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Die Stimme · 1928-01-26 · Heft 4 (26.1.1928) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 4 (26.1.1928)
Date
1928-01-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ARQENTINIBRSTRASSE Nr. 22 KOHLE * KOKS Tel. 51-2*87 ANTHRAZIT Tel. 56-403 Zustellungen erfolgen innerhalb 24 Stunden R.batts.ktlon des KEREN KAJEMETH RAolOSPEZIALHAUS JOHN LIFSCHITZ Zentrales VI., Hollardgasse 9, Telephon 51-72 Filiale: V., Wledner Hduptstr. 113, Tel. 56-807 Mein e Spezialitäten: TRIUMPH -ANODENBATTERIEKASTEN bester Ersatz für Anodenbatterie RADLIF regulierbare Lichtantenne bester Ersatz für Hoch- und Zimmerantenne Überall erhältlich Überall erhältlich Gerechtigkeit, Idealismus, Menschlichkeit Ein Brief von Anton Wildgans. Die Aufforderung, dem österreichischen Pro-Palästina-Komit e e beizutreten, beantwortete der bekannte österreichische Dichter und frühere Direktor des Burgtheaters, Hofrat Anton Wildgans, zunächst mit dem nachstehenden Schreiben, dessen Veröffentlichung er unserem Blatte in liebenswürdiger Weise gestattet hat. Wir tun dies umso lieber, als diese Auffassung eines Außenstehenden über die hohen sittlichen Pflichten des Judentums für seine Erhaltung das jüdische Problem der Schaffung einer neuen Heimat geradezu in ethischer Vollendung wiedergibt. Die politischen Zweifel, welche in diesem wertvollen Schreiben zum Ausdruck kommen, hat eine mündliche Auseinandersetzung zerstreut und Hofrat Wildgans ist dem Pro - Palästina - Komitee beigetreten. Wir werden auch weiterhin regelmäßig Aeußerungen hervorragender nichtjüdischer Persönlichkeiten über dieses Problem wiedergeben. Die Red. Mödling, 17. Jänner 1928. Sehr geehrte Herren! Ihre Einladung, dem Oesterreichischen Pro- Palästina-Komitee beizutreten, erreicht mich etwas verspätet, da ich nur vorübergehend und vor Jahren in der Burg gewohpt habe, während mein ständiger Wohnsitz Mödling, Andergasse 3, ist. Ich erwähne dies hauptsächlich deswegen, weil es vielleicht nicht in Ihrer Absicht liegt. Persönlichkeiten, die außerhalb Wiens leben, durch ihr persönliches Erscheinen für Ihre Sache zu gewinnen. Sollte dies trotzdem der Fall sein, so stünde ich Ihnen am nächsten Sonntag um 11 Uhr vormittags gerne in meinem Heime zur Verfügung. Was meinen Beitritt anbelangt, so möchte ich, ohne mir selbst vorzugreifen, allgemein sagen, daß Sie mich immer auf der Seite dessen finden werden, was ich als eine Angelegenheit der Gerechtigkeit, des Idealismus und der Menschlichkeit erkannt habe. Indessen, wenn es sogar unter den Juden selbst Gegner einer Bewegung gibt, die eigentlich jedem von ihnen höchste Erfüllung bedeuten müßte, werden Sie es einem Nicht- Juden wohl zugutehalten,. wenn er bei weit geringerer Kenntnis der Sachlage um so vorsichtiger in seiner Entscheidung sein möchte. Handelt es sich doch nicht darum, durch eine Kundgebung reger Sympathie für sich selbst Sympathien einzutauschen, sondern darum, für die Verwirklichung jenes Schicksals eines Volkes einzutreten, das als segensreichst es von seinen Besten nach reiflichster Prüfung erkannt worden ist... Erhaben über alle Zweifel bleibt mir die Sehnsucht eines Volkes, wieder Heimaterde unter den Füßen zu haben und durch dieses Antaios-Gefühl zur Erneuerung seines Volkstums und seiner spezifischen Kultur zu gelangen. Dies ist eine Idee vom höchsten geistigen und sittlichen Range. Allein Palästina ist klein an Raum, die Möglichkeit der Zuwanderung beschränkt. Die Balfour-Deklaration hat 'durch die Macht Englands, die hinter ihr steht, unblutige Landnahme ermöglicht. Aber Kanone und Maschinengewehr sind deshalb nicht aus der Welt geschafft. Besteht denn so g a r nicht die Gefahr, daß diese Staatsgründung etwa den Anfang eines neuen blutigen Kapitels in der Geschichte des jüdischen Volkes eines Tages bedeuten könnte? Diese Frage stelle ich als ein Außenstehender, als einer, der sich naturgemäß viel, viel