Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1928)
- Date
- 1928-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Wien, 26, April 1928 (6, Ijar 5688) Nummer 17 Um die Erweiterung der Jewish Agency Sitzung der Jewish~Agency~Koniniission in London Aus N e w York wird berichtet: Die Sitzung der Jewish-Agency-Kommission, Welche noch im März stattfinden sollte, aber wegen der Amerikareise des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Prof. Weizmann, verschoben wurde, da die amerikanischen Mitglieder der Kommission noch mit Dr. Weizmann Fühlung nehmen wollten, wird in den nächsten Tagen in London stattfinden. Der Sitzung wird auch Louis Marshali beiwohnen, welcher der Kommission nicht angehört und gewissermaßen als „Beobachter“ von den palästinafreundlichen Nichtzionisten der Vereinigten Staaten entsendet wird. Marshall sowie die amerikanischen Mitglieder der Kommission. Felix M. War bürg und Lee K, Frankel, sind bereits nach London abgereist. Der Jewish Agency-Kommission, welche auf Grund der im Jahre 1927 abgeschlossenen Verhandlungen des Präsidenten Weizmann mit den amerikanischen Nichtzionisten über die Erweiterung der Jewish Agency eingesetzt wurde, gehören außer den zwei genannten Herren noch Sir Alfred Mond und Direktor Oskar Wassermann an. Die Kommission hat bekanntlich die Lage in Palästina und die Möglichkeiten des weiteren Palästina- Aufbaues prüfen lassen und ihre Experten haben einen , * x Bericht ausgearbeitet, welcher der jetzt in London stattfindehden Sitzung vorgelegt werden dürfte. Auf Grund Beachten Sie in dieser Nummer u, a. folgende Aufsätze und Berichte: Konkurrenzkampf um die jüdische Seele. Der Zionismus — das aktive Prinzip des Judentums. Von Prof. Theodor L e s s i n g (Hannover).1 Abschied vom römischen Ghetto. Von Hirsch Tobias. Moderne Zitierkunst. Von Dr. Bernhard Wachstein. * Elternfragen und jüdische Elternvereine. Von Siegfried A b e 1 e s. Die Wiener Kultusgemeinde und der „Schandvertrag“. Von Dr. Leo Goldhammer. Die jüdischen Künstler Wiens hungern. Von —or. In der Werkstatt der arabischen Nationalistenhetze. Von J. Z. Ben-Jischai (Tel-Aviv). Amerikanische Frauen im sozialen und öffentlichen Wirken. Von Adele Schreiber (Berlin). Schach, Rätsel, Sport, zahlreiche Illustrationen, DIE NÄCHSTE NUMMER UNSERES BLATTES erscheint, da die Arbeitsruhe am 1. Mai die Herstellung verzögert, ausnahmsweise erst FREITAG DEN 4. MAL | dieses Berichtes soll die Jewish-Agency-Kommission die Richtlinien für eine Beteiligung der nichtzionistischen Kreise Amerikas und Englands an der Aufbauarbeit in Palästina und für den Eintritt von Nichtzionisten in die Jewish Agency festgesetzt werden. Es scheint, daß die Verbindung zwischen der Marshall-Gruppe und Weizmann durch den Rücktritt von Dr. Stephen Wise aus der Leitung der Zionistischen Organisation Amerikas g efestigt wurde, da zwischen der Marshall-Gruppe und Dr. Wise seit langem Meinungsverschiedenheiten Zum Konflikt Weizmann—Brandeis: Oberrichter Louis Brandeis, der Führer der zionistischen Opposition in den Vereinigten Staaten. herrschten. Auch sonst ist die Tätigkeit Dr. Weizmanns auch nach dem Rücktritt Wise's, der vom Exekutivkomitee der amerikanischen Zionisten zur Kenntnis genommen wurde, erfolgreich. Das Exekutivkomitee der amerikanischen Zionistischen Organisation hat überdies durch einen einmütig gefaßten Beschluß Dr. Weizmann. als dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und