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Die Stimme · 1929-01-24 · Heft 56 (24.1.1929) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 56 (24.1.1929)
Date
1929-01-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 56 DIE STIMME Seite Tl Die erflen Konzerte jüdifcher Mufik in der Schweiz. Der m Vien weilende Cellift Joachim Stutfchewfky, in der Schweiz, wo er zehn Jahre gewirkt hatte, wohlbekannt, lockte zu feinen Konzerten jüdifchcr Mufik am 6. Jänner in Bafel (im Rahmen eines Nationalfonds-Abends) und am 9. Jänner in Zürich ein großes Publikum aller Schichten der jüdifchen Bevölkerung an. Es galt nicht nur ein Wiederfehen mit dem Künftler, fondern auch der Inhalt der Abende erweckte großes IntereiTe. Die Säle in Bafel und Zürich waren fafl bis auf den letzten Platz ausverkauft. Zum crftenmal wurde neue jüdifchc Kauft mufik geboten und Hörer und Kritik intereflierte Aufnahme. Das Programm war für die Schweiz zum Teil ganz neu. Frau Mislap-Kappcr, von Franz Mittler fehr diskret begleitet, hätte die Lieder etwas volkstümlicher vortragen follcn. Daß fic cs nicht konnte, ift gewiß nicht ihre Schuld; man muß aus dem weiteren Often flammen, um die mufikalifche Seele unl'ercs Volkes in (ich aufgenommen zu haben. Gleichwohl wurde fic cbenfo wie Stutfchewfky einige Male zu Wiederholungen animiert. Frau Irma S di a i ch e t, die in Zürich anfällige Pianiflin, fpicltc, technifch glänzend, die kompofitörifch uns nicht ganz ausgereift crfcheincnde Sonate 2 von Alexander Wcprik, wohl die fchwädiflc Nummer des Abends, wogegen das Klarinettenquintett (op. 12) von Alexander Krein, mit hiefigen Kräften aufgeführt, als ein Kabincttftück vorbehaltlofcn Beifall hervorrief. Jedenfalls hintcrließen die Veranflaltungcn den Wunfch, daß Stutfchewfky bald wiederkehre, um uns neue Proben der jüdifchen Mufik zu vermitteln. N. W. Profeflor Juliufz Wolffohn hat im Dezember über Einladung des jüdifchen Kulturbundes in Tcplitz-Schönau und der zioniftifchen Organifation in Brünn und Proßnitz Abende jüdifdier Mufik abfolvicrt, in deijcn er teils ausfchließlich feine bekannten Kompofitionen (Paraphrafcn über jüdifdie Volksweifen, Jüdifdie Rhapfodic und Hcbräifdie Suite) gcfpielt, teils auch Vorträge über jüdifdie Volksmufik hielt. Profeffor Wolffohn wurde vom Publikum — wie die dortige- Prelle übereinftimmend konftatiert — mit Beifallsfalven überfchüttet. Die Zeitungen, fowohl deutfdie als tfdiediifdie, fpenden dem Künftler in ausführlichen Befprechungen hödiftes Lob. Renaiffance-Bühne. „Coeur Bub e“, Luftfpiel von Jacques Natanfoß, deutfeh von Berta Zuckcrkandl. Ein duftiger franzöfifcher Import, voll Efprit und Tempo. Ein heiteres , Spiel' rings um die zur dritten Potenz erhobene; Liebe. Charmant und anmutig und trotz aller Gewagtheiten flets reinlich. — Um die fchöne, begehrenswerte Simone, von M.aria Wald n er ausgczcidinct gcfpielt, gruppiert fich das Trifolium der Liebhaber, das die Herren Hans T h i m i g, Jarno und Nedcamm prachtvoll verkörpern. Befondcrs dem jungen T h i m i g fpielt cliefe Rolle in Wien niemand nach. In der Jofcfftadt bereits einmal beftens erprobt, gab es am Neubau aufs neue einen großen, wohlverdienten Erfolg. . .