jungjuden auch im heurigen Jahre anhalten wird, kann bereits heute gefagt werden, daß das Jubeljahr ein Jahr der Erfolge fein wird. Die Fußballfektion ftützt fich vor allem auf junges einheimifches Material, das insbefondere in dem alten Wiener Spieler G r ü n h u t ein leuchtendes Vorbild befitzt. Obwohl Grünhut bereits 40 Jahre alt ift, zählt er doch noch zu den beften Mittelläufern der Steiermark. Eine Stütze der Sektion ift auch noch K r a u f z, der befte Stürmer der fteirifchen Lan* deshauptftadt, Fürft, ferner die Brüder B ur ft y n und Quilller, der ehemalige Hasmonea-Spieler Schächter, Betreibe i m und der Ungar S ch w a r z. Nach der Fußballfektion ift es heute die Tifchtenniafektion des Vereines, die Auffchen erregt. Sie weift 80 aktive.

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