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Die Stimme · 1929-01-17 · Heft 55 (17.1.1929) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 55 (17.1.1929)
Date
1929-01-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 85 DTE STIMME Seite 11 Mojschele erkannte Schlomke, den Jungen von nebenan, und seine großen erschrockenen Augen wurden kleiner. Er freute sich, nicht mehr allein zu sein, und sagte: «Wobin fährst du?» «Nach Warschau.» «Hast du eine Fahrkarte?» fragte Mojschele weiter. «Ich bin dooh kein Narr!» «Ohne Fahrkarte wird man nicht eingelassen.» «Glaubst du, ich fahre zum ersten Mal?» Schlomke lag es daran, seine Erfahrung vor Mojsohele zu zeigen. «Wenn du willst, fahren wir zusammen.» «Warum nicht?» «Wir können auch Halbpart machen. Wenns dir recht ist, gib mir die Hand.» Mojschele gab Schlomke die Hand, ohne ihn anzusehen. Ihm gefiel Schlomkes Art; so einer wie Schfomke konnte nicht untergehen und Mojsohele fühlte sich sicherer. «Nun, Mojschele, Tod oder Brot?» — Schlomke zitierte die Formel für die Halbpartschaft. «Tod und Brot!» erwiderte Mojsclnle. «GutI Halbpart giltl Alles wird geteilt! Was bringst du in die Halbpartschaft ein, Mojschele?* «Ich habe nichts!» «Eine schöne Halbpartschaft!» — Schlomke lachte spöttisch — «das nenne ich einen Leichnam gegen ein Aas eintausohen! Nun, komm’, komm’!».., Schlomke sohwang sich an dem Messinggriff des Waggons empor und stand rasch und geschickt im Innengang. Mojsohele ihm nach. Schlomke lief, als gehörte er zu jemandem, den Gang entlang und rief: «Vater, da sind wir! Vater!» Er wählte zwei Bänke, auf denen Juden saßen, schob Mojschele unter die eine und versteckte sich unter der anderen. Die Wärme tat den durchfrorenen Gliedern der Knaben wohl. Die Gediehe aus den Säcken mit Fleisch und Körben mit Hühnern machten ihnen Appetit. Schlomke zog ein Stück Schwarzbrot aus der Tasche, brach einen Teil davon ab und reichte ihn Mojschele: «Siehst du, Halbpart ist Halbpart!» Mojschele fiel keine Antwort ein. Ihn umfing etwas Xjle die Wohligkeit einer warmen Decke; er schob sich näher an Schlomke heran: «Weißt du, ioh habe einen reichen Onkel in Warschau!» «Wo wohnt er?» «Auf den Nalewki.» «Na, keine sehr vornehme Gasse!» «Mein Vater, er ruhe in Frieden, hat mir erzählt, daß es an der Haustür bei meinem Onkel ein Glöckchen gibt, genau so wie — man soll’s nicht vergleichen — bei unserem Pfaffen.» «Bist du dumm, Mojschele», — Schlomke lachte — «fn Warschau hat jeder Hausmeister so ein Glöckchen». Mojschele war gekränkt und hatte darum noch mehr den Wunsch, sich bei seinem Kameraden ins rechte Licht zu setzen; er begann: «Mein Onkel hat ein eigenes Haus, ein eigenes Haus mit Baikonen!» «Na, mir könnte man ein Haus in Warschau Schenken, ich nähme es auch nicht», sagte Schlomke. «So?» — Mojschele wollte sich nicht besiegt geben. «Du Narri Zins zahlt dooh ohnehin niemand, wozu braucht man ein Haus? Kann man die Ziegel essen?» «Nach deiner Meinung, Schlomke, ist es wohl ein Vorzug, ein Schnorrer zu sein?» erwiderte Mojschele lachend. «Es könnte schon so sein! Fahren wir nicht hier wie die Fürsten ohne Fahrkarten?» E Wir erlauben uns Ihr Interesse auf den Großfilm «Oer Jazzsänger» (Das Lied der