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Die Stimme · 1928-12-13 · Heft 50 (13.12.1928) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 50 (13.12.1928)
Date
1928-12-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 OIE STIMME Nr. 60 Imiel Pais — Tina Pais, gib. HärM® Vermählt*. N Dexcmber 1928. ..11111 IMI' 11 ■■■ I l'l ..I ' Monaten den Antrag auf Einführung des allgemeinen Wahlrechte« gestellt, man hat uns nicht ehwna! einer Antwort gewürdigt Der Hochmut kam vor dem Fafl. Eteer der «Unlona-Fährer mußte am Abend des 2. Dezember ein gestehen: «Die Zionisten haben die Union ntedergerungen, die Union hat ihre Rolle bi Wien ausgespiett.» W*n« eine Partei nach emem derartigen Aufwand an Mitteln ihren Besitzstand nicht einmal aufreohternalten kam, dann muß sie hl einem zweiten Waklkampi noch vernichtender geschlagen werden. — Wir haben Ihnen unser Programm klar und offen entwickelt, wir bürgen Urnen dafür, daß wir alles tun werden, um es durchzusetzen. Wir danken ihnen dafür, daß Sie uns am 2. Dezember so treue Gefolgschaft geleistet haben, wir werden aber auch in Zukunft Ihrer Mithilfe nacht en traten können. Ein harter Kampf steht uns noch bevor, bewahren Sie uns Ihre Treue, damit wir auch diesen siegreich bestehen können. Dr. Desider Friedmann führte aus: Die zionistische Partei hat einem großen Erfolg errungen, wir haben absolut und relativ den größten Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Mehr als 50 Prozent der Wählerschaft haben für die Parteien der Opposition gestimmt, und das muß die Richtschnur für die künftige Entwicklung sein. Unser Erfolg muß aber auch jene Gesinnungsgenossen, in unseren eigenen Reihen, die, von Mutlosigkeit angekränkelt, unsere Sache verloren gaben, eines Besseren belehren. Wir danken allen jenen, die unermüdlich in Wort und Schrift für unsere gute Sache eingetreten sind, wir danken jenen Tausenden Männern und Fra-uen, die mit Begeisterung für unsere Sache zur Wahl geschritten sind. Mit diesem Erfolg ist es wie mit jedem anderen. Er ist das Ergebnis langer, zäher Arbeit von Menschen, die in diesem Wahlkampfe tätig waren, und nicht der Erfolg jener, cfie afe Zuschauer abseits standen, um für den Fall, als es schief geben sollte, zu sagen, es mußte so kommen, weil wir nicht dabei waren, und die, nachdem wir einen Sieg errungen haben, nun erklären, der Erfolg sei gekommen, weil die Kämpfer getragen waren von der Kraft der Ideen, die jene verbreitet haben, die nicht dabei waren. Wir haben unseren Kampf geführt ki der Überzeugung an cfie Kraft der zionistischen Idee, in der Ueberzeugung, daß wir die Menschen wieder zur Fahne rufen müssen; wir stellten uns nicht abseits und sagten nicht: es werde nicht gehen. Es ist gegangen, denn der Zionismus hat eine solche innere Lebenskraft, daß er die Menschen fortreißt und entflammt ^ionisfssche Arbeit leisten, heißt aufbauend arbeiten, beißt eintreten mit seiner ganzen Persönlichkeit, heißt nicht Kaffeehausgespräche führen und kritisieren. Hoffen wir, daß diese Wafol eine Lehre für uns alle war, daß nicht Mutlosigkeit, sondern neue Arbeitskraft unsere Reihen erfasse. Wir sind unseren Weg gegangen, ohne rechts 'und links au bücken, wir werden auch bei unserer künftigen Arbeit in der Kidtusgemeinde von unserem Ziele nicht abweiohen. Unser Programm ist ein heiliges Versprechen, das wir Ihnen gegeben haben, und das wir auch erfüllen werden. Zionismus heißt nicht nur Aufbau Palästinas, Zionismus heißt auch