Louis L i p s k y, als dem Präsidenten der amerikanischen Zionistischen Organisation, das Vertrauen ausgesprochen. Die religiösen Elemente unter den amerikanischen Juden, bei denen Dr. Wise infolge der bekannten Rede über Jesus, die er seinerzeit gehalten hat, große Mißstimmung hervorgerufen hat, treten jetzt stärker für Dr. Weizmann ein als bisher. An unsere p. t. Abonnenten! Der heutigen Nummer liegen zur Begleichung rückständiger Bezugsgebühren Erlagscheine bei. Nicht abgemeldete Abonnements gelten als verlängert. Ohne Brockhaus geht es nicht! Sie erhalten das neueste Große Brockhaus-Lexlkon In 4 Bänden Preis S 150.— gegen Monats- # 7 Zahlungen von #■ nur bei der „Brockhaus-Vertriebsstelle“ Siegmund Hutter, Wien I, Wallnerstr. 6, 2. Stock. Bestellen Sie daher das einzige, komplett erschienene große Lexikon, in dem Sie alles finden von A—Z. Gespenster Von Adolf Böhm. II.*) „Kritische Reise durch Palästina“, von Dr. Alfred Wiener. Mit großem Interesse nimmt der Zionist dieses Buch zur Hand, denn Kritik ist sein Lebenselement. Die unzähligen zionistischen Zeitungen und Zeitschriften sind fast mit nichts anderem gefüllt, als mit Kritik an der Palästina-Arbeit in tausendfältigen Variationen. Und endlich einmal erscheint nun ein Buch von 150 Seiten, in dem ein Nichtzionist Kritik an ihr übt. Also ist zu hoffen, daß er, der die Dinge von außen betrachtet, kühler und objektiver sein wird, als wir selbst. Doch leider ist das Buch eine vollkommene Enttäuschung! Seine Kritik bezieht der Autor lediglich aus zionistischen Quellen. Insoferne ist sein Buch überflüssig, außerdem ist es sehr schlecht, weil es keinerlei System hat, von Vollständigkeit gar nicht zu reden. Was der Autor aber Eigenes dazugibt, ist Tendenz, aber auch hierin erhebt er sich nirgends zu einem respektablen Niveau der Gegnerschaft. Das Buch ist übrigens in einem elenden Deutsch geschrieben. Das ist durchaus nicht nebensächlich, denn da es des Autors Tendenz ist, sein Deutschtum in den Vordergrund zu rücken, so kann man verlangen, daß er ein einwandfreies Deutsch schreibt. Wir werden auf einige besonders krasse Stellen hinweisen. Der Verfasser will alle „die“ Quellen bloßlegen, aus denen das neue Palästina entstanden ist. Seine Schrift soll die Liebe zum Lande der Urväter wecken. Nach solchen Einleitungen klagt der Autor über: „die Schwierigkeiten der Palästina-Erkenntnis“ (er meint, ins Deutsche übersetzt, die Schwierigkeit, zu einer umfassenden und richtigen Erkenntnis der jüdischen Palästina-Arbeit zu kommen), denn der jüdische Reisende werde im Lande vom zionistischen Informationsbüro und von den Zionisten zu beeinflussen gesucht. Aber der Autor hat sich diesen Schlingen entzogen, er hatte Rücksprachen mit Personen aller I ager. besuchte die „wesentlichen“ Siedlungen (der Autor meint die wichtigsten) und sprach sogar mit einzelnen Chaluzim! So glänzend informiert, gibt er dann eine ..Grundlage der Palästina-Erkenntnis". Mit breitem Behagen vrird auf einigen Seiten unter Beigabe von drei Karten enthüllt, wie klein eigentlich Palästina ist! Die Rheinprovinz ist fast dreimal so groß als der gesamte kulturfähige Boden Palästinas, Die ICA hat in Argentinien fast 6000 kma, die Juden in Palästina besitzen nur 919, das ist etwas mehr als die Fläche von Groß-Berlin. Dann folgen die — bisher vollkommen unbekannten — Bevölkerungszahlen. Endlich hat man sich *) Siehe „Die Stimme" Nr, 14/15.