Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 60 (21.2.1929)
- Date
- 1929-02-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 60 Sette 8 , dieses Jahr werden mit 2,540.312 Pfund, die Ausgaben mit 2,577.336 Pfund veranschlagt Der Bau des Haifaer'Hafens und die Entwicklung der Orangenzucht, heißt es weiter, werden Hände! und Industrie anregen und zur Erhöhung der Einkünfte beitragen. Aus dem Kadoorie-Fonds wurde e’nc landwirtschaftliche Schule JUr Araber errichtet, die ihre Wirksamkeit in der .zweiten Hälfte 1929 beginnen wird. In. einem Antwortschreiben weist Koloniemklister Amery auf die.Notwendigkeit der Kllrzung der Ausgaben um 1 0 0.0 00 Pfund gemäß den Voranschlägen der vom früheren Oberkommissär Lord Plumer eingesetzten Sparkommission hin. Er billigt die . Verminderung öffentlicher Arbeiten und begründet dies damit, daß letztens außerordentliche Arbeiten zur Linderung der Arbeitslosigkeit unternommen wurden. Amery schlägt eine Erhöhung der Gebühren für Einwanderung zuin Zwecke der Selbsterhaltung des Immigrationsdepartements vor. Hafenbau und Oil-Pipe Leitung in Haifa Eine Erklärung Chancellors ln der Audienz, die der High Commissioner den Mitgliedern der j.lidisch.en Handelskammer in Haif a gewährte, erwiderte er auf ein ausführliches Memorandum, dessen Resümee ihm von dem Kamfflervorsitzenden, Herrn Natanson, vorgetragen wurde, u. a., nach den telegraphischen Nachrichten aus London seien die Schwierigkeiten, die dem Beginn des Hafenbaues bisher im Wege standen, norunbhr beseitigt, er selbst erwarte jeden Tag eine ausführliche schriftliche Bestätigung, nach deren Erhalt sofort mit d’e'm Baü begonnen werden könne. Die Fragen der Röhrenleitung von Mossiil und der Eisenbahn von Bagdad nach Haifa — führte der Oberkommissär weiter aus — ist von den« großen Gesellschaften abhängig, die an diesen Verkehrsprojekten interessiert seien. Er glaube bestimmt, daß aer Endpunkt dieser L i n i e n i n ri a i f a liegen werde. Was getan werden könne, um Haifa Anziehungskraft gegenüber diesen Gesellschaften zu verschaffen, werde erfolgen, und alles spreche dafür, daß diese Stadt künftig Sitz großer Industrien und ein gewerbliches und kommerzielles Zentrum sein werde. Frankreichs angebliche Tote Meer- Konzession , ln Beantwortung einer Anfrage von Colonel Howard Bury erklärte der britische Außenminister Sir Austen C h a m b e r 1 a i n im Unterhaus, es habe ein schriftlicher Meinungsaustausch zwischen der französischen und der britischen Regierung stattgefunden über den, Anspruch einer französischen Grup-pe auf eine vor dem Kriege seitens der türkischen Regierung gewissen autonomen6 Untertanen angeblich verliehene Konzession zur Ausbeutung bestimmter -Substanzen aus den Gewässern des Toten Meeres. Am 17. Dezember,y. ,J. habe der KoloniemLnjster Herr Amery. auf eine Frage von Colonel Bury erklärt, daß die britische Regierung keine gesetzliche Verpflichtung fühle, die$e Konzession anzuerkennen. Eine solche Antwort wurde der französischen Regierung bereits am 16. April 1928 gegeben, gleichzeitig wurden ihtt gegenüber die Gründe dargelegt, warum die britische*!Regierung nicht in der Lage sei, die Konzession anzuerkennen. Soeben ist von dem französischen Gesandten eine neue Mitteilung hierüber übermittelt worden, mit deren Beantwortung sich die britische Regierung gegenwärtig befaßt. Nahe-Osten-Ausstellung und Palästina- Messe in Tel-Aviv Anläßlich dieser Ausstellung, welche in Tel Aviv in der Zeit vom 7. bis 21. April stattfmden wird, wenden mit Gültigkeit vom 15. März biß 15. Mai folgende Begünstigungen seitens des Lloyd Triestino gewährt: .1. Eine Ermäßigung von 25 Prozent auf den Tarifpreis, Verpflegung ausgenommen, den offiziell eingeladenen Besuchern gegen Vorweisung der Einladung oder eines gleichwertigen Zertifikates. 