Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1928)
- Date
- 1928-10-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 DIE STIMME Seit© 7 CRrolQREICH werden Neuralgie, Gicht, Rheuma, Ischias, Verdatings- Störungen behandelt im Therapeutischen Institut, Wien. •!., Auasteilunrsstr 65/4 Auskünfte kostenlos aufzustellenden religiösen Liste zu den bevorstehenden Knltusgemeindewalilen. Herr Groß iscliiiderte eingehend die Mängel der bisherigen Kultusgemeindeverwaituingi insbesondere auf religiösem Gebiete, auf dem Gelbiete der jüdischen Erziehung und der sozialen Fürsorge, und hob hervor, wa$ die Mandatare der auf religiös-nationaler Basis stehenden Misrach'HListe in allen diesen Belangen zu erkämpfen haben werden. Hierauf erstattete Kultuuvorsteher Viktor B a u ni i u g e r seinen Tätigkeitsbericht, in welchem er über seine Arbeit irn Kultusvorstamd belichtete; dabei hob er die Schwierigkeiten hervor, auf die er gestoßen war, und wies darauf hin, welche sehr bedeutende Mängel noch auszub eisern seien. Der Bericht wurde niit großem Beifall entgegewgenonimen. Nach mehreren zustimmciudcn Erklärungen seitens der Vertreter verschiedener wichtiger Belhairsvereiiie und führender religiöser Juden wurde ein W a h 1 k o m i t e e bestehend aus 150 Mitgliedern gewählt, dem die prominentesten Vertreter des religiösen Judtmns in Wien und Vertreter aller Bezirke augehören. Die Bildung der Bczirkswah!Komitees im allen Bezirken Wiens wurde in Angriff genommen. Nach der auch bei dieser imposanten Vertrauensmämierversammlung mm Ausdruck gekommenen Begeisterung aller Kreise des konservativen Judentums in Wien ist der Erfolg dieser ieim'zigen auf tfefli giöser Basis stehender Liste verauiszusehen. Wahlaufruf, Programm und Kandidatenliste werden in den ■allernächsten Tagen veröffentlicht werden. Wählerversamstilungen In der Woche vom 25. bis 31. Oktober finden folgende allgemein zugängliche Kultuswählerver- ■sammlungen statt: Donnerstag» den 25. d. M. 8 Uhr abends, Cafe Lovrana, HI., Löweiigasse. Redner: Dr. Leo Goldh ummer, Kommerzialrat Max M a rku s. 8 Uhr 'abends, Seudiath Subatlb 1L, Maizgasse 2. Redner: Dr. Isidor Kl ab er, Dr. Israel Taubes. J28 Uhr abends, VolksbiMiothek Zion, 1L. Kleine Mohrenigass1" 3. Redner: Dr. J. H. Körner, Dr. Dagobert Rybaczewsky. Samstag, den 27 d. M. 8 Uhr abends, Volksküche', XX., Kluokygusse 7. Redner: Dr. Desider Fri ed man n, Dr. Leopold Ehrlich. 8 Uhr abends, Volksküche, II., Krummbaumgasse Nr. 8. Redner: Dr. Sanel Beer, Kommerzialrat Max Mark u s. Montag, den 29. d. M. 8 Uhr abends, Terrassencafe, V., Margaretenplatz. Redner: Dr. Josef Löwen herz, Dr. J. H. Körner. Dienstag, den 30. d. M. 8 Uhr abends, Volksbibliothek Zion, II.. Kleine Mohrengasse 3. ' 8 Uhr abends, II., Malzgasse 2. Mittwoch, den 31. d. M. 8 Uhr abends, Jüdisches Zentrum, II., Untere Augartenstraße 35. Frauenvers.ammlung. Redner: Frau Dr. Sophie Löwen herz, Frau Dr. M. Hoffm a n n. „Werktätiges“ Locarno Wir erhielten von Herrn Nationalrat Albert S e v e r Wien, XVI., Kreitnergasse 29, folgende Berichtigung: «Auf Grund des § 23 des Bundesgesetzes vom 7. April 1922, B. G. Bl. Nr. 218 über die Presse verlange ioh die Veröffentlichung der nachstehenden Berichtigung zu dem in Nummer 41 des 1. Jahrganges vom llvOktober 1928 der Zeitung «Die Stimme» auf Seite 6 unter der Überschrift «Werktätiges Locarno» gebrachten Aufsatzes, und zwar ohne Einschaltungen und Weglassungen, in der ersten oder zweiten nach dem Einlangen dieser Berichtigung erscheinenden Nummer, in demselben Teile der Zeitung und in der gleichen Schrift wie die zu berichtigende Mitteilung: Sie bezeich^n mich als Stadtrat. Die darin enthaltene Behauptung, ich sei Stadtrat oder jemals Stadtrat gewesen, ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß Ich niemals Stadtrat oder auch nur Gemeinderat gewesen bin. Unwahr ist weiters, daß vor einigen Tagen unter meinem Vorsitz von den beiden Gruppen der «Werktätigen Juden» und der Wiener «Poale Zion» das Kultusgemeinde-Locarno geschaffen worden wäre. Wahr ist vielmehr, daß ich niemals an einer Sitzung der «Werktätigen Juden», der Wiener «Poale Zion» oder der beiden angeführten Gruppen auch nur teilgenomnien habe und von irgendeiner Vereinbarung der beiden Gruppen bezüglich der Kultusgemeincle überhaupt nichts gehört habe. Alber? Sever, Nationalst.» * Wir nehmen die Mitteilung des Herrn Nationalrates Sever zur Kenntnis, daß nicht er cs gewesen ist, der die Einigungsberatungen der «Werktätigen» strengster Observanz mit den «Poale Zion» patronisiert hat. Dies ändert nichts an den Schlußfolgerungen, die wir an das Zustandekommen dieses «werktätigen» Locarno geknüpft haben; sic bleiben unberührt von dem Umstande, ob Nationalrat Sever, Bezirksvorsteher Schober oder jemand anderer aus den führenden Kreisen der Wiener Sozialdemokratie den Vorsitz geführt haben mochte. National-kulturelle Eigenart Ein Gespräch zwischen einem Unbelehrbaren und dem Präsidenten der „Union“. Die in dem nachfolgenden Gespräch angeführten Antworten des Präsidenten sind wörtliche Zitate aus einer von Herrn Dr. Jakob 0 r n s t e i n vor dem Bezirkswahlkomitee der Union für den II. Bezirk gehaltenen Rede, die politisch an anderer Stelle behandelt ist. Der Unbelehrbare: Herr Präsident, wenn ich Ihre ivor den Leopoldstädter Vertrauensmännern der deutschösterreichisch eil Union gehaltene Rede richtig verstanden habe, so sind für Sie die „jüdische Wissenschaft“ und „jüdische Kultur“ synonyme Begriffe, verschiedene Bezeichnungen für den gleichen Gegenstand? Der Präsident: Jawohl,, ich sagte in der von Ihnen erwähnten Rede: „Der Vorstand muß alle Schätze unserer alten jüdischen Wissenschaft oder sagen wir dieser unserer Kultur bewahren und mehren.“ Der Unbelehrbare: Wenn Sie, Herr Präsident, von unserer alten jüdischen Wissenschaft sprechen, dann schalten Sie wohl die jüdische Wissen- Bevor Sie einen Dauerbrandofen kaufen versäumen Sie nicht, unseren idealen Dauerbrandofen zu besichtigen! IV, Friedrichstraße am Kärntnsrtor, gegenüber dem Veüelusbureaa Tel. A 30-1-66 Bequeme Abzahlungen, Referenz-, Preisliste, fachmännische Beratung kostenlos chaft der Gegenwart, die Neubelebung der hebräischen Sprache, die moderne hebräische und jüdische Literatur, das' jüdische Theater, die jüdische Kunst, die jüdische Musik, die wissenschaftliche Forschung unserer hebräischen Universität, kurzum das gesamte außerhalb der alten jüdischen Wissenschaft liegende spezifisch jüdische Geistesleben aus dem Begriff unserer Kultur aus? ' Der Präsident: Ich kann nur wiederholen, abgesehen von den kulturellen Schätzen der alten jüdischen Wissenschaft gibt es für uns keine nationalkulturelle Eigenart Wir unterscheiden uns durch nichts von unseren nichtjüdischen Mitbürgern in nationaler oder kultureller Hinsicht. Sprechen wir eins andere Sprache? Der Unbelehrbare: Gewiß, Herr Pr*.ädent! Die allermeisten in Oesterreich lebenden Juden bedienen sich im Umgang mit ihren niohtjüdischen Mitbürgern und in ihrer Familie der deutschen Umangssprache. Und, wenn man auch einzelne von ums anhört, daß das Deutsche nicht ihre Muttersprache ist — Sie verzeihen, Herr Präsident, auch Ihnen hört man trotz der 'vielfachen Hervorhebung Ihres Deutschtums und Ihrer Bodenständigkeit beim Sprechen an, daß Sie in der Tschechoslowakei zu Hause sind —, so hat das wirklich nichts zur Sache. Aber Sie sagten doch selbst: „Wir lieiben unsere heilige Sprache, daher sehen wir eine wesentliche Aufgabe des Kulturvorstandes in dem unablässigen Bestreben, die Jugend zu erfüllen mit der Liebe für die Sprache unserer Väter in grauer Vorzeit.