Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1928)
- Date
- 1928-09-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen ZUtstng vom Verleger tmmki mmimmmmmmmmmmmmmmms i \ Aboflnementpretee: _ - Für Oesterreich: Mona*. S 1 JO, rierteij. S 42Q\ gaozj. 16.— / Deutschland: Monati. Gokln hark 1*—, viertelj. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdische Zeitung Ersdielnl feden' DonneNM V (RedtaMton undt Jtdiwntntatwation: Wiemt 1^ iRouAciuleiniasse V — (Tel. R Polen: Monat!. Zloty 2.30, viertelj.; Zloty 6.50 / Ungarn: Monati. Pengö.1.50, viertelj. Pengö 420 / Rumänien: Monati Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— / Bulgarien: Monati. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monati. Belga 2.—, viertelj. Belga 5.— 7 Ucbriges Ausland: Monati. Schweizer Franken 1.50 1. Jahrgang Wien, 13. September 1928 (28. Elul 5638) Nummer 37 „Aufmarsch“ gegen die Juden Pogrompropaganda der österreichischem Heimwehren. — Die RCgieruttg Seipel und der Putsch-Antisemitismus - - In iifer Republik Oesterreich, deren Bundeskanzler gegenw ärtig in Genf die neue Ausländsanleihe sichersteilen jwin, wird demnächst, wie es sich füreinenanleihew findigen Ordmmgsstaat geziemt, IProberaobflisierung für den Bürgerkrieg abgeha^tpu werden, zu dem in diesem «abgerüsteten» Lande sfeit einigen Jahren eifrig gerüstet wird-. Der Scchs-M.illionen-Staat verfügt nämlich heute, über drei Armeen, die mit Waffen und Kriegsgerät verseheh sjnd. Neben «lern Bund e s h c e r haben wir den r e p ubUkamischen SchützbtUid, feiife bewaffnete sozialdemokratische Formation, und die nach . dem Ominösen 15. Jul! 1927 organisierten Helmw ehren, eine chrKltlichsozial-landbündlerische Truppe, ebenfalls bewaffnet Diese Helmwehren werden am 7. Oktober in j: ■ .Wiener-Neustadt; 7 eine Art Heerschau abhalten, und da die Sozialdemokraten durch das «Vordringen : des Feindes» in das niederöstisreichische Industriegebiet abwehren wollen, haben sie ebenfalls für den 7. Oktober eine «Versammlung» dus Schutzbundes in Wiener-Neustadt angekündigt. Ist tes schon ei>. merkwürdiges Symptom der «Ordnung», wenn in einem Staate zwei bewaffnete Parteiformationen bestehen, so bekommt diese «Ordnung» noch ein besonderes Gepräge dadurch, daß die Heimwehren erst vor kurzem durch den Mund ihres Führers Dr. S t e i d 1 e ganz offen ■*■... mit dem Putsch drohen konnten, ohne daß mehr geschehen wäre, als daß der Landbundf, der RegierungsparteMst und die Organisation diesdr. Heimwehren mit Zustimmung der Regierung FOUJRRURES FÜRS PELZMODELL¬ HAUS S. ROSENBERGER SPEZIALIST FÜR FEINE PELZWAREN Umarbeitung und Änderungen nach neuesten Modellen + Wien, I, Bauernmarkt 11 / Telephon Nr. 69-2-71 Dr. Seipel betreibt, eine Art von Neutralitätserklärung abgab. Die Regierung hat sich mit keinem Wort und mit keiner Maßnahme den Putschdrohungen gegenübergestellt. Es ist dies dieselbe Regierung, welche im Ausland als die Hüterin und Schützerin der Ruhe in Oesterreich \ gung, die dfe$? haarsträubenden Zustände geschaffen haben, hoch zu erhöhen: Es ist uns bekannt,;daß «fie Propaganda~unier "ftrf den f^ar§pT ’ nach Wiener-Neustadt», für den inan unbedingt 5Ö.0ÖO Mann aufbringen will,, unter der Parole betrieben wird: «Es geht gegen die Juden!» Diese Parole wurde in den österreichischen Alpenländern, vornehmlich in Tirol, fn Wort'und Schrift ausgegeben. Es ist uns ferner bekannt, daß die Heimwehrleitung für den «Aufmarsch» (und was sich gegebenenfalls daraus entwickeln kann) ein gemeinsames Vorgehen mit den sogenannten: Frontkämpfern verabredet hat, einer reaktionären Formation, deren Mitglieder wohl zumeist im Kriege noch im schulpflichtigen Alter standen, aber in der letzten Zeit zum «Frontkampf» erzogen wurden. Die Methoden dieser Erziehung (Schießübungen, Manöver usw.) sind in Oesterreich allgemein bekannt und haben schon viel Unheil angerichtet. Die Regierung sieht ruhig zu. Putschismus und antisemitische Propaganda sind stets miteinander verbunden. Der Putschismus