—r. Carl-Theater. Jofef Jarno hat der von ihm geleiteten Arbcitsgemeinfchaft der Schaufpieler im Carl-Theater wirklich luftige drei Akte von Kurt .Goetz, dem Schaufpieler-Diditer, verfchrieben. Goctz hat in Wien fdion zweimal, mit „Ingcborg“ und „Hokuspokus“ volle Thcaterkaffen gemacht und fein — für Wien — ncueftes Opus „Der Lampcnfchirm“ dürfte auch dem Carl-Theater die vollen Käufer bringen, welche das jetzt von einem erfahrenen Leiter geführte Enfcmblc, in dem fich einige weit über den Durchfchnitt flehende Schaufpieler befinden, verdient., Goetz’ Stück will kein Stüde fein — oder befler: ein Stüde wider Willen. In leicht plauderndem Dialog wird erwiefen, daß auch das alltäglichfte Vorkommnis Theaterkonflikt und Theateraffekt in fich hat (weil das Theater eben die banalftcn Konflikte, Effekte und Rcquifiten braucht). Einer, der das Theater kennt, verulkt es, indem er — frei nach und (was crfculichcr ifl) von Pirandello — zwei „Autoren“ vorführt, die kein Stück fehreiben wollen und denen alles ein Stück wird: unter der Pcrfpcktive „Theater“ wird jeder Vater komifch, jede Maskerade Sdiickfal, jedes Mädel Braut, jeder Bettler Philofoph, jeder Komiker Held, jedes Stück Papier Reichtum, jedes Möbelftück Spannungsmoment. So wird durch drei Akte mit allerlei lindem, dann und wann nur knalligem Humor, geulkt und man kann über manchen guten Einfall herzlich lachen. Jarnos gefchidcte Regie hat der Aufführung jene Befchwingtheit gegeben, deren fic zur Wirkung bedarf. Unter den Darftellcrn ifl Eberhardt Keindorff (der fehon in Jlehfifch’ unglücklichem „Frauenarzt“ angenehm aufficl) in erfter Reihe zu nennen, als Bonvivant von „neuer Sachlichkeit“, die aus origineller Schaufpjelerci geboren ifl. Eduard Rothaufer als Künftlcrvater gjnt — bis auf fein Bcwußtfcin, „Sprecher“ zu fein — ausgc* aidmctcs Theater. Arthur Fifchcr-Streitmann und IWax Wittnunn geben einprägfame Figuren. Im weiblichen Teil, der im Stück karger bedacht ift als der männliche, ift Jenny Werner als „anftändige Hausfrau“ von bcrlincrifdicr Echtheit. Das Publikum lacht die Akte, deren Luftigkeit fich vom erften bis zum letzten flcigert, vergnügt durch, —-tz. Neues jüdifches Theater (Künfllcrkabarctt, II., Praterftraße 60); Freitag-, den 25. Jänner, Erflaufführung des dreiaktigen Lebensbildes „Betrogene K a 1 e s“ von M. Kalmanowitz, Mufik von Sch. Sekunde. Die Novität wird Samstag und Sonntag wiederholt. — Montag „A Icbcdigc Welt“. — Dienstag, Mittwoch; „Mafci Tow“. — Donnerstag: „Mojfchc, wie krichft du?“. In fämtlidien Vorflellungcn (Beginn >$9 Uhr abends) wirkt das ganze Enfcmble mit. Ein füdifchcr Film in Wien. Eine Preffedarbictung machte mit dem amerikanifchcn Film „Der Jaz2fänger“ bekannt, den das Zentralkino zur Ur- und Alleinaufführung erworben hat. In effektvoller Weife wird die Laufbahn eines New Yorker Ghettokindes gcfchildert, das aus einem Tempelfängerknabcn zum berühmten Jazzfängcr wird; und doch tönt das „Lied det Väter“ in dem der Enge des Vaterhaufes Entflohenen und der „jüdifchen Träne“ feiner Songs verdankt er feine zauberhafte Wirkung auf du Publikum. Rührende Szenen der Kindesliebe find in diefe Handlung verflochten. In dem Film ,45er Jazzfan ge r“ ift zum Teil die Lebensgefchichte des populärften Niggcrdarftellers und -fängers Amerikas Al Jolfon, eines Juden, dargeftellt, und Jolfon als Hauptdarfteller des Films fpielt fie mit flarkcr Wirkung. Gefangs- und Tonrinlagen Rätselecke Redigiert von Joto Kreuzworträtsel. 