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Die Stimme · 1928-02-21 · Heft 8 (21.2.1928) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 8 (21.2.1928)
Date
1928-02-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nt 8 DIE STIMME Srito 5 ANKHAUS M. ROHATYN WECHSELSTUBE: WIEN II., PRATERSTR. 50 Gegründet 1900 Telephon 45-3-60 ü. 48-0-42 empfiehlt sich zur kulanten Durchführung aller Banku. Börsentransaktionen im Inu. Auslande Der Vorsitzende des Komitees France- P a 1 e s t i n e, Senator Godard, Mitglied der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, der auch die Kontrolle des Palästina-Mandats obliegt, hatte folgende Zuschrift übermittelt: < France-Palestine Comite frarnjais des amis du Sionisme. Paris, 13. Februar 1928. Sehr geehrter Herr Präsident! Nichts verursacht mir ein größeres Vergnügen, als zu vernehmen, daß sich ein österreichisches Pro-Palästina-Komitee bildet, das dem unseren analog ist. Schon im Vorjahre, als dieselbe Bewegung sich in Deutschland kundtat, haben wir mit Freuden festgestellt, mit welcher Regelmäßigkeit sie an Ausdehnung gewann, wobei sie jedes unangenehme Aufsehen vermied, dies vielmehr kraft einer Art unauffälliger, ruhiger und gesunder Begeisterung bewirkte. Das beweist, bis zu welchem Maße dieses an sich so kleine Problem, das in solcher Unscheinbarkeit auftritt. trotzdem teil hat an den Bemühungen zur Wiederaufrichtung Europas und zu seiner moralischen Gesundung, seinem internationalen Gleichgewicht zur Veredlung des neuen Weltgewissens beiträgt. Die Schaffung derartiger Vereinigungen, wodurch dem Namen der ältesten und größten Nationen derjenige der kleinsten und jüngsten hinzugefügt wird, welche aus den internationalen Vereinbarungen und Friedensschlüssen nach dem Weltkriege hervorgegangen sind, zeichnet sich überall durch gleiche Aktualität, Einfachheit und Kontinuität aus. Es ist dies der Ausdruck einer idealen Freigebigkeit, eines idealen Zusammengehörigkeitsgefühls. In weiterer Folge ergeben sich jedoch daraus verschiedene positive Folgerungen, welche man gut tut, hervorzuheben, Folgerungen von Seiten Palästinas, Folgerungen auch von Seiten des Innenlebens eines jeden Landes. An Palästina knüpfen sich vielfache Beziehungen, werden wirtschaftliche Interessen gebunden und sowohl intellektuelle, als auch praktische Zusammenarbeit bereitet sich vor, die, wenn sie immer fester niit den Hauptstädten Europas in Verbindung tritt, schließlich wohl aus diesem kleinen Zugangstor Asiens das Ziel des bewegtesten Zustroms der allgemeinen friedlichen Zivilisation schaffen könnte, eine Verbindung mit freien Juden, mit jüdischen Bauern und Gelehrten, Verbindungen mitdort Ansässigen als Vertretern und Bürgern, als Vermittlern und Kaufleuten. Innerhalb jeder Nation ist die Rückwirkung nicht weniger bemerkenswert und birgt in sich Versprechungen von ungeheurem Ausmaß. Selbst wenn wir die übertriebene Anteilnahme vernachlässigen und sie sogar bedauern, für die der herrschende Zeitgeist die Ursache ist, unterliegt es keinem Zweifel, daß die auf das Verhandlungsprogramm gesetzte jüdische Freiheit und Verfriedlichung in den ständigen Ratssitzungen der an der Arbeit des Völkerbundes beteiligten Regierungen, daß die Propaganda, der Ton der eingebrachten Vorschläge, die Würdigung und Achtung, welche sich immer mehr daran knüpfen, daß all dies besonders geeignet ist, die auf das Judentum bezüglichen Gefühle und Worte im öffentlichen Denken zu ändern. Nach und nach wird das althergebrachte Mißtrauen vom Plan verschwinden und der Antisemitismus nur mehr den Beziehungen für verschwundene Krankheiten angehören, t jenen schrecklichen sozialen oder körperlichen Krankheiten, über die es der Wissenschaft und Gerechtigkeit zu triumphieren