Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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v Seite 10 DIE STIMME Nr. 44 wußtsein gelangt ist und mit einem Appell an diese, sei meine heutige Aufgabe enM’*- Ich denke dabei insbesondere an zwei Sinndesgruppen, die, kraft ihres Berufes rosp. ihrer Trnditi m, zur Pflege des jüdischen Chorgesanges geradezu prädestiniert sind: die Mitglieder der Tcmpelchöre und die jüdische Studentenschaft, die ersten als stimmbegabte und musikkundige Juden und die anderen als die berufenen Träger aller Kulturgüter. An diese zwei Standesgruppen richtet sich in erster Linie der Appell zum Beitritt und zur tatkräftigen Unterstützung und Förderung des wichtigsten Zentrums der Pflege des jüdischen Chorgesanges, d. i. zum Beitritt zum Wiener jüdischen Gesangverein. Die Choriibungcn des Wiener jüdischen Gesangvereines finden allwöchentlich am Dienstag von 7 bis 9 Uhr abends unter der Leitung des Herrn Szymitrovsky im Vereinssaal des Neuen Wiener Konzerthauses statt, woselbst auch die Anmeldung neuer Mitglieder entgegengenommen wird. Volk und Buch ln Buenos Aires fand Ende September im Gebäude des Cervantes-Theaters die erste nationale B u c h a v s s t e 1- 1 u n g von Argentinien statt. An der Eröffnungfeier nahmen die Mitglieder der Regierung, der Rektor der Universität, sämtliche Kulturorganisationen, unter ihnen auch die jüdischen durch ihre Delegierten teil. Die Ausstellung wurde vom Präsidenten der Republik eröffnet, die Festrede hielt Bildungsminister Dr. Ortis, der in seiner Rede den Anteil jüdischer Organisationen afl dem Zustandekommen der Ausstellung besonders hervorhob. Der Zweck der Ausstellung sei, die Liebe zum Buch in der Republik zu erwecken und zu entwickeln. Die Rede des Rektors der Universität Dr. Ricardo R o j a s behandelte hauptsächlich das Thema, welche Bedeutung das Buch für die Lebensdauer, ja für die Unsterblichkeit der Völker in der Weltgeschichte gehabt hat. Das jüdische Volk — führte der Rektor aus — das sich den Ehrentitel das «Volk des Buches» erworben hat, möge allen anderen Völkern als Muster dafür dienen, welche hohe nationale und volkserhaltende Bedeutung das Buch für den Fortbestand eines Volkes haben kann. Man müsse vom Judentum, das der Menschheit das Buch der Bücher geschenkt hat, lernen, wie das Buch zu schätzen sei, wie man aus dem Buch lernen soll und wie man aus Selbsterhaltunggründen die Liebe zum Buch, die Ehrfurcht vor dem Buch hochhalten und fortentwickeln müsse. Das jüdische Volk habe seine Ewigkeit, Unsterblichkeit und Unzerstörbarkeit nur durch seine ihm innewohnende Liebe und Verherrlichung des Buches erlangt. An der Spitze des Organisationskomitees der Ausstellung stand der jüdische Verleger und Buchhändler Samuel G lusberg, der als jüdisch-spanischer Schriftsteller sich bereits einen guten Namen gemacht hat. Sämtliche Festredner zollten Glusberg besonderen Dank. Kunstchronik Ela Institut für jüdische Wissenschaft in Antwerpen. Vor kurzem wurde in Antwerpen in Anwesenheit von Vertretern der jüdischen Gemeinde und der Stadt ein /Institut für jüdische Wissenschaften er- . öffnet. Rabbiner Amiel, Dr. Wiener, Dr. Günzig, Lewinsky,;t)r. Steuer