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Die Stimme · 1928-06-07 · Heft 23 (7.6.1928) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 23 (7.6.1928)
Date
1928-06-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V.b.b. Preis 35 Groschen Zeitung vom Verleger versendet Journal expedte per l’öditeur Abonnementpreise: Für Oesterreich: Monatl. S 1.50, vierteil. S 4.20, Ganzj. S 16.— / Deutschland: Monatl. Goldmark 1.—, viertelt Goldmark 3.— / Tschechoslowakei: Monatlich Kö 7.—, vierteljährlich K6 19.— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—, vierteljährlich Dinar 40.— Jüdische Zeitung erschein« fedeit Donnerstag Üedaltflen und s Wien, 2. ‘Rauhenaieinsraase 1 / Telephon 76*3*89 Polen: Monatl. Zloty 2.30, viertel)’. Zloty 6.50 / Ungarn: Monatl. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 4.20 / Rumänien: Monatl. Lei 45.—, viertelj. Lei 125.— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30.—, viertelj. Lewa 80— / Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertelj. Belga 5.— / Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1.50 1. Jahrgang Wien, 7. Juni 1928 (f9> Siwan 5688) Nummer 23 Der österreichische Sommerfrischenantisemitismus Zur Aufklärung und Warnung an die Juden! Wenn der Sommer naht, wird für viele die Frage des Kur- und Erholungsaufenthaltes aktuell. Aber auch für die Verwaltungen der Kurorte und Sommerfrischen kommt dann die Zeit, da sie ihren Antisemitismus bekunden können. Es gibt nämlich eine Anzahl von Kurorten, besonders in Oesterreich, die jetzt das Rezept, die Juden erst gegen Saisonende hinauszuprügeln, wie es vor einigen Jahren in mehreren Orten des Salzkammergutes und im Jahre 1925 in Schönberg am Kamp geschah, perhorreszieren, da sie lieber die Methode anwenden, die Juden . vom . Sommeraufenthalt iii ihren geheiligten Bezirken von vorneherein ausschließen. In verschiedenen österreichischen Orten,, die-sich als Sommerfrischen änpreisen, wurden schon mehrfach derlei , Gemeinderatsbeschlüsse gefaßt. Gewöhnlich smd sie dann wieder umgestoßen worden, nicht etwa, wie man annehmen sollte, weil die Landesbehörden oder die Bundesregierung die Aufhebung solcher Beschlüsse, die gesetzwidrig sind, erzwungen hat, sondern weil es sich dann nachträglich zeigte, daß solche Beschlüsse viel Geld kosten. Denn die arischen Sommerfrischen sind für gewöhnlich leer. Nun haben leider die Juden ein sehr kurzes Gedächtnis und begnügen sich damit, zu erfahren, daß in dem oder jenem Sommerfrischenort nichts gegen die Juden einzuwenden sei. Sie machen dann die traurigsten Erfahrungen. Denn, abgesehen davon, daß die meisten österreichischen Sommerfrischen sich durch den Mangel jeglichen Komforts, dafür aber durch wilde Preisanarchie und Ueberhaltung der Fremden auszeichnen, erleben die jüdischen Sommerfrischler gewöhnlich allerhand imangenehme Ueberraschungen durch Anpöbelungen, unzweideutige Anspielungen und dergleichen.; in manchen Fällen, wie bereits erwähnt wurde, durch Exzesse, die veranstaltet werden, sobald die jüdischen Sommerfrischler genügend geschröpft sind. Wir bringen daher die eklatantesten Fälle dieser Art unseren Lesern wieder in Erinnerung, um sie, selbst wenn inzwischen die diversen Gemeinderäte oder Kurverwaltungen ihre Einschränkungsbeschlüsse widerrufen haben sollten, davon abzuhalten, derlei Geschäftspraktiken antisemitischer Alpenländler hereinzufallen. Zunächst sei nochmals darauf verwiesen, daß das ganze Kamptal welches von Wien so leicht zu erreichen ist, antisemitisch verseucht ist. In Schönberg am Kamp haben sich im Jahre, 1925 gegen Saisonende unerhörte Szenen abgespielt, durch welche die jüdischen Sommerfrischler genötigt wurden, den Ort fluchtartig zu verlassen. Aber auch die Orte Gobelsburg am Kamp, Gars usw. tragen rassisches Sommeririschengepräge. Es sei ferenr erinnert, daß der Gemeinderat des mederösterreichischen Ortes Mank beschlossen hat, den Aufenthalt jüdischer Sommerfrischler nicht zu dulden. Aebnliche Beschlüsse haben die Gemeinden E f i e r d i n g (welche die Aufenthaltsdauer für Nichtarier auf 24 Stunden beschränkt), Reichentha 1 i, M., St. Johann i, P.f Ma11see, Ta m sw e g im Lungau gefaßt. Zu bemerken ist, daß das Mühlviertel in Oberösterreich überhaupt rassische Sommerfrischenpolitik betreibt. Ferner ist auf die am Attersee gelegenen Orte zu verweisen, ebenso auf die Ortschaften am W a 11 e r s e e. Ein lustiges Oertchem ist Weyr a. d. Enns, wo der Verschönerungs - Verein Juden als unerwünscht bezeichnet, offenbar weil sie ihm die sonst von bodenständigen Kröpfen besäte Landschaft verschandeln. Ferner seien in Kärnten Afrizersee, St. Margarethen im Lev anttal, in Tirol-0 e t*rt a 1 und das mit sehr viel Reklame/ .aufdringlich inS&Sferte; Zi 11 er t al . genannte wo überall arische ^Sommerfrischenpolitik betrieben wird. Fügen wir noch hinzu, daß in der Steiermark die Orte Murau und