Väter) zu lenken, der ab 22. Jänner 1929 im C e .n t r a I - K i n o, II., Taborstraße 8, zu sehen sein wird. , Wir glauben und hoffen, daß! Sie — gleichgültig, wie Sie der Filmkunst an sich gegenüber eingestellt sind — diesem rein jüdischen Film Ihre Aufmerksamkeit nicht entziehen werden. Die Hauptrolle in diesem Film spielt einer der bekanntesten Juden Amerikas, der gleichzeitig auch au den anerkanntesten und höchstbezahlten Schauspielern der Union zählt: Al J o 1 s o n. Der Film behandelt die Lebensgeschichte dieses Künstlers, der sich aus den Tiefen des amerikanischen Ghettos zu den Stars am amerikanischen Filmhimmel emporgearbeitet hat. Ueberdiies ist liiemit eine Attraktion verbunden, die nicht nur in Wien, sondern in ganz Mitteleuropa noch nicht da war, indem der Film Toneinlagen enthält, in welchen neben anderen auch der weltberühmte New Yorker Oberkantor Roscnblatt zu hören sein wird. Der Film «Der Jazzsänger (Das Lied der Väter) wunde bisher in sämtlichen Metropolen (New York, Chika>go, London, Berlin, Frankfurt am Main und Hamburg) als Meisterwerk anerkannt und hat einen noch nie diagewesenen Zulauf, und zwar nicht nur vom jüdischen Publikum, sondern auch von den Andersgläubigen gehabt. Wir bitten Sie nun, diesem Film hier in Wien, in einer der größten Judenstädte Europas, Ihr besonderes Interesse entgegenzubringen und diese Spitzenleistung jüdischer Fümkunst und jüdischen Gesanges zum verdienten Erfolg zu verhelfen. Dies soll, um auch darauf hinzuweisen, um so mehr geschehen, als dieser Film auch hohen ethischen Wert besitzt, wie sich schon daraus ergibt, daß ihn der Wiener Magistrat als schulfrei erklärt bat. Zusammenfassend kann, ja muß gesagt werden: «Alle jüdischen Männer, aäfe Jüdischen Frauen, all« jüdischen Kinder sollen diesen Film gesehen haben.» Hochachtungsvoll «Mondial», International «Filmindustrie A. G. Ein langgezogener Pfiff, die Lokomotive fing zu stöhnen an. Die Räder begannen zu hüpfen und je länger man lag, desto schwerer war es zu entscheiden, ob der Zug stand oder fuhr. Die beiden Knaben stießen an schmierige Stiefel, an Manteienden und wagten sich nicht zu röhren; selbst ihr Atem stockte. Eine halbe Stunde verging, dann beugte sich ein Juidc nieder und flüsterte ihnen zu: t R. C. Mac Bride. /j£/*VW abedefgh Weiß: Ka<$, Dg3, Lda, Sb4, e4» Bd3 (6 Steine). Schwarz: Kd4, Le7, Sai, f8, Bf3, c6 (6 Steine). Weiß zieht und fetzt im zweiten Zuge mar n. L. Kuskop. e f g h b c d Weiß: Kfr, Dg3, Sd6, c6, Bi*4, b2, fz, g6, I13, hj (10 Steine). Schwarz: Kdj, Baß, b4, f3 (4 Steine). Weiß zieht und fetzt im dritten Zuge matt. Lösungen der Probleme In Nummer 54 Zwelzüger: Sf5—e3. Dreizüger: 1. Sc3—a4; 2. Dc3. Rätselecke Redigiert von Joto Auflösungen der Rätsel in Nummer 54 Versteckrätsel: Befreien, Pudel, Diebstahl, Sergeant, Standarte, Stadtbahn, Jedermann, Utensilien, frieren, Bedenken, Seigneur, Weihrauch, Persien, fortgehen, laeuten, Raute. — (F«neude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute. «He, Sippschaft, herauskrieohen! Der «Haman» ist schon dagewesen:!» Mojschde wurde es froh u«ms Herz, daß er steh unter Juden befan-d und daß Sdilomke sem Kompagnon war. Er streckte sich, so lang er war, auf dem Boden aus und legte die Hand unter dem KopL Sein Hunger war vergangen und er schlief ein. Magisches Quadrat: 1. Komet, 2. Osaka. 