u. a. m. werden über alle Gebiete der jüdischen Wissenschaft Vorträge halten. Bei der Eröffnungsfeier hielt Professor David Cohen (Amsterdam) eine Vorlesung über «Judentum und Hellenismus». Die Tat eines jüdischen Kunstfreundes. Sir Joseph D u v e e n, der sich um die britische Kunst bereits große Verdienste erworben hat, hat sich entsohlossen, auf eigene Kosten ein großes Ausstellungsgebäude im Anschluß an die Tate Gallery erbauen zu lassen, in der Gemälde und Skulpturen ausländischer Künstler untergebracht .werden sollen. Ferner will Sir Joseph Duveen einen Zu bau zur National Portrait Gallery errichten. Die Kosten iür alle diese Gebäude werden auf 5 0 0.0 0 0 P f u n d zu stehen kommen. Wmrnm Wmmmßß BISS mm 'tr h p!; i'W Ein Rothschild als Theaterdirektor: Baron Henri Rothschild, Ant von Beruf, ist seit mehreren Jahren als BiibnenschrifL •ttUer tätig, jetzt erbaut er aus eigenen Mitteln ein Theater in Paris, das er selbst leiten wird. Eine zweite jüdische Sprechbiihne in New York. Der Schauspieler und Regisseur Ben-Ami, der vor zwei Jahren das New Yorker Irving-Placc-Thealer als jiid:sehe Sprechbiihne führte, hat anfangs Oktober zusammen mit Jakob Mestel, der früher dem Seiiwarzschen Kunsttheatcr angehörtc. und dom früheren Regisseur der W-ilrtacr Truppe L. K a d i s o rt in der Vorstadt Drorix eine Sprechbiihne begründet. Das Ensemble besteht zumeist aus früheren Mitgliedern der Wilnacr Truppe. Das Theater wurde mit dem sozialen Drama «Der Ringkampf» von B. Appelbaum eröffnet. «Der Dybuk» auf der bulgarischen Bühne. Wie uns aus Sof i a berichtet wird, bereitet das bulgarische Nationaltheater die Aufführung von Anski’s «Dybuk» vor; das Werk wurde von W. Spetter, dem Vorsitzenden des Kultusvereins «Schalom Alejchem» ins Bulgarische übertragen. Die Inszenierung leitet der junge begabte Regisseur Chrissan Z a n k o f f. «Ozar Chajim». Der bekannte Wiener Gelehrte und Kenner chassidisch-kabbalistischen Wesen Chajim Bloch, geht daran, seine auf mehrere Bänden berechnete Enzyklopädie, die Frucht jahrelanger Arbeit zu veröffentlichen. Die Rechts« gutachten-(Responsen, Schaalot u'Tschuwath)-Literatur ist jener Zweig des jüdischen Schrifttums, das fast unmittelbar nach Abschluß des Talmuds entstanden ist und sich bis auf den heutigen Tag fortpflanzt und entwickelt; in ihr kommen ausschließlich berühmte Männer des Judentums zu Worte. Bloch gibt eine Auswahl aus den gewaltigen Massen dieser Literatur; er hat aus dem Staube der Bibliotheken die alten Responsenwerke hervorgeholt und aus ihnen Werte ans Schach Capabianca gewinnt das Berliner Großmeisterturnier So wie die amerikanischen Boxer vor allem geschult werden, selbst die härtesten Schläge zu ertragen, während das Austeilen der Schläge erst an zweiter Stelle rangiert, so ist — obwohl aui einem vollständig anderen Gebiet — Capabianca eingestellt. Nicht verlieren, nur ja nicht verlieren — das ist sein Motto. Er riskiert nichts, wagt nichts, unternimmt nichts, gewinnt nur, wenn sich hiezu eine besonders günstige Gelegenheit bietet. Die Methode bat — zumindest für die Galerie — wenig Interessantes an sich, erfordert freilich ganz erstklassiges Können. Sie hat