Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1928)
- Date
- 1928-04-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 DIE STIMME Nr. 17 AuflSsmigen der Rätsel in Nummer 16 Kreuzworträtsel! Wagrecht: 3. Seil 6. Note. 9. Temperament. 12. Eris. 13. Sam. 14. Etat. 16, Nil. 17, Kegel. 19, Reu, 20. Otto. 22. E&ul. 24. Aera. 25, Knie.. 26. Lena. 28. Nest. 30. Den. 31. Niere. 34. Tau, 36, Unze, 38. Uri. 39. Pult. 40. Zerstörung. 43. Rate. 44. Sarg. — Senkrecht: 1. Tip. 2. Dom. 3» Seiltänzer, 4, Ems, 5, Lese. 6. Name. 7. Tee. 8. Entrüstung, 9. Trio. 10. Rage. 11. Taet. 12. En. 15. Tu. 17. Koran. 18. Lenne. 21, Ten. 23. Lie. 26. Lena. 27. Nero, 29. Talg. 30. dDhi. 32. Jute. 33, Ries. 35. Ut. 37. Era. 39. Pur. 41. Sto. 42. Rad. Versteckrätsel, Quarz, fällen, Rente, Riegel, Leiter, Kanton, Siena, Arznei, Hummer, Scheitern, Heimweh, Terzerol, Madeira, Enns, Esther, füllen, wählen, Lastwagen, niemals, Medusa, Rodel, Hansa, Achat, Ameise, Warze. — Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz. Scherz und Humor hielten mit allerlei geschäftigen Hantierungen die Zuschauer in Atem. Sie hoben aus einem Lastauto Ketten, Stricke, eine Eisenstange und eine mit Stroh umwickelte Petroleumkanne. „Wo ist das Holz?" — fragte einer von ihnen. „Richtig, wo ist das Holz?“ — wiederholte ein anderer und blieb mit offenem Munde stehen. „Wir müssen zum Wald fahren und Holz holen!" „Jetzt fahren?" „Du wirst nichts versäumen!" „Also rasch, Leute!" Fünf Burschen sprangen auf das Auto, das pfauchend verschwand. Die gehobene Stimmung flaute ab. Die Leute hatten es satt bekommen, den Neger anzustarren; sie lagerten sich gruppenweise im Schatten, zogen ihre Sandwich-PaRete hervor und begannen 2u essen. „Ich möchte dem nicht allein bei Nacht begegnen!" — einer deutete auf Buckert. „Du glaubst, weil er so groß ist, muß er stark sein?" „So schwach er ist, ich gebe fünf Dollar, wenn du ihn zu einem Boxkampf herausforderst!" „Ha, ha, ha, der Neger wird mit fünien deinesgleichen spielend fertig!" „Das wird eine schwere Arbeit sein. Jungen«!" „Was, ihn zu braten?" — man lachte. „Wann das Feuer ordentlich brennt, bleibt nach zwanzig Minuten kein Restchen von ihm übrig." (Schluß folgt.) Die einzige Rettung Mendel beklagt sich über den schlechten Geschäftsgang. „Schrecklich, schrecklich!" jammert er seinen Freund Baruch an. „An jedem Stückl Ware, das ich verkauf, zahl' ich d'rauf. Man muß direkt zugrund' gehen!" „Und wie existierst du doch?“ fragte Baruch verwundert. „Schabbes halt' ich gesperrt." Der Fleischhacker als Diplomat In der Gemeinde Koritschan gastiert der Chasen Berisch auf Engagement. Freitag abend halt er den Gottesdienst ah, aber er betet und singt, daß Gott erbarm'. Die Gemeinde ist in peinlichster Verlegenheit. Wie soll sie es dem alten, ausgedienten Mann auf zarte Art beibringen, daß sie ihn nicht brauchen kann? Es wird debattiert, beraten — kein Ausweg. Bis endlich der Koscher-Fleischhacker Drucker erklärt, er werde Berisch in vornehmster, rücksichtsvollster Weise ein* geben, daß er für die Funktion des Chasen nicht brauchbar sei. „Er wird sich nicht kränken, er wird sich nicht beleidigen, Drucker wird's schon machen.“ Und richtig 1 Drucker holt seine schlechtesten Schuhe und begibt sich zum Chasen Berisch, der beim Schammes Spieler wohnt. „Guten Morgen, Herr Berisch! Wie geht’s? Sehn Sie! Da hab’ ich Ihnen ein Paar alte Schuhe gebracht. Machen Sie mir hinten frische Absätze und vorne näh'n Sie mir Kappen auf.