1 1 ‘i 3"" u 4 j \ ö J 7 □ □ J 10 11 j m TT“ Lj I iS“ u“ Io 16 ■ Fl h D ■ iS“ ST 31“ 22 Hl ■ 23 | 24 53“ ■ 26 27 ■ 28 ■ 29 n ■ so j 1 » 31 32 1 □ iS J ■ u ■ 35 L flUÜMÜlK SST CJ B ii ir ■ 43 ■ 14 ■ IS 33“ u m 46 sn itf” 19 ■ 50 .j E c. Hl ■B v9 54 |55 | 56 1J SS BBf 157 ZI 58 59 s M ■ i 61 \z LJ 63 LL r n d! CJ u Wagrecht: 1. Nährmitteleinheit. 4. Bierart. 7. Eigenhändige Unterfchrift. 10. Ruheftätte.' 12. Bete (lat.). 13. Salzlöf ung. 16. fFifch (Mehrzahl). 17. Befehl des Sultans. 19. Umllandswort der Zeit. 21. Stadt in Deutfchland. 23. Gefühlsempfindung; Vergnügen. 25. Laut; Baumaterial. 26. Süßes Getränk. 28. Märchcngcflalt. 29. Abkürzung für „fenior“. 30. Stadt in Italien; 31; Sinnesorgan. 33. Hirtengott. 34. Diftanzbczeichnung. 35. Lat. Gruß. 37. Alpenhirt. 39. Rechnung. 42. Vogelart. 44. Verneinung. 45. Ifl (lat.). 46. Brennmaterial. 48. Paradiesapfel. ji. Herabftürzcndc Schncemaffc. 53. Schwarzwild. 54. Glücksfpiel. 37. Planet. 58. Nebenfluß der Donau. 60. Schlange. 61. Haft. 6 z. Verkehrsmittel. 65. Selten. 66. Weibliche Geflalt aus dem Nibelungenlied. Senkrecht: 1. Falz, Rinne. 2. Und (franzöf.). 3. Sumpf. 4. Stadt in Ncurumänien. y. Italien. Mufiknote. -6. Deutfcher Kurort. 7. Lungentätigkeit. 8. Letzte Ruheftätte. 9. Zeitanfehauung, “Zcitrichtung. 10. Adelstitel. 11. Nordifchc Tierart. 14. Ungeziefer. 15. Schluß machen. 16. Kloftervorfland. 17. Span, weibl. Vorname. 18. Schlingpflanze. 20. Fluß in England. 22. Wichtig, hervorragend.: 24. Rudervcranftaltung. 27. Nadelbaum. 28. Flagge. 30. Schritt (franzöf.). 32. Weiblicher Vorname. 36. Verfuch. 38. Franzöf. Marfchall. 40. Nordifchc Hauptfladt. 41. Rotte,, Horde. 42. Griech. Göttin, 43. Gebctscndc. 46. Revuetänzerin. 47. Gcwäffer. 49. Nord, männlicher Vorname, jo. Stadt in England. 52. Alkohol. Getränk, yy. Kartenblatt. j6. Heilig, unantaftbar. 59. Engl. Anrede. 6z. Lebensbund. 63. Abkürzung für Summa. 64. Abkürzung für „Altes Tcftament“. Auflösung des Kreuzworträtsels in Nr. 55. Wagrecht: 2. Spa. 5.. Dante. 7. Alp. 10. Aargau. 13. Banner. 16. Ur. 17. Name. 19. Rede. 20. Go. 21. Al. 23. Sardine. .25. Te. 26. Bad. 28. Serge. 29. Non. 30. Leber. 32. Kai. 33. Lende. 35. El. 36. Man. 38. Dom. 39. Ei. 40. Wesir. 41. Tiger. 42. Ir. 44. Tee. 46. Eis. 47. p. e. 48. Neben. 50. Tea. 52. Siwan. 54. Tor. 55. Gerte. 57. Sir. 58. Or. 59. Arizona. 61. Ra. 62. Kr. 63. Jsel. 64. Mord. 66. Da. 68. Athlet. 71. Raeson. 73. Per. 74. Eidam. 75. Axt. — Senkrecht: 1. One. 2. Sau. 3. Parabel. 4. Ar. 5. Dumas. 6. Ebene. 7. An. 8. Legende. 9. Pro. 11. Gn, 12. Aas. 14, Ade. 15. Ne. 18, Erek. 19. Rigi. 22.. Lab, 24. Drau. 25. Ton. 27. Demeter. 29. Nemesis. 30. Lenin. 31. Rasen. 33. Logis. 34. Eisen. 37. Nie. 38. Die. 43. Retorte. 45. Terz. 47, Paradox. 49. Bor. 50. Teil. 51. Atom. 53. Wir. 55. Grete. 56. Enorm. 