Aufbau der Gatuth, und in diesem) Sinne wollen wir unsere Arbeit in der Kultusgemeinde leisten. Wir werden streng sachlich unser Programm verfechten. Wir können uns dabei nicht sklavisch jenen Methoden anpassen, die eine Opposition in anderen Körperschaften, etwa im Nationairat oder Gemewiderat, verwendet. Dort kann die Opposition soweit gehen, daß sie zur Negation wird, unbekümmert, ob dadurch der Staat oder die Gemeinde Schaden nimmt oder nicht, wenn nur die parteipolitischen Ziele dadurch erreicht werden. In der Kultusgemeinde können wir derartige Mittel nicht anwenden, denn es ist unsere Gemeinde, die wir Höben, die ein Stück von uns selbst ist, deren Ansehen wir stets erhöhen müssen. Wir werden unbekümmert um das Geschrei von rechts und links beharrlich unseren Weg gehen, wir werden aber nie eklen Schritt tun, der unserer Gemeinde schaden könnte. Ich bin vier Jahre lang an leitend««- Stelle in dieser Gemeimfie gestanden, ich liebe diese Gemeinde wie ein Stück von mir selbst, und werde mich nie Anreißen lassen, etwas m tun, was ihr Schaden bringen könnte. (Stürmischer Beifall.) Wir werden nie zustimmen, daß die Einheit dieser Gemeinde zerschlagen, daß ihre Autonomie gefährdet werde. Mit der Faust auf den Tisch schlagen, darin kan sich die Taktik der zionistischen Mandatare nicht erschöpfen. Das muß gesagt sein, weä bei uns immer Kritiker und Besserwisser am Werke sind, die unsere Richtung in der Kultusgemeinde bestimmen wollen. S1EGM. HOHifMEHL, BroOfieisciihaucr^i Zentrale IX, Berggasee 19, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant für Haftanstalten, Abteilungen für *Y£?3-Fletach unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der israelitischen Kultusgemeinde Wien IX, Beragasse 1 b XvMi, Währfnererstraße 97 Unsere Haltung In der Kottuegenietade zu bestimmen haben einzig und allein jene tausende jüdische Männer und Frauen, die am 2. Dezember zionistisch gewählt heben. Wir werden jedesmal, wenn es zu ön(scheidenen Schritten kommt, vor Sie hintreten, um Ihne Mevmtreg zu hören, wir werden während unserer Mandatsperiode für jeden von Ihnen zu sprechen sein, dorm Sie sitnd es ja, die uns das Mandat, den Auftrag gegeben haben, den wir in Ihrem Sinne erfüllen müssen. Ihr Auftrag ist mit der Abgabe des Stimmzettels nicht erloschen, er dauert vier Jahre lang und wir sind während dieser ganzen Zeit an Ihre Weisungen gebunden. Wir sind Kultusvorsteher um unserer Sache wißen, nicht irgendeiner Gruppe zuliebe oder einer anderen Gruppe zuleide. Wir haben unsere Mandate angestrebt, um das zionistische Programm au verwirklichen. Man wird Ihrrem erzählen, daß wir diese oder jene Koalition eingegangen sind. Ich erkläre, daß das unwahr ist. Wir sind keine Koalition ringegangen und werden auch keine Koalition ringehen. Wir sind eine selbständige Gruppe im Kultusvorstand und werden unsere Stellungnahme nicht von Rücksichten auf andere beeinflussen lassen. Unsere Stellung zu den anderen ki Einzelfragen wird sich stets nur bestimmen lassen können nach der Uebereinstifrnmtng oder der Gegensätzlichkeit der programmatischen Anschauungen. Wir wollen für jede gute Sache eintreten, ohne Rücksicht darauf, ob die Anregung von rechts oder von links kommt. Wir werden aber auch danach trachten, daß die Anregungen, die von unserer Seite kommen, respektiert werden. Die «Union» wird jetzt endlich aufhören müssen, zu glauben, daß wir unsere bisherigen Mandate nur Ihr verdankt haben. Wir haben unsere Mandate