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Die Stimme · 1928-09-27 · Heft 39 (27.9.1928) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 39 (27.9.1928)
Date
1928-09-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ä> i'l uit ]jV. t. b Zeitung vom Verleger versendet Journal expedie par Fedifeur Abonnementpretse: Für Oesterreich: Monati. S USO, viertelj. S 4.20, ganzj. 16.— / Deutschland: Monati. Goldmark 1.—, viertelj. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— JUdisdke Zeitung Cndieliitf feettei» Donnerstag Slcdafttlon und Administration: Wien, IiDouAensleliiSasic I — iTel. R Zß-S $A 1. Jahrgang Wien, 27. September 1928 (l3.Tischri 5689) Polen: Monati. Zloty 2.30, viertelj. Zloty 6.50 / Ungarn: Monati. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 4.20 / Rumänien: MonatL Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— / Bulgarien: Monatt. Lew* 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monati. Belga 2.—, viertelj. Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monati. Schweizer Franken 1.50 Nummer 39 Dreißigjähriger Krieg um die Wiener Judengemeinde Nordaus Parole von 1898 gilt auch heute noch: „Zionisten erobert die jüdischen Kultusgemeinden!“ Der unmittelbar bevorstehende Wahlkampf um die Wiener Judengemeinde wird bei allen älteren Zionisten die Erinnerung an die Geschichte dieses nunmehr dreißigjährigen Ringens wachrufen. Als T h e o d o r H e r z l mit seinem Judenstaat .hervortrat, wollte er zunächst alle Energien des jüdischen Volkes auf die Erringung des Charters, der völkerrechtlichen Sicherung des Paiästina-Werkes, konzentrieren und verwarf deshalb jede Tätigkeit der Zionisten in der Diaspora. Bald jedoch; mußte er einsehen, daß der Kampf mit den jüdischen Gegnern seines Werkes aufgenommen werden müsse., Güdemanns Broschüre «Nationafjudentum», ein heftiger Angriff gegen den Zionismus, die Protestrabbiner, welche den ersten Kongreß verhindern wollten, sie wiesen Herzl die Richtung, wo der Hebel anzusetzen war, wo der Angriff zu beginnen hatte. Herzl antwortet in seinem «Mauschel»: «Heraus, Mauschel, aus den Vertretungen des jüdischen Vplkes, das du nicht zu kennen behauptest!» Nordau gibt 1898 in der «Welt» die Parole aus: «Zionisten, erobert die jüdischen Kultusgemeinden!» So wird im Jahre 1898 das erste Kultuswahlprogramm entworfen, in welchen neben den jüdisch-kulturellen Forderungen schon die Forderung der Erweiterung des Wahlrechtes die Hauptrolle spielt. Im Jahre 1900 tritt die Partei zum ersten Male in den Wahlkampf ein und erzielt als einen sehr beachtenswerten Erfolg zirka 1400 von 3000 abgegebenen Stimmen. Sie bringt vier Kandidaten in die Stichwahl und zwei durch. Um die Majorisierung des Vorstandes durch die Zionisten zu verhindern, wird die Kurie der Höherbesteuerten eingeführt, auf welche von 36 Mandaten 12 entfallen. Im Jahre 1902. wird der Kampf heftiger, die Studenten demonstrieren, die zwei zionistischen Mandatare legen als Protest gegen den Vorstand ihre Mandate zurück. 1904 unterbleibt infolge des Todes Theodor Herzls ein Wahlkampf. Im Jahre 1906 ist ein starkes Steigen der zionistischen Stimmen (zirka 40 Prozent aller abgegebenen) zu verzeichnen. Präsident Dr. Stern kann sein Mandat erst in der Stichwahl behaupten. Durch diese zionistischen Erfolge aus der Ruhe aufgescheucht, macht der Vorstand im Jahre 1908 von der Bestimmung des § 2 b des Statutes Gebrauch, welcher dem mit seinen Steuern rückständigen Kultussteuerträger das Wahlrecht abspricht, und bringt dadurch zirka 10.000 Steuerträger um ihr Wahlrecht. Die Folge ist ein Zurückgehen der oppositionellen Stimmen auf zirka 1000 (zirka 25 Prozent der abgegebenen Stimmen). Die Versprechungen einer Wahlrecfrfserweiterung werden nicht eingehalten, und im Jahre 1910 erfolgte die berühmte Antwort des Präsidenten Stern an eine zionistische Deputation: «Es fällt mir nicht im Traum ein, das Wahlrecht zu erweitern.» Im selben Jahre stehen 2800 offiziellen 1600 zionistische Stimmen gegenüber und im Jahre 1912 wird zum ersten Male ein Kompromiß geschlossen: Ing. Stricker und Dr. Ehrlich ziehen als Kompromiß-Kandidaten