3. Magen, 4. Ekeln, 5. Tanne. Kreuzworträtsel. r ■ i“ n r -H j' y y rTTTT,s tä W‘ w 1“ JJ ' -1 «r 1 1 r m n 11 m *0 — - f r iw* 1 1 11 1 1 IBP rrnsi" i i 1 an •'in r iw 1 IBP 1 “ | |Hr y» |B| isri 1 11 ia iür 1 1 nr an 1 m Ü9 " I I l_L III“ LUS m n — “i n 1 i»wi r iari p n 1 lan 1 1 man - r 1 ar1 1 1 1 1 rw ‘Tum 1 1 «r 1 1 r a 6 167 | 691 n 1 1 wr iw7111 r 1 1 “ 1 J LU J U LL_L Wagreclit: 2. Belg. Kurort 5. Italien. Dichter (gest. 1321). 7. Traumdruck. 10. Kanton in der Schweiz. 13- Fahne, Flagge. 16. Auerochse- 17. Benennung. 19. Vortrag. 20. Japan.1' Brettspiel. 21. Cbem. Zeichen für Alu-« minium. 23. Fisch. 25. Chem- Zeichen für Tellur. 26. Reinigung. 28. Futterstoff. 29. Nein (lat.). 30. Inneres Organ. 32. Uforriraße. 33. Körperteil. 35. .Gott (hebr.). 36. Engl. Insel. 38. Kirche. 39. Nahrungsmittel- 40. Tünlo Minister. 41. Raubtier. 42. Chem. Zeichen für Iridium. 44. Getränk. 46. Gefrorenes Wasser. 47. Abk. für «par exemple». 48. Vorwort. 50. A'bgek. weibl. Vorname; auch Tee (engl). 52. Jüd. Monat. 54. Eingang. 55- Schwacher Zweig. 57. Engl. Anrede. 58. Gold (franz.). 59. Staat ln U. S. A. 61. Aegypt. Sonnengott. 62. Abkzg. für eine frühere Währungseinheit. 63. Berg in Tirol. 64. Schweres Verbrechen. 66. Umstandswort- 68. Kraftmensch. 71. Vemunit. 73. Durch (lat.), i 74- Schwiegersohn. 75. Beil. | Senkrecht: 1. Eins (engl.). 3. Weibl. Haustier. 3. Geometr. Linie. 4. Flächenmaß. 5. Franz. Romancier '(gest- 1895). 6. Flachland. 7. Vorwort, S. Heiligengeschichte. 9. Für (lat.). 11 A’bkzg. für «genügend». 12. Tderkadaver. 14. Abschiedsgruß. 15. Chem. Zeichen für Neon. 18. Figur aus der Artussage. 19. Berg in der Schweiz. 2-2. Ferment im Tiennagcn. 24- Nebenfluß der Donau. 25. Baumaterial. 27. Griech. Göttin. 29. Griech. Göttin der Gerechtigkeit. 30. Russ. Politiker (gest. 1924). 31. Grasfläche. 33. Wohnung. 34. Metall.'37. Verneinung. 38. Artikel. 43«. Probierglas. 45. Fechterhieb. 47. Widersprechend, entgegengesetzt. 49. Cbem. Element. 50. Stück von einem Ganzen. 51. Kleinster Bestandteil eines Körpers. 53. Fürwort. 55. Weibl- Lebensversicherungs- Gesellschaft GEGRÜNDET IM JAHRE Versloherunnsbeatand Qarantlemittsl Ende 1927 1 Milliarde und 000 Mil Ionen 8ohIIIIng 192 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnahmen Im Jahre 1927 71 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet der Geeellaohaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik Gelgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Poten Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien Türkei, Aegypten Die Gesellschaft schließt zu billigen Prämien und günstigen Bedingungen Kapitals- und Rentenversicherungen jeder Art ab Neuein geführt; KINDER-VERSORGUNGS-VERSICHERUNG (Auszahlung eines Kapitals bei Verheiratung, Studienbeitrag, Rückerstattung der eingezahlten Prämien bei Ableben des Kindes) Invalldhätaveralcheronfl (Zahlung einer Rente bei Eintritt der Erwerbsunfähigkeit und Auszahlung, des versicherten Kapitals naoh dreijähriger Dauer der Invalidität) 18 8 2 FÜR MUSSESTUNDEN Schach

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