Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1928)
- Date
- 1928-05-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite U DIE STIMME Nr. 19 Magisches Quadrat 1 2 3 4 5 1. Naturerscheinung 2. Abwesenheitsnachweis 3. Weste. 4. Gerade Fläche. 5. Hohlmaß. Auflösungen der Rätsel in Nnmmer 18 Kreuzworträtsel. Wagrecht: 1. Ball. 5. Aera. 9. Ries. 11. Alge. 13. Gin. 15. Mit. 16. Rio. 17. Aas. 19. Uran. 20. Nabob, 22. Ware, 23. Tat. 24. Keramik. 26. Ren. 27. Tuba. 29. Tra. 30. Adam. 32. Rate. 34. Treu. 35. Sand. 36. Lang. 37. Talg. 39. Beet. 41, Nero. 42. Ali. 44. Onyx. 46. Leu. 47. General. 50. Per. 52. Eben. '53. Ronde. 54. Luna. 55. Oer. 56. Eid. 57. Erl. 59. Sir. 60. Unke. 61, Naab. 63. Asta. 64. Ruin. — Senkrecht: 2, Ar. 3. Lim. 4. Leine. 5. Alibi. 6. Ego. 7. Re. 8. Pirat. 10. Start. 11. Aroma. 12. Harem. 13. Gut. 14, Natur, 17. Aarau. 18. Sen. 21. Bart. 24. Katalog. 25. Karneol. 28. Basar. 31. Degen. 33. Eng. 34. Tab. 37. Teuer, 38. Elen. 40. Typus. 41. Nebel. 42. Anode. 43. Irden. 45, Xenie. 46. Leo. 48. Erika. 49. Aerar. 51. Rar. 56. Ent. 58. Lau. 60. U. S. 62. Bi. Visitkartenrätsel: Schriftsteller Zahlenrätsel: 1. Brindisi. 2. Robust, 3. Emilia. 4. Mantel. 5. Ernani. 6. Narenta, — Bremen—Italia. Scherz und Humor Der weise Richter Ein Jude in Galizien hat seine Laubhütte bis hinüber auf den Grund seines Nachbarn, eines streitsüchtigen Bauern, gebaut. So behauptet es wenigstens dieser. Sie geraten in Streit, der Bauer gibt nicht nach. Also Besitzstörungsklage vor dem Bezirksgericht, einen Tag vor dem Laubhüttenfest. Der Bauer verteidigt umständlich sein Recht, während der Jude zu beweisen sucht, daß der strittige Streifen Boden schon seit undenklichen Zeiten zum Besitz seines Hauses gehörte. Bis der Richter, der Verhandlung müde, sein Barett aufsetzt und das Urteil verkündet: Der Jude ist verpflichtet, binnen 14 Tagen vom Tage der U r t e il s f ä 11 u n g die Laubhütte vom Boden des Bauern zu räumen! Womit beiden Parteien geholfen war. Schlagfertig Erzherzog Otto kam auf einer Inspektionsreise nach Czernowitz, wo ihm der dortige Gemeinderat, der Bankier Goldberger vorgestellt wurde. »Warum heißen Sie Goldberger und nicht Geldborger?«, meinte der witzige Erzherzog, »So schlecht wird es Ihnen doch nicht gehen, kaiserliche Hoheit,« erwiderte Goldberger humorvoll, »daß Sie sogar schon die Buchstaben versetzen müssen.« Jüdischer Sport Was dankt der österr. Sport der jüdischen Sport« bewegung? Die jüdische Sportbewegung in modernem Sinne ist jung. Sie entstand, wie zum größten Teile der Zionismus selbst, als Ausdruck der Aibiwehrf und aus Notwehr wurde 'positives Ziel. In den Methoden und Mitteln der Umwelt wandelnd, gewann die jüdische Sportbewegung doch bald ihre eigenartige individuelle Note; sie fand sich als Mittel zu höheren Zwecken, deren moralischen Werte sie zu großen Leistungen und zur Expansion führen mußten. Der Aufstieg des jüdischen Sportes, hier repräsentiert durch die Ha ko ah, wurde mit richtigem Instinkt von den anderen schon frühzeitig geahnt. Als die Hakoah schon in den unteren Klassen sich mächtig zu rühren begann, da fiel einmal aus dem Munde eines primitiven Vertreters irgend eines Fußballklubs der Ausspruch: ,,Die Hakoah ist klein, aber hinter ihr steht ein Großer, das sind die J u - d e ml“ So empfand unbewußt die einfache Volksseele und die Assimilation begann unruh i:g zu werden. Sie fürchtete für ihre Positionen, wollte nicht als rassenverwandt „kompromittiert“ werden und jüdische Funktionäre oder solche jüdischer Abstammung taten damals alles, tun den Aufstieg der Hakoah zu hemmen. lUebrigens ist der Zerfall des Budapest e r jüdisch-nationalen Vereines Vivo es Athletikai Club nicht zuletzt auch auf die Minierarbeit der ,,judäomagyarischen“ (Macher der erbgesessenen großen Vereine, in erster Linde des M. T. K., zurückzuführen, die den „Verwandten“ in der ersten Klasse nicht mehr brauchen konnten. Dennoch, der jüdische Sport wuchs und gedieh und begann seinen (Lehrmeistern die Schule reichlich zu honorieren. Der unaufhaltsame Drang der Hakoah zur Erstklassigkeit zog die breiten jüdischen Massen in den Bann, Zum Entscheidungsspiel um die Meisterschaft der zweiten Klasse zwischen Halt o®h und der Germania im Dezember 1918 waren 15.000 Personen erschienen, was bis dahin die größte Zuschauermenge bei einem Vereinsmatch in Wien darstellte. Jüdische Massen, die früher Fußballspiele nie besucht hatten, fandien sich mm regelmäßig zu den Hakoahmatchs ein, sie gingen dann auch zu Auswahlspielen und später zu allen größeren Ereignissen. So entstand allmählich eine ganz neue, starke und zum Teil auch kapitalkräftige Schichte, die zum Budget der Vereine wesentlich beitrug. Die Spiele gegen Hakoah begannen mit der Zeit als ausschlagende Aktivposten der Kluibs zu figurieren. Man riß sich immer mehr um Managements mit der Hakoah, Die im Sinne der Propagandazieile durchgeführte Expansion, die weiten Reisen wirkten bahnbrechend auch für den österreichischen Gesamtsport, dessen hervorragender Faktor die Hakoah mit der Zeit geworden war, Durch das Auftreten des jüdischen Vereines und seine Erfolge, wurde Oesterreich bekannt und geschätzt. Erst mußte Hakoah die große Aegypten-Palästiiaa-Reise unternehmen, dann erst konnte Rapid in das Land der Pyramiden fahren. In Polen wurde den Wiener Vereinen erst durch’ die Hakoah der Weg vorbereitet, nach dem Kieg war es <$9r jüdische Verein, der die erste englische Mannschaff, es;tr ham United, nach Wien brachte, und durch den sensatio«^ nellen 5; 0-Sieg im Revanchespiel gegen die Engländer in London dem österreichischen Sport auch im Mutterlands de» Fußballs Achtung und Ansehen verschaffte; Die Amerika- Reisen — verhängnisvoll in ihren Folgen1 für die Hakoah) selbst — erweiterten dcjch auch den Sporthorizont des Bergländerbundes. In vier Weltteilen hat somit die jüdische Sportbewegung dem österreichischen Sport die wertvollsten Propegandadieoste geleistet. Aber auch in allen anderen Sportzweigen hat sich die gedeihliche Arbeit bei der Hakoah anregend und befruchtend für allgemeines Niveau und Leistungen erwiesen. So wie im Fußball Hakoahs Elitemannschaft vor einigen Jahren die allgemeine Klasse in Wien hob, so haben die Schwimmleistungen des jüdischen Vereines den jahrelang so brachliegenden Schwimmsport Oesterreichs mächtig gefördert. Ereignisse,wie die um das Schwimmphänomen Arne Borg herum, von der Hakoah durchgeführte Veranstaltung, bildeten Wendepunkte des österreichischen Sportes. Aehnlich gab es im Ringen einen allgemeinen Aufstieg, äls die Hakoah ernstlich in diesem Sportzweig wollte. Möglich oder wahrscheinlich, daß jüdische Leistungen auf die anderen anspomend wirken, aber solch eine Rivalität ist gesund und von allgemeinem Nutzen. Wägen wir das, was der jüdische Sport bekommen, dagegen, was er gegeben,' so neigt sich die Schale der jüdischen Leistungen tief nieder. Das Judentum gibt immer mehr, als es nimmt. Es dient mit Treue, Fleiß, Hingabe, Opferwilligkeit, gibt Leistungen, befruchtet und nützt. Dafür empfängt es Hohn und Haß, Schadenfreude, Verunglimpfung, Unrecht, Bedrückung: Antisemitismus. Schon läuten sie der jüdischen Fußballmannschaft das Zügenglöcklein. Der österreichische Sport wird bald erkennen, daß er um vieles ärmer ist, wenn Hakoah — was wir nicht hoffen — nicht mehr sein sollte ... Jüdische Fußballer in Auswahlmannschaften In der letzten Zeit wurden für Auswahlmannschaften mehrfach jüdische Spieler herangezogen. Am 1, Mai fand in Hütteldorf ein Match der »alten Größen« gegen ein »Team der jungen Talente« statt. In der Mannschaft der »Alten« war Pollak von der Hakoah mit Erfolg tätig, bei den »Jungen« spielten die Hakoahner Rosenfeld, Brandes und Mausn e r und hielten sich sehr gut. In der österreichischen Amateurauswahlmannschaft, die am Sonntag in Ungarn in sensationeller Weise siegte, wirkten zwei jüdische Spieler mit: Katz von der Hakoah, der einen großen Anteil am Siege hatte, und F r e i f e 1 d vom F. A C., der in der 33. Minute des Spiels wegen einer Verletzung im Knie ausscheiden mußte. In der ungarischen Nationalmannschaft gegen Oesterreich waren wieder Kalman Kon r ad und Sternberg von jüdischen Spielern tätig. Konrad war in der ersten Hälfte hervorragend, Sternberg schuf bis zum Schlußpfiff eine große Leistung. Paul und Stasa Flußmann bei Hakoah Der Tisch-Tennissport, auch Ping-Pong genannt, erfreut sich in der letzten Zeit in allen Ländern einer großen Beliebtheit. Eine hervorragende Rolle in diesem Sportzweig spielen Das jüdische Tischtennismeister-Ehepaar Paul und Stasa Flußmaaa, Gewinner zahlreicher Turniere. ist« ffiiüi mmmm wwm H ■ - _ mm Ungarn und Oesterreich. In beiden Ländern zählen Juden und Jüdinnen zu den besten Kräften. In Oesterreich ist es ganz besonders das Ehepaar Paul und Stasa FI u ß m a n n, das in diesem Sportzweig erstklassige Leistungen vollbringt. Beide, bisher Mitglieder des J. S. V. M a k - k a b i, sind in den letzten Tagen der Hakoah beigetreten. Paul Flußmann hat sich erst vor kurzem wieder in der Meisterschaft von Oesterreich als Erster placiert. Er ist .mehrfacher Meister von Oesterreich, von der Tschechoslowakei und wurde Dritter in der heuer in Stockholm ausgetragenen Weltmeisterschaft. Seine Form ist andauernd verläßlich. Stasa Flußmann besetzte in der Damenweltmeisterschaft in London in diesem Jahre den dritten Platz und zählt zu der besten Wiener Damenklasse. Hakoaheriolge beim Olympia-Prüfungsschwimmen Bel den Qualifikationsbewerben im Schwimmen wegen Teilnahme an den Olympischen Spielen, erzielte die Hakoahsektion schöne Erfolge. Im Herrenrückenschwimmen über 100 Meter wurde Nassau Erster, Im Herrenfreistilschwimmen