2. Eine Ermäßigung von 30 Prozent auf den Tarifpreis, Verpflegung ausgenommen, den Direktoren oder Vertretern der Messe, höchstens 10 Personen, gegen Vorweisung eines Zertifikates, aus welchem ihre Mission hervorgeht. 3. Eine Ermäßigung von 30 Prozent auf den Frachtsatz jener Ausstellungsgegenstände, die für die Messe bestimmt sind.- Diese Ermäßigung wird auf aäflen Linien dies Lloyd Triestmo gewährt, also auch auf den billigen Fahrpreisen der neuen Palästina-Linie, auf dieser jedoch nur auf Passagen der 1.- und 2.‘ Klasse. E Die Ausgrabungen In Beth, Alpha Nach einer Mitteilung der hebräischen Universität haben die Ausgrabungen in Betli Alpha inzwischen den s ü dtichen Teil der entdeckten Synagoge voll- PIE STIMME ■erratand Damen<Kieiier mcr nao Stieb» . Zthitnt aMb Mmltknnu. : Je»fi«iinn taclnd TTfen, TI., Mariahilferstraßfe 107, Tel. B 97-2-88 ständig freigelegt. Der architektonisch hrtereeeamteste Teil in diesem Abschnitt ist der Halbkreis, der sich von der Südwand aus* der Halle erstreckt und darauf schließen läßt, daß Hier früher die Heilige Lade (Oron Hakodesch) ihren Stand hatte. Ferner wurde cinneuerMosaikstreifen neben dem (großen Sternbild-Mosaik ausgegraben; er enthält cfwe figürliche Darstellung einer:Heiligen-Lade, die von siebenanmigen Leuchtern, Feststräußen (Lulawim)i Esrogim, Posaunen und Löwen umgeben ist. An einem Vorsprung der Lade hing eine Ewige Lampe. Die weiter freigelegten Zeichnungen steHem noch Traubenbiischel, Fische und Wachteln mit Jungen dar. Von dem StembÖde selbst wurden zwei weitere Engel freigelegt, dtie verschiedene Jahreszeiten symbolisieren und" die Inschriften «Zeit des Thatnus» und «Zeit des Tebeth» tragen. Alk Zeichnungen sind sehr gut erhalten. Miszellen Die Einwandererzertifikate verteilen sich auf die einzelnen Länder wie folgt: Westgalizien 240, Rußland 80, Rumänien 58, Deutschland 35, Tschechoslowakei 18, Litauen 15, Lettland 13, O e s ter r ei c h 5, Frankreich 4, Bulgarien 4, Tunis 2, Bagdad 1, ..Jemen. 30.. Der Rest der Zertifikate ist für. die von ihren Verwandten angeforderten Cha- Iuzim bestimmt, denen eine if e s t e Arbeit in Handwerk und: Industrie: zugesicheftt ist. * Die Palästina-Messe ln Tel , Aviv. Der Oberkammissär hat alle Regierungsdepartements aufgefordert, ehe in den kommenden Pesachtagen zu T el A v i v stätfefindende palästinensische Ausstellung und Messe zu, fördern. Aus dem Auslande eingeführtes Ausstellungsmaterial ist von Zollgebühren , zu befreien. Das Handelsdepartement der Regierung hat 1 einen Vertreter in das Ausstefhingskomitee entsandt. * ’ Die für Ende Februar angesetzt gewesene Aegyp-' ten-P a 1 ä s ti n a-F ah r t des Luftschiffes «Graf Zeppelin» ist wegen der abnormen Winterkälte auf den 26. März verschoben worden. Das Luftschiff wird Pass ä g i e r e mitnehmen. ■■■ '* ■ ■ ■ ■ - In Warschau' fand die Gründumgsversammlung einer E x p o rtu n d 1 m’p o xt g e s e 11 s c h af t P o le n- Berühmte1 Musiker eines wandernden Volkes*) Endlich einmal ein Buch, fern von jeglichem Theoretisiferen, Psychologisieren und Jonglieren mit Thesen und Antithesen, ein Buch, das einfach durch das Tatsachen-, ja sogar bloß durch das Bilde r m a t e r i a I seine Wirkung auf uns