Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1928)
- Date
- 1928-03-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 DIE «TIMME Nr. II einmal noch strahlte sein Stern hell empor. Das war in Wien 1922. Er fühlte sich wieder einmal frisch und wohl. Er zwang die großen Neoromantiker Bogoljubow, R 6 t i und den Weltmeister Al je chine in drei Glanzpartien nieder, und ohne Verlustpartie errang er den ersten Preis. Es ist zu erwarten, daß dies nicht seine letzte Großtat ist. Wenn du, lieber Schachfreund, durch das Reich der Partien Rubinstein wandelst, dann wird es dir sein, als ob du dich in großen, heiligen Hallen bewegtest. R 61 i sagt, daß den Partien Rubinsteins inbrünstige Religiosität innewohnt. Fürwahr. Gleich großen, erhabenen Bauwerken schimmernd in architektonischer Schönheit, ragen sie empor und ein Abglanz eines reinen und gläubigen Herzens strahlt aus diesen Partien des vielleicht künstlerischesten aller Meister. Im nachfolgenden bringen wir eine Partie aus Rubinsteins Anfängen, die zu den schönsten Partien der gesamten Schachliteratur gehört. Sie stammt aus dem allrussischen Turnier in Lodz 1907. Weiß: R o 11 e w i. Schwarz: R u b i n s t e i n. 1. d2—d 4, d 7—d 5. 2. S g 1—f 3, e 7—e 6. 3. e 2—e 3, c 7—-c 5. 4. c 2—c 4, S b 8—c 6. 5. S b 1—c 3, S g 8—f 6. 6. d4Xc5, Lf8Xc5. 7. a 2—a 3, a 7—a 6. 8, b 2—b 4, L e 5—d 6. 9. L c 1—b 2, 0—0, 10. D d 1—d 2. Dieser Zug legt den Grund zum Verlust der Partie. Weiß will mit Td 1 fortsetzen, um den Bauer d5 nochmals anzugreifen und die Beherrschung der d-Linie zu erlangen. Besser wäre cXd, 10. ... Dd8—e 7! Rubinstein opfert den bedrohten Bauer, denn nach 11. cXd eXd, 12. SXd, SXd, 13. DXd, T f 8—d 8 würde er entscheidenden Angriff erlangen: z. B. 14. D b 3, SXb4, 15. aXb, Le 6! Weiß gibt daher seinen ursprünglichen Plan auf. 11. Lfl—d3, d5Xc4. 12. Ld3Xc4, b 7—b 5. 13. L c 4—d 3, T f 8— d8. 14. D d 2—e2, Lc8—b 7. 15. 0—0, S c 6—e 5. 16. Sf3Xe5, Ld6Xe5. 17. f 2—f 4. Gegen die Absicht des Schwarzen, durch LXh 2-j-, 18. KXh 2, Dd + einen Bauer zu gewinnen, gerichtet. 17. ... Le 5—c 7. 18. e 3—e 4, Ta 8— c 8. 19. e 4—e 5, L c 7—b 6+. 20. Kgl—hl, Sf6—g 4! 21. Ld3—e4 (siehe Diagramm), De7—h4. 22. g 2—g 3. Offenbar das beste. Auf h 2—h 3 folgt T c 8Xc 3! 23. LXc 3, LXe 4. 24. DXg 4, DXg4. 25. hXg4, T d 8—d 3, — Jetzt aber folgt eine wundervolle Mattführung. 22. ... TcSX c 31! 23. g 3Xh 4, T d 8—d 21! 24. De2Xd2, Lb7Xe4+. 25. Dd2—g 2, Tc3—h3M mit undeckbarem Matt, schlecht; seine Stellung wird mit c3, e5 und h4 völlig durchbrochen); 18. c2—c3, Ta8—d8 (d4 muß gedeckt werden, sonst wird der weiße Läufer furchtbar); 19. Tal—el, Sg8—e7; 20, e4—e5! Se7—f5 (falls fXe so 21. SXc5f nebst 22. h3—h4I und das Stück ist aus); 21. c3Xd41, Sf5Xd4 (wenn c5Xd4 so 22. e\f, KXlb; 23. De4! und Weiß gewinnt, denn Sg3 scheitert an 24. LXd4f usw,); 22. Df3—e4 (droht vor allem h3—h4f Wenn aber Schwarz h5—h4 zieht, so gewinnt 23. eX^ nebst Se5 und entscheidender gleichzeitiger Bedrohung von g6 und c6); 22. — Lf8—e7 (auf f5 wollte Weiß mit 23. Dblf, Ke6 — um f5 zu decken und e6 zu verhindern — 24. Dd3! nebst 25. Sd6 mit entscheidendem Angriff fortfahren); 23. h3—h4! (damit ist die Sprengung auf der ganzen Linie vollzogen; Schwarz hat keine Verteidigung mehr); 23. — Dc7—d7; 24. e5Xfb, Le7Xfb; 25. h4Xi|5. Schwarz gab auf. Er kann nicht LX£5 ziehen wegen 26. Se5f, auf Lg7 aber folgt 26. Se5f, LXe5. 