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Die Stimme · 1928-05-10 · Heft 19 (10.5.1928) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 19 (10.5.1928)
Date
1928-05-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Juli in London zusammen Aus New York wird uns gemeldet: Der Termin für den Zusammentritt der Jewish- Agejicy-K ommissioo, welche auf Grund des Berichtes ihrer Experten die Richtlinien ausarbeiten soll, nach denen die Verantwortung für die weitere Aufbauarbeit in Palästina von der durch Ntchtziomsten. erweiterten Jüdischen Agentur (laut Mandat Jewish Agency, als welche die Zionistische Organisation fungiert) getragen werden könnte, ist nun endgültig bestimmt. Nach einer Mitteilung des amerikanischen Mitgliedes dieser Kommission, Lee K, Frankel, wird die Tagung am 9. Juni in London beginnen und es werden an ilu* die europäischen und amerikanischen Mitglieder, ferner als „Beobachter" der Präsident des American Jewish Comittee, Louis M a r s h a 11, teilnehmen. Die Kommission dürfte mehrere Wochen tagen, da sie, wie Mr. Frankel der Presse mitteilte, beisammenbleiben wird, bis das gesamte Arbeitsmaterial erledigt ist. Mr. Lee K. Frankel teilte der Presse schließlich mit, daß für den Frühherbst d. J. eine allgemeine jüdische Konferenz in einem Zentrum der Vereinigten Staaten in, Aussicht genommen ist, die die Vorschläge der Jewish-Agency-Kommission prüfen und entgegennehmen wird. Von den amerikanischen Mitgliedern der Jewish-Agency-Komnussion wird Felix M. Warburg zusammen mit dem jetzt in Amerika befindlichen Präsidenten der Zionistischen Organisation, Prof. Weizmann, am 23. Mai nach London abreisen, die anderen Mitglieder, Lee K. Frankel und Mr. Hext er sowie Louis Mar s ha 11, folgen am 2. Juni. (Die europäischen Mitglieder der Kommission sind Sir Alfred Mond, der, wie verlautet, demnächst die Pairswürdev erhalten soll, und Direktor Oskar Wassermann von der Deutschen Bank. — Die Red.) Eine neue Spende von Bernard Baron Der bekannte englisch - jüdische Philanthrop Bernard Baron, welcher zuletzt Ende 1927 dem Palästina-Aufbaufonds 10.000 Pfund zugewendet hat, übersandte, wie aus London gemeldet wird, der Zionistischen Palästina-Exekutive einen Scheck auf 5000 Pfund Sterling für Aufbauzwecke in Palästina. Konferenz der amerikanischzionistischen Opposition Am 29. und 30. April fand in Washington, wie von dort berichtet wird, die Konferenz der Zionistischen Opposition in den Vereinigten Staaten statt, der 125 Delegierte aus allen Teilen der Union beiwohnten. Den Vorsitz führte Richter Julian W. Mac k. Der Vorsitzende sowie die Herren Berenson, Zeldin, Rosenson u. a. setzten die Ziele der oppositionellen Propaganda auseinander. In den zwei Tage währenden Beratungen beschloß die Konferenz, unter den Zionisten der Vereinigten Staaten eine auf den Sturz Louis L i g» s k y s, des gegenwärtigen Präsidenten der amerikanischzionistischen Organisation, gerichtete Propaganda durchzuführen und so bei der im J u n i d. J. stattfindenden Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten die Beseitigung der von L i p s k y geleiteten Administration durchzusetzen. Für diese Propaganda wurde ein Komitee eingesetzt, dem die Konferenz einen Betrag von 25.000 Dollar^ zur Verfügung stellte. Oberlichter Louis B r a n d ei s, der seit 1921 als der geistige Führer der Opposition gilty nahm an der Konferenz n i c: h t teil. Es wurde täikM *' \-f «T-- Louis MarshaJ], welcher au der Sitzung der Jewish-Agency- Kommission als „Beobachter“ teilnimmt. eine Abordnung zu ihm entsendet, offenbar, um von ihm Informationen über seine Ansichten, über die gegenwärtige Situation und die daraus sich ergebenden Möglichkeiten zu erhalten; Brandeis scheint jedoch nicht gewillt zu sein, aus seiner Reserve