sdch in Berlin vortretfsLich bewährt, Capabianca hatte seinen ersten Preis bereits nach der vorletzten Runde ziemlich sicher in der Tasche, und zwar ebne eine Partie verloren zu haben, während alle anderen Teilnehmer bereiits auf mindestens zwei Nullen traurig zurückbllcken mußten. Gapabdancas Gewinnparbien aus Berlin sind nicht sonderlich interessant, nur wenige an Zahl und überdies allerorten abgedruckt — wir sehen daher von ihrer Veröffenthehung ab und bringen heute eine Gewinnpartie Dr. Tartokowens, der ja in unserem Blatte noch selten zu Worte kam. SdzäJianische Verteidigung. Weiß: Spielmann. . Schwarz: Dr. Tartakower. (Gespielt am 26. Oktober 1928 in der 12. Runde des Berliner GroßmeistcrUirnieTS.) I. c2—e4, c7—c5. 2. Sgl—f3, Sg8-f6. 3. e4-c5, Si6—dS. 4. Sbl—c3, Sd5—-M1). 5. Sc3—e4a), d7—d6. 6. c2—c3. Sb4—c6* 7. d2-d4, c5Xd4! 8. c3Xd4, Lc8—f5. 9. Se4—g3, Lf5—g4. 10. h2—h33), Lg4XI3. 11. DdlXf3, d6Xc5. 12. d4Xe5, e7—e6! 13. Lcl-d2, Dd8—c7!4) 14. Ld2—c3, US—b45). 15. Lc3Xb4, ScöXb4. 16. Lfl—<b5t, Sb8—c6. 17. 0—0°), Dc7Xe5. 18. Lb5Xc6t, Sb4Xc6. 19. Tfl—el, De5—f6. 20. Dl3-b37), Ta8—b8. 21. Tal—dl, 0-0. 22. Tdl—d78), Tf8-d8! 23. Tel—dl0), h7-h6. 24. Sg3—e410), Df6—e5. 25. Db3—f3, Td8Xd7. 26. TdlXd7, f7—f5u). 27. Se4—c3ta), De5—elf. 28. Kgl—h2, Sc6—e5. 29. Df3—dl, DelXf213). 30. Td7—d6, Tb8—e8. 31. Kgl—hl, Kg8—b7. 32. b2—b3, Te8-e7. 33. Td6—d2, Df2—e3. 34. Sc3—b5, a7—a6* 35. Sb5—a3, Dc3—g5. 36. Sa3—c2» Sc5—c6. 37. Sc2—cl, ©6—«5. 38. Sei—f3, Dg5—tf4. 39. Td2—d5, e5—e4. 40. Stf3—gl, Sc6—c5. 41. Sgl—e2, Dif4—f2. 42. Se2—d4, fö-M. 43. Ddl—e2, Df2Xe2. 44. Sd4Xc2, SeS—d3. 45. Se2—c3, 14—f3. Weiß gab auf.14) Stellung nach dem 13. Zuge von Schwarz. &.mn Capabianca, der somit den ersten Preis von 2000 Mark gewann, hat einen Schiußstand von 8 Zählern erreicht, Den zweiten Preis (1400 Mark) gewann Niemzowitsch mit 7 Zählern, den dritten (1000 Mark) Splclmann mit Tageslicht gezogen, die für die Geistes- und Kulturgeschichte der Juden wichtigsicn und glaubwürdigsten Stoff bilden. Das Work wird für ]■-.!. n v.r,! Nichtinden von hohem Werte sein. Die Johann VNitny-Buciuirtiekerei und Verlags A. G. in Wien, IX., hat sich bereit irküirt, das Werk heraus/ugeben, wenn bis zum 1. Mai!i>2ö mindestens 500 feste Bestellungen bei ihr ciulangen. (Vorauszahlungen werden nicht beansprucht.) Carl-Theater: «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung». Der Scherz macht nicht lachen, die Satire und Ironie nicht lächeln und die tiefe:c Bedeutung ist nur Philologen, die sich für das deutsche Lustspiel vor hundert Jahren spezialisiert haben, klar. Wenn schoti unbedingt in Lustspielklassizismus gemacht werden muß, so grabe man zumindest nicht Figurinen aus. —r. Eine moderne Leihbibliothek in der Leopoldstadt Die neueröffnete Leihbibliothek der «Bücherstube M. Rath» (Taborstraße 20a) entspricht einem allseitig empfundenen Bedürfnis, zumal sic neben der Leihbibliothek des Volksvereines die einzige moderne Leihbibliothek im. II. Bezirk ist. Der Katalog enthält nebst den Schöpfungen der älteren Literatur und den bedeutenden Werken der Weltliteratur, auch eine reiche Auswahl der neuesten Erscheinungen der deutschen und viele Uebersetzunger. von fremdsprachigen Autoren. Von besonders großer Bedeutung für das jüdische Publikum ist die reiche Auswahl an Judaica (in deutscher Sprache), an neuhebräischer und jiddischer Literatur. (Entgeltlich.) 