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Die Stimme · 1928-08-16 · Heft 33 (16.8.1928) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 33 (16.8.1928)
Date
1928-08-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ÜKMmeme&tprei8es HJr OeMetR McnwCL S IJ3Q, vferteQ. S 420, aanzj. 16.— / Deutschland: MoaatL Gokhnaric 1.—, vierteij. Gokfanark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kc 7.—, vierteljährlich Ke 10<— / Jflgoslawieni MonatUch Dinar 14—» ftertdgäfaxttdi Dinar 40- Jüdisdhe Zeitung und Administration: Wtem. Y.. ^auAensIdn^asM Y —-!Tel. dt Ytf-3-S« Patau MooaäL Ztoty 230, wertet Zloty 6J50 / Ungarn:MonaS. Pengö 130, viertdj. Fengö 430 / Rumänien: Mooati. Lei 45.—, vierte^. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30-—, riertdj. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Betea Zr-> vierte^. BeJga 5.— / Uebrlges Anhand: Monat! Schweizer Pranken 1.50 1. Jahrgang Wien, 16. August 1928 (30. Ab 5688) Nummer 33 Nach zaristischem Muster Ein Militärpogrom in Sowjetrußland — Alle Berichte über die schändlichen Vorfälle unterdrückt Aus der jüdischen Lektensgeschtehte m Zareoraß- £öd stad die Fälle bekannt, wo Gärungen in der Armee dadurch abgelenkt wunden, daß man den Soldaten, besonders den frisch eingezogenen Rekruten, Pogromfreifoeft gab. Die Militärpogrome ln Srediec, Jalta «. a. 0. sind noch in allgemeiner Erinnerung. Jn Sowjetrußland, wo, wie wir bereits an unzäMigen Fällen dartun konnten, der Antisemitismus bereits politische Maxime geworden ist, scheint die zaristische Methode wieder aufzuleben. Wie «Mat im» aus zuverlässiger Quelle beachtet, hat ~ In der Provinz Mogilew vor einiger Zeit ein regelrechter MiBtärpogfom gegen die jüdische Bevölkerung stattgefunden. Eine Abteilung von 60 neu eingezogenen Soldaten der roten Armee terrorisierte durch zwei Tage die jüdische Bevölkerung, plünderte das „ jüdische Viertel, vergewaltigte mehrere Frauen und mißhandelte die Juden der Stadt sowie jüdische Rekruten. Dae Nachrichten von cBesem Pogrom wurden mit den schärfsten Mitteln unterdrückt und erst durch die Beschwerde einer jüdischen konwmmfe tischen Jugendorganisation, die steh gegen die völlige Untätigkeit der Behörden bei den Exzessen richtete, kam die Wahrheit an den Tag. Bisher ist noch nichts üben eine .Untersuchung des Vorfälle bekannt geworden. Katastrophale Lage in den jüdischen Kolonien der Ukraine Wie die kommunistisefae Presse meldet, verschlimmerte sich die Lage in den jüdischen Kolonien der Distrikte Cherson tmd Krivojrog in der Ukraine als Folge des Fehlschlages der Winteremte von Tag za Tag. Es fehlt an Brot tmd an Futtermitteln. Die jüdischen Kolonisten sind entmutigt und beunruhigt Die offizielle Slecütmgskommission «Komzete hat sich bereit erklärt, den Kolonisten, die Pferde besitzen, in den Zuckerfabriken Arbeit zu verschaffen. Ferner hat «Komzet» eine Erklärung veröffentlicht, nach der die jüdischen Kolonisten in der Krim und der Ukraine, die Emtesch&den erlitten haben, Saatgut tmd Finanzhilfe aus dem allgemeinen Regierungsfonds upter der Bedingung erhalten werden, daß sie ihre neueErnteder Regierung zum Kaufe anbieten. Jeder Kolonist erhält pro Hektar 12 Rubel als Vorschuß auf das an die Regierung abzufiefemde Getreide. Ein Abkommen Sowjetregierung—Hilfsverein der deutschen Juden Die Regierungskommissfon für Landess