Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1928)
- Date
- 1928-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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-tl.üaivorüiuUjbibUt Bttiversitüt IIV. b. b Preis da Ql vafclisil Zdttmg vom Verleger versr- 'et Journal expedfö pr-1' A bonnemen tprelse: Pür Oesterreich 1 .Monatl. S 1.50, viertel]. S 4.20, ganz]. 16.— / Deutschland: Monatl. Gokhftark 1.—. viertelj. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Mo* natlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— CrMfteflnl. f edtei» Donnerstag (RedaMion und Jidministvation: Wien. 1., tlaiiAemlejiiitose V — (Tel. R 20-3-S4 1. Jahrgang Wien, 4. Oktober^928 (20. Tischri 5689) Polen: Monatl. Zloty 2.30,. viertelj. ZJotv 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2—, viertelj. Belga 5.— / Uebrlges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 Nummer 40 3jE Polizeisturm gegen die Klagemauer Ein empörender Gewaltakt der britischen,Pöfizei von Jerusalem am {om*Kippur — Große Erregung der judenschaft — Forderung nach Eingreifen des Völkerbundes Im Herzen der jüdischen1 Stadt Jerusalem, bei der durch die Geschichte geheiligten Tempelmaüer, hat sich am höchsten jüdischen Festtage, dem jom-Kippur, ein Vorfall abgespielt, der in der Jtidenheit von.Palästina Und der ganzen Welt Schmerz und Empörung tiervörrufen muß. Der Rest der Tempelmaüer, durch die mohammedanische Expansion in den Besitz des Islam gelangt, ist seit je Gebetstätte der Juden von Jerusalem und aus vielen anderen Ländern der jüdischen Zerstreuung. Durch ihre formellen Eigentumsrechte (die Tempelmaüer gehört juristisch dem Vakuf, der mohammedanischen Kirche) begünstigt, haben die Bekenner des Islam den jüdischen Andachtsübtmgen an der1 Klagemauer seit je Schwierigkeiten bereitet und Hindernisse in ..den Weg gelegt; 'Nun hat die"'b; r i 11 sehe Polizei sich zum Vollstrecker einer " solchen entwürdigenden Vexation gemacht und am Versöhnungs- »tage eine Attacke gegen die zum Gebet versammelten' Juden unternommen, indem sie gewaltsam eine transportable Scheidewand, welche zur Trennung der betenden Männer und Frauen der Tradition gemäß aufgestellt worden war, mitten itn Gottesdienst gewaltsam entfernte. UeberaM, wo England' fremdreligiöse Länder verwaltet, gehört es zu den obersten Grundsätzen der britischen Administration, religiöse Riten und Einrichtungen zu respektieren. Der britischen Mandatsverwaltung von Palästina blieb es Vorbehalten, diesen Grundsatz in gröblich-flagranter Weise zu verletzen. Seit Jahren bemüht sich die zionistische Organisation, von der Mandatarmacht eine autoritative Regelung des leidigen Streites um die Klagemauer zu erlangen, jedoch vergebens. Das passive Verhalten der britischen Verwaltung hat schon einmal, im Jahre 1925, zu empörenden Vorfällen geführt, als der damalige Gouverneur von Jerusalem, der Araber Sir S t o r r s, unter dem Vorwand der Verkehrsregelung mitten im Gottesdienst Sitzgelegenheiten für die Betenden gewaltsam entfernen ließ. Jetzt hat sich ein solcher Uebergriff, verübt von einem cnglischen Polizeibeamten, in verschärftem Maße, verbunden mit einer förmlichen Polizeiattacke, wiederholt. Es ist höchste Zeit, daß der V ölk e rb u n d, der schon einmal, nach den Vorfällen im Jahre 1925, aüfgefordert wurde, der ihm unterstehenden Mandatar-' macht die Regelung der Klagernauerangelegenheit vorzuschreiben, seine Autorität als oberste Instanz für aile Mandate und ihre Verpflichtungen einsetze, um in dem Lande der jüdischen Heimstätte das überall geltende Recht der Unantastbarkeit eines jüdischen Heiligtums durchzusetzen. ♦ Ueber die skandalösen Vorfälle, die sich am Jom- Kippur-Tage an der Tempelmauer von Jerusalem abspielten, erhalten wir folgende Berichte: Nachdem sich schon am Sabbath vor Jom-Kippur ein Ueberfall von Arabern auf einen vor der Klagemauer betenden Juden, der schwer mißhandelt wurde, ereignet hatte, was unter der jüdischen Bevölkerung von Jerusalem lebhafte Unruhe erzeugte, kam es.am Vormittag des Jom-Kippur zu einem geradezu unerhörten Vorfall, der unter der palästinensischen Judenschaft ungeheure Empörung hervorrief, Während des Vormittags-Gebete», da» vor der Klagemauer unter freiem Himmel stattfand, erschien ein Pollzeitrupp unter Führung de» britischen Polizeiinstruktors Duff und befahl mit lauter Stimme den Betenden, die Scheidewand, die zwischen den . Männern, und Frauen noch vor dem Neujahrstage