durch eigene Kraft erworben und brauchen deshalb auf niemand Rücksicht zu nehmen. Wir hoffen, daß die «Union» aus diesem Wahlkampf gelernt hat, daß sie eine Partei ist, die zum Absterben verurteilt ist. Ich habe im Jahre 1920 der «Union» gesagt: «Wir geben es auf, Sie zu überzeugen, aber eines hoffen wir, wir werden Sie überleben.» Diese Worte stnd wahr geworden. Die anderen haben keine Jugend, wir haben die jungen, neuen Kräfte. Wir sind die Partei der Zukunft. Wenn wir auch nicht mit den Pultdeckeln schlagen, glauben Sie ja nicht, daß wir lässig sein werden in der OOCXXXXXX30000CXXXXXSOOOOOOOOOOOOOOOOOOO) 1 i KEREN KAJEMETH § jj ORGANISATION ZIONISTISCHER FRAUEN l\ 3 ÖSTERREICH fij ijj! 15. Dezember 1928, 8 Uhr abends |jj| X Neuer Saal der Hofburg |*j Konzert I jüdischer Musik jij 2 Veranstaltet vom i|Ji 5 „Verein zur Forderung jüd. Musik in Wien* X 5 unter Mitwirkung: X 2 M. MISLAP-KAPPER (Konzertsängerin) jj 3 J9ACHIM STUTSCHEWSKY (Violoncelljl| J Virtuose) ijt 3 QUINTETT-ENSEMBLE (Hans Levitus, Elsy ij! j Stein, Israel Brandmann, Marcel Dick, J. Stutfl 3 schewsky) J [ 3 Zur Aufführung gelangt u. a. c! 5 DIE NEUE KINDERSUITE VON ACHRON C i Klavierbegleitung: FRANZ MITTLER?!;! Einleitende Worte von Prof. Dr. MAX GRAF?! I Musik. Leitung: JOACHIM STUTSCHEWSKY?! Kultusgemeimte. Wir wo&ert getreu dem altjüdi&chen Beispiel mit der KeNe in der einen und mit dem Schwert ln der anderen Hand au dem Aufbau der Kultusgemende mitarbeitett. Vertrauen Sie uns! Wenn es notwendig sein wird, dann werden wir aiuch das Schwert zu führen wissen, mit jenem Mut und jener Entschlossenheit, mit der wir es zu führen bisher gewohnt waren. (Minutenlanger, stürmischer Beifall.) Der Präsident der Zionistischen Landesorganisation, Dr. Leo GokÖiammer, der dem neuen Kultusvorstand angehört, legte unter anderem dar: «Unser Erfolg besteht nicht allein darin, daß wir gestärkt an Zahl in den neuen Kultusvorstand einziehen werden; nicht die Zahl allein kann es machen, der Geist ist es, der m der Wählerschaft vorhanden ist, dereiserne Wille in unseren Reihen, der uns zum Erfolge verhelfen hat. Man hat uns glauben machen wollen, auch in unseren eigenen Reihen, daß dieser Wille nicht mehr vorhanden ist. Unsere Wählerschaft und unsere Jugend hat aber in diesem Wahlkampfe den Beweis erbracht, daß in Ihr noch dieser eiserne Glaube an unsere Sache lebt und dieser Glaube hat unseren Sieg bedingt Darin Liegt die große Bedeutung unsere« Erfolges nach innen. Nach außen hin aber wirkt steh unser Erfolg dadurch Wochen-Kalender Des. 1928 Gedenktage 1*503 «S'Din 13 Donnentag IBM — Kok» Hnfanoaide* gestorben. 1797 — Heinrich Heit» in Düsseldorf feboren. 30 — S 1. Tag Bosch- Ghodeseh d. Tag Ohanehuh 11 FreÜag roa 1 - N Beseh-Obodeteh Tebeth 7. Tag Ohaaakab 19 Samstag 1837 — der OrlentaUet und Rrforscher Abeeeiniene und de* Yemens, Joseph Haddvy, In Adriettopel geboren. 2 -a Hsftarah wsjaaS-eblram 8. Tag Chsutkth 16 Sonntag 1SB3 — der wissenschaftliche Begründer der nenihebrSUeohen Bewegung, Elicser Ben-Johudo, in Jerusalem gestorben. 1924 — der J lldier ho Philosophiohtetoriker Prol. DtuvM Nommark in Cincinnati gestorben. S-a \ 17 Montag r 1 18 Dienstag , 1865 — «1er hebräisch« Dichte« David Frlsoiun&na geboren. 6-n 19 Mittwoch 18CS — der berühmte Physiker Protf. Albert Michelaon, Nobelpreietrftgor, in Stroh» (Poeen) geboren. 1880 — der Italienische Sta&tsjnrmnn und Vorkämpfer für die Einheit Italiens, Giuseppe Final. in Hantua gestorbon. 