6 XA Zählern, dann folgen Dr. Tartakower mit 5%, Rctl und Rubinstein mit je 5 und Marshall mit 4M Punkten. A n m c r k u ug c n. 1) An dieser Stelle wurden bisher nur die Züge Sc7 und SXc3 gespielt. In beiden Fällen erlangt Weiß eine aussichtsvoHe Stellung. Der Textzug ist vielleicht nicht besser als die erwähnten aber er Ist neu und bringt d&i Gegner außer Konzept. — 2) Gekünstelt. Einfach d2—d4 hätte dem Weißen Eröffnungsvorteil eingeräuimt. Weiß spekuliert auf die Finesse, daß der Gegner einmal d6Xe5 spielt, worauf d4—d5! sehr stark Ist. Aber Dr. Tartakower verteidigt sich richtig. -a) Der entscheidende Fehler. Es müßte nunmehr e5Xd6 nebst d4—d5 geschehen, wobei Weiß ein ganz beifriedigendes Spiel hatte — 4) Sehr stark! Der wichtige Bauer e5, den Weiß ursprünglich zu Angriffszwecken opfern wollte, geht nun unter ungünstigen Umständen ohne Ersatz verloren. E droht nicht nur DXe5f, sondern vor ailem Qualitätsgewinn durch Sd4! usw. — ß) Wieder’ das Beste! Konzentrisch und zieibewußt arbeitet sich Schwarz durch, «Vereinfachung und Materialgewann» lautet die unerbittliche Parole. — °) Daran ist besonders peinlich, daß Schwarz e5 unter Tempogewinn nimmt. Aber es gab nichts Besseres als den Textzug. — 7) Etwas mehr Remisaussichten gab der sofortige Damentausch. Spielniann verspricht sich mehr von der folgenden Besetzung der d-Linie, irrt sich aber. — s) Scheinbar sehr stark. — °) TXb7? wäre an Sa5! gescheitert. Wahrscheinlich hatte dies Spielniann in der Vorausberechnung übersehen. — lü) Der doppelte Turmtausch leistet nichts: Schwarz nimmt zuletzt mit dein Springer und b7 bleibt gedeckt. — n) Der Gegenangriff setzt ein und damit ist das Spiel auch schon entschieden — 12) Verliert einen zweiten Bauer, was mit 12. Sg3, Del, 13. Sfl, Se5, 14- Ddl zu vermelden war. Aber Schwarz tauscht dann die Damen und hat ein gewonnenes Endspiel. Weiß gibt den zweiten Bauer, um Damentausch zu vermeiden, aber das Opfer ist vergeblich. — 13) Nun ist der Gewinn für Schwarz sehr leicht. Die Blus/bauern gehen unwiderstehlich vor. — u) So kommt es oft. wenn man heutzutage eine Partie «auf Gewinn» onlegt und in der Eröffnung Bauern opfert. Capabianca hat eben doch recht! Der Schachmeister Dr. Berthold Lasker, der ältere Bruder des langjährigen Weltschachmeisters Dr. Emanuel Lasker, ist an einer Lungenentzündung gestorben. Er war ein hervorragender Schachspieler und Schachtheoretiker. Von Beruf war er Arzt. An alle jüdischen Schachspieler! Alle jüdischen Schachspieler und alle, welche für das königliche Spiel Interesse haben, werden höflichst eingeladen, dem jüdischen Schachklub «Hakoah» beizutreten; auch solche, die materiell nicht in der Lage sind, durch Beiträge Iden Klub zu fördern, werden als Mitglieder gerne ausgenommen. Mitglieder-Aufnahme täglich von 7—10 Uhr abends im Caf4 RabJ, Wien, I., Wallnerstraße 2. Kunstschach Endsplelstudio von Maendl aus Lelsyn (Rußland). (Tschechische Schadhzoitung.) Weiß zieht und macht remis. FÜR MUSSESTUNDEN