gelungen ist. Ich begrüße, sehr verehrter Herr Präsident, glauben Sie es, mit besonderer Rührung, das Erscheinen des großen Heilmittels, das die zionistische Freundschaft ist, in Ihrem Lande als in einem jener Staaten Zentraleuropas, welcher dem Krankheitsherd des Antisemitismus benachbarter isc, als Frankreich. Durch Sie, durch Ihre Tätigkeit wird sich dort, wo es nötig ist, der Ring der Gerechtigkeit ineinander fügen. Ich wäre gerne gekommen, um Ihnen diese Dinge in meiner Eigenschaft als Präsident einer der ersten Vereinigungen der Freunde des Zionismus in Wien selbst zu sagen, hätte gerne, worum Sie mich mit eindringlichen und ehrenden Worten bitten, der Schaffung der Ihrigen beigewohnt. Meine parlamentarischen Verpflichtungen hindern mich daran. Ich hoffe, daß unsere immer zahlreicheren Vereinigungen sich in nicht allzu ferner Zeit untereinander organisieren werden, daß sie sich periodische Zusammenkünfte sichern, sodaß es ebenso wie es zionistische Kongresse gibt, in den großen Städten Europas auch Kongresse det Freunde des Zionismus geben wird. Bis dahin lassen Sie uns auf unsere Arbeiten und Pläne vertrauen, in enger Korrespondenz verbleiben und mögen wir in dem wunderbaren Werke, das uns einigt, einen Ansporn mehr sehen, den europäischen Geist des Bündnisses und Friedens zu entwickeln. Genehmigen Sie, sehr verehrter Herr Präsident, die Versicherung meiner Freundschaft und Hochachtung G o d a r ’d, m. p. Vom Präsidenten des jüngst konstituierten italienischen Pro-Palästina-Komitees, Prinz Pietro Lanza di Scalea, war folgendes Telegramm eingelangt: ,,Das italienische Prc-Palästina-Komitee sendet seine besten Glückwünsche dem österreichischen Pro-Palästina-Komitee für ein günstiges Gelingen der gemeinsamen Ziele.“ Nach Verlesung der begrüßenden Zuschriften ergriff der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, das Wort zu einer Ansprache, in der er folgendes ausführte: „Es ist einer der glücklichsten Tage meines Lebens, hier bei der Erstehung des österreichischen Pro-Palästina-Komitees persönlich zugegen zu sein', in Wien, der Stadt, in der unser Theodor Herzl lebte. Thebdor Herzl hat nicht den Zionismus geschaffen — der Zionismus war schon lange da —, er hat die zionistische Idee geschaffen, hat den zionistischen Gedanken zu einem Weltgedanken gemacht. Was Theodor Herzl geschaffen hat, war eine T r i bä n e, von der aus der zionistische Gedanke ausgesprochen, verkündet wurde, nicht nur für die Juden, vielleicht auch mehr für die Welt. iDer Zionismus hat nichts anderes gewollt, als daß er ein Gemeingut der Völker werde. Wenn man in die Familie der Völker aufgenommen werden soll, so muß -man in diese Familie eintreten und man muß den älteren Mitgliedern dieser VölkerfamiHe erklären, was mami wünscht und was der- Zionismus bedeutet. Wir haben gesehen,, daß man uns Wohlwollen und Interesse entgegenbringt; nun handelt es sich darum, dieses Interesse zu 'kristallisieren, und das ist die Aufgabe der Pro-Palästina-Komitees. Daß ein solches Komitee gerade in Wien entstanden ist, erfüllt mich mit besonderer Freude. Das große Kulturzentrum Wien, in dem das unsterbliche Sinnen einer Nation und Kultur lebt, kann. helfen, belehren, kann die anderen befruchten, es kann vorleuchten als Stern für die anderen, und Palästina braucht solche iHilife, Wir benötigen Belehrung, Vorbild eines großen Kulturzentrums der Welt für unsere Anfänge, die wir machen. Wir sind berufen,' die Brücke zu bilden zwischen der europäischen Kultur und dem neuen. Orient. Was wir tun, ist also vielleicht der wesentlichste Inhalt des Völkerbundes, der die friedliche Brücke der Völker legen unH alle Mißverständnisse zerstreuen soll, die dem Zusammenarbeiten der Völker noch hinderlich sind. Von den Werken des Völkerbundes sind zwei politische Dinge hervdrzuheiben, die nicht nur ein lldeal des Friedens, sondern auch eine Tat des Friedens darstellen. Das sind die Kolonisation in Griechenland und in Palästina.