59. Ase. 60. Ara. 62, Kap. 63. II. 65. De. 67. Ant. 69. Hr. 70. Ode. 72. Sa. Schach 1. J. van Dijk. a b c d ,e f g h Weiß: Ka8, Dä3, Tez, gy, 1,03, b7, Sby, g$, Bdz, fj (zo Steine). untermalen den Film fehr gut; u. a. ift kein Geringerer all Joffele Rofenblatt zu hören, der einen „Kaddifch** hinreißend fingt. Der Film wird ficher großen Zulauf haben. Jehuda'Ehrenkranz ifl von feine Tournee zurückgekehrt und lieft am 10. Februar im Theater in der Jofeffladt aus jüdifchen Dichtungen. Völlig neues Programm. Schwarz: Kej, Ddi, Sc8, Bb6, zj (y Steine). Weiß zieht und fetzt im zweiten Zuge matt. TI. Dr- Z. Mach. IM abedefgh Weiß: Kgi, De6, Tby, Le3, 5b6, d7 (6 Steine). Schwarz: Kd3, Lhi, Sg2, Ba7, fy, gy (6 Steine). Weiß zieht und fetzt im dritten Zuge matt. Lösungen der Probleme in Nr. 155: Zweizüger (R. C. Mac Bride): Se4—cy. Dreizüger (L. Kuskopp): t. Sd6—C4, Ke4 2. DXf3 t tc6 2. Sb6 — 2. DXf3 od. Dd6 f Jüdischer Sport Zehn Jahre Grazer Hakoah Jüdische Pionierarbeit in Steiermark. L lm heurigem Frühjahr kann der jüdische Sportklub in Graz, die dortige Hakoah, das Fest des zehnjährigen Bestandes feiern. Als im M ä r z 1919 einige jüdische Jungen in Graz den Beschluß zur Gründung eines jüdischen Sportvereines faßten, wurde diese Absicht in allen Sportkreisen Steiermarks mit geringschätzigem Achselzucken abgetan und der Neugriindunig ein baldiges Ende prophezeit. Auch in der jüdischen Gemeinde fand die Hakoah sehr geteilte Aufnahme. Begeistert war vor allem die J u g e n d, die endlich die Möglichkeit sah, Sport zu betreiben und auch in Steiermark öffentlich zu beweisen, daß die Juden es den anderen auch auf sportlichem Gebiete gleichtun können. Weniger begeistert waren die älteren Jahrgänge. Der Wunsch, auch weiterhin nur in der Masse der Bevölkerung unterzutauchen und als Juden so wenig als möglich vor die Oeffentlichkeit zu treten, ließ ein Aufkommen dieser strammen Jungjuden selbst im eigenen Lager als unwahrscheinlich erscheinen. Allen Gegnern zum Trotz wurde aber an dem Aufbau des jungen Vereines gearbeitet und der Grundstein zu einem Werke gelegt, das heute ein Muster für sämtliche Vereine darstellt. Besonders die Brüder Freiberger und Kaufmann, Herr Dir. Spiegel, Dr. Rosen und einige andere waren es, die in überaus verdienstvollem Wirken dem Klub die Basis schufen. In erster Zeit war es lediglich die Fußballs e k t i 0 n, die den Magen David in der Oeffentlichkeit zur Schau tragen sollte, und diese Sektion war es vor allem, die dem Verein die heutige Stellung verschuf. 10 Jahre Bestand , ist gleichbedeutend mit 10 Jahren Kampf, Geringschätzung, und Verachtung. Kein einziger der Grazefr platzbesitzenden Vereine gab sich dazu her, dem jungen Verein eine Tvainingsgelegenheit zu geben, und so waren die Mannschaften gezwungen, auf dem Lazarettfeld ihren Spielplatz zu improvisieren. De» große Militärexezicrplatz bot bald ein überaus bewegtes Bild. 8 Mannschaften, darunter 5 jugendliche, der Hakoah trainierten auf diesem Sportplatz. Leichthleten begannen ihre Uebungcn und gründeten die zweite Sektion der Hakoah. Die Fußballmannschaft trat in die Meisterschaft deir zweiten Klasse ein und gewann bald bedeutende Spielstärke. In den ersten zwei Jahren konnte die Hakoah nur den dritten, beziehungsweise z w e it e n Platz besetzen. In dem antisemitischen Graz mußte man sich nun ernstlich mit der Hakoah befassen. Aber nicht nur elf Gegner waren es, gegen die die Hakoah zu kämpfen hatte. Sie hatte auch das antisemitisch ePubliku m, das die Mannschaft mit den ordinärsten Sch impf Worten bedacht*, 4m Presse, den Verb a n d und das Schicdsrf FÜR MUSSESTUNDEN

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