braucht den Judenhaß afur Verhüllung und Ablenkung. Auch diesmal ist es so. Die antisemitische Propagandaparole der Heimwehren soll von den wirklichen Zielen dieser Organisation, die ihr Führer ganz offen eiirbekannt hat und die nichts anderes bedeuten als einen Putsch der Reaktion, ablenken. Die Regierung Seipel duldet diese Propaganda, die Regierung Seipel duldet die offenen Putsch- Beachten Sie in dieser reich illustrierten FESTNUMMER o. a. folgende Aufsätze und Berichte: Das jüdische Jahr 5688. Eine verschollene Skizze von Theodor HerzL Saloniki, die Stadt der Juden. Von Maxa N o r d a u. Eine romantische Karriere. (Der jüdische Leibarzt des Königs Faisal.) Wie alt ist der Pentateuch? Hunger. Von Siegfried A b e 1 e s. Arabische Legenden aus Palästina. Von Marie Rosental. «Hochkonjunktur» im Beten. Von R. S. Jüdische Musik für Klavier. Von Joachim Statsche wsky. Granowskys jiddisches Theater. Von Siegfried Schmitz, Tolstoiim jüdischen Schrifttum. Versöhnung (Novelle). Von E. D. Rosenthal. Sport, Schach, Rätsel, Humor. &IL^ :. . . Dazu kommt noch ein Moment, welches in der letzten .Zeit aufgetreten und geeignet ist, die Beünruhi- 1 I SSSBS'uf QMrQftdtt 1896 L«lbblnd«n fOr all« Zw*ok« S ««fw. < jg 1 Bruohbind.r, Sp.ilitmod.il« ohn* F»d*r ui Qumml.trampf. » 12*60 a«fw. III PMialfermir S 6*60 auf«. ||| Bandago» all.r Art Äi m SankfuB-Elnlae.il, fartlfl a. naob Qlpaatxfcruok S 2 40 auf*. O- und X-Balna-Korraktar GUMMLOSe Krampladarnatrumpf, bewlhrter Sehlankform.r, haltbar, wa.ohbar, unslohtbar, por Paar S88<— aufw. — Fachkundig. Badlanuag BANDAGEN- R.parataraa aflar Ar« h MIKOLASCH TBBORSTaasse aa 7iV(>iiuiigeh,:die Regierupg Seipel duldet bewaffnete- ^Parteiformatiönen in Oesterreich, .die Regierung ^JSeipel Ist mit einer dieser Formationen eng verbunden; der Schluß, der sich daraus ergibt, kann ftur sein, -daß die Regierung Seipel, deren Rückgrat eine Partei ist,: welche den 1; Antisemitismus im Parteiprogramin hat, mit;, der Störung der Ruhe und Ordnung in Oester-j reich liebäugelt, vielleicht nur. um so ihren Ruf;als: «Ordnungsregierung» zu festigen. Doch man wird nicht leicht die Geister los, die man ruft, und wenn das, womit heute, ungehindert von der Regierung, gespielt' wird, wenn der Bürgerkrieg in Oesterreich wirklich entfesselt, ist, dann — werden die J u d e n Oesterreichs (laut «aktiviertem» Programm der Partei des Bundeskanzlers) den ersten und ärgsten Ansturm zu,erleiden haben. Für die Judenschaft Oesterreichs ist die Ruhe tmd . Ordnung im Staate Lebensinteresse. Was jetzt, von der Regierung geduldet ifhd gefördert, vorgeht, muß die Juden Oesterreichs schwer beunruhigen. Diese Beunruhigung wird nur aufhören, .wenn die Regierung Seipel den ehrlichen Willen aufbringt, die bewaffneten Parteiformationen zum Verschwinden zu bi ingen. Die «Probemobilisierungen» von Wiener- Neustadt dürfen nichf stattfinden; die innere Abrüstung in Oesterreich muß erfolgen. Dies wird man dem österreichischen Bundeskanzler, der in G e n f für Oesterreich neue Unterstützung des Auslandes sucht, dort sagen müssen; denn hier in Wien scheint er nichts davon wissen zu wollen. Faschistischer Pogrom in Litauen Zahlreiche Juden schwer verwundet. AusKowno wird gemeldet: InWilkowischkl, einem kleinen, vorwiegend von Juden bewohnten Städtchen, veranstaltete die faschistische Ordensorganilation «Eiserner Wolf», die in der letzten Zeit mehrfach antisemitische Ausschreitungen organisiert hat, am 7. September einen regelrechten Pogrom. Unter Führung eines aktiven Obersten namens Grigolunas-Slowacki überfielen die «Ordensb r ü 4 e r» bei Nacht die jüdische Bevölkerung des Ortes» vergewaltigten Frauen und Mädchen, machten Jagd auf die Männer, zerstörten in den Wohnungen den Hausrat und verübten Plünderungen. Das S p 11 a 1 der Stadt ist von Schwerverwundetep überfüllt Die Polizei ließ die Pogromisten ruhig gewähren und schritt nirgends ein. Die Gräueltaten der faschistischen Banditen fanden erst am späten Vormittag des nächsten Tages eia Gode»