- Wenn es Werke gibt, die den Frieden garantieren, dann sind es die des Ackerbaus. Er ist interessiert an der Standhaftigkeit und Dauerhaftigkeit der normalen Zustände, deshalb ist das sicherste, das zuverlässigste in der Friedensschaffung das Ackerbauelement. Was wir nun in Palästina schaffen, das ist ein Ackerbauwerk. Das bedeutet nicht nur, die Juden geographisch von einem Lande in das andere zu bringen, sondern es ist eine Umschichtung der großen Massen, und es ist uns gelungen, den jüdischen Krämer, der ein elendes Dasein geführt hat, in ein Ackerbauelement umzuwiandeln. Esist uns gelungen, 100.000 Menschen im Laufe der letzten Jahre nach Palästina zu bringen. Diese 100.000 Mensahen sind eine Auslese der jüdischen Jugend, der jüdischen Intelligenz. Darin besteht die große Bedeutung Palästinas für die Welt. Daß wir uns den Frieden verschaffen, den Frieden im Orient, d)as wird ein Vorbild auch für die anderen Völker des Orients sein. Der Zionismus ist nicht nur für die Juden da, sondern auch für die anderen. Ich war Zionist auch für die Araber und auch für die Armenier, lim Laufe unserer politischen Arbeit sind wir auch dafür eingetreten, daß auch den Arabern geholfen wird. Man fragte bei der Friedenskonferenz und im Völkerbund: Was soll aus dem nahen Orient werden? Der nahe Orient war türkische Herrschaft. Die Frage, wer im nahen Orient regieren sollte, 'betraf nicht nur das jüdische Volk, sondern das ganze Problem des Friedens in Europa. Wir haben Länder, denen wir stets die Kriege verdanken, Der Orient ist einer jener Länder, der ein gefährliches Gebiet darstellt, von wo sehr häufig solche Kriege ausgegamgen sind. Deshalb war es im Interesse des Friedens, Ordnung im Orient zu erhalten. Als die Bewohner des nahen Ostens kommen drei Völker in Betracht, die dort einmal heimisch waren: das arabische Volk, ein Volk, daß viele Jahrhunderte ein selbständiges Dasein führte und das' Recht hat, zu existieren, dann das Märtyrervolk, das soviel gelitten hat, das ist das litt mn fid)ern Sie fid) bitrd) ilorbcuninig ber Ilrterieniierfnlhtitg. -Bortrcfflid) ön,Mt ift „•Nnbiofflerin", roeldjes bie LMutairfuIntion in ben '-'ßitlaaöern förbett, bns TMut nerbiitmt, bie vllbent elnftifd) mnd)t, tt'nlfnblngerunßeit oorbeuflt, geiftipe nnb törperlid)c '3lrbeit3fäf)i(itctt nuffrifdjt tmb erhält. Tie frei oer?äitflid)eu rnbiumholtigen Ilobioffleviutoblettcn finb nud) als üinbenniflsmittel bewährt. Jlabiumgebolt nmtlid) geprüft. '■Jlpothctc '•Paper, 'BMcn,!., ®oll*eile Iß. unglückliche armenische Volk, das, seitdem es seine Selbständigkeit als Volk eingebiißt hat, nicht aufgehört hat, zu leiden, und dann kommt das jüdische Volk. Um nun Dauerhaftes zu schaffen, muß der nahe Orient aus dem Zustande der Vernachlässigung herauskommen, in dem er so lange geblieben ist. Und da ist das Erfreuliche, daß eir Wetteifer zwischen den drei Völkern eingesetzt hat. Wir Juden haben aus Europa vieles mitgehraoht, neue Methoden eingeführt. Unsere guten Nachbarn, die Fellachen, der wirkliche . Stand der arabischen Bauern, lernen von uns, von den jüdi-, sehen Kolonisten sehr viel und versuchen, diese Methoden auf Ihren Beden cn zu wen den. Dadurch helfen wir nicht Hur Palästina, sondern dem ganzen Lande. Was erwarten wir nun von den Komitees Pro Palästina und insbesondere von diesem Komitee, das hier zusammengetreten ist? Es ist Ihr gutes Verständnis, das wir erwarten, und eine Anerkennung, die wir hochschätzen. Wir wollen auch von Wien etwas lernen, Wien ist eine Stadt der Wissenschaft und Kunst, und