Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053796--0669-3055963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V. b. b. Preis 35 Groschen Zeflung vom Verleger versagtet Journal expedte par r&Oteur Abonnementpreise: Für Oesterreich: Monat!. S 1 -50, vierteil. S 420, ganz]. 16.— / Deutschland: Monatl. GoWroark 1.—, vierte]]. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdisdke Zeitung Erxflielni feilen Donnerstag Itedaftlion wandt Jfdiministwntian: Wien• 1., £tmifkevisteiviga**e 1 — gei. R gfl-3-S* Polens Monatl. Zloty 2.30, viertel]. Zloty 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertel). Pengö 420 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertel]. Lei 125.- / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, vierteil. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertel]. Belga 5.— / Uehrlges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 I, Jahrgang Wien, 1. November 1928 (18. Cheschwan 5689) Nummer 44 „Die geeinte jüdische Front“ Die Palästina Konferenz der amerikanischen Nichtzionisten Die Bildung einer gemeinsamen Jewish Agency einmütig beschlossen (Von unserem New Yorker S. E.-Berlcihterstatter.) Am 20. und 21. Oktober fand im Ambassadore- HoteJ ln New York die erste große Konferenz der amerikanischen Nichtziionisten statt mit dem Ziele, über die Erweiterung der im Palästina-Mandat vorgesehenen Jewish Agency sowie über die Aufstellung eines Planes und eines Budgets für den Palästina - A u f b a u zu beraten und Beschlüsse zu fassen. Zu den Beratungen hatten sich ungefähr 400 P^rsönUohkelten aus aflert jüdischen Schichten derVerek nigten Staaten als Delegierte eingefunden. Den Vorsitz führte der Präsident des American Jewish Committee Louis M a r s h a 11, der in seiner Eröffnungsansprache über die Vorgeschichte der Konferenz den Bericht, die Vorschläge der Joint Palestine Survey Commission sowie die Beschlüsse der Berliner Tagung des Zionistischen Aktionskomitees brachte und dann folgendes Resümee zog: «Die Differenzen, die sich scheinbar zwischen den Vorschlägen der Joint Palestine Survey Commission und den Beschlüssen des Zionistischen Aktionskomitees ergaben, sind zu einem sehr großen Teil auf Mißverständnisse zurückzuführen. Ueber die Hauptziele besteht im wesentlichen Uebereinstlmmung.» irfarshatl betonte ausdrücklich, daß die Nichtzionisten durchaus für eine vermehrte Einwanderung jüdischer El «mente nach Palästina sind; keineswegs stehen die Nichtzionisten in irgendeiner Gegnerschaft zum Jüdischen Nationäilfonds. Ferner versicherte Louis Manshall, daß der Ausbau der Kwuz o t h zu Ende geführt werden wird. Nach Louis Marsh all sprach der in den Vereinigten Staaten zu Gast weitende Lord M e 1 c h e 11 (Sir Alfred Mond), Mitglied der Jewi&h Agency-Kommission und Präsident der englischen Zionistischen Föderation. Er hielt eine leidenschaftliche zionistische Rede, die tiefen Eindruck machte. Er erklärte, die praktische Aufbauarbeit in Palästina müsse innerhalb der nächsten fünf Jahre einen weiten Schritt nach vorwärts und aufwärts tun; wenn wir noch länger in der Stagnation verbleiben, so werden wir eine große Gelegenheit, die nicht mehr wlederkehren wird, verpaßt haben. Herr Felix M. W a r b u r g, Präsident des American Joint Distribution Commitee und Mitglied der Jewish Agency-Kommission, gab in seiner Ansprache der Hoffnung Ausdruck, daß naoh der Schaffung