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Die Stimme · 1929-02-21 · Heft 60 (21.2.1929) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 60 (21.2.1929)
Date
1929-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen JV.fc* . Abonnementpreise: Für Oesterreich: Monatl. S 150, viertelj. S 4.20, ganzj. 16.— / Deutschland: Monatl. OoWmarlc 1.—. viertelj. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich' Ke 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdisdke Zeitung Crsdtelnl fedeii Donnerslad (tteda&tion und Administration : Wien, I.. ‘ftaufkevisleingassje V — Jel. R 20~3 SH Polen: Monatl. Zloty 2.30, viertelj^ Zloty 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertelj. Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken. 1.50 2. Jahrgang Wien, 21. Februar 1929 (11. Adar 5689) Nummer 60 Der Halsmann-Tragödie zweiter Akt Der Oberste Gerichtshof überprüft das Innsbrucker Fehlurteil in öffentlicher Verhandlung In Kürze wird, wie wir erfahren, das furchtbare Hatemann-Drama vor dem Obersten Gerichtshof der österreichischen Republik neuerlich aufgerollt werden.. Der krasse Fall eines gehässigen Fehlurteils ist noch in alten frischer Erinnerung: Der Rigaer Zahnarzt Mordeoha i H a 1 s m a n -n war auf einer Bergtour, die er im Sommer mit seinem' Sohn Philipp Halsmann im' Tirol isChen unternahm, abgestürzt und tot liegen geblieben. I>er Sohn wurde unter .dem. Verdachte:des Vatermordes verhaftet und vor die Innsbrnekdr Ge- . scfli woreiten gestellt. Ein Indizienprozeß wurde abgeführt, bei dem als wichtigstes BelastungsmbmenL diis Argument : *JuU» Besonders der Hüttenwart Eder konnte sich in der Hepbei^chaffung von oft recht sonderjbqren Indizien nicht genug tun. Und so ka/nn es nicht Wunder nehmen, daß i Philipp. Halsmann von den Zillertaler. Geschworenen des scheußlichsten Verbrechens, das ein Menschengehirn nur ersinnen kann, d c s V a t e r m o r d e s, s c h u 1 di g' e r k a n n t und. zu .10 Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde. In Innsbruck selbst hatte. sich bald nach Beendigung des Prozesse?, der in einer von wildem Antisemitismus üurohtränkten Atmosphäre abgehandelt wurde, spontan eine Gegen Jury aus Universitätsprofessoren und anderen Angehörigen der Intelligenz, die a 11 e n Parteirichtungen und Weltanschauungen angehören, gebildet, ein Beweis, daß die Entrüstung über das Geschworenenverdikt und die Art, wie es zustandekam, alle Rechtlichdenkenden ergriffen hat. ■ Halsmanns Verteidiger, der bekannte Wiener Rechtsanwalt Dr. Richard P r e ß b u r g e r, hat in einem Interview, das er unserem Blatte gewährte, auf die wahren Hintergründe des Geschworenenverdiktes hmgewiiesen. Die Nichtigkeitsbeschwerde, die Df. Pfeßburger gegen das Urteil ergriff, wird nunmehr über Antrag des Verteidigers,, in öffentlicher Verhandlung zur Spreche kommen: Die Kassationsverhandlung findet am 12. und 13. M^rz , unter Vorsitz des Senatspräsidenten Pr. Junk e r st^tt. Es ist dies ein äu ßerstseltencf Fal!, denn gewöhnlich werden Nichtigkeitsbeschwerden vom Obersten Gerichtshof in n i c h t ö f f e n t Ü c h e r Sitzung erledigt. Diesmal waren aber .Verteidigung und Staatsanwaltschaft eines Sinnes, als säe’beide den Antrag auf. Oeffentlichkeit der Verhandlung unterstützten. Der Fall ist viel zu bedeutend, vier zu aufsehenerregend, als daß man über ihn hinter verschlossenen Türen verhandeln könnte. : r Der Generalprokurator, Hof rat Dn H ö p 1 e r, hat sich dem Antrag des Dr. Preßburger auch deshalb angeschlos&en, weil er eine; Ueberprüfimg der Geschworenertverdikte, seien sie nun freisprechend oder verurteHend, flir notwendig hält. In einer sehr bedeutsamen Rede, die der Generalprokurator erst ln der Vorwoche anläßlich einer Tagung über die Reform der Geschworenengerichte gehalten hatte, bekannte er offen seine Gegnerschaft zu der Institution der Schwurgerichte und forderte ihre Ersetzung durch Schöffengerichte; denn nur dadurch, daß man den Laienrichter, der als Geschworener völlig verantwortutigsl’os ju'diziert, zum Schöffen, also zum Vollricfoter macht, können, wie Dr. Höpler ausführte, Fehlurteile, wie sie in der letzten Zeit nur allzu häufig waren, hintangeh alten werden. Den .letzten Anstoß zu .der soharfen Stellungnahme gegen die Schwurgerichte gab. sicher das Fehlurteil im Falle Halsmann und der ein ebenso krasses Gegenstück; bildende F r e i s p r u ch des Mörders P Ö f f e 1. Staatsanwalt und Verteidigung sind diesmal ■ eines Sitwied: \ ■■ Das Innsbrucker SchwurgeHchtsverfahren gegen Philipp Halsftiann muß in aller Oeffentlichkeit überprüft, werden. lieber die' Einzelheiten des'Verfahrens kann jetzt noch