tediung und Industrialisierung der Juden in Rußland «Komzet» teilt mit daß dem Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin amtlicberselts die Befugnis zur Ausübung einer k u 11 u r e H e n und medizinischen HHfsarbeftt in den jüdischen Kolonien der Sowjetunion erteilt worden ist. Mit dem Hilfsverem wird ein besonderes Abkommen getroffen werden. Die Zahl der Juden in der Sowjetunion beträgt nach der soeben veröffentlichten neuesten Statistik, 2,600.945 Seelen. Seit 1897, also in einer Periode von drei Jahrzehnten, hat sich die jüdische Bevölkerung in den genannten Ländern um k a u m 1 P v o zent c rhöhi, während der allgemeine Bevölkerangsza wachs fast 40 Prozent beträgt Dies erklärt sich daraas, daß zahlreiche Juden in den letzten Jahrzehnten nach Amerika and Palästina abgewandert waren. Von 1897 bis 1923 z. B. wanderten 550.000 Joden nach Amerika, 18.000 nach Palatina, 31.000 nach anderen Ländern ans. Bei diesen Zähltutgen sind die Juden an den jetzt selbständig gewordene* Gebieten Polen, Lettland, Litauen ttsw, nicht berücksichtigt. In der Sowietekraine gäbt es bekantlich einen a u tonn men 1 j ü d i s c h c n V e r & a Itungsr a y on mit dem Hauptsitz Kalla i n d oj l*gjj»e frilhereiödisfih.e Kplonie Sede Menucba); demnächst sojl im Distrikt Z.aporos chje ein zweiter jüdischer Verwaltungisrayon instradiert werden, der 54 Siedlungen (davon 37 jüdische, 15 ukrainische und 2 deutsche) umfassen undinsgesamt 3651 jüdische, 935 ukrainische und 82 deutsche Bauerngehöfte einschließeii wird. Die jüdische Bevölkerung dieses ländlichen Distrikts beträgt 72 Prozent der Gesamtib&völkerung. Die Anleihe des Jüdischen Nationalfonds Vier Milfionen Dollar für 20 Jahre. Wie wir bereits mitgeteilt haben, schweben zwischen dem Jüdischen Nationalfonds und einem amerikanischen Bankenkonsorthim, dessen Repräsentant die Firma Messrs. KeMy&Conders ist, Verhandlungen über eine Anleihe von 4 Millionen Dollar, von der die Hälfte dem Jüdischen Nationalforids für Zwecke des Bodenkaufes, <fie andere Hälfte der Zionistischen Exekutive für die Konsoädtertmgsarbeit in den bestehenden Siedlungen zufließen soö. In den Verhandlungen wurde eine Verzinsung von 6Y2 Prozent und Rückzahlung innerhalb von 20Jafirea vereinbart Wie mm die Jüdische .Telegraphenagentur aus Paris meidet «tad ln den letzten Tagen diese AnletaeverfraitdUmgen zum Abschluß gebracht worden; laut der Vereinbarung zwischen dem Vertreter des Bankenkonsortiums und dem des Jüdischen Nationalfonds solle die Anleihe Mitte September d. J, aufgelegt werden. Eine ofßzteNe Bestätigung dieser Meldung Regt bisher nicht vor. Beachten Sie in dieser Nummer tu a. folgende Berichte und Aufsätze: Das sterbende Wiener Judentum. Von Dr. Leo Goldhammer. * Jüdische Ehefragen DL Von Sigma, Die alten Festtmgssynagog'en in Polen. Von S. Anskt Die FriedensknatML Von Emst Davis (Jerusalem). BenifsamscMcbtung unter den Joden Amerikas. Der Kaddlsch der Tochter. Von H. T. Besuch in Nahalal. Von Prot Artur Freud. Opatoschus’ „Weise von Zion”. Sport Schach, Rätsel, Humor, zahlreiche löustrationeru Verfälschter Internationalismus Mitten im Orient wird der einzigartige Versuch gemacht, auf den besten sozialen Grundlagen, die bisher in der Weit Eingang gefunden haben, ein modernes Gemeinwesen zu errichten, die jüdische Heimstätte in Palästina. Erst jüngst sind die unverrückbaren