“ Und diese Sprache unserer Väter — die hebräische Sprache, die eben nur unsere und nicht der anderen Väter gesprochen haben — ist doch eine andere als I Hämorrhoiden sind heilbar! fl wenn Sie HaMan-SalllS and Zäpfchen verwenden I Heine Öohmerzen! Keine Blutungen! I Rathaus‘Apotheke, Wien, I., Rathausstraße 10 ■ I« »Ui*« Apothrton orlitülic.b: die, die wir mit unseren nichtjüdischen Mitbürgern gemein haben und wenn ich Sie richtig verstanden habe, so können wir die Schätze unserer alten jüdischen Wissenschaft, die nach Ihrer Meinung gleichbedeutend mit jüdischer Kultur ist. nur bewahren und mehren, wenn wir unsere Jugend durch „Erfüllung mit der Liebe zur Sprache unserer Väter“ zur Teilnahme am jüdischen Kulturleben befähigen. Der Präsident: Sie scheinen offenbar mein weiteres Gegenargument zu übersehen, sagte ich doch in meiner bemerkenswerten Rede: „Haben die jüdischen Aerzte eine andere medizinische Wissenschaft als ihre christlichen Kollegen? Ist ein jüdischer Rechtsanwalt nicht gezwungen, sich selbst bei Abwicklung voft Rechtsstreitigkeiten zwischen jüdischen Parteien der österreichischen Gesetzbücher, des bürgerlichen Gesetzbuches, des Handelsgesetzbuches utsw. zu bedienen?“ Der Unbelehrbare: Sie verzeihen, Herr Präsident, dieses treffliche Argument war tatsächlich im Augenblick meinem Gedächtnis entfallen. Sie sind also wirklich der Ansicht, daß für uns Juden die Aneignung von Kenntnissen aus den verschiedenen praktischen und theoretischen Wissensgebieten die Erwerbung von beruflichen Fähigkeiten, die uns instandsetzen, den geistigen und wirtschaftlichen Wettbewerb mit unseren nichtjüda-sclie 11 Mitbürgern zu bestehen, unweigerlich die Folge des Ausschlusses aus dem jüdischen Kulturkreise nach sich zieht? Ist das, was wir „Kultur“ nennen, nicht ein gemeinsamer geistiger Besitz der ganzen Menschheit ,zu der alle Völker, auch das jüdische, ihren individuellen Anteil beitragen? Glauben Sie wirklich, daß unsere Einordnung in das Wirtschaftsleben der einzelnen Staaten unsere Empfänglichkeit für die Wissenschaft und die geistigen Errungenschaften der anderen Völker bewirkt, daß wir aufhören, Träger unserer eigenen jüdischen Kulturwerte zu sein? Der Präsident: Ich verbleibe bei meiner Ansicht. Abgesehen von den Schätzen unserer alten jüdischen Wissenschaft gibt es für uns keine nationalkulturelle Eigenart. Ich halte die religiöse Eigenart für die einzige, welche -uns Juden 'miteinander verbindet. d. n. Erneuerter Jugendgottesdienst Vor mehr als einem halben Jahrhundert wurde von der Wiener Kultusgemeinde eine Institution geschaffen, die bald in allen anderen jüdischen Gemeinden der alten atind neuen Welt Eingang fand: der Ju gen dgo ttesd i en st. “ Die jüdische Jugend sollte systematisch durch einen eigens für sie zu geschnittenen Gottesdienst dazu erzogen werden, einem Gottesdienste mit Aufmerksamkeit folgen zu können. An Samstagnachmittagen wurden diese Gottesdienste abgehalten, die durch Liturgie und Exhorte das Verständnis der Jugend für das Judentum wecken und wachhalten sollten. Die Jugendgottesdienste waren ständige Einrichtung, gerieten jedoch durch die Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse einigermaßen in Vergessenheit. Uni so rühmenswerter ist es, wenn die Kultusgemeinde über Anregung von zionistischer Seite jdtzt daran geht, die Jugendgottesdienste wieder neu zu beleben und die jüdische Jugend zu deren Besuch stärker heranzuziehen. Die ersten Jugendgottesdienste, die in diesem Jahre abgehalten wurden, fanden am 13. Oktober statt und brachten einen über die Erwartungen schönen Erfolg. Sämtliche 15 Be tVe ran stal tun.gen, verteilt auf alle Bezirke Wiens, waren von der jüdischen Schuljugend stark besucht. Zahlreiche Kinder waren in Begleitung ihrer Eltern erschienen, die ebenfalls mit Freude und Begeisterung den Vorgängen des Gottesdienstes folgten. Die Religionslehrer hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt und die Kinder zun* Besuche der Gottesdienste aufgefordert, wenn auch streng vermieden wurde, irgendeinen, auch nut den leisesten Zwang auf die Jugend auszuüben. Nur einige wenige Religionslehrer, die nicht in Diensten der Kultus gerne in de stehen, Alle jüdischen und hebräischen Gesänge, welche von Oberkantor Josef Rosenblatt auf nebengeräuschfreien Columbia-Platten aufgenommen wurden, hält das Musikhaus «Excel sior», Wien, I., Adler.gasse 5, und II., Kleine Pfarrgasse 28, stets auf Lager. (Entgeltlich.) €afe (Reklame WIEN, II, PRATERSTRASSE NR. 34 anschließend die „jüdischen Künatlcrsplele“. — Inhaber: Jakob Goldfließ. — Vorzügliche Getränke und Kalte Speisen zu billigen Preisen. — Rummy-Spieltische. — Treffpunkt der Jüdischen Gesellschaft.