Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1928)
- Date
- 1928-06-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 DIE STIMME Nr. 25 De leine, per Meter 89 Groschen, K.-Seide, per Meter 98 Groschen, Orig, Schweizer Voll-Etamine, fabelhafte Dessins, 110 Zentimeter breit, zu S 1.98. Dirndlstoffe, Crepe, Frenche, per Meter S 1.25, Regenmäntel, prima, per Stück nur S 10 u. a. m. Vor Deckung Ihres Bedarfes an Badeartikein sehen Sie sich in Das traurige Ereignis ist eingetreten. Hakoah hat die Erstklassigkeit verloren und muß wieder aus der ersten Wiener Fußbailiga absteigen, Nach fast zwanzigjährigem Bestand, nach einer Periode stetiger Erfolge, nach einem Aufstieg, wie er in der Geschichte des Sportes selten vorkommt, ein Niedergang, der zu bedauern ist und eine jüdische Niederlage bedeutet. Man mag den Professionalismus verurteilen, ihn als Mittel für die Zwecke der körperlichen Erziehung der jüdischen Jugend mit Recht als ungeeignet betrachten, die Tatsache ist nicht wegzuleugnen, daß der Abstieg der Hakoah einen großen Verlust des jüdischen Prestiges darstellt. Die Fußballmannschaft der Blau-Weißen, die sich durch ihre Propagandareisen um die Verwurzelung des jüdischen Sportes in der ganzen Welt und dadurch um die Stärkung des jüdischen Aufbauwerkes unvergängliche Verdienste erworben hat, war doch ein Instrument, dem werbende Kraft innewohnte. Es ist heute müßig, zu untersuchen, was die mittelbaren Ursachen des Niederganges waren, ob die Amerikareisen, die den Verlust des erstklassigen Spielermaterials nach sich zogen, schuldtragend sind oder die Jahre hindurch vernachlässigte Pflege des Nachwuchses. Das Ausscheiden des jüdischen Vereines, der vor drei Jahren die Fußballmeisterschaft von Oesterreich gewann, aus der ersten Wiener Klasse ist zweifellos ein großes Ereignis und eine jüdische Niederlage. Die Zukunft der Fußballsektion der Hakoah ist noch ungeklärt. Von leitenden Personen des Vereines, dessen Gefüge ja dank seiner gesunden, gut geleiteten und sportliph erfolgreichen Amateursektionen keineswegs erschüttert ist, wird betont, daß die Fußballsektion an der Meisterschaft der zweiten Klasse nicht teilnehmen wird. Geplant ist die Rückkehr zum Amateurismus und die Aufstellung einer starken Amateurmannschaft, mit der große internationale Propagandaspiele hier und im Ausland ausgetragen werden sollen. Das wäre ja durchaus zu begrüßen. Wie Hakoah unterlag Die sonntägige Niederlage war einwandfrei. Der W. A. C. stellte die in allen Teilen ausgeglichenere und überlegene Mannschaft. Hakoah trat ohne den disqualifizierten Neufeld und den verletzten Mausner an. Der Angriff der Blau-Weißen war völlig unzulänglich, Dabei schien der Kampf für die Hakoahner beinahe aussichtsreich, da sie aus einem Elfmeterstoß in der 15. Minute durch Katz in Führung gelangten. Möglicherweise wäre es jetzt taktisch besser gewesen, die gesamte Mannschaft in die Verteidigung zurückzuziehen. Das geschah nicht und bei offenem Spiel ging es mit 1 :0 für Hakoah in die Pause. Bald nach Wiederbeginn glich der W. A. C. aus und in der 20. Minute erreichte er gleichfalls durch einen »Elfmeter« die Führung. Von da ab war es mit der Widerstandskraft der Hakoahner zu Ende. Sie fielen zurück und der W. A. C, konnte noch zwei weitere Treffer erzielen. Der Schiedsrichter D e i n 1 