auf diesen großen Gebieten der Kultur können wir viel von .Wien lernen. Ich will nicht das materielle Interesse hervoriheben, Palästina ist ein werdendes Land und wir haben auch noch Schwierigkeiten, z, B. mit der Industrie. Wir haben zu kaufen, wir sind Käufer und wir werden miach Wien kommen. Das französische Komitee France-Palestine hat eine Sache gemacht, die sehr merkwürdig ist und sehr interessant für uns und für die ganze Welt, Es ist bekannt geworden, daß die hebräische Sprache eine lebende Sprache geworden ist; dafür gebührt ihr auch ein Platz unter den lebendigen Sprachen. Es wurde nun an der Sorbonne ein Katheder für die hebräische Sprache errichtet, der in der nächsten Zeit zur Besetzung gelangt. Es wird dadurch das Verständnis für die jüdische Vergangenheit und für die Bibel geweckt und die hebräische Sprache und die hebräische Literatur weiter entwickelt. Sowohl im deutschen als auch im französischen Pro-Palästina-Komitee ist darangedächt worden, daß die Zeit einmal kommen wird, da die verschiedenen Pro-Palästina-Komitees sich von Zeit zu Zeit versammeln werden. Ich denke ohne Uebertreibung, es liegt etwas Messianisches in diesem Gedanken, das Schöne, das Ideal der Verbrüderung, und ähnlich, wie ein Kongreß der Zionisten, auch ein Kongreß der Pro-Palästina-Komitees abgehalten wird. Dies wäre eine Sache von ungeheurer Bedeutung für uns und für die ganze Welt, So möchte ich denn damit schließen, daß ich Ihnen den Segen überbringe von der Stadt des Segens (diese Stadt des Segens war Jerusalem), den Segen [für das Gedeihen des beginnenden wunderbaren Werkes. Ich möchte nur noch der Hoffnung Ausdruck geben, daß es mir vergönnt sei, die Fortschritte Ihrer Arbeit wahrzunehmen. Im Namen der österreichischen Bundesregierung war Ministerialrat Dr. Fohr vom Bundesministerium für Unterricht erschienen, um das neubegründete Pro-Palästina-Komitee zu begrüßen. Er sagte: „Mir wurde die ehrenvolle Aufgabe zuteil, den Herrn Bundesminister Dr. Richard Schmitz bei der heutigen Versammlung zu vertreten. Gestatten Sie mir, daß ich in meiner offiziellen Eigenschaft die Versammlung ergebenst begrüße. Das Ministerium nimmt naturgemäß großes Interesse für alle Ihre Intentionen, es drückt Ihnen seine vollste Sympathie aus und wünscht Ihnen für alle Ihre Bemühungen besten Erfolg.“ Hierauf nahm Vizekanzler a. D. Dr. Breisky das Wort zu folgenden Darlegungen: „Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich kann mich in diesem Kreise eigentlich kaum berufen fühlen, Sprecher zu seih. Ich möchte aber diese freundliche Einladung nicht ablehnen. Herr Präsident Sokolow hat uns ein außerordentlich interessantes Bild der Pajästinaansiedlungsbewegung entrollt und den Gedanken, daß ein neuer Nationalismus vielleicht entstehen könnte, daß die Volksverbrüderung gefährdet oder die Volksverbindungsbestrebungen hemmen könnte, ist in jedem, der vielleicht daran gedacht hat, zerstreut. Daß in der Stadt, wo Herzl gewirkt, ein Pro-Palästina-Komitee entsteht, ist eigentlich ganz naturgemäß. Die Sympathien, die Ihre Bestrebungen finden, gründen sich auf das vollste Verständnis und die sympathische Anteilnahme auch weiter Kreise, die außerhalb des jüdischen Volkes stehen. Wenn wir warme Sympathien finden, so ist dies auch für das Gefühl der alten Tradition, der geschichtlichen Entwicklung, auf die wir den Zionismus zurückführen, eine Heimstätte in dem alten Palästina suchen lassen. „ Die Menschen, die ein Gefühl lür Tradition'haben, sind nicht die schlechtesten. Man könnte sagen, es ist das eigentlich eine Sache des jüdischen Volkes und die anderen Völker haben vielleicht nicht, ganz die Berufung, sich aktiv daran zu beteiligen. Vielleicht

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