Pö 11 au sich als arische Sommerfrischen ersteh Ranges anpreisen, und daß die Kurverwaltung in Trofaiach in ihren Reklameannoncen ausdrücklich bemerkt: „Angenehmer Aufenthalt für christliche Familien” — so haben wir eine ziemlich umfangreiche Auslese vom österreichischen Sommerfrischenantisemitismus gegeben. Die Liste erhebt, was wir ausdrücklich bemerken wollen, bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt noch viele Dutzende von Sommerfrischen in Oesterreich, wo die Anwesenheit von Juden in bestimmten Gasthöfen oder von bestimmten lokalen Fremdenverkehrsinstitutionen als nicht erwünscht bezeichnet wird. Wir raten unseren Lesern, wenn sie überhaupt angesichts der geschilderten Verhältnisse österreichische Sommerfrischen aufsuchen wollen, sich vorher eingehend zu informieren. „Die Stimme“ steht ihren Lesern mit Auskünften dieser Art gerne zur Verfügung. Kein Jude, der etwas auf seine Würde hält, soll eine Sommerfrische besuchen, in der die Hakenkreuzlerei, wenn auch nur vereinzelt, ihr Unwesen treibt. In Oesterreich gibt es Hunderte solcher Orte! Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze und Berichte: „Die Keimzelle der Jewish Agency“. Reste des alten jüdischen Synagogalgesanges. Von Professor Dr, Max Graf, Jüdischer Reisebrief aus Pistyan. Von Orator. Ein Besuch beim Haifaer Schulwerk, Von Professor Artur Freud. Die Vorfahren Ferdinand Lassalles. Von Gustav Mayer. Feiern im Emek. Von David S c h o r (Tel-Aviv.) Amerikanisches Judentum und amerikanischer Zionismus. Ein Gespräch mit Harry Säckler (New York.) Von Büchern, Sport, Schach, Rätsel, zahlreiche Illustrationen. -uw Hotel Smetana -itw neu renoviertes Haus ersten Ranges, mit modernstem Komfort. Erstklassige Küche. Täglich Abendkonzert mit Tanz Die stärksten natürlichen Kohlensäurebäder der Tschechoslowakei Berühmte Kaltwasserheilanstalt Modernstes Inhalatorium Europas Über 20.(T0 Kurgäste Hellt: Nasen-, Rachen- und Bronchialkatarrhe, Asthma, Herz-, Nerveh¬ und Frauenkrankheiten, Magen- und Darmkatarrhe, Nierenleiden, dicht, Ischias und Rheuma Philharmonische Konzerte, Tennis- und Spielplätze, Abendreunionen, Jagd, Ausflüge und andere Zerstreuungen Überall wird deutsch gesprochen Direkter Sclmellzugsanschluß ab Wien Nordbalinhof 15*15, an LuhaCovlce 19*30 Fahrpreisermäßigung auf den lschechoslow. Bahnen Nächster Kurort in der Tschechoslowakei Prospekte, Wohnungen, Informationen durch die Badedirektion und J. Danneberg, Wien I, Stock-im-Eisen-Platz 2 Bad Luhacovice 1! Dos mährische Paradies!! „Fall“ Szold Von Dr. Siegfried Schmitz. Auf dem letzten Zionistenkongreß wurde unter dem Eindruck der Palästina-Krise eine Exekutive der Konsolidierung oder, wenn man will, der Rationalisierung gewählt; die Arbeitsmethoden, welche die Gewählten anzuwenden übernahmen, mögen für eine Situation, wie sie damals herrschte, zweckmäßig und geboten sein (selbst das wird übrigens mit einigem Rechte bezweifelt), doch darüber mußte sich jeder denkende Zionist klar sein; Für die Dauer kann die Methode der Rationalisierung nicht angewendet werden, will man, daß die zionistische Bewegung sich weiter entwickle, daß der Aufbau Palästinas ein produktiver werde; denn das zionistische Aufbauwerk ist nicht mit rein technisch-mechanischen Prinzipien durchführbar, es wird nie eine rechnungsmäßig zu bewältigende Arbeit sein, an der man mit im voraus feststehenden Resultaten operieren kann. Dies hat sich auch in den acht Monaten, da die neue Zionistische Exekutive in Palästina amtiert, deutlich genug gezeigt. Die rasche Ueberwindung der Krise in Palästina war weit weniger den mehr oder weniger schwach fundierten Rechenarbeiten dieser Exekutive zu danken, weit mehr den von der Krise am stärksten Betroffenen: der jüdischen Arbeiterschaft in Erez Israel. Der Pioniergeist des arbeitenden Palästina erwies sich — und das haben Weizmann, Sir Alfred Mond u. v. a. aus eigener Anschauung bestätigt — auch in Zeiten der Not als lebenskräftig. Diesen unbeugsamen Willen zum neuen jüdischen Leben haben Tausende von Pionieren aus Rußland, Polen, der Tschechoslowakei mitgebracht; aus Amerika ist noch kein einziger Chaluz nach Erez Israel gekommen. Geld floß aus Amerika in den letzten Jahren mehr als aus der übrigen jüdischen Welt dem Aufbauwerke zu; ist doch Amerika fast das einzige jüdische Zentrum, das im Krieg und Nachkrieg unerschüttert blieb. Die Statistik zeigt übrigens, daß der Anteil der außeramerikanischen Judenheit an der Aufbringung der Mittel für das Palästinawerk bei weitem dem amerikanischen nicht so sehr nachsteht, wie allgemein angenommen wird, sie zeigt ferner, daß die amerikanische Judenheit noch weit davon entfernt ist, auch nur annähernd das gleiche Interesse am Aufbau von Erez Israel zu nehmen wie die außeramerikanische. Jenseits des Ozeans wird die Spende für Palästina oft als

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