erwies sich als objektiver und gerechter Spielleiter. Hakoah spielte in folgender Aufstellung: Rosenfeld, Scheuer, Feldmann, Strohs, Brandes, Fried, Katz, Hess, Kestler, Pollak, Fischer II. Der Werdegang der Hakoah-Fußballsektion Die Hakoah wurde im Herbst 1909 auf Initiative des Dr. Fritz Löhner-Beda gegründet, der gegenwärtig wieder die Präsidentenstelle des Vereines innehat. Die Mannschaft bestand damals zum größten Teil aus Studenten. Sie spielte zuerst in der sogenannten Schutzgruppe des Fußballverbandes und erwarb sich durch ein denkwürdiges Qualifikationsmatch gegen die Rennweger Sportvereinigung die Berechtigung zur Teilnahme an der Meisterschaft der damaligen 2 C Klasse, Nach einem Jahr rückte die Hakoah in die 2 B Klasse auf, Im Juni 1913 gelang es der Hakoah-Mannschaft gleichzeitig mit ihrem schärfsten Rivalen Admira — den gegenwärtigen österreichischen Fußballmeister — in die 2 A Klasse aufzusteigen, Im Meisterschaftsjahr 1913/14 placierte sich der jüdische Verein in der Spitzengruppe der 2 A Klasse und erzielte in Freundschaftsspielen bemerkenswerte Erfolge, so ein 2 :2 Resultat in Prag gegen den damals sehr berühmten und starken D. F. C. Max Scheuer spielte damals als rechter Verbinder und schoß beide Treffer. Der Krieg unterbrach den regulären Meisterschaftsbetrieb. Ueber achtzig Namen bezeichnen die Verlustliste der Hakoah »auf dem Felde der Ehre«. Auch der erste Wiener, der den Tod im Felde erlitt, war ein Hakoahner, Fritz Wagner. Die Spieler Glaunserem großen Schaufenster unsere reiche Auswahl in Bademänteln, Capes, Badetrikots, Badehanben usw. an. Warenhaus Brüder Schiff mann, (Entgeltlich) II. Taborstraße 48. sei, Mahler, Reiss sowie der Vizepräsident Dr. Da,vid Weinberger, einer der Gründer der Hakoah, fielen im Kriege. Nach Friedensschluß bemühte sich Dr. Körner, der schon vor dem Kriege die Hakoah leitete, um Aufstellung einer starken Mannschaft, um die Erstklassigkeit zu erringen. Das gelang auch. Die hervorstechendste Gestalt der Mannschaft war Izso G a n s 1, ein würdiger Nachfolger seines vör zwei Jahren verstorbenen Bruders Jenö. Im Sommer 1920 zog Hakoah in die erste Klasse ein. Grandiose Erfolge im’ Inland und Ausland, der sensationelle 5:0 Sieg gegen die englische Liga-Mannschaft Westham United in London, zwei Reisen nach Aegypten und Palästina bezeichnen'den Weg der Hakoah, die ihren Siegeszug durch die Erringung des Meistertitels von Oesterreich im Jahre 1925 krönte. 1926 wurde die erste Amerikareise angetreten, der 1927 die zweite folgte. Die Folge der zwei Fahrten war die Abwanderung fast der ganzen Mannschaft nach den Vereinigten Staaten, was schließlich zum sportlichen Zusammenbruch und zu dem Verlust der Erstklassigkeit geführt hat. Schiebungen in der Fußball« meisterschaft zum Nachteil der Hakoah? Als neueste Sensation im Wiener Fußballsport werden Bestechungsaiiären kolportiert, denen zufolge sich einige Abstiegskandidaten Siege und für den Verbleib in der ersten Klasse wichtige Punkte erkauft haben sollen. Im Mittelpunkte der Angelegenheit steht der ehemalige Tormann des Floridsdorfer A, C. Köhler, der seiner Angabe nach sich gegen Geldversprechungen seitens bekannter Funktionäre des W. A, C. und eines Vertrauensmannes des Wiener Sportklubs dazu verleiten ließ, den genannten Vereinen in den Spielen gegen seine