Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1928)
- Date
- 1928-08-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ft. b. ft. Aboanementpreise: Für Oesterreich: Monati. S 130, viertel]. S 420, ganz]. 16.— / Deutschland: Monati. Gokknark 1.—, vierteij. Gokfanark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteJjährfioh Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdisdke Zeitung Endieliit feden Donnerstfail Polen: MaoafL Zloty 230, Zloty 6.50 / Ungarn: MonatL Pengö 1.50, vierteij. Pengö 420 / Rumänien: Monati. Lei 45.—, vierteij. Lei 125.— / Bulgarien: Monati. Lewa (Itedaftflon und Jic&wminiatvatiom: Wimm, I., ^auüemfefnfjasse 1 — Tel. R 20-3-8% 30.—, vierteij. Lewa 80.— / Belgien: Monati. Bdga 2.—, viertel]. Belga 5.— / Uebriges Anstand: Monati. Schweizer Franken 1.50 1. Jahrgang Wien, 30. August 1928 (14. Elul 5688) Nummer 35 Gegen die Vergiftung der akademischen Jugend Eine „Verständigungskonfereuz“ von jüdischen und nicht jüdischen Studenten iDas antisemitische Gtä äst, besonders seif dem Auftreten des in den 1890erjahren in Deutschland aasfgekommenen cwässenschafQicben» Anthseimfismus besonders an den Hochschulen vfeuleat and der; studentische Antisemitismus ist besonders in den letzten1 Jahren zu ekiec besonderen Spezies m dem konzentrischen Kampf der Judenfeinde geworden. Man bedient sich seiner bereits afe -poetischer Methode (wer tües noch nicht weiß, der sei: daran erinnert, daß z. B, däe rot manischen Studentenexzesse, die so traurige Berühmtheit erlangt haben, von der Regierung geduldet, wenn nicht ^fordert wurden und daß die antisemitischen Pöbetejen der Studenten in Oes teere i c h immer .dann größeren Umfang anmehmen, wenn es kn «Regeren» irgendwo nicht klappt oder nicht klappen soll, so daß z. B.. die von angeblichen Studenten bestrittenen Krawalle anläßlich des Wiener Zronistemkongresses von der Clique ausgeheckt wurden, die, um an die Macht zu kommen, ein Interesse daran hatte, der damaligen Regierung R a m e k außenpolitische Schwierigkeiten zu bererfcen). Aber gerade jetzt, wo der Hochscbölantiseraiitismus, in vielen Ländern mit offener Förderung durch die Regie rangen, in höchster Blüte steht, machen sich unter der Studentenschaft selbst Anzeichen einer Wendung zur gesunden Vernunft geltend. Das Verdienst, dies bewirkt zu haben, gebührt zum Teile den! akademischen Traditionen der Länder, wo die geistige Freiheit noch respektiert wird, also England, Frankreich, der Tschechoslowakei, Italien u. a., zum Teile aber der j ü di s c h n a t i o n a l e n Studentenschaft, die durch würdiges, bewußt jüdisch« Auftreten viel zur Aufklärung und zur Besserung der moralischen Position der jüdischen Studentenschaft beigetragen hat und vor altem durch organisatorische Zusammenfassung imstande war, einem einheitlichen jüdischen Akademtfkeirwttterr Geltung und Achtung m verschaffen. Als ein solches Symptom für die Wendung zw gesunden Vernunft soll der einstimmige Beschluß gewertet werden, den die vom 5. bis 12. August in Chartres stattgefundene Konferenz des «International Students Service» (internationales Studenten hilfswerk), an der an 100 delegierte Vertreter von 33 Kuttumationen teitnahmen, gefaßt hat; darnach wird noch im Jahre 1928 eine Sonderkonferenz jüdischer und nichtjüdischer Akademiker zur Erörterung der jüdischen Frage, besonders soweit sie die Studentenschaft