27. DX®5 und der schwarze König ist der feindlichen Attacke wehrlos preisgegeben. Eine sehr gehaltvolle Partie! Etwas für Feinschmecker! Im Dr. Körner-Schachturnier der Hakoah, das diese Woche zu Ende geht, haben die Teilnehmer nach der 10. Runde folgenden Stand erreicht: Reti 8)4t Lichtenstein 6)4 -j- H., Becker, Dr. Tartakower 6)4. Spielmann 6, Grünfeld 5 Takacs 5, Igel, Müller 4 + H., Döry 4, Kmooh 3J4 + 2H., Beutum 2)4 + H., S. R. Wolf 2%, Gtass 1)4 -f H. Aller Voraussicht nach ist Großmeister Reti, der übrigens Ehrenmitglied der Schachsektion Hakoah ist, der Sieg nicht mehr zu nehmen. Wir werden über das Turnier, bei dem der Hakoahner Lichtenstein eine imponierende Spielstärke an den Tag legte — er ist bis zur 11. Runde ungeschlagen! —, ausführlich berichten. Infolge Raummangels muß in dieser Nummer die Rätselecke entfallen. Sie erscheint nächste Woche wieder in vollem Umfang. Scherz und Humor Das Hören Popper ist in Gefahr, sein Gehör einzubüßen Er konsultiert den Arzt. Der Arzt führt das Leiden auf Alkoholgenuß zurück und verbietet dem Patienten den Cognac. Popper lebt sechs Wochen lang enthaltsam und das Gehör stellt sich auch allmählich wieder ein. Aber nach einem Vierteljahr ist er ganz taub. Wieder kommt Poppar zum Arzt. Der brüllt ihm durchs Hörrohr ins Ohr: „Sie haben gewiß wieder Cognac getrunken! Warum haben Sie sich nicht an meine Vorschrift gehalten?" „Herr Doktor, ich will Ihnen etwas sagen: Alles, was ich inzwischen gehört hab‘, war nicht so gut wie ein Cognac.’1 Das Spiel Zwei Juden langweilten sich während der Bahnfahrt, Da holt der eine eine Düte Pflaumen hervor und schlägt dem anderen ein Spiel vor. Er hält eine Pflaume in der Hand und der andere soll erraten, ob sie ganz oder zerdrückt ist. Natürlich fällt dieses Spiel fast immer zugunsten des „Bankhalters" aus, da er durch eine unmerkliche Bewegung mit dem Finger die Pflaume stets zerdrücken kann, wenn der andere auf „Ganz" rät, In einer Station steigt ein Fremder ein, setzt sich nieder und sieht dem Spiel zu. Er erkennt bald, was vorgeht, lacht den Verlierer weidlich aus und ruft ihm zu: „So hören Sie doch auf!“ Der Jude wehrt aufgeregt ab' „Ich kann nicht, ich hinzu sehr im Verlust!" Jüdischer Sport Stellung nach dem 21. Zug von Weiß. Eine Glanzpartie Niemzowitseh’ Wir haben uns in unserer letzten Nummer ausführlich mit Niemzowitseh beschäftigt und ihn besonders als geistvollen Neuerer beschrieben. Diesmal wollen wir seine prächtige Originalität mit einer Partie illustrieren. Damenindischer Angriff. Weiß: Niemzowitseh, Schwarz: Marchese Rosselli del Turco, (Gespielt im Turnier zu Baden-Baden 1925.) 1. Sgl—f3, d7—d5; 2. b2—b3, c7— c5; 3. e2—e3, Sb8—c6; 4. Lfl—b2, Lc8—g4 (dieser Zug und seine „klassische" Idee — Vorgehen mit allen Mittelbauern — sind nicht gut; besser geschah Sf6, e6, Le7 usw.); 5. h2—h3, Lg4Xf3; 6. DdlXf3. e7—e5 (das wollte Schwarz erreichen; wir werden nun sehen, in welch reizender Weise es Niemzowitseh versteht, das verfrühte Vorstürmen systematisch zu widerlegen); 7. Lfl—b5!, Dd8—d6 (f7—f6 ist nicht besser, es folgt ebenfalls e3—e4); 8. e3—e4! (nicht sofort LXcöf, weil Schwarz nach bXc nicht gezwungen werden kann, mit einem seiner Mittelbauern weiter vorzugehen und dadurch wichtige Figurenfelder im Zentrum aufzugeben; die Schwäche des Doppelbauern c6, c5 bliebe dauernd maskiert); 8. —, d5—d4 (sonst bekommt Schwarz auf der c-Linie einen isolierten, entscheidend schwachen Doppelbauer); 9. Sbl—a3 (droht 10. Sc4, Dc7, 11, LXcbf und Schwarz bekommt den schlechten