“ „Was? Bin ich ein Schuster?!“ fährt ihn Berisch an. „Nu na, a Chasen sind Sie!" Copyright by Joseph Opatovsky, New York (4. Fortsetzung.) RICHTER LYNCH Von Joseph Opatoschu. Immer größer wurde die Menge; sie gruppierte sich um die Hügel und begann, wie im Zirkus, ungeduldig zu applaudieren. Es war heiß. Die Baumwollfelder waren bestaubt und ihre welken Blüten neigten sich zu Boden. Am Hügelhang lag der Friedhof, den eine weiße Steinmauer umschloß. Die Gräber, die in schnurgeraden Reihen liefen, schienen nähergerückt, die massigen Grabsteine sahen wie weißgetünchte Häuschen aus und die hohen hellen Kreuze, die sie überragten, erzählten von Barmherzigkeit und von dem Gekreuzigten, der die Schwachen zu sich ruft. „Sie bringen ihn! Sie bringen ihn!" — tönte es plötzlich von allen Seiten. Alle sprangen auf, drängten sich näher an den Hügel heran und stellten sich auf die Fußspitzen. Buckert ging in gleichmäßigem Schritt und blickte vor sich hin, als sähe er niemanden. Er schien ganz ruhig. In der Nacht, da er sich dem Sheriff ergeben hatte und blutig und zerschunden ins Dorf gebracht wurde, war er in völlige Apathie verfallen. Er hörte auf zu zittern und um sein Leben zu bitten, war gleichgültig gegen alle, die zu ihm kamen, und antwortete auf keine Frage, die sie ihm stellten. Stundenlang brütete er, in schwere Gedanken versunken, vor sich hin; sprach er dann ein Wort, so hatte es keinen Zusammenhang mit seinen Gedanken, sondern war unsinnig und ihm oft ganz fremd. Der einzige, dem er Antwort gab, war der Pastor. In seiner Gegenwart besserte sich Bukkerts apathischer Zustand. Er bat den Pastor, ihm das Kapitel des Evangeliums vom Kreuztod Jesu Christi vorzulesen. Während der Pastor las, schwand Buckerts Apathie völlig und sein Gesicht erglänzte in so fettigem Schwarz, daß es den Eindruck machte, aus diesem Gesicht würde tiefschwarzes Blut fließen, wenn man die Haut ritzte. Als Buckert jetzt zur Richtbank kam, schlug er ein Kreuz und warf seinen Blick auf die Menge. Die Ruhe schwand aus seinem Antlitz, Er erkannte fast alle, die dort standen. Mehrere Dutzend Namen gingen ihm auf einmal durch den Kopf. Er suchte sich zu erinnern, wer der Mann sein mochte, mit dem der Postmeister sprach: „Ach, ich kenne ihn doch; nur sein Name ist mir entfallen; vorige Woche hat er sich ein neues Auto gekauft, um dreitausend Dollar," Buckert konnte sich des vergessenen Namens nicht erwehren; er bedrängte ihn geradezu wie eine hartnäckige Fliege; er sah deutlich*, das Auto um dreitausend Dollar vor Augen, sah die^ Gasse und das Haus, wo der Mann wohnte, doch des Namens konnte er sich absolut nicht erinnern; er litt darunter und strengte, sich an, auf den Namen zu kommen, wäre das je^zt seine wichtigste Aufgabe. ' ■''•/•; UP Die Männer, welche Buckelt, gebracht hatten, Kultusgemeinde und körperliche Erziehung Notwendigkeit der Schaffung eines Sportreferates» Der Gedanke der körperlichen Erziehung der jüdischen Jugend, hat in der Wiener Kulturstube noch nicht viel Eingang gefunden. Wohl hat sich, dank der Arbeit der zionistischen Mandatare, auch hierin manches zum Besseren gewendet. Aber die Erkenntnis der Bedeutung der Körperkultur für die Volksgemeinschaft findet dort noch immer nicht das nötige Verständnis