Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 53 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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PrMs 35 Brosdien V. ö. b. joonw uApumc psr i emtcur Abonnementpreise: Für Oesterreich: Monati. S 1.50, viertelj. S 420, ganzj. 16.— / Deutschland: Mönatl. Ookjmark 1.—, viertelj. Gotdmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdisthe Zeitung Medien fledaftMon und /fdministiatton: Wicm, IH ^tauAeiulelndasfe I — Tel. R Polen: Monati. Zloty 2.30, vierte!]. Zloty 6.50 / Ungarn: Monati. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 420 / Rumänien: MonatL Lei 45.—, viertel]. Lei 125.— / Bulgarien: Monati. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monati. Belea 2.—* viertelj. Beiga 5.— / Uebrlges Ausland: Monati. Schwerer Franken 1.50 % Jahrgang Wien, 4. Jänner 1929 (22. Tebeth 5689) Nummer 53 Realpolitik oder Detnonstrationspolitik SHe „Sensation“ Malsmann Siehe Seite 2 Die Verfassung der künftigen Jewish Agency Das Zioniftifdie Aktionskomitee hat auf feiner letzten Berliner Tagung auch die Frage der Konftitution der erweiterten Jcwifh Agency erörtert. Eine vom Aktionskomitee eingefetzte Vierachnfjr- Kommiffion .hat eine Reihe von DetailvÖrfdilägen ausgearbeitet;- die der Exekutive übergeben wurden. Da es lieh nicht um einen Befchluß, fondern um Vorfchläge handelt, die der anderen Seite zu unterbreiten find, werdep, diele ,Richtlinien vorläufig als vertraul»di behandelt. Ücber den grundfäptlidicn Charakter diefer Richtlinien teilte das Mitglied der Zicraiftifchen Exekutive, Herr Felix Rofenblüth, Leiter des Organifatibns-Dcp&rtements der Zionifti- Ichen Weltorganifation, einem Vertreter der Jüdi- Idicn Telegraphen-Agentur folgendes mit: «Da jetzt ein grundsätzliches Einverständnis über die Erweiterung der Agency erzielt ist und das Aktionskomitee sich im Laufe weniger Monate wiederholt mit überwältigender Mehrheit für die sdhbun'ge Durchführung des Agency-Planps ausgesprochen hat, treten jetzt die organisatorisch-konstitutionellen Fragen in den Vordergrund des Interesses. Der Konstruktionsplan für, das Agency-G.ebäude steht in seinen Umrissen fest und ist bereits in den Beschlüssen des 14. Kongresses und in analogen Beschlüssen der amerikanisch n unparteiischen Konferenzen angedeutet. Natürlich wird die end-. gültige Entscheidung über Organisation und Konstitution der erweiterten Agency erst in der konstituierenden Gründungsversammlung, deren Einberufung für Sommer oder Herbst des Jahres 1929 in Aussicht genommen word n ist, gefällt werden können. Aber die bereits erwähnten Beschlüsse früherer Jahre bilden ein wichtiges Material, aus dem gewisse Schlüsse für die zukünftigen Organisalionsformen gezogen werden können. Das Wesentliche über diese Organisationsformen ist in wenigen Worten gesagt: gedacht ist an einen dreigliedrigen Aufbau, dessen Basis der aus allen Teilen der Welt beschickte, Rep äsentanten der Zionistischen' Organisation und der Judenluit aller Länder umfassende «Council» bildet. Der Council wird in regelmäßigen, noch näher zu bestimmenden Zeitabständen zusammentreten, :um Berichte über die Entwicklung der wirtschaftlichen und politischen Arbeiten entgegenzunetomen, um d i e 1 e i t e n d e n Organe der Agency zu wählen und um• Richtlinien für ihre'Arbeit festzulegen. Auf dem Council baut sich dann eine kleinere Körperschaft auf, die im Laufe eines Jahres wiederholt tagen soll, und auf dieser wiederum eine leitende Spitzen-Behörde mit dem Site in London und Jerusalem zur tatsächlichen Leitung der laufenden politischen und ökonomischen Aufbauarbeiten. Bekanntlich sollen die Organe der Agency nach dem Prinzip zusammengesetzt sein, daß die Zionistische Weltorganisation einerseits und die Judenböiten der einzelnen Länden andere seit» in.gtelcfteir Stärke vertreten; Sind. Das Aktionskomitee hat die Frage diskutiert, wie dieses Prinzip in der Praxis verwirklicht werden, kann. Es .besteht die Möglieiiikeit, daß bei den,, .Tagungen 4er .Agency-Kör* perschaften , die Delegationen der Landesj udenhedten einerseits und der Zionistischen Organisation andererseits in umgleichier Persönenstärke vertreten sind. Es herrschte absolute Uebereinstimmung darüber, daß alles geschehen muß, um dem Prinzip des Gleichgewichtes der Kräfte, auf dem die Agency begründet werden soll, Geltung zu verschaffen. Dies kann z. B. dadurch geschehen, daß von vornherein für Mitglieder der verschiedenen Ageney-Körpenschaften eine ausreichende Anzahl von Ersatz-mit gliedern bestellt wird, um sicherzusteMen, daß die Delegationen jeweils in voller Stärke vertreten sind. Ein anderes System, das für die Zionistische Organisation neu ist, erreicht den gleichen Zweck dadurch^ daß die Delegationen unabhängig von der Zahl der erschienenen Personen berechtigt sind, die Zahl der Stimmen abzugehen, die ihrer vollen Stärke in den betreffenden