Doppelbauer); 9. —, f7—f6 (verhältnismäßig am besten war Sg8—e7; Weiß hätte aber dann rochiert und wäre bald zu dem sehr starken Durchbruch f2—f4 gekommen); 10. Sa3—c4, Dd6—d7; 11. Df3—h5f (solche Züge findet nur Niemzowitseh! Das Schachgebot ist vom klassischen Standpunkte eine Stümperei — in Wirklichkeit ein tiefdurchdachtes Schwächungsmanöver); 11. —, g7—g6 (auf Df7 folgt natürlich 12. LXcöf. Schwarz wehrt sich nach Kräften gegen den Doppelbauer); 12, Dh5—13, Dd7—c7 (besser war Lg7; der Läufer wäre doch nur vorübergehend untätig geblieben; dagegen war die lange Rochade wegen 13. Sa5! verfehlt, denn nun scheitert Sg8—e7 an 14. DXföl Der Sinn von 11. Dh5f leuchtet ein); 13. Df3—g4! (Wieder eine Delikatesse! Es droht De6f nebst Doppelbauer c6 oder DX16. Auf 13. — Dd7 würde 14, Sa5! Vorteil sicherstellen); 13, — Ke8 —f7; 14. f2—f4! (dem positioneilen folgt der angriffsmäßige Kombinationsabschnitt); 14. — h7—h5; 15. Dg4—f3, e5Xf4; 16. Lb5Xc6!, b7Xc6 (erzwungen; falls DXC6( so 17. DX14, Te8; 18. 0—0!, DXe4 — TXe4? 19. Se5* usw. — 19. Dc7|l und nun auf De7; 20, Sd6f nebst 21. SXe8, bezw. auf Te7; 20. DXc5 usw. immer mit siegreichem Spiel); 17. 0—0, g6—g5 (Schwarz hat also einen Bauer verloren, steht jedoch sehr Zurück zum Amateurgedanken 1 Die Krise des Fußball-Professionalismus» Der Fußballsport befindet sich gegenwärtig fast in der ganzen Welt in einem Uebergangsstadium, das in vielen Fällen von schweren Krisen begleitet erscheint. Ein „Massensport" mit einer ganz kleinen Zahl von Akteuren, aber mit der Wirkung auf Zahllose, ist das Fußballspiel in seinen Motiven ein Ergebnis von Sport, Spiel, Geselligkeit und nationalen Momenten, das sich durch seine materiellen Folgeerscheinungen immer mehr in der Richtung des Geschäftes bewegen mußte. Tatsächlich gibt es drei Formen, unter denen der Fußballsport ausgeübt wird: Den reinen Amateurismus, der, von geringen Ausnahmen abgesehen, naturgemäß keine Spitzenleistungen vollbringen kann, den Scheinamateurismus, der mit den Methoden des Professionalismus vor allem in Südamerika, Spanien und Italien vorherrscht, und das deklarierte Berufsspielertu m, das neben England seit einigen Jahren in Oesterreich, in der Tschechoslowakei und in Ungarn eingeführt ist. Deutschland nimmt eine gewisse Sonderstellung ein, Formell gilt dort der Fußballbetrieb als reine Amateurangelegenheit, die sich seitens des Staates und der Verwaltungen der Städte der größten Förderung erfreut. Zweifellos wird jedoch in Deutschland der Scheinamateurismus und das Prinzip der Vergütung für Lohnausfall praktiziert, indes über die Länder mit offenem Professionalismus seitens der Deutschen der Boykott verhängt wurde. Das Moment des Lohnersatzes öffnet überhaupt der Verfälschung des Sportgedankens Tür und Tor und ist der Stein des Anstoßes in den internationalen Beziehungen des Fußballsportes. So hat die „Fifa" (Federation Internationale de Football Association), der Weltfußballverband, jetzt in der Frage des Lohnersatzes sehr weitgehende Bestimmungen festgesetzt, um die Abhaltung der heurigen Fußballolympiade in Amsterdam, an der nur Amateurverbände teilnehmen dürfen, zu sichern. Dies hatte zur Folge, daß England, das Mutter- Ruth Weinberg (Dresden) erhielt die Ehrenurkunde des deutschen Reicbsausschusses für Jugendspiele. land des Fußballsportes, kürzlich aus der „Fifa“ ausgetreten ist, was für den gesamten Fußballsport eine schwere Erschütterung bedeutet. In Oesterreich ist die Krise