oder scheitert an der Unzulänglichkeit der zur Verfügung stehenden Mittel. Hier wurde kürzlich über die systematische und bedeutende Arbeit der Berliner Jüdischen Gemeinde auf diesem Gebiete berichtet, was sich in dem vor einiger Zeit dort veranstalteten großen jüdischen Sportfest kundgab. Die Obsorge für Turnen und Sport pendelte hier immer zwischen Fürsorge- und Unterrichtsamt. Das auf Betreiben der Zionisten geschaffene Jugendreferat ist als Fortschritt dankbar anzuerkennen. Der Leiter, Inspektor O e h 1 e r, bemüht sich in lobenswerter Weise, den Organisationen entgegenzukommen. Wenn auch die bereitgestellten Mittel ungenügend sind, ist doch der gute Wille hochzuschätzen. Der M a k k a b i IX, hat endlich eine Wiese im Augarten als Freiturnplatz bekommen und außerdem eine Subvention erhalten. Die Ferialwanderungen der einzelnen Bünde werden seit Jahren systematisch unterstützt. Sie erhalten pro Kopf und Tag entsprechende Unterstützungen seitens der Gemeinde ausbezahlt. Die Beistellung von Turnplätzen und Sälen scheitert an dem mangelnden Entgegenkommen der Gemeinde Wien. _ Aber noch immer überwiegt vielfach die alte Einstellung: „Turnen und Singen geht uns nichts a n'*, was eigentlich nicht wundernehmen darf, wenn man bedenkt, daß selbst Jugendorganisationen, die rein kulturelle Ziele haben, vielfach nebensächlich behandelt werden. Mit der Frage der körperlichen Erziehung der Jugend hätte sich das Schulamt der Kultusgemeinde zu befassen. Bei richtiger Behandlung der Frage und der Zuziehung der einzelnen Sportorganisationen sowie der Eltern könnte auch Geld für besondere Zwecke aufgebracht werden, weil die Autorität der Gemeinde doch eher so manches bewirken könnte. Was jedoch geschaffen werden müßte, ist die Zusammenfassung der Jugend- und Sportorganisationen zu gemeinsamer Arbeit, Die Bildung eines Sportrefer a t e s, das neben, den Vereinen auch die Leitung und Kontrolle der mehr als 2000 Köpfe starken Jugendlichen, die alle Sport betreiben, zu übernehmen hätte, wäre die Hauptforderung an die jüdische Gemeinde. Dort müßten auch die blühenden zionistischen Mädchenorganisationen, für welche die Kultusgemeinde das größte Interesse bekunden sollte, sowie die Mädchengruppen der Agudas Förderung finden. Es ist klar, daß die Leitung eines solchen Sportreferates nur einem F a c h mann und nicht etwa einem würdigen Religionslehrer anvertraut werden darf, weil die körperliche Erziehung unserer Jugend vom Standpunkte der Sachkenntnis und selbstverständlich in jüdischnationalem, Sinne gepflegt werden muß. Wird die Hakoah absteigen? Die letzte Woche hat in dem Kampfe um die Erhaltung der Erstklassigkeit in der Fußballmeisterschaft wieder folgenschwere Spiele gebracht. Während es den Konkurrenten der Hakoah zum größten Teile gelang, überraschende Siege und für die Placierung wertvolle Punkte zu erlangen, war der jüdische Verein im Meisterschaftsspiele gegen Hertha von m Hervorragende jüdische Fechters Links; Attila Petschauer, der den Titel „Der beste Säbelfechter Ungarns*1 führt; Mitte: Dr. Gombos, Europameister; Rechts: Dr. Eugen Fuchs, zweifacher Olympiasieger. größtem Mißgeschick verfolgt. Trotz besserer, in dieser Seison noch nicht gesehener Leistung verloren die jüdischen Spieler das Treffen knapp 2:3 (1:1) und dadurch zwei Punkte» „Hakoahs tragisches Schicksal“, bezeichnet die ,»Stunde" den