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Die Stimme · 1928-12-06 · Heft 49 (6.12.1928) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 49 (6.12.1928)
Date
1928-12-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 35 Groschen \\“w^sts^sr\\ v. b. b. 11V. h. h. Abonnementpreise: Für Oesterreich: Monatl. S 1.50, viertelj. S 4.20, ganzj. 16.— / Deutschland: Monatl. GoMroark 1.—, viertdj. GoWmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Kc 19.— / Jngoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdisdke Zeitung £a*M*»<5ftntf' f*e«lcm~ Donnenlntf i (Rrnddütian und JUbniimistitatUnä: Wimm,!Üaulkenflfdn^as$e V — {Tel. Kt 2<9~3-S4 Polen: Monatl. Zloty 2.30, vaertelj. Zloty 6.50 / Ungarn: Monaitl. Pengö 1.50, viertdj. Pengö 420 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertel]. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, riertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertelj. Be*ga 5.— / Uebriges Anstand: Monatl. Schweizer Franken 1.50 1. Jahrgang Wien, 6. Dezember 1928 (23. Kislev 5689) Nummer 49 Die Union-Aguda-Majorität in der Wiener Kuitusgemeinde gebrochen — Die Zionisten erobern zwei Mandate Am 2. Dezember fand die Neuwahl des gesamten Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde statt; es gelangten 36 Mandate zur Besetzung. Die Wahlbeteiligung war erheblich stärker als bisher; von. den 37.557 Wahlberechtigten wurden 19.357 Stimmen abgegeben, was einer Wahlbeteiligung von 51 Vs Prozent entspricht, gegenüber den Kultuswahlen des Jahres 1924, wb von 35.126 Wahlberechtigten nur 14.865 zent) gestimmt hatten, ergibt sich eine erfreuliche, bedeutende Steigerung des Wahlinteresses. Die Wahlen verliefen in voller Rühe. Von den 19.357 abgegebenen Stimmen erhielten: •, Die zionistische Liste ..... 5837 Stimmen, „ religiöse Liste Misrachi. . . 786 „ „ Wahlvereinigung werktätiger Juden . .. . 2899 „ „ Union deutschösterr. Juden . 9066 „ „ unpolitische Wahlvereinigung (Polnische Schul’) .... 758 „ Von den Listen der wahlvverberiden Parteien waren zur besseren Ausnützung der Reststimmen die der Zionisten und des Misrachi sowie die der Union und der unpolitischen Wahlvereinigung gekoppelt. Die Errechnung ergab folgende Verteilung der Mandate: Die zionistische Liste erhält 11 Mandate (bisher 9 Mandate); . die religiöse Liste Misrachi erhält 1 Mandat; die Liste der Werktätigen Juden erhält 5 Mandate (bisher 5 Mandate); die Union erhält 18 Mandate (bisher 19 Mandate); die unpolitische Wahlvereinigung erhält 1 Mandat Im vorigen Kultusvorständ hatte der Misrachi zusammen mit der Polnischen Schul’ eine gemeinsame Liste aufgestellt, die 2 Mandate erlangte; diesmal gingen beide Gruppen separat in den Wahlkampf und jede errang 1 Mandat, so daß sich in ihrem Besitzstand keine Veränderung ergibt. Die Mandatverteilung im neuen Kultusvorständ ist demnach die, daß die bisherige Majorität der «Union», die 19 Mandate von 36 innehatte, verloren gegangen ist, da die «Union» nur mehr über 18 Mandate verfügt. Die anderen Parteien, die bisher insgesamt nur 17 Mandate hatten, verfügen heute zusammen über 18 Mandate. Sie erhielten insgesamt 10,280 Stimmen gegen nur 9066 der «Union». Dabei ist noch zu bemerken, daß die «Union» Uhr 18. Mandat nur der Kopplung mit: der «Unpolitischen Wahlvereinigung» verdankt, da d'le Ausnützung der Reststinimen dieser gekoppelten Listen einen ganz kleinen Rest von 3 Stimmen brachte, während bei der Kopplung der zionistischen und der Misrachi-Liste ein unausgenützter Stimmenrest von 419 Stimmen blieb, also fast soviel wie zur Erlangung des 13. Mandates (die Wahlzahl betrug zirka 520 Stimmen) genügt hätten; so gingen 419 zionistische Sti,minen im S k r u t i n i u’m verloren. Der neue Kultusvorständ setzt sich aus folgenden Personen zusammen: Pr. Pesider Priedmann (Zionist), Dr. Josef Löwen herz (Zionisf), Dr. Leo G o l d h a’m m e r (Zionist), Dr. Jakob Ehxl i c h-(Zionist), Professor Moses Rath (Zionist), Komm.-Rat Max M a r k u sr (Ziohist), Dr. Isidor Klab er (Zionist), Dr. J. H. Körner (Zionist),, Dr. Sanel B e e r (Zionistj, J. H. W a i t u c h (Zionist), Univ.