6-1 aus, daß es uns gelungen ist, die Macht unserer Gegner zu brechen. Es ist der Versuch gemacht worden, zu sagen, daß die Niederlage keine so große sed, weil die «Union» jetzt statt 19 nur 18 Mandate habe. Unser großer Erfolg liegt darin, daß die «Union» jetzt mit ihrem Argument, als ob wir von ihrer Gnade im Kultusvorstand sitzen würden, aufhören muß, daß sie ohne uns keinen Schritt mehr ward gehen können, daß sie auf unsere Meinung sehr viel Gewicht wird legen müssen. Unid der dritte Erfolg (unseres Sieges liegt darin, daß in der Wiener Judenschaft endlich jener Geist wieder erwacht ist, den uns unsere Führer Theodor H e r z 1 und zuletzt Oberrabbiner C h a j e s gewiesen haben, jener Geist, der die scheinbar ruhenden Kräfte :m Judentum zu neuem Leben erweckt hat. Wir haben elfte Aufgabe übernommen, die einzig und allein darin besteht, dem jüdischen Volke ru dienen. Wenn wir jetzt einen Augenblick innerbalten und rückblicken, um zu sehen, was wir bisher geleistet haben, so müssen wir gleich wieder vorwärts bücken und sehen, was noch zu leisten ist. Sie haben durch Abgabe Ihres Stimmzettels gezeigt, daß sie mit unserer bisherigen Arbeit zufrieden sind und daß Sie die Verwirklichung unseres Programmes wünschen. Wir bitten Sie: Helfen Sie mit, dieses Programm zu verwirklichen, stellen Sie sich in unsere Reihen, damit die Verbindung mit Erez IraeJ nicht bloß Wort bleibe, sondern zur Tat werde! (Stürmischer Beifail.) Es sprachen dann noch in wahrhaft begeisternder Weise die Kultusvorsteher Dr. Kl a b er, Kommerzialrat Markus, Professor Rath, letzterer in hebräischer Sprache, sowie die Herren Dr. Israel Taubes und Direktor Boxenbauro; sämtliche Reden wurden von den Zuhörern mit stürmischem Beifall aufgenommen. Die Zahlen sprechen Nunmehr liegt das detaillierte Ergebnis der Wahlen vom 2. Dezember vor; es zeigt aufschlußreiche Ziffern. Für die Neuwahl der 36 Mitglieder des Kultusvorstandes und der 120 Vertrauensmänner in die Bezirkskommissionen (die nicht unwesentliche Funktionen haben, u. a. auch bei der Besetzung des seit dem Ableben Chajes’ verwaisten Wiener Oberrabbinates mitbestimmend sind) waren diesmal 37.557 Personen wahlberechtigt. Davon gaben 19.980 ihre Stimme für die Wahl des Kultusvorstandes ab, was einer Wahlbeteiligung von 53,2 Prozent entspricht. Da 379 Stimmzettel leer waren und 253 ungültige Stimmen abgegeben wurden, ergaben sich 19.348 gültige Stimmen. Davon erhielten die Zionisten 5834, der M i s r a c h i 789, die Werktätigen 2899, die Unpolitischen 758 und die Union 9068. Den 9068 Union-Stimmen, die nur 46,8 Prozent der gültigen Stimmen betragen, stehen 10.280 Stimmen der anderen Parteien gegenüber, also 53,2 Prozent; demnach ist die Majorität der abgegebenen gültigen Stimmen gegen die Union abgegeben worden* Nur dem Umstande, daß die Union mit den Unpolitischen koppelte, wobei die Wahlzahl zur Erlangung eines Mandates 503 betrug, während sJe bei den Werktätigen 517, bei den gekoppelten Listen der Zionisten und des Misrachii ga»r 530 ist, sowie der Tatsache, daß der Stimmenrest der Unpolitischen der Urton für ein Mandat zugeschlagen wurde, hat es die benkrotte Assimilation zusammen mit der anrüchigen Trennungsorthodoxie zu verdanken, daß sie es mit viel Bemühen auf 18 Mandate brachten, von denen 15 die Union-Leute und 3 die Agudisten innehaben. Die Stimmenverteilung in den einzelnen Bezirken ergibt sich aus der nachstehenden Tabelle:

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