heroischen Kampf der jüdischen Mannschaft in diesem Spiel. „Es war eines der schönsten- Spiele der Meisterschafts-Saison, das die Krieauer gegen Hertha lieferten und ein an Verhängnis grenzendes Pech, da& sie aus dem stilvoll geführten Treffen auch nicht einen Punkt herausholen konnten“, setzt das Blatt fort. Aehnlich äußern sich die anderen Blätter. In der Meisterscbaftstabelle lautet die Placierung der Abstiegskandidaten derzeit folgendermaßen: B. A. C, (21 Spiele 16 Punkte), Sportklub (18, 15), W. A. C. (20, 14), Hakoah (20, 14), Slovan (18, 13), Simmering 21, 11). Hakoah hat noch zu» spielen: gegen Simmering, W. A. C., Admira und Slovan. Helfet der Hakoah 1 Die Judenschaft scheint sich nicht darüber klar zu sein, was die Hakoah für sie bedeutet! Sonst wäre es einfach unmöglich, daß eine solche Institution mit schwerer materieller Bedrängnis kämpfen muß! Wenn vor zwanzig Jahren auf einer schlechten Possenbühne ein jüdischer Sportsmann die Szene betrat, dröhnte das Haus von Gelächter. Die Arbeit von zwei Dezennien hat genügt, um das Ansehen des Judentums in körperlicher Hinsicht vollkommen zu rehabilitieren. Sieg auf Sieg, Triumph auf Triumph haben die blau-weißen Jungen der Hakoah im Laufe der Jahre in heldenhaften Kämpfen errungen, Weltrekorde geschlagen, Meisterschaften erobert und dem jüdischen Namen in allen Weltteilen Ehre gemacht. Doch zu all diesen moralischen Erfolgen kommt das praktische Moment. Die gesamte jüdische Jugend wird körperlich ertüchtigt, der geistigen Qualität die somatische gleichgestellt. Das Wohl« ergehen der Hakoah geht jeden an, denn seine Kinder oder Enkel können auf ihren Sportplätzen, in Schwimmhallen und allen ihren Trainingsräumen Kraft und Gesundheit finden. Durch die unselige Inflationszeit und deren Folgen ist nun unsere Hakoah in eine schwere materielle Situation geraten, die unter Umständen den Zusammenbruch dieses prachtvollen Werkes herbeiführen kann. Diese Gefahr muß abgewendet werden! Es wäre kläglich und unsäglich traurig, wenn sich nicht einige hundert Menschen fänden, die uns bei unserem Sanierungswerk in seiner letzten Phase beispringen wolltenl Die neue Leitung der Hakoah, an deren Spitze zu stehen ich die Ehre habe, hat von einem Schuldenstand von über einer Milliarde, .den sie übernahm, bis nun beträchtlich mehr als die Hälfte getilgt. Was hier an Arbeit und materiellen Opfern geleistet wurde, läßt sich kaum messen. Die Namen unserer opferwilligen Helfer, wie Heinrich B a b a t, Fritz Beck, Deszö Herbst, Ignaz Hochberger, Jacob K u 1 k a, Philipp Speyer, Wilhelm Petyan, Max Schiff-' mann werden unauslöschlich in der Geschichte der Hakoah verzeichnet sein. Jetzt gilt es, die letzten Anstrengungen zu machen! Ich richte an jeden jüdischen Bürger den ernsten und herzlichen Appell, uns nach Kräften zu helfen. Ich bitte die jüdischen Organisationen, Sammlungen für die Hakoah zu veranstalten. Ich ermahne schließlich alle Mitglieder und Freunde der Hakoah, in dieser entscheidenden Phase unserer Sanierungsarbeiten ihre Pflicht zu erfüllen. Jede, auch die kleinste Spende wird vom Sekretariate der Hakoah, Wien, I., Wipplingerstraße, Cafe „Altes Rathaus" mit herzlichstem Dank entgegengenommen. Ich kann mir nicht denken, daß die Judenschaft ihre Hakoah zugrundegehen läßt. Dr, Fritz Löhner-Beda, Gründer und derzeitiger Präsident des Sportklubs Hakoah.