Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1928)
- Date
- 1928-07-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen V.b. b Zeitung vom Verleger versendet Journal expedte pur rtdtteur 66 1.» U»iv8«itat Abonnementpreise: Für Oesterreich: Monatl. S 1.50, viertelj. S 4.20, Ganzj. S 16.— / Deutschland: Monatl. Goldmark 1.—, viertelj. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich K£ 7.—, vierteliährlich K£ 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdische Zeitung Erscheint Jeden Donnerstag ‘Redaktion und ÜLdtninistvaliens Wien, I. Raukensteinsfasse 1 / Telephon 76~3~S3 Polen: Monatl. Zloty 2.30, viertelj. Zloty 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertelj. Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 1. Jahrgang Wien, 5. Juli 1928 (17. Tammus 5688) Nummer 27 Herzls Erbe Als vor knapp einem Vierteljahrhundert Theodor Herzl für immer die Augen schloß, da tönte überall die bange Frage: „Wie wird sein Werk ohne ihn fortgeführt werden können?« Hätte es sich bloß um die Lösung der rein kolonisatorischen Aufgabe gehandelt, die jüdische Welt wäre nicht so fassungslos gewesen; schon vor Herzl war jüdische Landsiedlung in Erez Israel und anderswo angeregt, zum Teil auch durchgeführt worden, dafür also wäre motorische, organisatorische Kraft zu ersetzen gewesen. Doch die ganze Judenheit spürte: was Herzl unternommen, war weit mehr. Und eben dies durchzuführen, traute sie sich noch nicht die Kraft zu. Denn 8 Jahre nur waren verflossen, seit Herzl — als erster und einziger — für das jüdische Volk den Anspruch erhoben hatte, selbst sein Geschick zu bestimmen. In mehr als fünfzig Generationen hatte die Judenheit diesen Anspruch verlernt; ihr Schicksal war stets von neuem durch fremde Kräfte bestimmt worden; nun trat einer hervor und rief geradezu ein Gotteswort in das Volk, die Losung, durch eigene Kraft, durch eigene Wahl zu leben; dies schien dem Volke, das in endloser Geschlechterfolge ohne Wahl und Willen gewesen, so ungeheuerlich, daß es entweder spottete oder die Verwirklichung solcher Idee nur dem Wundermann zutraute, der sie verkündet, nicht — sich selbst, nicht der eigenen Kraft, der zu vertrauen es verlernt hatte. Herzls imvergängliche Größe, das unzerstörbare Erbe des so früh Dahingegangenen ist, daß er die zentrale Lösung der Judenfrage durch die Juden selbst als erster formuliert hatte. Und damit weckte er die Volkskraft, die sein Werk fortführte. Herzl konnte keinen Nachfolger haben; nur das Volk konnte sein Nachfolger sein, sonst wäre der Ruf in der Wüste verhallt. Und das Volk, das bei Herzls Tode verzweifelt, ungläubig, seine eigene Kraft nicht kennend, in hilfloser Trauer klagte, dieses Volk hat das Erbe Herzls angetreten. Es war das reichste Erbe, das je zur Abhandlung kam; denn Herzls oft ganz unfaßbare Divination hatte alle Quellen aufgedeckt, aus denen der Wille des Volkes die Lebenskräfte schöpfen konnte und kann. Theodor Herzl hat den Judenstaat als das Zentrum eines normalen Volkslebens statuiert; er hat die Rückkehr zur Scholle als wichtigstes Lebensprinzip festgestellt; er hat das Volkseigentum am Boden und die eigene Arbeit als die jüdische, soziale Lösung erkannt; er hat die unaufhörliche Wechselwirkung zwischen dem künftigen Zentrum und der jüdischen Diaspora gesehen, die Ströme der Gesundung gespürt, die vom einen ins andere fließen müssen in unaufhörlichem Kreislauf; und darum hat er die Losung von der Eroberung der jüdischen Gemeinden ausgegeben. D'as Volk, für das er als Rufer auf den Hügel trat, hat Herzl beerbt; es hat gelernt seinen Willen in