nicht gesprochen werden; es wird sich aber noch Gelegenheit' ergeben, die Innsbrucker. Justiz gehörig zu kennzeichnen... Der Enfecheidüng des Obersten Gerichtshofes wird in Oesterreich mit größter Spannung entgegengesehen. Dr. Weizmanns Gesundheitszustand Kein Grund für Besorgnisse Auf zahlreiche Anfragen teilt das ZentraJbureau der Zionistischen Organisation in London mit: Dr. Weizmann leidet an septischen vom Halse ausgehenden Erscheinungen und an allgemeiner Erschöpfung und muß sich auf ärztliche Anordnung einer E rh o l u n g.s.k u r unterziehen. Die vollständige Wiederherstellung kann nach so vielen Jahren ununterbrochener übermäßiger Arbeit nur allmählich vor sich gehen, sie macht aber so gute Fort s c h r.i 11 e, wie nach den Umständen erwartet werden kann, und es liegt keinerlei Grund für Besorgnis vor. Der Minderheitenschutz Eine Resolution der sozialistischen Internationale Die-Exekutive der sozialistischen Internationale,“ die soeben ihre Beratungen in L o ndon beendet hat, hat auf Antrag von Dr. Otto Bauer (Oesterreich) eine Resolution angenommen, in der gefordert wird, daß der internationale Schutz nationaler Minder- . beiten . auf alle Minderheiten in allen Ländern ausgedehnt werde, und daß auch den verstreut lebenden Minderheiten Gleichberechtigung und die Freiheit, sich ihrer Sprache zu bedienen, sowie ihre Schulen und ihre Kultur zu entwickeln, gewährt werden. Der Völkerbund soll zur Wahrung der Minderheitenrechte ein permanentes Organ schaffen. Die Exekutive befaßte sich auch nut dem Problem der Staatenlosen, ferner mit der Frage der Behandlung der politischen Ge- . Die im redaktionellen Teil -befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. fangenen in Rußland und der Verfolgungen der Zionisten .und Po.ale Zionisten in de r S o w.j etuni o n. Vorsichtsmaßregeln Die neue Alijah und die Gefahr der Bodenspekulation. Palästina befindet sich jetzt, in einem Prozeß, wie man ihn seit der «vierten Alijah» voraussehen konnte: Naich einem starken Aufschwung ein Niedergang, d,em wieder eine Periode der Normalisierung und des Wiederaufbaues — in der. wir uhs zurzeit befinden — folgt. Für, die' dieser Normalisierung notwendigerweise folgende Neu e i n w.a n d e r u n g ist es nun von ausschlaggebender Bedeutung, w i e sie erfolgt und in welcher Weise sich die Zionistische Organisation zu ihr stellt. Bisher ist kaum ein Anzeichen dafür vorhanden, daß die Exekutive, das Aktionskomitee öder die Fonds sich mit dieser Frage beschäftigten; zum Teil waren sie bisher zu sehr durch die Liquidation der Arbeitslosigkeit in Palästina in Anspruch genommen, zum Teil aber befolgt man die schlechte Tradition, die Probleme erst «akut» werden zu lassen, anstatt vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Was die Frage der Vorbereitung und Regulierung der neuen Immigration anlangt, so ist anscheinend ein großer Teil der Zionisten der Meinung, daß wir nicht imstande seien, auf eine verstärkte Einwanderung irgendwelchen regulierenden Einfluß auszuüben, da wir nicht genügend Mittel haben, so daß wir alles geschehen lassen müßten, auch wenn alle die üblen Begleiterscheinungen der letzten Jahre wieder eintreten. Dies ist die Ansicht des «laissez-fäire», eine T h e o r i e d e s k ö Toni s a t o r i s c h e n D e f a i t i s m u s..Eine andere Anschauung, die jetzt nur von einer Minderheit vertreten werde, erklärt dagegen, daß unter allen Umständen Maßnahmen ergriffen werden müßten, um die Wiederkehr der Prüfungen und Leiden der Alijah zu verhindern und daß diese Maßnahmen unverzüglich zu erörtern sind. Die Hauptgefahr ist die Bodenspekulation, der man gewiß ernsthafte Beachtung geschenkt hat, die man aber nicht eindämmen konnte und die schließlich von selbst zusammengebrochen ist. Es gehört keine prophetische Begabung dazu, um ihr Wiederau ftreten bei einer erneuten großen Einwanderung vorauszusehen. Die wilden Landkäufe haben in doppelter Hinsicht Schaden gebracht: die ungehemmt gegenseitige Konkurrenz im Landkauthat die Bodenpreise übersteigert und dadurch sind große Summen der jüdischen Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze und Berichte. Beherrschen die Juden den Handel? Von Dr. Richard Lewinsohn. v Niemand ist zufrieden! Ein neuer BeduinenUeberfall auf Chedera. Der erneuerte Kirchenstaat und die Juden Italiens. Murawiew in jüdischer Gefangenschaft. Von E. G .F. Die Erweiterung der Jewish Agency. Berühmte Musiker eines wandernden Volkes. Von Joachim Stutschewsky» Jüdische Schauspieler ofme Gage. Der Tod Mo6ls. Von Edmond F1 e g. Von Büchern, Kunstchronik, Sport, Schach, Humor,

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