betrifft, zusammentreten. Der Antrag auf Einberufung dieser Konferenz ging von der jüdischen Delegation aus, die aus den Herren Leo Steinig (Delegierter des Weltverbandes der jüdischen Studenten beim Völkerbund), Jules Stone (Oxford) und A. T e i c h (Wien) bestand (der jüdische Delegierte aus Polen Mag. Lewin mußte krankheitshalber der Tagung fernbleiben). In einem Memorandum an die Tagung befaßte sich der jüdische Delegierte Jules Stone eingehend mit dem Problem der «fremdartigen» Studenten, die nicht, wie die ausländischen Studenten zum Zwecke des Studiums in ein Land kommen, sondern dauernden Wohnsitz in dem betreffenden Lande haben. Am brennendsten ist die Frage in Rumänien, Polen, Ungarn, PeatfadBantf and Oesterreich, «Eis wäre an der. Zeit», so beJSf es in diesem Memorandum, «daß das WeHstatfeoteowede seine vaSe Aufmeripsamkeit der «itverhül'Ueo Ungerechtigkeit und; Grausamkeit ztswendet, die 6sch du dem Numerus cüiausus am den verschtedenen Universitäten ausspricht. Das WeHstodeotenweok muß steh vor altem mit dem Amtet! beschäftigen, den Studenten an antisemitischen B«7cg|^geäi jtetomemi Öas 1 Wettstudentenwerk sollte Frage der Seft>St-1 advtung anseihen, Alles nur Miögttchet m tim, damit sfeh nacht unerhörte Fälle, wie die im Jahre 1027 in O radca Mare wtederhoten.» Da dte raanämseben Delegierten der Tagung ferngebSebew waren, tmfertießen es cSe jüdischen Vertreter, <ße <ct£öän,fe<h-jüdäscheji Staden tenf ragen aufzttroöen. Laut dem Beschluß deff Tagung softert an der, erwähnten «Veratändsgimgskorrferenz» der jüdischen und nfehfjüdrschen Studenten 25 Joden und hBchtjöden, und zwar Akademiker teamebmem die sich mit deö zw Beratung stehenden Problemen bereits befaßt haben. Au <Seser Konferenz, deren Ort noch bestimmt wird (wie wir erfahren, steht die Wahl zwischen Genf and Wie n), wird auch der Generalsekretär der «Internationalen Stijdentenhiüfe» beim Völker,bimd M. PaTkes teünehmen. Es sollen auch ein oder zwei Sachverständige herangezogen werden. Die Konferenz hat, gemäß der gefaßten Resolution* die Aufgabe, in offener Diskussion die Gründe festzustelten, welche die Ueberzeugungen in dem Verhalten zur jüdischen Studentenschaft bestimmen; sie wird Itaaptsädtiach auf tfoei Punkte Wert legen* und zwar auf Sammlung von Tatsachenmaterial, Ausarbeitung von Arbeitsmethoden und Erziehung zu offenes: Aussprache. Die zitierte Resolution betont selbst, daß diese Konferenz ehre vorbereitende äst und «nicht weltomstftraend» sein wird. Wir sind auch dieser Ansicht: das studentische Locarno, das da begannen werden soll, wird nicht mit einem Schlage den Frieden bringen and das antisemitische Gift unter der akademischen Jugend Europas noch lange nicht unwirksam machen. Aber ein Anfang zur Entgiftung wird gemacht werden, der nicht unbeachtet bleiben kann. ---*-----1---- Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze u. Berichte: Noch einmal «Berlin-Wien». Von Dr. Leo Goldhammer. Regimewechsel und jodenregfrnent. Von Dr. phil. Chaim Tennenhaus. Gesinnungserziehung. Von S, Abel es. Ein Rechtsstreit über Zizzis und Samtkäppchen. Der Boden als Volksbesitz. Von Ing, M. U s s i s c hkin (Jerusalem). Gruß ans jiddische Staatstheater. Von Emst Toller. Sport, Schach, Rätsel, Humor, zahlreiche Illustrationen. Der Schrei nach Boden Bs ist eia alter E&tiwand gegen den Zionismus, daß PöftäSßaa nicht