jausübt. Und wie beredt,'ausdrucksstark sind die Gesichtszüge! Schon die Zahl der Photographien, der zu einer Gemeinsamkeit zusammengefügten Charaktere — Rasse? Volk? Nation? — ist überzeugend und erkenntnisreich. Angesichts dieser großen Zahl jüdischer1 Musiker, die Bedeutendes geleistet und hervorragende Stellungen eingenommen haben oder noch einaiehimen, erweisf stich die unter Führung Riohand Wagners eingebürgerte Auffassung von der «Unzulänglichkeit der musikalischen Begabung des jüdischen Volkes» als ein oberflächliches, völligunbegründetes «Argument» im Kampfe gegen die Juden. Alle Anklagen, alle befremdlichen Deutungen der Antisemiten würden hier durch die Summe von Talent, Begabung und Genialität mit lapidarer Wucht entkräftet. Dieses Buch ist eine wahrhaft großartige Antwort, es trägt den Beweis in sich —- Realitäten, keine Utopien — und wächst über den Rahmen rein biographischer Studien hinaus zu einem kulturhistorischen Dokument von großer Schlagkraft. Die Idee, die dem Buche zum Dasein verhalt, wird einem richtigen Instinkt eines jüdischen Musikers entstammen, der die Bedürfnisse der Zeit rechtzeitig erkannt hat. Als Solist (Cellovirtuose) und Mitglied verschiedener Orchestervereinigungen fand Gdal Saleski auf seinen Reisen (er ist in Rußland geboren und lebt jetzt in New York) Gelegenheit, sei es durch persönlichen Kontakt oder durch direkte Informationen bei Familienmitgliedern, das umfangreiche Tatsachenmaterial zu sammeln. Und was er geleistet hat, ist ganz respektabel: Die Auswahl der Musiker ist bis auf wenige Ausnahmen — Radel, Max Bruch,' Busoni — ganz einwandfrei, wenn auch nicht vollständig. Ein Werk dieser Art könnte zu einem musikhistorischen, rein wissenschaftlichen Stoff verarbeitet werden. Aber Saleski ist weder Forscher, noch Musikkritiker, weder Musikhistoriker noch Publizist. Er will nicht belehren und analysieren, sticht keine Probleme zu lösen. Er will nur orientieren, jüdisches Musikertum demonstrieren. In kleineren und größeren Studien wird jeder der Künstler charakterisiert, wird Biographisches und Bibliographisches geschickt zusam- •) G d a 1 Saleski: Famous Musicians of a Wandering Race. New York 1927. Bloch Publishing Company. Orient-Palästina unter der Betätigung führender Großfcaufleute und Industrieller statt. Es wunde u. a. beschlossen, in Warschau sowie ln den anderen Großstädten Polens Pal äst« na-Basare zum Verkauf der palästinensischen Produkte dneurichten. Die Bikfh&uerin Maxa Nord au, die Tochter Max Nordaus, hat sich mit dem palästinensischen Grundbesitzer Grdnblatt verheiratet und wird mit Ihrem Gatten ständig in Palästina wohnen. * Von den kürzlich wegen Abhaltung einer illegalen Versammlung in Tel Aviv verhafteten 17 Kommunisten, unter ihnen 8 Mädchen, wurden vom Gericht 14 2u je 15 Tagen Gefängnis, abzulösen durch eine Geldbuße von je 3 Pfund, einer zu 30 Tagen Gefängnis oder 6 Pfund Geldbuße verurteilt; zwei der an geklagten Mädchen wurden freigesprochen. * Ein scharfer Stidwestwind hat die aus Transjordanien eingefallenen Heuschreckenschwärme, soweit sie nicht durch Flammenwerfer vernichtet worden waren, gegen Osten in die Wüste abgetrieben, so daß jetzt ganz Palästina von der Heuschreckenplage befreit ist. Die Ernte in Palästina bat keinerlei Schaden gelitten. * Aus Anlaß der Anwesenheit von Richard Barbe B aker, des Begründers der Gesellschaften «Men of Trees» m der ganzen Welt, fand in Jerusalem bei Anwesenheit von Vertretern der Regierung, von Notabein aus allen Gemeinden