Mannschaft zu Erfolgen zu verhelfen. Somit wären die Resultate W. A. C. — F. A. C. 2 : 1 und Sportklub — F. A. C. 3:0 auf unreelle Weise zustandegekommen. Dadurch erscheint die Hakoah auf das schwerste geschädigt. Sollten die Behauptungen Köhlers auf Richtigkeit beruhen, dann ist mit einem Riesenskandal und mit der Annullierung des Meisterschaftsergebnisses am Ende der Tabelle zu rechnen. Die Juden die Träger des Fußballsportes in Amerika Der Fußballsport Amerikas hat in den letzten zwei Jahren einen sichtlichen Aufschwung genommen und beginnt allmählich lebensfähig zu werden, was in Amerika natürlich soviel heißt, daß sich der Betrieb rentiert. IMI mm Tm Beni Leonard (X)i der beste jüdische Boxer der Welt, Weltmeister im Leichtgewicbti als Zuschauer bei einem Fußballmatcb in New York, neben dem berühmten jüdischen Philanthropen, dem 80jäbrigen Nathan Straus. Die kürzlich — wahrscheinlich nur auf Urlaub heimgekehrten Wiener und Budapester Spieler machen durchaus nicht den Eindruck physischer Zerbrochenheit oder körperlicher Ausbeutung. Sie sehen trotz der unleugbaren Strapazen der amerikanischen Fußballkampagne — man muß zweimal in der Woche Matchs absolvieren, bei Feiertagen auch dreimal — sehr gut aus . und die reichen Ersparnisse in Dollars lassen gewiß keine ernste Schillingsehnsucht aufkommen. Daß sich der Fußballsport in Amerika, wenn auch noch langsam, so doch anscheinend sicher entwickelt, beweist der Umstand, daß sogar die Baseballunternehmer auf die „Konjunktur" aufmerksam werden. Die Frage der Spielplätze bildet nämlich einen wichtigen Faktor in der Entwicklung des amerikanischen Fußballs. Die gegenwärtigen Anlagen sind sehr primitiv. Die Fußballmanager müssen den Besitzern der großartigen Baseballplätze entsprechende Abgaben für die Vermietung leisten. Dennoch fangen die Unternehmer an, auf die Kosten zu kommen, besonders jene, die sich auf jüdisches Publikum stützen. Vor dem Erscheinen der Hakoah in Amerika waren dort nur sehr geringe Besuchsziffern bei den Fußballspielen zu konstatieren, Die rein amerikanische Bevölkerung interessiert sich auch heute noch nicht für den sogenannten Soccer- Fußball. Einwanderer aus Großbritannien waren die einzigen Zuschauer der Alatchs. Mit dem Auftreten der Wiener Hakoah änderte sich die Lage mit einem Schlage. Das jüdische Publikum begann in Massen zu den Hakoahspielen zu strömen, sodaß die geschäftstüchtigen Manager auf die Idee kamen, jüdische Spieler — eben die Hakoahner, zu denen sich im weiteren Verlaufe Juden aus Budapest und Prag gesellten — zu engagieren. Derzeit gibt es in New York durchschnittlich bereits 3000 bis 3500 Zuschauer bei den Wettspielen, namentlich der „G i a n t s“ und der „Brooklyn Wanderer s", bei denen in erster Linie jüdische Spieler tätig sind. Zu 90 Prozent besteht das Publikum aus Juden. Als erfreuliche Tatsache darf das Erstarken der New Yorker Hakoah registriert werden, die unter Einfluß des ehemaligen Sektionsleiters der Hakoahleichtathleten in Wien, Artur Hirschler, steht. Die New Yorker Hakoah, bei der die bekannten Spieler Nikolsburger und Rosenberg aus Budapest mitwirken, spielt in der sogenannten Internationalen Liga, einem Verband der zweitklassigen Vereine, mit schönem Erfolg. Hirschler ist bemüht, aus dem Klub einen Allroundverein zu machen und ihn in jüdischnationalem Sinne zu leiten. Es wird allerdings auch davon gesprochen, daß aus der New Yorker Hakoah eine große jüdische Professional-Fußballmannschaft gebildet werden soll, von der man sich die größte Propagandawirkung für den jüdischen Sport verspricht. Diese Meldung ist jedenfalls noch verfrüht. Tatsache ist, daß die in Schwung befindliche Fußballbewegung in Amerika im Judentum, dem auch der Sport in Oesterreich soviel verdankt, seinen Nährboden hat. Hapoel-Tel-Aviv, Sieger im Palästina-Cup Wie bereits berichtet wurde, war es infolge des Ausfalles der englischen und* arabischen Mannschaften aus dem Cup- Bewerb bereits sicher, daß der Palästinapokal zum erstenmal in den Besitz eines jüdischen Fußballklubs übergehen werde, nachdem er die ganzen acht Jahre seit seiner Stiftung von den Engländern gehalten wurde. Nunmehr hat, wie uns aus Tel-Aviv berichtet wird, der Entscheidungskampf zwischen den zwei Cup-Finalisten Hapoel-Tel-Aviv und Hasmonea-Jerusalem stattgefunden und endete mit einem 2 :0- Sieg des Hapoel-Tel-Aviv. Es war ein scharfer hartnäckiger Kampf, den Hapoel, nachdem die erste Halbzeit t o r 1 o s verlaufen war, durch ihre Ausdauer und Aufopferung für sich zu entscheiden vermochte. Mit welchem Interesse das Publikum den Kämpfen um den Palästinapokal gefolgt ist, geht daraus hervor, daß dem Entscheidungskampf 6000 Zuschauer beiwohnten. Die palästinensischen Blätter schreiben den Sieg des Hapoel nicht nur dem sportlichen Training und der allgemeinen sportlichen Erziehung der Arbeiter sondern auch der von ihrem Trainer L u m e k (früher Hakoah-Wien) angewandten Trainingsmethode zu. Erfolge jüdischer Sportvereine imT Groß* Stapellauf Potsdam-Berlin Berlin, 11. Juni. Von dichten Zuschauerreihen auf der ganzen 25-Kilometer-Strecke umlagert, wurde am Sonntag auf der klassischen Rennstrecke Potsdam—Berlin der gleichnamige Staffettenlauf zum 21. Male ausgetragen. Im Hauptlauf über die Strecke Potsdam—Wannsee-Beelitzhof—Grunewald—Witzleben bis zum Sportplatz Tiergarten gelang es der Mannschaft des jüdischen Turn- und Sportvereines Bar Kochba im Hauptwettbewerb als Siebenter in 1:01:36,2 hinter dem D. S. C. als erstem in 00 :57 :27,4 (einem neuen Rekord) die Ziellinie zu passieren (gegenüber einem zehnten Platz im Vorjahr). Bedeutsam ist die Tatsache, daß in diesem Jahre die Zeit des Siegers von 1923 — S. C. C. — von Bar Kochba unterboten wurde. Bar Kochba war zum ersten Male in diesem Lauf unter den A-Vereinen vertreten. (Im vorigen Jahre war Bar Kochba aus der B-Klasse als Sieger hervorgegangen). Der Erfolg des Bar Kochba wurde von allen Seiten anerkannt. Die Tatsache, daß er unter den 28 hervorragendsten Leichtathletikvereinen Deutschlands, die auch eine viel größere Mitgliederzahl haben, einen solchen Platz eingenommen hat, macht die Leistung besonders bemerkenswert. Der Vorsitzende der Jüdischen Volkspartei Rechtsanwalt Dr. Klee, den man neben dem Vorsteher der Jüdischen Gemeinde, Direktor K a r e s k i, auf dem Sportplatz bemerkte, sprach dem Leiter des Bar Kochba die herzlichsten Glückwünsche zu dem neuen großen Erfolge der blau-weißen Fahnen aus. Recht günstig schnitten auch die Knaben- und Frauenmannschaften des Bar Kochba im abgekürz- I Jüdischer Sport I Hakoah verliert die Erstklassigkeit! Das Entscheidungsspiel gegen den W. A. C. 1:4 (1:0) verloren