Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1928)
- Date
- 1928-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ltf.b. b. Prais 35 Oroidien versendet ff U}1. Um •» vnlvcrr.i* üt* r> itü tt bl blio tb crnitüt Abonnementpreise: Ffir Oesterreich: Monatl. S 1.50, viertel). S 4.20, Ganz). S 16.— / Deutschland: Monatl. Goldmark 1.—, viertel). Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kö 7.—, vierteljährlich Kö 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdische Zeitung erscheint Jeden Donnerstag ftedfa&fien unci Udminimtvaticn: Wien, Im ‘Rttuhensleingasae 1 / Telephon 7 Polen: Monatl. Zloty 2.30, viertelj. Zloty 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30,—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertelj. Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 Wien, 12. Juli 1928 (24. Tammus 5688) Nummer 28 1. Jahrgang Der neue Oberkommissär von Palästina Aus London wird gemeldet: Sir Robert Chancellor wurde als Nachfolger des Marschalls Lord Plumer zum Oberkommissär und Oberkommandierenden in Palästina und Transjordanien ernannt. Die Ernennung des Nachfolgers für Lord Plumer, der gegenwärtig einen Urlaub antritt, um im Herbst, nach Ablauf seiner dreijährigen Amtsperiode, von seiner Stelle als Oberkommissär von Palästina und Transjordanien zu scheiden, erfolgt rascher als allgemein — und wohl auch auf Great Russell Street — angenommen wurde. Der neue High-Commissioner von Palästina hat eine ausgesprochene koloniale Laufbahn hinter sich. Schotte von Geburt und im 58. Lebensjahre stehend, hat Sir Robert Chancellor, der als Kolonialoffizier begann und seinerzeit an zahlreichen Kampfexpeditionen in den Kolonien teilnahm, verhältnismäßig früh die höheren Sprossen der kolonialen Karriere erreicht; er wurde bereits 1911 Gouverneur von Mauritius, war dann von 1916 bis 1921 Gouverneur und Oberkommandant von Trinidad und ist seit 1923 Gouverneur und Oberkommandierender von Süd-Rhodesien, von wo er nunmehr an die Spitze der Mandatsverwaltung von Palästina und Transjordanien berufen wird. Da diesmal zugleich mit dem Wechsel im Oberkommissariat auch eine Veränderung auf dem Posten des Chefsekretärs der Palästina-Regierung erfolgt, der für die Zivilverwaltung des Landes die maßgebendste Stelle ist (an Stelle von Colonel Symes tritt, wie bereits gemeldet, H. C. Luke als Chefsekretär), so ist die Annahme nicht von der Hand zu weisen, daß in der Verwaltung von Palästina und Transjordanien nicht unbedeutende Aenderungen bevorstehen. Wünschenswert wäre, daß diese Aenderungen sich auch im britischen Beamtenstab in Palästina bemerkbar machen, der nach dem übereinstimmenden Urteil der Bevölkerung des Landes und von Kennern der Verwaltung (z. B. des Colonels Wedgwood) geradezu drittrangig ist, worunter die Verwaltung des Landes und das Land selbst leideL Palästina hat eben begonnen, die partielle Krise zu überwinden und es muß dem aus seinem Amte scheidenden Lord Plumer hoch angerechnet werden, daß er es nicht nur verstanden hat, in den kritischen Zeiten des syrischen Aufstandes jede äußere Er¬ Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Berichte und Aufsätze: Der Kampf um die jüdische Volksgemeinde. Otto Warburg. Von Nahum S o k o 1 o w (London) Die Leitung des amerikanischen Zionismus. Drei Unselige (3. Arthur Trebitsch). Von Prof. Dr. Theodor L e s s i n g (Hannover). Keine geschlossenen Judensiedlungen in Rußland mehr! Sensationelle Lassalle-Dokumente. Herzl-Tag. Von R. S. Sport, Schach, Rätsel, zahlreiche Illustrationen. schütterung von Palästina fernzuhalten, sondern auch nachher zur Behebung der wirtschaftlichen Depression mit gutem Willen und vernünftigen Notstandsmaßnahmen der Regierung beizutragen. Der neue Oberkommissär wird — nicht zuletzt dank seinem Vorgänger — eine Situation vorfinden, die günstige Entwicklungsmöglichkeiten für das Land birgt, wenn nach vernünftigen Methoden verwaltet wird, welche die Lage des Landes richtig und mit Sachkenntnis erfassen. Die Vertretung des Volkes muß entscheiden! Anträge auf Einberufung des Kongresses — Ein Erfolg der „Stimme“ Der Vorschlag der „Stimme“, die Entscheidung über die von der Jewish - Agency - Konferenz ausgearbeiteten Grundlagen für die Erweiterung der Jewish Agency unverzüglich dem Zionisten - Kongreß vorzulegen, hat in allen zionistischen Kreisen ernsteste Beachtung gefunden und ist in einer Reihe von zionistischen Gruppierungen zum Gegenstände eingehender Beratungen gemacht worden. In den Arbeiter-Gruppen wird im Hinblick auf die wenig befriedigenden