über 100 Meter landete Goldberger im toten Rennen mit dem Iwaskmann K i n z i u s in 1.05,5 Minuten. Zweiter wurde Liechtenstein in 1,06,1, Im Damenfreistilschwimmen über 100 Meter kam Idy Kohn mit 1.19,7 dem österreichischen Rekord auf drei Zehntelsekunden nahe. Das große Schwimmfest der Hakoah am 19. und 20. Mai im Dianabad Bei dem vom Sportklub Hakoah am 19. und 20. Mai um %8 Uhr abends im Dianabad veranstalteten großen Schwimmfest, bei welchem an beiden Tagen Rademacher, Küppers und Reni E r k e n s teilnehmen, werden alle großen und interessanten Bewerbe sogenannte Einladungskämpfe sein. Es werden vom Schwimmwart des österreichischen Schwimmverbandes nur die Allerbesten als Teilnehmer ausgesucht, so daß man nicht nur die Großen Deutschlands, sondern die .besten Oesterreicher gleichzeitig am Start sehen wird. ...'* Der Weltmeister Rademacher trifft über 200 m auf; Karl Schäfer und über 400m auf den tschechischen Meister und! wird also gezwungen sein, seine ganze Kunst aufzubieten. Küppers, der die österreichischen Olympiakandidaten Nassau, Dvorschak und S e i t z zum Gegner Ijat, wird am zweiten Tag in einem Freigabeschwimmen seine »beste Zeit erreichen müssen, um zu siegen. Reni E r k e n s endlich, wird auf der Strecke über 400 m alles daransetzen, um an Fritzi L ö w y, von der sie bei den vorjährigen Europa-Meisterschaften geschlagen wurde* Revanche zu nehmen. Schließlich muß Goldberger im Kampf mit dem tschechischen Meister Steiner seine Scharte von Preßburg ausbessern und siegen. Nimmt man noch die Endkämpfe um den Silberballcup im Wasserball dazu, so ist anzunehmen, daß das Publikum bei diesem Schwimmfest besonders spannende und aufregende Kämpfe zu sehen bekommt. 1 Antisemitische Ausschreitungen wegen der Sporterfolge einer jüdischen Mannschaft Der tunesische Korrespondent des »Davar« berichtet seinem Blatte: Eine jüdische Fußballmannschaft (U. S. T.) arbeitete sich dank der erfolgreichen Schulung durch einen Trainer, der ehemals Spieler der Hakoah war (?) und sich dauernd in Tunis niederließ, an die erste Stelle im Kampfe um die Meisterschaft von Nord-Afrika. Die’ jüdische Mannschaft schritt von Sieg zu Sieg, was den christlichen Mannschaften und ihrem Anhang offenbar wider den Strich ging, denn mit dem Aufstieg der jüdischen Mannschaft wuchs auch die Hetze der christlichen Presse und der Führer der christlichen Vereine ge ge n die Juden. Dieser judenfeindlichen Stimmung trug auch bei einem Spiel der jüdischen Mannschaft gegen ein christliches Team der Schiedsrichter durch parteiische Entscheidungen Rechnung. Die jüdischen Spieler und die jüdischen und mohammedanischen Zuschaner gaben ihrer Entrüstung über diese willkürliche Korrektur des Glücks im Sport Ausdruck, es kam zu Tumultszenen, die schließlich in Schlägereien und Schießereien ausarteten. Nach dem Spiel zogen christliche junge Leute in Gruppen durch die Stadt, stießen antisemitische Rufe aus und mißhandelten jüdische Passanten. Die Regierung schritt wohl sofort mit aller Energie ein und unterdrückte den Versuch, einen regelrechten Judenpogrom herbeizuführen, doch ist die Stimmung immerhin eine gereizte. Wm Sammy Rothschild (New York), ein berühmter amerik. Hockey-Champion.