u. a. m. die Gründungsversammlu ng der palästinensischen Gesellschaft «Men of Trees» statt. Das Ziel dieser Gesellschaften ist es, in Palästina Wälder anz ul egen und insbesondere Aufiforstungsarbeit auf den jetzt kahlen Hügeln zu leisten. Baker hat selbst die Aufbringung von 10.000 Pfund für Baumpflanzungen in Palästina übernommen. Vor einigen Tagen wurde der Jüdische Nachtwächter der Kolonie Rechowoth Joseph Niniwitsch während der Ausübung seines Dienstes e rmordet. * Zwischen der Juriäa-Versicherujtgsgeseflschaft in Jerusalem und der Schweizer Rückversicherungsgesellschaft in Zürich ist ein Rückversicherungsvertrag abgeschlossen worden, demzufolge Prämiengelder und Reserven von rückversicherten Summen durch die Schweizer Gesellschaft i n P a 1 ä s t i n a investiert werden sollen. mengestellt und lebendig vermittelt. «Jüdisch» unf «Jude» wird von Saleski weder in religiöser noch in natu nationalem Sinne, sondern als «Inbegriff der Rasse» aufgefaßt. Dieser «Rassen»standpunkt ermöglichte es dem Verfasser alle Musiker jüdischer Abstammung — ob getauft oder nicht — heranzuziehen und in einem Bande zu vereinigen. Viele der berühmtesten «Namen» werden ihm dafür wenig Dank wissen. Ist es ja bekannt, welch große Zahl jüdischer Begabungen sich nicht als Juden bekennen und alles daran setzen um als Deutsche, Russen, Franzosen usw. in die Musikgeschichte eingereiht zu werden. Bedauerlich, daß auoh der Verfasser — in einer unverständlichen Inkonsequenz — sich nicht ganz davon losmacht und fortwährend von, «dem großen russischen», «großen deutschen» spricht Seine primäre Absicht war doch, den jüdischen Musiker hervorzuheben; wo der Künstler geboren und gewirkt hat, ist sekundär und ergibt sich weiter aus der Biographie. Der vielseitige Inhalt des Buches konnte nur durch Knappheit des textlichen Teiles zustandegebracht werden. Das Lebensbild jeder einzelnen Persönlichkeit, ihr Schaffen und Wirken ist ziemlich eindringlich gezeichnet. Die Aufsätze sind jedoch ungleich und lassen bei verschiedenen Musikern eine richtige Einfühlungsgabe und klare Erkenntnis vermissen. Manchmal notiert der Autor mit berichterstatterischer Präzision, bald wieder verfällt er in einen theatralischen Ton mit dramatischen Akzenten («Hut ab! Der König kommt! Und sein Name ist Fritz Kreisler!».) oder sagt Allbekanntes in mehr unterhaltender Art. Auch im Kapitel «Die junge russischjüdische Komponistenschule», das uns den Autor als einen Anhänger der «jüdischen Musik» zeigt und in dem er einige wichtige Daten und Namen festhält, dringt er nicht tiefer in die Probleme ein. Ungeachtet dieser Vorbehalte kann die Tat Saleskis nicht hoch genug gewertet werden und verdient aufrichtigen Dank. Das Buch ist mehr als ein Nachschlagswerk; es ist eine Kulturtat, gleichzeitig aber eine Materialsammlung, die Grundlage für eine später zu schreibende Geschichte der jüdischen Musiker, der jüdischen Musik. * Saleski hat gewiß keine Mühe gescheut, um sein «Musikeralbum» möglichst vollständig zu haben. Trotzdem vermissen wir einige Künstler, die nicht fehlen durften. Zur Ergänzung für eine zweite* Auflage sollen hier einige uns bekannte Namen nachgetragen werden. Komponisten: Sandberg, Rudolf Röti, Rathaus, Ignaz Lilien, Adolf Schreiber, Benzmann (seine Symphonie «Palästines» wurde in Warschau aufgeführt). Pianisten : Eisenberger, Steuermann, Spiwakowsky, Wolfsohn, Burstein, Rosa Etkin, HermeHa, Leopold Münzer, Jakob Gimpel. Geiger: David JtiNfcv WISSEN / KUNST / LITERATUR " riijffimrZjl .Ai.