herauszutreten; demgemäß hat die Washingtoner Konferenz einmütig festgestellt, daß Brandeis kein Amt in der Zionistischen Organisation Amerikas oder in der Gesamtorganisation annehmen solle. Die Frage der Führerschaft Dr. Weizmanns und die Frage der Erweiterung der Jewish Agency schloß die Konferenz grundsätzlich von der Erörterung aus. (Siehe auch den Aufsatz »Der Kampf gegen Lipsky« im Innern des Blattes.) An unsere p. t Abonnenten! Wir ersuchen dringend um Einzahlung der rückständigen Bezugsgebühren. Nicht abgemeldete Abonnements gelten als weiterbestehend. & Redaktionsschluß und Schluß der Inseratenan- Bahme Montag um 4 Uhr nachmittags. Für die jüdische Existenz! Als am Ausgang des Weltkrieges das Selbstbestimmungsrecht der Nationen zur Friedensparole wurde und die Welt sich anschickte, dem Völkerrecht jene ethische Vervollkommnung zu geben, die der ausgebluteten Welt den Frieden sichern sollte, da handelte es sich auch darum, den Juden den ihnen gebührenden Anteil an dem Recht nationaler Selbstbestimmung zu sichern. War schon im allgemeinen die theoretische Fundierung des Nationalbegriffes und der ihm zukommenden Rechte keine leichte, da es — ausgenommen vielleicht in dem Nationalitätenstaate Oesterreich-Ungarn — fast gar keine Theorien des Nationalitätenrechtes gab, so ergab sich für die Einbeziehung der Juden noch eine besondere Schwierigkeit, . Sic lag darin, daß die äußeren Merkmale der Nation, soweit sie von der Theorie anerkannt waren, den Juden nicht vollständig zukamen: Es gab kein geschlossenes jüdisches Territorium, keine einheitliche jüdische Sprache und — was zum nicht geringen Teil in Betracht kam — keinen einheitlichen jüdischen Willen. Damals ent*. stand das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris, dem die unter den eben erwähnten Voraussetzungen geradezu übermenschliche Aufgabe zufiel, das Selbstbestimmungsrecht der jüdischen Nation nicht nur in der Richtung auf die erst der Zukunft vorbehaltene Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina, sondern auch für die die jüdische Existenz in den einzelnen Diasporaländern gewährleistenden Grundlagen sozialer und kultureller Art zu sichern. Die Arbeit des Komitees der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz war von Erfolg gekrönt; die in die Verträge mit den neuentstandenen Staaten aufgenommenen Klauseln zum Schutze der nationalen und religiösen Minderheiten, die durch die Aufnahme in die Verfassungen dieser neuen staatlichen Gebilde verbindlich wurden, lassen sich sinnfällig auf die Juden der Nationalstaaten anwenden und geben den Juden zum erstenmal seit dem Bestand der jüdischen Diaspora Schutz vor den Unzuträglichkeiten, denen ihre Existenz als ständige Minderheit seit zweitausend Jah- . ren ausgesetzt ist. Das Prinzip, nicht bloß das staatsbürgerliche Individuum, sondern auch die staatsbürgerliche Gruppe vor dem Druck einer Beachten Sie in unserer heutigen Nummer u. a. folgende Aufsätze und Berichte: Der Seelenfang In Wien. Aeußerungen über die Tätigkeit der Mission von Rabbiner Dr. Feuchtwang, Präsident der »Union österreichischer Juden« Dr. Ornstein, Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Löwenherz und Präsident der Zionistischen Organisation Oesterreichs Dr. Goldhammer. Die verlorenen zehn Stämme. Von Dr. S. H. Lieben (Prag). England und der Zionismus. Von Colonel Josiah Wedgwood, M. P. (London). Verknöcherte Kunstpolitik. Von Prof, Dr. Max Eisler. Das jüdische Element in Frankreich. Von Jean Richard Bloch (Paris). Die Geschichte vom »Bolschewiken« Uscher Luserowitsch. Von N. Brind (Odessa). Was das Schulamt der Wiener Kultusgemeinde nieht leistet. Von Kultusvorsteher Dr. I. Kl aber. Schach, Rätsel, Sport, zahlreiche Illustrationen.

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