Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1928)
- Date
- 1928-03-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053753-3053764--0173-3055435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V.b. b. Preis 35 Groschen Zeitung vom Verleger versendet Journal expedte par i’gditeur Abonnementpreiseij PUrÖsterreich: Monatl. S 1*50, viertelj. S 4*20, Ganzj. S 16*— / Deutschland: Monatl. Goklmark r—, viertelj. Goldmark 3*— / Tschechoslowakei: Monatlich K£ 7*—, vierteljährlich KC 19*— / Jugoslawien: Monatlich Dinar 14*—, vierteljährlich Dinar 40-— Jüdische Zeitung erschein« Jeden Donnerstag Redaktion und Üdwatinislvation: Wien, 1. ‘Rauhen&leingasse Z / felepbon 76^Sf Polen: Monatl. Zloty 2’30, viertelj. Zloty 6*50 / Ungarn : Monatl. PengÖ 1*50, viertelj. Pengö 4’20 / Rumänien; Monatl. Lei 45*—, viertelj.Lei 125’— / Bulgarien: Monatl. Lewa 30*—, viertelj. Lewa 80’- / Belgien : Monatl. Belga 2’—, viertelj. Belga 5’— / Übriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1*50 1. Jahrgang Wien, 15. März 1928 (23. Adar 5688) Nummer 11 Wahlen und Exzesse Das Ergebnis der polnischen Wahlen in Sejm und Senat. — Ausschreitungen der antisemitischen Studenten in Lemberg Aus Warschau wird uns berichtet: Die am 4. März stattgefundenen Wahlen in den Sejm, das Unterhaus der polnischen Republik, haben, wie Ihr Korrespondent bereits telephonisch berichten konnte, mit einer starken Verringerung der jüdischen Mandate geendet. Im ehemaligen Kongreß-Polen und in den Randgebieten, wo die Jüdischnationalen auf der Liste des Minoritätenblocks kandidierten, wurden im ersten Wahlgang 5 jüdische Deputierte gewählt, und zwar in Warschau J. Grünbaum, in Lodz Dr. J. Rosenblatt, in Bialystok H F a rb s t e i n, in Wilna Dr. J. Wy g o d s k y, in Piotrkow Rabb. Brodt (Misrachi. Auf Grund der Reststimmen erlangten weiter die Herren Dr. M. A. Hartglas (der bisherige Obmann des jüdischen Sejmklubs] und Chaim Rassner (Handwerker-Partei) je 1 Mandat. Auf der Re-gierungsliste sind der Vertreter des Jüdischen Kaufmannsverbandes W. W i s 1 i c k i und der Assimilant Heinrich Locwenherz gewählt worden. Es haben demnach nur die Zionistische Partei, die Handwerker und der Kaufmannsverband Mandate erhalten, die übrigen jüdischen Parteien, welche kandidiert hatten, vor allem die A g u d is t e n und der jüdische Arbeiterbund, konnten keinen einzigen ihrer Kandidaten durchbringen. In Galizien wurden bei den Seimwahlen 6 jüdische Deputierte der Liste der jüdischnationalen Vereinigung gewählt, und zwar; in Lemberg Dr. Leon Reich und Dr. M. Leser mit 28.411 Stimmen, in Krakau Rabb. Dr. Osias T ho n mit 18.889 Stimmen, in Stanislau Dr. Heinrich Rosmarin mit 25.349 Stimmen, in Tarnopol L. H. Heller (Hitachduth), ömit 31.133 Stimmen und in Zloczow Dr. Eisenstein. In Galizien ist die Niederlage der Agudas Jisroel noch katastrophaler als in Kongreß-Polen, da hier die politische Trennungsorthodoxie verschwindend geringe Stimmenzahlen erhielt. Insgesamt zählt der neue Sejm 13 jüdischnationale Abgeordnete und zwei auf der Regierungsliste gewählte Deputierte, Ueberdies befinden sich unter den gewählten sozialistischen und kommunistischen Sejm-Abgeord neten einige Juden. Im alten Sejm, der im Jahre 1922 gewählt wurde, hatten sich 34 jüdische Depu- Der „Heilige Krieg“ irn nalieu Osten: König Abdallah von Transjordanien, gegen den und dessen ebenfalls von Englands Gnaden regierenden Bruder Feisal von Irak sich die Kriegserklärung des Wahabitensuitans Ibn Saud richtet. t i e r t e zum jüdischen Sejmklub zusammengeschlossen, von dem 14 Zionisten waren, 6 der Misrachi, 4 der zionistischen Arbeitspartei Hitachduth angehörten, 2 kaufmännische Vertreter und 2 Parteilose und 6 Agudisten waren. Die Aguda hat also ihre sämtlichen 6 Mandate verloren und überdies gingen 15 jüdische Mandate verloren. Auch die jüdische Volkspartei, deren Abgeordneter M. Prilucki nicht dem jüdischen Sejmklub angehörte und die diesmal mit der Aguda ein Wahlbündnis eingegangen war, hat kein Mandat erlangt. Die Wahlen in den Senat ergaben — bei einem relativ noch stärkeren Sieg der Regierungspartei, die 48 von 111 Mandaten erlangte — ein Mandat der jüdisch - nationalen Vereinigung in Galizien und, so.weit es bisher feststehtl, zw'ei bis drei jüdische Mandate in Kongreßpolen und den Randgebieten auf der Liste des Minoritätenblocks, der