der Jewish Agency alle Parteidifferemzen verschwinden und man einträchtig am Aufbau Palästinas Zusammenarbeiten wird. Die Herren Dr. Lee K. Frankel und Jacob G o o d ä 1 e L i p m a n gaben ausführliche fachmännische Erklärungen über die Aussichten des Palästina- Aufbaues. Ihre Erklärungen gipfelten in der Feststellung, daß es durchaus möglich sei, innerhalb zweier Jahrzehnte 500.000 Juden neu in Palästina anzusiedeln. Man solle ein solches detailliertes Projekt ausaitoeitep, Es sprachen weiters Dr. Schmarja|iu Lev ln, Herr S m a 1 i a n s k y, ferner der Präsident der zlpnisUjechen Organisation Amerikas Louis L i p s k y und das Mitglied der zionistischen Exekutive Harry Sacher Zm Sohhiß der Aussprache ergriff der Präsident der zionistischen Weltorganisation Prof. Weiztnan.fi. das Wort, der in einer zündenden Rede, die tiefen Eindruck machte, ausführte, daß die erweiterte Jewish Agency das sichtbare Symbol der geeinten jüdischen Front sein werde. Die Konferenz faßte ihre Beschlüsse in folgenden Resolutionen zusammen: ■ :; lv Die Konferenz nimmt den Bericht, ijpr Joint Palestine Survey Commission zur Kenntnis, akzeptiert und billigt ihn und erklärt, daß die Empfehlungen der Joint Palestine Survey Commission als Grundlage für die zukünftige Aktion der Nichtzionisten Amerikas dienen sollen, wobei jedoch davon ausgegangen wird, daß von Zeit zu Zeit voraussichtlich Umstände eintreten werden, die Aenderungen einiger Empfehlungen des Berichtes ratsam erscheinen lassen, immer vorausgesetzt, daß für den Fall der Errichtung der erweiterten Jewish Agency diese Körperschaft die Angelegenheit so behandeln wird, daß die wirtschaftliche, geistige und kulturelle Entwicklung Palästinas dadurch am besten gefördert wird. 2. Die Konferenz ermächtigt Herrn Louis Marshall, ein Organisationskomitee, bestehend aus sieben Mitgliedern, zu ernennen, dessen Aufgabe darin bestehen soll, die n 1 c h t z 1 o n 1 s t iseben Mitglieder des Councils und der Exekutive der J e w 1 s h A g e n c y, die auf die Vereinigten Staaten entfallen, zu ernennen. Dieses Organisationskomitee soll bezüglich der den Nichtzionisten anderer Länder zugeteilten Repräsentanten konsultiert werden, und zwar in Uebereinstlmmung mit dem Prinzip, daß 50 Prozent der Mitglieder aus Nichtzionisten bestehen sollen, von denen 40 Prozent auf die Nichtzionisten der Vereinigten Staaten enfallen rollen. Das Organisationskomitee ist ermächtig#, sofort eine Organisation zu schaffen, die dazu dienen soll, die in der Resolution bezeicfineten Aufgaben durchzuführen und mit der Zionistischen Organisation und den verschiedenen nichtzionistischen Körperschaften in Verbindung zu treten. Das Organisationskomitee ist ferner ermächtigt, gemeinsam mit den bevollmächtigten Vertretern der Zionistischen Weltorganisation, alle Differenzen hinsichtlich der Interpretation, Wirkung oder Ausführung irgend welcher Empfehlungen der Joint Palestine Survey Commission auszugleichen, die entstanden sind oder in Zukunft entstehen mögen. Das Organisationskomitee Ist in dieser Beziehung auch bevollmächtigt, die Differenzen zwischen dem Report der Joint Palestine Survey Commission und den vom Aktionskomitee der Zionistischen Organisation in seiner letzten Sitzung gemachten Vorbehalten auszugleichen. Das Ergebnis der Konferenz Von unterrichteter Seite wird das Ergebnis dieser Konferenz, die von einmütigem Enthusiasmus