Ergebnisse der Jewish - Agency - Tagung erwogen, im Aktionskomitee die Einberufung des Kongresses zu fördern. Die Vereinigung radikaler Zionisten beabsichtigt ebenfalls in der am 19. Juli stattfindenden Sitzung des Aktionskomitees den Antrag auf Einberufung des Kongresses zu stellen. Wie unseren Lesern erinnerlich, haben wir die Einberufung eines außerordentlichen Kongresses vor* geschlagen. In den oben angeführten Erörterungen dieser Frage wird erwogen, um eine Ueberlastung der Organisation durch die Abhaltung zweier aufeinanderfolgender Kongresse zu vermeiden, die Vorverlegung des für 1929 in Aussicht genommenen ordentlichen Kongresses zu verlangen, der unbedingt noch am Ende dieses Jahres stattzufinden hätte. Die Tagesordnung der A. C.-Sitzung Für die am 19. Juli in Berlin (im Logenheim, Kleiststraße 10) beginnende Sitzung des Aktionskomitees der zionistischen Organisation hat die Exekutive im Einvernehmen mit dem Präsidium des Aktionskomitees folgende provisorische Tagesordnung festgesetzt: 1. Bericht der Exekutive über die politische Situation. — 2. Bericht der Exekutive über die P alästinaarbeit (Kolonisation, Immigration, Arbeit, Erziehung, Gesundheitswesen). — 3. Bericht der Exekutive über die Joint Palestine Survey Commission (A g e n c y-C ommission), — 4. Bericht über die Tätigkeit der Zentralinstitute: Jewish Colonial Trust, Keren Kajemeth Lejisrael, Keren Hajessod). — 5. Bericht über Anleihe fragen. — 6. A1 i j a h und Hachscharah. — 7. Beschlußfassung über das Budget (Palästina und London) für das Jahr 5689. — 8. Organisation (Bericht der Exekutive über Organisation, Anträge betreffend Organisation, Vorschläge des Präsidiums des Aktionskomitees in Bezug auf das Aktionskomitee). — 9. E r s a t z w a h 1 eines Mitgliedes der Exekutive an Stelle des ausscheidenden Herrn Dr. M. D. Eder. — 10, Ergänzung des Direktoriums des Keren Kajemeth Lejisrael. — 11. Ausführung des Kongreßbeschlusses betreffend das Kontrollamt. — 12. Antrag auf Uebertragung des Universitätseigentums. — 13. Behandlung der Beschlüsse des 15. Kongresses, die dem Aktionskomitee zur Ausführung überwiesen worden sind. Jüdische Fragen auf dem Kongreß der Völkerbundligen (Von unserem Sonderberichterstatter.) An dem vom 2. bis 7. Juli im Haag tagenden XII. Kongreß des Weltverbandes der Völkerbundligen nahmen auch Vertreter der jüdischen Völkerbundligen, und zwar Leo M o t z k i n (für die jüdische Völkerbundliga in Palästina), Dr. Emil Margulies (Tschechoslowakei), Dr. N. M. Gelber (Oesterreich) und N. Serper (Bulgarien). In das Jahrespräsidium wurde diesmal auch ein Vertreter Palästinas, Herr Ing. M. Ussischkin, gewählt. Hauptgegenstand der Beratungen in der Minderheitskommission bildete die rumänische Judenfrage, deren Behandlung auf Grund des bei der letzten Tagung in Brüssel überreichten Memorandums der jüdischen Völkerbundligen samt einem reichen Aktenmaterial über die Judenexzesse in Großwardein erfolgte. Dieses Memorandum wurde vom Generalsekretariat der internationalen Union der Völkerbundligen an sämtliche Ligen verschickt und im Sinne der in Brüssel getroffenen Vereinbarung sollte die rumänische Liga vor dem jetzt tagenden Kongreß ihre Antwort auf das Memorandum erhalten. Diese Antwort lag aber dem Kongresse nicht vor. Aus diesem Grunde hatte sogleich in der ersten der permanenten Minderheitskommission, die vor Zusammentritt des Kongresses am 30. Juni im Haag tagte, namens der jüdischen Ligen Leo M o t z k i n die rumänische Delegation interpelliert und die Erteilung der Antwort urgiert. In der Sitzung der Permanenzkommission kam es dann zu einer bemerkenswerten und erfreulichen Einigung. Der Sprecher der rumänischen Liga, Deputierter Prof. D j u v a r a, gab eine Erklärung ab, daß die rumänische Liga die antisemitischen Ausschreitungen, wie die Tendenz des Antisemitismus verurteilt und die letzten Fälle lebhaft bedauert. Auch die rumänische Regierung habe öffentlich eine ähnliche Erklärung abgegeben und versprochen, eine Wiederholung dieser schändlichen Ereignisse nicht zu dulden. Professor Djuvara teilte auch mit, daß die antisemitischen Organisationen aufgelöst und die infolge der Exzesse verursachten Schäden von der Regierung ersetzt wurden. Ueber Anregung des Sprechers der jüdischen Ligen, Leo Motzkin, traten dann die Vertreter der jüdischen Ligen mit den Vertretern der rumänischen Liga zu einer gemeinsamen Beratung des Kongresses zusammen, in der man sich einigte, der Minderheitskommission sowie der Plenarsitzung nachstehende Resolution vorzuschlagen: