Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1928)
- Date
- 1928-06-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen V.b. b. Zeitung vom Verleger versendet Journal expedig par l'ätiiteur Abonnementpreise: Für Oesterreich; Monatl. S 1.50, viertelj. S 4.20, Ganz). S 16.— / Deutschland; Monatl. Goldmark 1.—, viertelj. Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kd 7.—, vierteljährlich Kc 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdische Zeitung Erscheint Jeden Donnerstag ftedfahfioxa und Stdminisfpaliom Wien, Im Hauhenaieingfusse 1 / Telephon 76~3~S3f Polen: Monatl, Zloty 2.30, viertelj. Zloty 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 4,20 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30_, viertelj. Lewa 80.— / Belgien: Monatl, Belga 2.—, viertelj. Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 1. Jahrgang Wien, 28. Juni 1928 (10. Tammus 5688) Nummer 26 Die Jewish-Agency-Tagung beendet Das Ergebnis bisher noch nicht verlautbart — Was die Londoner jüdische Presse berichtet Die Beratungen der Jewish - Agency - Kommission, welche am 9. Juni begonnen haben, sind zu Ende. Offizielle Mitteilungen über das Resultat sind bisher nicht bekanntgegeben worden und dies gibt den verschiedensten Kombinationen und Vermutungen breiten Raum. Wir wollen sie alle nicht wiedergeben (von Gerüchten über Ergebnislosigkeit der Verhandlungen bis zu Meldungen über Palästina- Aufbauprogramme von phantastischen Dimensionen sind alle Spielarten vertreten) und reproduzieren, allerdings mit größtem Vorbehalt, nur eine Meldung eines gewöhnlich gut informierten Londoner jüdischen Blattes über das angeblich von der Konferenz vereinbarte Aufbauprogrammdoch wir möchten bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen. daß die Methode der Geheimdiplomatie sich, wie schon jetzt einsetzende Gerüchtemacherei beweist, als höchst unzweckmäßig erweist. Daher wiederholen wir hier unsere Forderung, die wir in der vorigen Nummer unseres «Blattes bereits eingehend begründet haben: Ein außerordentlicher Zionisten - Kongreß ist' sofort einzuberufen, dem das gesamte Material der Beratungen vorzulegen ist. Die in drei Wochen stattfindende Sitzung des Aktionskomitees hat laut Kongreßbeschluß die Begutachtung der Ergebnisse der Jewish-Agency- Verhandlungen vorzunehmen; doch die endgültige Entscheidung hat der Kongreß zu treffen. Was in London beschlossen wurde, muß von der gesamten zionistischen Oeffentlichkeit geprüft werden. Nachstehend unsere Berichte aus London über den Abschluß dei Jewish-Agency-Konferenz: Die Joint-Palestine-Survey-Kommission, die sich aus Lord M e 1 c h e 11 (dies der Titel von Sir Alfred Mond nach seiner Baronisierung. — Die Red.), Felix M W a r b u r g, Dr. Lee K. Frankel und Direktor Oscar W assermann zusammensetzt, hat ihre in London stattgefundenen Beratimgen, an denen auch Dr. Chaim W eizmann und Louis Marshall, die beide das Abkommen vom 17. Jänner 1927 betreffend Erweiterung der Jewish Agency und die Einsetzung der Joint-Palestine-Survey- Kommission unterzeichnet haben, teilgenommeu haben, beendet. Die Teilnehmer an den Verhandlungen sind, wie sie Vertretern der Presse erklärten, über das Resultat derselben befriedigt. Am 19. Juni abends fand im Hause von Dr. Weizmann ein Diner statt, dem der Staatssekretär für die Kolonien Amery, Lord Robert C e c i b Major Edward Lascelles, Sir Herbert Samuel, Sir Wyndham Deeds, Philip Carr, Louis Marshall, Felix M. W a r b u r g, Dr. Lee K. Frankel, Nahum S o k o 1 o w u, a. beiwohnten. Gleichfalls am 19. Juni gab Sir George Macdonogh zu Ehren von Louis Marshall ein Frühstück. Am nächsten Tag war Louis Marshall Gast des Unterstaatssekretärs für die Kolonien Sir John Shuckb u r g h. Louis Marshall bleibt bis zum 29. Juni in England. An diesem Tage begibt er sich zu einem 14 tägigen Aufenthalt nach Paris und wird am 13. Juli die Rückreise nach New, York antreten. Herr Felix M. Warburg reiste noch am 20. Juni nach Paris, wo er mit Baron Edmond de Rothschild Zusammentreffen, il^, über die Beschlüsse der Joint-Palestinfe-Survey-Kommission informieren und sich seiner Mitarbeit zu vergewissern suchen wird. Obwohl über das Ergebnis der Verhandlungen der Jewish-Agency-Kommission und ihre Verhandlungen mit der Zionistischen Exekutive Stillschweigen bewahrt wird, will eine Londoner jüdische