Körperschaften entspricht Das Aktionskomitee hat die Vorteile und Nachteile beider Systeme in großer Ausführlichkeit diskutiert In der Praxis dürfte die Gleichgewichtsfrage insofern weniger Bedeutung halben, als ja bei den realen Aufgaben der zionistische und der «nichtzionistische» Teil $er Agency keineswegs prinzipiell einander gegenüberstehen, sondern in gemeinsamer Arbeit sich Meinungsverschiedenheiten in Einzelfragen auch innerhalb der beiden Lager, bilden können.» Sokolow reist nach Amerika Wie aus London berichtet wird, sind alle Vorbereitungen für eine Amerika!eise des Präsidenten der zionistischen Exekutive Nahum Sokolow getroffen. Sokolow wird an der Kampagne für den Vereinigten Palestine-Appeat in zahlreichen Städten Amerikas teilnehimen-. Seine Abreise dürfte Mitte Jänner erfolgen'. Beachten Sie *. in dieser Nummer u. a. folgende Aufsätee und Berichte: Die «Sensation» Halsmann. Die «neue Phase in der jüdischen Geschichte». Louis MarshalL Von A. Sllosberg (Paris). , - Ein tragisches JudenschicksaL Von J^fi akoh e n« Ladczeuer (Berlin). Vom Dache. Von Jlzchak Pelach (Jerusalem). Der Berliner «Judenhof» versehwindet! Jüdische Frauen in der amerikanischen Pplitik. Die revisionistische Weltkonferenz in Wien. Das Recht auf jüdische Arbeit in Erez Israel Sport, Schach, RätseL Humor. Die Berliner Tagung des zaamstitsdhen Aktionskomitee® hat die Weizmannsche Jewish-Aigency-Politik gutgebeißen uud die Exekutive aufgefordert, alle Maßnahmen zu treffen, um die Errichtung des Council der erweiterten Agency und dessen Einberufung zum frühestmögtiohen Termin nach dem 16. Kongreß sioherzustetien. Eine neue Epoche zionistischer Arbeit setzt nunmehr ein. Daß es nach wie vor von den. Zionisten ‘hi erster Reibe abhängen wird, wie sich diese Epoche, gestalten wird, ist bereits eine Binsenwahrheit geworden. Kein Vernünftiger wind zugeben, ja auch nur daran de n ke n,. daß die Rolle des Zionismus bereits ,ausgbsp‘i©lt: sei und daß die zdontißtische Orga-nasation abdanken müsse, weil ein. neuer Partner hitmitritt, tim sich mit' u-ns in die Arbeit dies Palästina-Aufbaues zu teilen. Daß gerade das 'Gegenteil der Fall sein muß, ist so klar, daß jedes Wort der Begründung überflüssig erscheint. Unter zwiefachem Aspekt ist die neue Konzeption anzuaehen: einmal, daß die Sorge tim die Erhaltung des Bestehenden dm Palästina und noch mehr um die Fortführung des Aufbauwerkes auf einen weiteren Kreis übertragen wird. Das ist vielleicht die unmittelbare, sich' aus der Not des Augenblicks ergebende' Bedeutung der neuen Jewish Agency. Wichtiger und' bedeutsamer ist ihr historischer Aspekt: sie ist der,Anfang zur geschlossenen jüdischen Einheitsfront am Palästinawerk. Worauf es ankommt, ist, daß sich der Zionismus als die Avantgarde, der V o r t r u p p einer geschlossenen jüdischen .Phalanx etabliere, daß damit die Palästinasacbe zur g e m e i n s e n Plattform des Gesamtjuden-tums werde, daß sie zum unbestrittenen Programm jedes nur i rgend w ie'positiv sein wollenden Judentums gehöre. Eine durchaus natürliche Entwicklung wird damit inauguriert: denn es ist unsere zionistische These, daß Palästina-Aufbau, die Aufrichtung eines autöchfboinen, normalisierten, kulturell schöpferischen Judentums im eigenen Lande den Weg zur Lösung der Judenfrage bedeutet, und daß darum Palästina zur allgemeinen Volkssache werden muß. Aus diesem Grunde haben wir Zionisten kein Monopol auf Palästina, ebenso wie sich Balfour-Erkilärung und Mandat an der Idee an das jüdische V o I k, nicht hlo# an eine Part e i ln diesem adressieren. Diese «natürliche Entwicklung» könnte allerdings durch Weizmanns mehrjährige Bemühungen, die nunmehr zum Erfolge geführt haben, irgendwie fordert erscheinen, Aber natürliche Entwicklungstendenzen zu erkennen und ihnen naohzuhelfen, beweist den Staatsmann, den Rea 1 politiker, als den sich Weäzmann hier bedeutsam erwiesen hat. Seine Realpolitik wind diktiert von der Erkenntnis, daß, wie er es jetzt in Berlin ausgedrüokt hat, die Erhaltung und Stärkung der jüdischen nationalen Front «abhängig ist von dem, was wir in Palästina machen», daß die größte Gefahr für unser Werk nicht die Heranziehung der Nichtzionisten zur Agency bildet, sondern die Krise und der Stillstand im Palästinawerk. Weizmanns Politik ist getragen von der Orunderkenntms, daß dass unbedingte Primat aller zionistischen Arbeit Palästina gebührt und daß Palästina beute nicht als Programm , für Enunzfcitionen, Resolutionen und Deklarationen zu gölten hat. sondern in erster Reihe als Realität. Und dies ist der Standpunkt, von dem aus man die verschiedenen Oppositionen zu beurteilen hat. Die «Radikalen» mögen mit den «Revisionisten» manche Berührungspunkte in Kritik und Forderung haben, die beiden scheiden sich diametral in ihren Ausgangspunkten. Indem sieh die Radikalen immer mehr i# Vloßer Kritik der Agency-Politik veri©p5eliJ,wicdih*en