insgesamt 21 Mandate gewann. Aus Lemberg wird uns gemeldet: Der jüdische Wahlerfolg in Lemberg, wo es der iüdischnationalen Vereinigung gelang, 2 Mandate zu erlangen, bat den antisemitischen Studenten, die sich vorwiegend um das sogenannte ,,Lager von Großpolen“ eine nationaldemokratisch-faschistische Vereinigung, gruppieren, Anlaß gegeben, Krawalle mit antijüdischer Tendenz zu inszenieren. Sie begannen am 5. März früh mit einer sogenannten Demonstrationsversammlung vor dem Mickiewicz- D'enkmal, nach welcher verschiedene Trupps jüdische Passanten attackierten. Die P o- 1 i z e i machte diesem Treiben ein Ende, doch sammelten sich die Studenten wieder, demonstrierten vor dem Redaktionsgebäude des zionistischen Tagblattes „Chwila“ und schlugen die Fensterscheiben eines Kaffeehauses ein, Polizei und Militär ver. trieb sie wieder und es wurden zahlreicheVerhaftungen vorgenommen. Am Abend desselben Tages veranstaltete der Mob, durch das Beispiel der Studenten angeeifert, ähnliche Szenen. In verschiedenen Gassen kam cs abermals zu Ueberfällen auf Juden. Das Eingreifen der Polizei, welche etwa 150 Verhaftungen vornahm, machte den Vorfällen an diesem Abend ein Ende. Sie wiederholten sich jedoch an den nächsten Tagen und die Exzedenten mußten jedesmal von der Polizei vertrieben werden. In größerem Maße haben in den letzten Tagen keine Demonstrationen mehr stattgefunden, doch kommen noch immer einzelne Ueberfälle auf Juden, Zertrümmerungen von Fensterscheiben u. dgl. vor. Der bei den Ausschreitungen angerichtete Sachschaden beträgt mehr als! eine Million Zloty. Die akademischen Behörden von Lemberg haben gegen die Ausschreitungen der Studenten protestiert. Diese haben ihre jüdischen Kollegen am Polytechnikum am Besuch der Vorlesungen gehindert und an der Universität jüdische Studenten tätlich angegriffen. Der Rektor der Universität erklärte einer Abordnung jüdischer Studenten, die Universitätsbehörden seien entschlossen, mit a 11 e n Mitteln für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen. Die Lage der Lehrer Palästinas Die Zionistische Exekutive Palästinas veröffentlicht eine Erklärung, in der gesagt wird, die Lage der hebräischen Lelhrer in Palästina sei unsagbar hart, niemand bedaiure dies mehr als die Zionistische Exekutive. Seitdem die Gehälter für Juni und Juli v. J. gezahlt wurden, ist erst im Jänner 1928 ein M o n a t s g e b a 11 wieder geleistet worden, und zwar aus dem Budget für das laufende Jahr. Demzufolge blieb man den Lehrern das Gehalt für fünf Monate schuldig. Durch kleinere Auszahlungen verringerte sich der Gehaltsrückstand auf vier Monate. Man stellt an die palästinensisch-zionistische Exekutive das Verlangen, eine A nleihe aufzunehmen, um den gesamten Verpflichtungen gegenüber den Lehrern nachzukommen. Das ist zur Zeit nicht möglich. Nur für den Fall, daß das gesamte Keren Hajessod- Budge t in Höbe von 389.000 Pfund voll aufgebracht wird und die übrigen, speziell für das Unterrichtsbudget bestimmten Summen einfließen, werden die Lehrergehälter für das Jahr 5688 voll ausgezahlt werden können. Im anderen Falle werden die 'Lehrergeb'älter nur im Verhältnis zu den einfließenden Summen gezahlt werden können. Beachten Sie in dieser Nummer u. a. folgende Aufsätze: Jüdisches im neuen Meyer. Von S. M e i s e 1 s. Palästina und der nahe Osten. Von A. B a r i s a c (Paris). Eine Minoritätenanleihe, Ein Vorschlag von Deputierten Leon Blum (Paris). Der jüdische Minnesänger. Von Alfred San dt. In Palästina zur Uganda-Zeit. Von Rudolf Nassau. Der hebräische Unterricht. Von J. Herzberg. Richter Lynch (Novelle). Von J. Opatoschu (New York). Schach, Rätsel, Humor, zahlreiche Illustrationen. fl IM“ Zahncreme u. Mundwasser ifUlIil ir speziell fllr Raucher: Auf wissenschaftlicher Basis hergestelit. beseitigt sofort alle Schäden von Nikotin und Tabakbeize, üblen Mundgeruch,* schlechte Zahnfarbe (gelb, braun), Zahnsteinlösend. Gänzlich unschädlich, auch für die zartesten Frauenzähne. Preise: Zahncreme: kleine Tube: S—'75; große Tube: S 1*25. Mundwasser: klein: S 1*45, groß S 225. Erhältlich in Apotheken, Drogerien und Parfümerien. „DlM"-Laboratorium, Wien, II. Ob. Donaustraße 17. Telephon 45-5-95. R. BASCH, IV. ARGENTINIERSTRASSE Nr. 23 KOHLE KOKS Tel, 51*2-87 ANTHRAZIT Tel. 96*403 Zustellungen erfolgen innerhalb 24 Stunden Rabattaaktlon das KEREN KAJEHETH