-Brofessor J>f. Bernhard Geiger (Ziohist), Viktor B a u in i n g;e r (Misrachi), Gustav Moriz (Werktätige Vereinigung), Dr. Rudolf Glanz (Werktätige Vereinigung), '9 Direktor Adolf Reich (Werktätige Vereinigung), Ob.-Insp. . Wilhelm H i r s c h f e 1 d ( Werktätige Vereinigung), i Mendel Singe r (Werktätige Vereinigung), Dr. Leo L a n d a u (Unpolitische Wählvereinigung), Prof. Dr. Alois P i c k (Union), Dr. Jakob .0 f n s t e i n (Union), Bauraf Wilhelm Templer (Union), Siegmund K a u d e r s (Union),. Dr. Josef T i c h o (Union), Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim (Union), . Wolf Pappenhei m (Agudah), Komm.-Rat Moritz Reif (Union), Richard B e t t e 1 h e i m (Union), Börserät Ignatz GI üc k (Union), Isidor Pol lak (Union), Anläßlich unseres glänzenden Wahlerfolges findet Samstag, den 8. Dezember 1928, V Ohr abends ira Hotel Continental, Wien, II., Taborstraße Nr. 4, ein Meeting statt, bei dem die neugewählten Mandatare über unsere Aufgaben in der Kultusgemeinde sprechen werden. Redner: Dr. Desider Friedmans, Kultusvorsteher, Dr. Josef Löwenherz, Kultusvorsteher, Dr. Leo Goldbammer,Kultusvorsteher, Präsident der Zionistischen Landes- Organisation für Oesterreich, Dr. Jakob Ehrlich, Kultusvorsteher, Dr. laldor Klaber, Kultusvorsteher. Juden, erscheinet in Massen I Michael Sternfeld (Union), Bernhard A1 tm a n n (Union), David D oh an (Union), Komm.-Rat Bernhard Buchwald (Union), Emil E n g e 1 (Union), Med.-Rat Dr. Jakob Deutsch;(Agudah), >' Moritz Leitner (Union). t : Die Wiener Juden Schaft läßt sich nicht bkttfe*. Das hat sie bei' den Kultusgemeindewahlen am 2. Dezember bewiesen, die ein Zeugnis des guten und politisch reifen Sinnes der Juden Wiens geben. Was wurde nicht alles gebäbbert und gezetert, um den Wiener Juden vor den bösen Zionisten bange zu machen! Eine Art von Mieterscfrutz-Wahäscfolager wurde geschaffen: die Jüdischnationalen wollen den Nationalitätenhader in die Kultusstube bringen, sie wollen die Gleichberechtigung der Juden im Staate untergraben, sie wollen eine Politik inaugurieren, die uns zu Staatsbürgern zweiter Klasse macht und dergleichen mehr. Die Antwort war, <jaß die zionistische Liste bei. den Wahlen am 2. Dezember zwei Mämiate gewonnen hat, daß für die Zionisten und den Misrachi mehr als ein Drittel sämtlicher abgegebener Stimmen lauteten, daß dagegen die «Urtiöp Deutschösterreichischer Juden», welche das unproduktive Assim<Hantentum vertritt, von den mehr als 19.000 abgegebenen Stimmen nur rund 9000 erhielt. Im Jahre 1924 hatte die Union nur durch das Kompromiß mit den Zionisten die Führung in der Gemeinde behaupten können. Jetzt, am 2. Dezember. 1928, hat das Wiener Judentum deutlich zu erkennen gegeben, daß es die «Union»-Führung Im Wiener Kultusvorstande ablehnt, denn von den 19.000 abgegebenen Stimmen entfiel mehr als die Hälfte auf die Oppositionsparteien. Diese Wi'llensbildung kam zürn Ausdruck bei einem durch seine Engherzigkeit einzig dastehenden Wahlrecht, welches von den 200.000 Wiener Juden nur einem Sechstel das Mitbestimmungsrecht an ihrer Gemeinde zugesteht. Es ist jetzt. klar, warum sich die Vereinsvorsteher der «Union», die eine Art Altersversicherung auf dfe Führung der Wiener jüdischen Gemeinde sich zusprechen zu können glaubten, gegen jede Verbesserung des Wahlrechtes sich mit Händen und Füßen gewehrt haben. Doch selbst das hat ihnen nichts genützt: Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze und Berichte: Wiener Chanukkah vor zehn Jahren (Eine Chajes- Erinnerung). Von Ludwig Bato. Was sagen die jüdischen Studenten dazu? Passivität genügt nicht! Unveröffentlichte Briefe von Adolf Fischhof. Von Hofimt Dr. Michael Holzmann. Neue Wege der zionistischen Jugend- und Volkspropa« ganda. Von Dr. Chaim Tartakower. Die jüdische Familie ln der Kunst. Eine jüdische Luther-Legende. Das Schrätlein (Erzählung). Von M. S p e k t o r. Sport, Schach, Rätsel, Humor.

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