in den Vorstand ein. Sowohl damals, als auch im Jahre 1924 wurde jedoch seitens der Zionisten ausdrücklich betont, daß mit dem Wahlkompromiß keinerlei Zurückstellung des zionistischen Gemeindeprogrammes verbunden ist. Dieses Programm, verlangte schon damals > das allgemeine, gleiche Wahlrecht nach dem Proportionalsystem und die Ausgestaltung der Kultusgemeinde zu einer Volksgemeinde. Nach dem Ausgange des W&rtktte&es wird das Wahlrecht durch Einführung des Proportiönalsystems; Abschaffung der Kurie; der Höherbesteuerten und Herabsetzung des Steuerminimums verbessert, jedoch durch Einführung der Voraussetzung der österreichischen Staatsbürgerschaft verschlechtert. Die zionistischen Forderungen, betreffend die vollständige Abschaffung des Zensus, aktives und passives Wahlrecht für die Frauen, bleiben weiter unberücksichtigt. Im Jahre 1920 erhalten die vereinigten Nichtjüdischnationalen 5912 Stimmen und 20 Mandate, die Zionisten -3714 Stimmen und 13 Mandate und die Agudah 878 Stimmen und 3 Mandate. Es folgt die Zeit der Inflation. Der finanzielle Ruin und die drohende Auflösung der Gemeinde kann nur durch die Zusammenarbeit aller Parteien verhindert werden und diese Stimmung, verstärkt durch das Zusammengehen der Zionisten mit der Union bei den allgemeinen politischen Wahlen des Jahres 1923 («Jüdische Wahlgemeinschaft») führt im Jahre 1924 zu einem Kompromiß bei den Kultuswahlen. Aber schon treten neue Parteien auf, so daß es trotz des Wahlpaktes zwischen Zionisten, Union und Agudah zu einem Kampf kommt. Die Misrachi, als religiöser Block, eine kleine Vereinigung «Achduth», vor allem aber die «Vereinigung für soziale Tätigkeit», ein Ableger der österreichischen. Sozialdemokratie, welche trotz ihres Hasses gegen das nationale und konfessionelle Judentum auch die jüdische Kultusgemeinde in den Bereich ihrer Machtpositionen ziehen will, treten als Mandatwerber auf. Bei den Wahlen des Jahres 1924 werden von 31.000 Wahlberechtigten zirka 14.000 Stimmen abgegeben. Es erhielten: Die Vereinigten Jüdischen Parteien 11.505 Stimmen und 28 Mandate, die Sozialdemokraten Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Beiträge: Aengstlichkeit als «unionistisches» Wahlprogramm. Rathenaus tragischer Irrtum von E. G. Fried. Ueber den Ursprung der jüdischen Namen. «Versöhnung», Schluß der Erzählung von E. D. Rosenthal. Das rumänische Judentum vor dem Zusammenschluß von Dr. M a y e r E b n e r. Fürst Radziwlll und der Esrog. Ausländische Schwarzarbeiter beim Hafenbau in Haifa. Außerdem Schach, Rätsel, Sport usw« f IV* $ 2266 Stimmen,, und 5 Mandate, ,dje Misrachi 943 Stimi men und 2 Mandate, Achduth 451‘Stimmen und 1 Mandat. i ■ - Von den 28 Mandaten der Vereinigten Jüdischen Parteien entfielen. 17 auf die «Union», 9 auf die Zionisten und 2 auf die Agudah. ' : Das Verhältnis zwischen der «Union» und den Zionisten verschlechterte sich. Trotz Durchsetzung des Palästina-Prinzips werden die assimilatorischen Tendenzen der «Union» wieder stärker. So verweigert die «Union» im Jahre 1927 dem von ihr im Jahre 1923 vertretenen Prinzip der selbständigen jüdischen Politik die Anerkennung und schließt sich der. demokratischen Partei an. Die werktätigen Juden spalten sich, schließen die Poale Zion und damit den Rest eines positiven Judentums aus. So wird denn die zionistische Partei den Wahlkampf nach zwei Fronten aufzunehmen haben. Sie wird dies tun in Erinnerung an die großen Zelten ihrer heroischen Vergangenheit, getragen von dem Bewußtsein, daß die Förderung des positiven nationalen Judentums in der Diaspora ebenso zu ihren Hauptaufgaben gehört wie die Schaffung des Nationalheimes in Erez Israel. Dr. Georg Weiner. Antijüdische Exzesse in zwei Ländern Und wie sich ihre Behörden verhalten ln Jugoslawien Die Staatsanwaltschaft in Novisad hat gegen eine Reihe von Einwohnern des Dorfes Petrovoselo wegen Aufreizung und beabsichtigter Gewalttaten gegen di« Juden Anklage erhoben. Wie wir ferner erfahren, beabsichtigen die Oberhäupter der christlichen Konfessionen v in Jedem Laadesteile, :wo das Ritualmordmärchen Ver-

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