Zeitung erfahren haben, daß die Kommission einen von Dr. Arthur R u p p i n vorgelegten Plan betreffend den Palästina-Aufbau «angenommen hat. Der Plan sieht angeblich die Einwanderung von 150.000 Juden im Verlauf der nächsten zehn Jahre vor. Von den jährlich einwandernden 15.000 Personen sollen 30 Prozent der Landwirtschaft, 30 Prozent der Industrie, die restlichen 40 Prozent freien Berufen entnommen sein. Sechs Millionen Pfund Sterling sollen für die Seßhaftmachung dieser Einwanderer aufgebracht werden. Dieser Fonds soll außerhalb des Rahmens des Keren Hajessod bestehen. Eine eingehende Debatte soll sich nach dieser Meldung über die Frage entsponnen haben, ob die erforderlichen sechs Millionen Pfund schon jetzt oder erst zu einem späteren Zeitpunkt gezeichnet werden sollten und mit welchem Betrag jedes Land sich zu beteiligen hätte. Hierüber soll noch kein definitiver Beschluß gefaßt worden sein. Die Sitzung des Aktionskomitees auf den 19. Juli verschoben Die Berliner Tagung des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation ist auf Ersuchen der* palästinensischen Mitglieder der Exekutive und des A. C. vom 17. Juli auf den 19. Juli verschoben worden. Ein politisches Büro der Poale Zion Der Weltverband der Zionistischen Arbeiterpartei Poale Zion hat in London ein politisches Büro eröffnet, das gegenwärtig unter der Leitung des palästinensischen Arbeiterführers Dov H o s steht. Das Büro wird die Fühlung mit der britischen Arbeiterschaft in Verbindung mit den Fragen des Palästina-Aufbau s behalten. Bedeutungslose Opposition Ein Gespräch mit Hermann Bernstein Der bekannte jüdisch-amerikanische Publizist Hermann Bernstein, der im jüdischen Leben Amerikas eine bedeutende Rolle spielt, weilte vor einigen Tagen kurze Zeit in Wien. Einer unserer Mitarbeiter hatte Gelegenheit, Mr. Bernstein während seines hiesigen Aufenthaltes über einige aktuelle jüdische Probleme zu befragen, die gegenwärtig in den Vereinigten Staaten im Mittelpunkt der Diskussion der jüdischen Oeffentlichkeit stehen. Bernstein ist bekanntlich der Gründer des angesehenen Blattes «Jewish Tribüne«, dessen Leitung er vor kurzem (wie wir bereits berichtet haben — Die Red.) niedergelegt hat. Ueber die Gründe befragt, erklärte Bernstein: »Ich habe die Leitung der »Jewish Tribüne« vornehmlich deshalb zurückgelegt, um Zeit für die Vollendung einer Reihe von schriftstellerischen Arbeiten zu haben, die mich schon lange beschäftigen; u. a. gehe ich auch jetzt daran, eine zusammenfassende Geschichte der Tätigkeit des »Joint Distribution Committee« zu geben, in der die umfangreiche Arbeit dieser Körperschaft für den jüdischen Wiederaufbau in der alten Welt, sowohl auf dem Gebiete der Notstandsfürsorge wie der konstruktiven Hilfe und der jüdischen Kolonisation und sonstigen Berufsumschichtung dargestellt werden soll. Ueberdies gibt mir mein Rücktritt von der Leitung der »Jewish Tribüne« die Möglichkeit, eine Wirksamkeit auf breiterer Basis zu entfalten.« »Wie beurteilen Sie, Mr. Bernstein, den gegenwärtigen Konflikt zwischen der zionistischen Leitung in Amerika und der Opposition?« »Die zionistische Opposition in den Vereinigten Staaten hat durchaus nicht die Bedeutung, welche man ihr offenbar im Auslande zuschreibt und kann keine tiefergehende Wirkung üben. Vor allem schon deshalb nicht, weil sie keine einheitliche, mit bestimmten Zielen auftretende Gruppe ist. Es sind vier verschiedene Kreise, die mit verschiedenen Zwecken in die Opposition gingen: Doktor Stephen W i s e ist ein Gegner der gegenwärtigen Methode der zionistischen Politik; dies hat er schon auf dem letzten Zionistenkongreß dargelegt und als Präsident W eizmann nach Amerika kam, glaubte Wise durch seinen Austritt aus der Leitung der ame- Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze u. Berichte: Unbekannte Herzl - Briefe. Drei Unselige (2. Otto Weininger). Von Prof. Dr. Theodor L e s s i n g (Hannover). Verein zur Abwehr des Judentums. Ein vergessener Judenstaatroman. Von Siegfried Schmitz. Unsere intellektuellen und materiellen Kräfte. Ein Brief von Prof. Albert Einstein. Darius Milhaud. Von Richard R e t i. Der jüdische Intellektuelle in Frankreich. Von Henri Bernstein (Paris). Künstlerischer Wettbewerb und Bezalel. Von Oskar Rosenfeld. Jüdische Ehefragen. Von Sigma. Sport, Schach, Rätsel, zahlreiche Illustrationen.