Kraft umzusetzen. Das jüdische Leben hätte die Erschütterung des Weltkrieges nicht ertragen, wäre nicht durch Herzl der produktiv, nicht bloß vegetativ gerichtete Lebenswille durch Herzl geweckt und ihm Richtung gegeben worden. Der Aufbau von Ere2 Israel ist Wirklichkeit, die Produktivierung der jüdischen Diaspora schreitet, so vielfältig auch ihre Formen sind, doch zu einheitlichem Ziele: zur organischen Festigung der schöpferischen Kräfte in der Judenheit. Doch all das sind erst Anfänge; nicht mehr als eine Generation ist verstrichen, seit Herzl als erster Wahl und Willen im Volke wieder wachrief nach fünfzig Generationen Wahl- und Willenlosigkeit; was kann in dieser kurzen Zeit mehr erreicht sein als ein Anfang, sei er noch so gut und reich? Herzls Erbe hat erst begonnen und ist unerschöpflich: denn es ist die Dauer des Volkslebens. Ueber dieses Erbe zu wachen, sind die berufen, die Herzls Ruf als erste vernommen. Nach wie vor darf und kann der Zionismus keine Erscheinung des jüdischen Lebens außer acht lassen. Das jüdische Leben ist in den letzten dreißig Jahren, oft unmerklich, aber immer wirksamer zionisiert worden. Dieser Gärstoff muß weiter und immer stärker ins jüdische Leben getragen werden, muß alle seine Formen und Phasen durchdringen. Der Zionismus als d i e aktive, elementare Kraft des jüdischen Lebens — das ist Herzls unerschöpfliches Erbe. Spectator, Oberkommissär Lord Plumer tritt zurück Differenzen über das Militärbudget von Palästina und Transjordanien? — Der neue Oberkommissär für Palästina noch nicht bestimmt Aus London wird uns berichtet: Einer offiziellen Mitteilung des britischen Kolonialamtes ist zu entnehmen, daß der Oberkommissär von Palästina und Trans jordani^n, Feldmarschall Lord Plumer, dessen dreijährige Amtsperiode im September d. J» abläuft, von seinem dreimonatigen Urlaub, den er Ende Juli antritt, in sein Amt nicht mehr zurückkehren wird# Die erwähnte offizielle Meldung hebt hervor, daß Lord Plumer, der seit Ende August 1925 Oberkommissär von Palästina ist, wähirend seiner Amtstätigkeit es verstanden hat, friedliche Beziehungen unter der Bevölkerung Palästinas herzustellen. Ueber den Nachfolger des von seinem Posten scheidenden Oberkommissärs wird nichts mitgeteilt. ♦ Die Londoner Presse beschränkt sich im allgemeinen auf die Wiedergabe der vorstehenden Verlautbarung; nur „D'aily Expreß“ ergänzt sie durch .eine Meldung seines Korrespondenten in Jerusalem, in der es heißt, Lord Plumer habe eine Verlängerung seiner im Herbst d. J. ablaufenden 3jährig. Amtsperiode a b g e 1 e h n t, da zwischen ihm und dem Kolonialamt ernste Differenzen über die Verteilung der Lasten des Militärbudgets für Trans Jordanien und Palästina entstanden seien; Lord Plumer habe im Hinblick auf das mehr als eine Million Pfund betragende Defizit des Budgets der Palästina- Regierung darauf hingewiesen, daß die gegenwärtige Verteilung der Militärlasten zwischen Palästina und dem Kolonialamt unhaltbar sei; eine Verminderung der Ausgaben um zirka 15 Prozent müßte die Folge sein. Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze und Berichte: Die Vertretung des Volkes muß entscheiden! Herzls „diplomatischer Agent“. Von Dr. N. M. Gelber« Mein Werdegang. Von Joseph Opatoschu. (New York), Gespräch mit Jossele Rosenblatt. Die Palästina-Regierung über ihre Mandatsverwaltung. Methode Hyamson. Von 7. Suprasky (Tel- Aviv). Sport, Schach, Rätsel, zahlreiche Illustrationen, Sonntas, 8. lull 1928, vormittags: Gans zum Grabe Herzls Sonntag, 8. Jnli 1928, 8 Uhr abends, Hotel „Continental“ ll, TaborstraOe 4: HERZL-GEDENKFEIER