Grurni-; lagen dieses Aufbauwerkes an maßgebender Stelle der zionistischen Organisation, isn Aktionskomitee, nach hartem Meinungskampf neu festgestellt worden: Das Prinzip des Gemeineigentums an Grund und Boden, wirtschaftliche und soziale Freiheit der Siedlung und ihrer Foriiien, der Grundsatz, daß der Aufbau des jüdischen Palästina nur im Wege produktiver Arbeit zu erfolgen hat. Was jetzt in Palästina geschieht, ist von weittragender, vielleicht grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaftsordnung und es ist daher selbstverständlich, daß alle diejenigen, welche für die tJmgest^tmrg der menschlichen Gesellschaft nach den Prinzipien des Sozialismus eintreten, mit Aufmerksamkeit das Aufbauwerk in Erez Israel verfolgen. Die besten Vertreter, der sozialistischen Internationale haben denn auch, vielfach nach persönlichem Augenschein, sich für die Förderung dieses jüdischen Werkes eingesetzt und viele von ihnen, wie z. B. Emil Vandervelde, Leon Blum, Eduard Bernstein, Karl Loebe, Ramsay Maodonald, Josiah Wedgwood, haben sich persönlich in verschiedener Form für das .Werk eingesetzt . .. Vandervelde und der englische Sozialist Artur Henderson haben auf den vor kurzem in Brüssel stattgehabten Kongreß der zweiten sozialistischen Internationale der Arbeiterschaft den Antrag gestellt, eine Kommission einzusetzen, welche die Unterstützung des produktiven Palästinaaufbaues und seine Förderung auf internationalem Boden bezwecken soll. Dieser Antrag hat nun eine eigenartige Gegnerschaft gefunden: Das Mitglied des Präsidiums der Internationale, Doktor Friedrich Adler, der Sohn des berühmten Vorkämpfers der österreichischen Sozialdemokratie, Dr. Viktor Adler, griff die Vertreter der zionistischen Arbeiterpartei «Poale Zion», weiche der zweiten Internationale angehören und den oben erwähnten Antrag initiiert hatten, heftig an, indem er erklärte, die Eingliederung des Palästinaproblems in die Probleme der sozialistischen Internationale sei geeignet, sowohl die internationale Arbeiterbewegung zu hemmen, als auch ein Chaos in die jüdische Arbeiterschaft zu bringen. Mit dieser Begründung widersprach Adler heftig dem Antrag auf Einsetzung einer Palästinakommission, und ihm schlossen steh der Führer der österreichischen Sozialdemokratie, Dr. Otto Bauer, sowie der russische Sozialist des menschewlkischen Flügels, Abram o v i t s c h, an. Es ist mehr als pikant, daß die Opponenten gegen die Palästinakommissloa Joden sind und daß der wärmste Verteidiger dieses Antrages auf dem Brüsseler Kongreß der Votibhitengjänder Artur Henderson, der frühere Ärbeitsminister des Kabinetts Macdonald war, der mit geradezu leidenschaftlicher Vehemenz die Begründungen der drei Opponenten zurückwies und sogar mit der Niederlegung seiner Stelle als Präsident der Internationale drohte, wenn der Beschluß gefaßt würde, daß die jüdische Palästinaarbeit aus dem Programm der Internationale ausgeschaltet, bexw. einem Sozialisten verwehrt wenden würde. Doch Über diese Pikanterie hinaus hat die Palästmadebatte auf dem .sozialistischen Kongreß in Brüssel noch eine andere Bedeutung: Es sei daran erinnert, daß die zionistische Arbeiterpartei «Poale Zion» einen langen, schweren Kampf um die Aufnahme in die zweite Internationale zu führen hatte und daß m damals ehe»-

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