errichtet worden war, zu entfernen. Als die Betenden diesem Befehl nicht nachkamen, befahl Duff den Polizisten, die Wandj welche durch einen transportablen Wandschirm gebildet wird, zu .zerstören. Die Polizisten, i kamen diesem Befehl in brutalster Weise nach und! gingen gegen die versammelten Beter, obwohl aus; deren Reihen ke i n W i d ers t a.n d gegen die Entfernung der Wand geleistet wurde, so brutal vor, daß mehrere Personen verletzt wurden. -_v-; ' . r- >1 ’ Mif Üen Protest -von jüdischer Seite erklärte der Distrikskommissär' Von •jferüsralem, die Polizei hätte auf seinen ausdrücklichen Befehl gehandelt; er könne nicht 1 zulassen, daß der Platz vor der Klagemauer in eine Synagoge umgewandelt werde, da dies den bestehenden Besitzverhättnissen widersprechen Würde; die Errichtung einer Scheidewand verstoße gegen diese Verhältnisse. Wie festjjestellt ist, wurde der Befehl zur Entfernung der Scheidewand auf Grund eines Gesuches des obersten moslemitischen Rates herausgegeben. Auf die Erklärung des Distrlkskommissärs hin sprach der Vorsitzende der zionistischen Exekutive in Palästina, Colonel K i s h, beim stellvertretenden Öberkommissär Mr. Luke vor und erhob Protest gegen die brutale und rechtswidrige Polizeiaktion, die erfolgt Ist, ohne daß von der beabsichtigten Maßnahme die Jüdischen Behörden benachrichtigt wurden. Mit Colonel Kish zusammen erschienen auch die palästinensischen Oberrabbiner Kook und Jacob Meir, ferner Vertreter des jüdischen Nationalrates; der Unterredung wohnte auch der Distrikskommissär von Jerusalem, Major Keith-Roach, bei, der bei dieser Gelegenheit zu seiner Rechtfertigung anführte, es sei zu befürchten gewesen, die in der Nachbarschaft der Tempelmauer wohnenden Mohammedaner würden ein Steinbombardement gegen die jüdischen Andächtigen eröffnen. In seiner Antwort auf den Protest betonte der stellvertretende Oberkommissär, daß die Tatsache, daß die Scheidewand neu aufgestellt worden sei, unter Beachten Sie fu dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze und Berichte: Die Kultusgemeinde der reichen Juden. Meine «Anfänge» in Erez Israel. Von Edmond de R o t lisch ild (Paris), Religion oder Religionsverwaltung? Von Kultusvorsteher Viktor B & u m 1 n g e r. Jüdisches Mäzenatentum — aber nicht in Wien. Von r. d. «Die Zukunft einer Illusion.» Von Adolf Böhm. Das Hakenkreuz an der «Arbeit». Vom Bauen im jüdischen Palästina. Ein Vortrag von Prof. Josef Frank (Technische Hochschule in Wien). Jüdische Musik für Klavier UL Von J. Stutschewaky. Sport, Schach, Rätsel mm P® ■bis $ feil mm keinen Umständen ein gewaltsames Eingreifen und eine Störung der Andacht an dieser heiligsten Stätte der Juden gerechtfertigt hat; die Frage, ob es den Juden erlaubt werden könne, eine Schirmwand aufzustellen, hätte bis nach dem Festtag verschoben werden können. Die Nachricht von den Vorfällen an der Klagemaue verbreitete sich rasch im ganzen Lande und rief allgemeine Entrüstung hervor. Im ganzen Lande wurde am 27. September zum Protest gegen die Vorfälle eine einstündige Arbeit s r u h e durchgeführt, in allen Städten und Dörfern wurden Massenversammlungen abgehalten, in denen Protestresolutionen gegen die Regierung und die Polizei beschlossen wurden. In Jerusalem war der gesamte Verkehr niedergelegt, sämtliche jüdischen Läden waren geschlossen. An der Protestversammlung nahmen fast 20.000 Personen teil. Es sprachen die beiden Oberrabbiner, Colonel Kish, sowie Vertreter des Nationalstes. Die erregte Menge konnte nur mit Mühe von den Rednern gehindert werden, gegen die Polizei, welche die Versammlung überwachte, vorzugehen. Die jüdischen Gemeinden in Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa hielten Sondersitzungen ab, in denen gegen die Vorfälle schärfster Protest eingelegt wurde. In Jerusalem fand eine gemeinsame Sitzung von Vertretern des jüdischen Nationalstes, der zionistischen Exekutive und der großen jüdischen Gemeinden des Landes statt, in der energisch die Forderung nach Sühne wegen der empörenden Vorfälle gestellt wurde. Die zionistische Palästina-Exekutive hat eine Kundgebung erlassen, die unter anderem besagt, es müsse darnach gestrebt werden, zu erreichen, daß der Völkerbund eine radikale Lösung des Problems der Klagemauer in einer Weise vornimmt, die eine Wiederholung von Zwischenfällen, wie sie jetzt vorgekommen sind, unmöglich macht. Ferner wird dringend gefordert, daß die Pro-Palästina-Komitees in allen JLän- /