getragen war und als bedeutsame Kundgebung zu werten ist, folgendermaßen zusammengefaßt: Die Vertreter des amerikanischen nlcbtzionisticchen Judentums haben erneut ihre Bereiwilllgkeitzur Mitarbeit im Rahmen der erweiterten Jewish Agency erklärt Die Konferenz bat alle ihre Rechte auf ein Siebener-Komitee delegiert, das auch befugt ist, die amerikanischen Mitglieder der leitenden Körperschaften der erweiterten Jewish Agency zu ernennen. Den Vorbehalten des Aktionskomitees gegenüber dem Bericht der Joint PalestineSurvey Commission IstRechnung getragen worden. Die Konferenz ist davon aus'gegangen, daß noch vor der Errichtung der Jewish Agency die bestehenden Differenzen zwischen den vom Aktionskomitee aufgestellten Grundsätzen und dem Bericht der Joint Palestine Survey Commission ausgeglichen werden müssen. Das Siebener-Komitee hat in dieser Beziehung uneingeschränkteVerhandlungsvollmacht erhalten. Die Verhandlungen zwischen dem Siebener- Komitee und den Vertretern der Zionistischen Organisation haben sofort nach Schluß der Konferenz begonnen. Obschon über Verlauf und Ergebnis der Verhandlungen zurzeit noch keine Nachrichten vorliegen, so darf doch'darauf hingewiesen werden, daß bereits die Eröffnungsrede von Herrn Louis Marshall und auch die Aeußertmgen anderer Redner auf der Konferenz den deutlichen Willen erkennen ließen, zu einer Verständ i g u n g zu gelangen. Zum Schlüsse mag noch auf die Bemerkungen verschiedener Redner hingewresen werden, daß die Niohtzionisten offenbar keine Rechte in der Agency fordern könnten, wenn sie nicht einen Teil der finanziellen Verantwortung auf sich nehmen wollten.. Lord Melchetts 60. Geburtstag. Aus N e w Y o r k wird berichtet: Lord M e 1 c h e 11, der nach Beendigung der New Yorker unparteiischen Palästina-Konferenz am 24. Oktober die Rückreise nach England angetreten hat, feierte am Tage vor seiner Rüokreise seinen 60 Geburtstag. Der Festlichkeit wohnten Louis Marshall, Felix M. Warburg, Dr. Lee K. Frankel, der Stahlkönig Charles M. Schwab u. a. nu bei. Lord Melohett spendete anläßlich seines Geburtstages 7500 D o 11 a r für die weitere Ermöglichung der Publikation, des Thesaurus lingoae Hebraicae von Eliezer Be nj e h u d a, die von dessen Witwe fortgeführt wind1. Lord Melchett wurde am 23. Oktober 1868 in Farn* worth ln Lancashire als der zweite Sohn des aus Deutschland eingewanderten hervorragenden Chemikers Dr. Ludwig M o n d geboren. 1906 wiurde er hi das englische Parlament gewählt und trat später als Arbeits- und Gestmdheitsminlster in das britische Kabinett ein. 1926 verließ er die liberale Partei und schloß sich den Konservativen an. Er ist seit mehreren Jahren in der zionistischen Bewegung hervorragend tätig und hat durch seine Kapitalsanlagen ln Palästina viel zur Entwicklung des Landes beigetragen Gegenwärtig ist er Präsident der englischen zionistischen Föderation. Beachten Sie In dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze und Berichte: Komplimente und Verdrehungen. (Zur Wiener Kultusgemeindewahl.) Was sagt uns die Konferenz ln New York? Von Dr« E, M. Zweig (Jerusalem). Bel jüdischen Pionieren in Brasilien. Von Agr. A. Bftinger (Buenos Aires). Die Schmach ln Permanenz. ' * Die britische Beamtenschaft In Palästina. Von Dr. Oft Arlosoroff (Tel Aviv). Jüdische Auswandererwege. Voa Dr. Leo Osld^ Kammer. Zur Pflege des jüdischen Chorgesanges, Von fm? LStcindling.