des Fußballsportes die Folge der wirtschaftlichen Verhältnisse, also des Rückganges der Einnahmen. Man hat es im Herbst 1924 in anerkennenswert mutiger Weise unternommen, die reinliche Scheidung durchzuführen, Aber die jahrzehntelange Tradition Englands ließ sich nicht auf das verhältnismäßig junge Fußbailand Oesterreich übertragen. Nach einer kurzen Inflationsblüte erscheint der Fußballprofessionalismus in Oesterreich wenigstens in seinem Umfange erschüttert. Deutschland, das Oesterreich durch Aufhebung des Boykotts Luft schaffen könnte, zeigt die kalte Schulter und schließt sich vorläufig weiter vor den Professionalvereinen ab. Es hat den Anschein, daß nicht so sehr die wesentliche Erhöhung der Steuern bei Professionalspielen die Deutschen davon abhält, die Grenzen zu öffnen, sondern, daß hiezu ein Druck von oben erteilt wird. Denn die starke Förderung des Fußballsportes durch Stadt und Staat dient gewissermaßen militanten Zwecken, die durch die Berührung mit dem deklarierten Professionalismus stark verwässert werden würden. Wie steht nun der jüdische Fußballsport inmitten der ungeklärten und ungesunden Verhältnisse da? Der als Mittel zum Zweck bezeichnete Anschluß an den Professionalismus hat ihm nicht gut getan, ebensowenig, wie vorher der Scheinamateurismus Der stärkste Repräsentant des jüdischen Fußballsportes in der Welt, die Wiener Hakoah, ist heute bloß mehr ein Schatten ihrer ehemaligen Größe. An der Hakoah hat sich überdies die amerikanische Abart des Berufsspielertums, die reine Businessform, furchtbar ausgewirkt und ihr fast alle ersten Kräfte entzogen. Nach dem Debakel des Makkabi in Brünn, des Vivoes Athletikai Klub in Budapest ist auch die Hakoah in ihrer F u ß b a 11 s e k t i o n vom Zusammenbruch bedroht. Eine entsprechende rechtzeitige Auffrischung scheint nicht mehr möglich zu sein, denn die besten noch erfaßbaren Kräfte zieht der Dollar an. Das wird auch in Zukunft so sein. Der Nachwuchs scheint jedoch erfreulicherweise nicht mehr so sehr von der Mentalität des Professionalismus erfüllt zu sein, wie sich überhaupt in Wien eine unverkennbare Abkehr von dem Professionalgedanken geltend macht und vor allem unter der jüdischen Jugend. Diese Erscheinung ist vielleicht die einzige wertvolle und dauernde indirekte Frucht des Professionalismus. Der Weg der Hakoah liegt auf der Linie des reinen Amateurismus, der übrigens, wie das Beispiel der Wiener Cricketer zeigt, in jeder Beziehung durchaus lebensfähig sein kann. Die Idee der jüdischen Körpersportbewegung ist in der ganzen Welt bereits genügend verwurzelt. Es bedarf keiner Spitzenleistungen mehr, wenn sie durch Verfälschung des jüdisch-nationalen Gedankens erkauft werden. Bei der Hakoah muß die Stimme der Jugend und der Zug der neuen Zeit verstanden werden. Jetzt heißt es, die Position in der ersten Liga bis zum Aeußersten verteidigen und dann unbedingt zurück vom Irrweg auf die gerade, reine Bahn des jüdischen Aufbauwerkes. Die Meisterschaft der jüdischen Amateurvereine. Hasm o n e a unterlag gegen den Ottakringer S. C. 1: 4 (1 : 2). Den einzigen Treffer der jüdischen Mannschaft erzielte Bleie Ilfeld. Makkabi gewann gegen Unitas 6:1 (3:1). Tore: Lutz 2 (3), Grünberg (2) und Torczyner. Paul Földes, der Präsident des jüdischen Sportverbandes Oesterreichs, wurde in den Vorstand des österreichischen Tennisverbandes gewählt. Juden? Erfüllef eure Uajesscti, den Pflicht ff egen den Keren indischen flulboLufcnds fite Gve&Jsraell