imisftande sei, die 'MaUkwien vo-n Juden, deren wirtschaftliche und soziale Lage in den Ländern «der Diaspora unmöglich geworden ist, zur, Ganze aaCzumehraen und zu normalen Wirtschaftsformen m Ären. Der Einwamd ist ebensowenig beweisbar, wie die Argnmentetionen für die Fassungskraft Palästinas, die mit Analogien ä la Belgien, der Rheänprov&niz oder Sachsen operieren. Heute ist in dem jüdäseben Bebeimatiingsproizeß in Eretz Israel ales im Werden und im Baß und die MagfÖdhkeiten für das Endresultat sind vieffättig. Alber eines steht schon heilte fest; Die Lösung des fast zweitausend Jahre aäten» Stdlisohen Problems hängt von der GiumdmögäacMteät' ab,: Boden für das bodenlose Volk zu .•:psiceamti^s. -Isis, än, dier ziomstischen ’TSieorilev^ worden; heute ist #eGemeu?ngut der. jüdtedhenr Sotzfoiogie, und alles, was sich mit dem sogenannten Umschiobtungsp roblem der Jaden befaßt, lauft darauf ‘hinaus, in irgendwelcher Wedlse diesem Grundproblem der jüdischen VerwttEzeJttng mit dem Boden zur Lösung zu verhelfen. Däe wörtsdhaftlidbe und 'soziale Lage der Judeiv heit ist durch den Krieg fei einer beispiellosen Weise erschüttert worden; dfe großen Pogrome in den Jahren 1881/82 und zur Zeit der ersten russischen Revolution hatten weitaus uädit eine solche destnnerende Wsrfcang auf das Gros der Judenheit, von der, damals über 5 MfiSföonen Sn Rußland lebten, wie der, Weltkrieg: und segne Folgen; däe Juden können leider mit Recht sagen, daß tstte dlie foauptfächhcbsten Opfer des Weltkriegs waren, im grausamen Geschick mit den Armeniern verbunden, däe von ihren 1% Millionen Seelen mehr als eine Malkm den türkischen ScWaCbtoessern opfern mußten. Vielleicht aber ist das Scfnclosail der Juden um so grausamer, da sie —* leben bleiben; denn der Weltkrieg hat die jüdische Dissoziation vervielfacht, die antiijüdiisch© Konzentration verstärkt und, die San Gefolge der Kriegsveparajong eärdierschre#ende wärtschaftBche Veresofachung hat ähre ersten Opfer unter den Juden gefunden, deren Wirtschaftet umktiom däe nunmehr durch däe JÄateocy* and däe Koammverferuistuinigsmethoden verdrängte Vermittlertätigkedt äst Däe Notwend&gfeeüt würtsdhaStlBcber Umsdhächtirag tritt von Tug zu Tag gebieterischer an die Juden heran, wo immer säe auch wohne». Diese Umschichtung wird aber immer nur AugenbÖckshiffe sein, wo sie nicht mit Nonnaliisieruiiig der Ökonomäschen und sozialen Schichtung verbunden ist Darum isst heute däe Verbündung der Jaden amt dem Boden eine fundamentale Voraussetzung dieser Normaßsterrang, eine brennende Frage des Tages. Bs ist in manchen zionistischen Kreisen Brauch — ein Brauch freähah, von dem der Bruch mehr ehrt als die Befolgung — die Tätigkeit jener Emigrations- und F'ürsorgeorganisationen, die sich mit dem jüdischen Wanderuugsproblem befassen, recht despektierlich zu beurteilen. Nichts äst verfehlter als dies. Diese Organisationen haben von der zionistischen Theorie gelernt, und ihre Tätigkeit darf schon vom Standpunkte des jüdischen Wanderungsproblems aus, das so lange auch außenpaläistinensisoh behandelt werden muß, als für die aussoftföeßKche Konzentrationder jüdischen Wanderung auf Palästina nicht genügend Mittel und Möglichkeiten sind, nicht neglfgiert werden; noch weniger aber darf dies geschehen, da aBe diese Organisationen 'heute bei ihren Arbeiten der Bodenfrage größte Aufmerksamkeit schenken. So hat