weniger mit dem Problem des Zionismus beschäftigt hat, als jene, die er in erster Linie angeht. Aber die Gleichgültigkeit und die Widerstände gegen ihn innerhalb der Judenschaft selbst, machen unwillkürlich nachdenklich. Freilich, diesem Volke mußte schon einmal in der Geschichte, und zwar durch die vielleicht größte Persönlichkeit der Menschheit überhaupt, durch Moses, eine Heimat und der Staat förmlich aufgezwungen werden — so wenigstens deute ich mir den Auszug aus Aegypten und den Zug durch die Wüste ins gelobte Land! — aber es hat jene Heimat und jenen Staat — auch wieder verloren. Dies die Zweifel, die mich ohne fremde Beeinflussung, aus mir selbst heraus, bewegen. Ich empfinde sie vertausendfacht (zumal es sich um eine Angelegenheit der Weltgeschichte handelt) als ein Freund des jüdischen Volkes. Ergebenst A. Wildgans. Leichtes Erdbeben in Jerusalem Kein Schaden. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, war am 18. Jänner um 8 Uhr morgens in der Stadt und ihrer Umgebung ein leichter Erdstoß von kurzer Dauer zu verspüren. Die Bevölkerung wurde in Erinnerung an das Erdbeben vom Vorjahr in Schrecken versetzt, der sich jedoch bald legte, da das Beben keinen nennenswerten Schaden verursachte und sich nicht wiederholte. Kein Boden für die Judenkolonisation in Sowjetrußland Ungünstige Lage in den bestehenden Kolonien. Aus Moskau wird uns berichtet: Bei der soeben abgehaltenen Konferenz der Gesellschaft „Geserd“, jener jüdischen Organisation in Rußland, welche als die Vertreterin der Juden für die Durchführung der Judenkolonisation auf dem Gebiete der Sowjetunion eingesetzt wurde, erregte eine Rede des beamteten Propagators dieser Kolonisation, Abraham B r a g i n, größtes Aufsehen. Bragin, der bisher die Erfolge der von der Sowjetregierung mit Hilfe des Joint betriebenen Judenkolonisation in den höchsten Tönen gepriesen und die^ Ansiedlung von mindestens 100.000 jüdischen Familien innerhalb von zehn Jahren als unbedingt gesichert hingestellt hatte, führte in seinem Referate auf der „Geserd“-Konferenz aus, die Judenkolonisation in Rußland werde in ihrer weiteren Entwicklung gehemmt, weil die Sowjetregierung für sie keine größeren Bodenflächen im europäischen Rußland mehr beistellen wolle, sondern die Juden auf freien Boden in Sibirien verweise. Dieser sei für die Ansiedlung zumeist nicht geeignet, auch würden die Juden nicht nach Sibirien gehen. Bragin erklärte weiter, der Plan, jährlich zehntausend jüdische Familien landwirtschaftlich anzusiedeln, sei als gescheitert anzusehen; er begründete dies u. a. damit, daß die Sowjetregierung ungenügende Mittel für die jüdische Kolonisation ausgeworfen habe. Dadurch sei auch die Lage der bisher begründeten Kolonien ungünstig und es bestehe die Gefahr einer Abwanderung aus denselben. Die Vertreter bezw. Anhänger der Sowjetregierung, die in der „Geserd“ sitzen (die Gesellschaft ist auf Initiative der Sowjetregierung entstanden), versuchten die sensationellen Darlegungen Bragins zu entkräften, mußten aber zugeben, daß die Sowjetregierung keine weiteren Landflächen für die Judenkolonisation im europäischen Rußland erhalten könne, weil die Ukraine, wo diese Kolonisation in der Hauptsache erfolgt, autonom sei und zur Beistellung von Boden für diesen Zweck nicht gezwungen werden könne. Von den Vertretern der Regierung wurde weiters zugegeben, daß im Jahre 1928 nur d«e Ansiedlung von 240ß Familien (also kaum ein Viertel der Vorgesetzten Zahl von 10.000) möglich sein dürfte. Auch die ungünstige Lage eines großen Teiles der bestehenden Siedlungen konnte nicht bestritten werden; sie wurde mit der schlechten Ernte im letzten Jahre motiviert. Noch bevor diese Meldung bei uns eintraf, hatten wir von gutunterricbteter Seite den nachstehenden Aufsatz über die jüdische Kolonisation in Ruß- Erdhütten, in denen - jüdische Kolonisten in Ruflland woflmen. »3

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